An-Gedacht

Die Westfalenpost hat seit Ostern 2009 die Serie „An-Gedacht“ in ihrem Wittgensteiner Lokalteil, bei der jeden Samstag Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein zu Wort kommen. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion drucken wir die Gedanken dann ab Sonntag auch hier ab. Verantwortlich für den Inhalt sind immer die Verfasser.

Bei den Texten handelt es sich übrigens nicht um Predigten, sondern ganz einfach um kurze verschriftlichte Gedanken mit einem theologischen Impuls. Sie können nicht - und sie wollen auch nicht - die Gemeinschaft, die Musik und die Predigt eines richtigen Gottesdienstes ersetzen. Aber sie dürfen gern von allen Leserinnen und Lesern als Einladung verstanden werden, am nächsten Sonntag einen Gottesdienst in einer der Gemeinden des Kirchenkreises zu besuchen.

Pfr. Oliver Lehnsdorf

30. Dezember 2012

Gemeinsam das Leben feiern

von Pfr. Oliver Lehnsdorf, Oberndorf

Die Zeit zwischen den Jahren ist meines Empfindens nach eine besondere Zeit. Das alte Jahr ist noch nicht ganz zu Ende gegangen, das neue Jahr ist noch nicht da. Das Weihnachtsfest liegt zwar schon hinter uns, doch so Manches erinnert uns noch daran: Die Geschenke, die vielleicht noch im Wohnzimmer liegen, der Weihnachtsbaum, die Weihnachtsdekoration, und vielleicht ist ja auch noch etwas von der Weihnachtsgans übrig.

Und für manche ist diese Zeit ja auch eine gute Gelegenheit, ein wenig kürzer treten zu können und beispielsweise in Ruhe einmal ein Buch lesen zu können. Oder man kann gemeinsam einen Spaziergang machen, der vorher wegen der vielen Vorbereitungen für das Weihnachtsfest nicht möglich war.

Doch für manche sieht es da ganz anders aus: Die Vorbereitungen für den Jahreswechsel laufen auf Hochtouren und es müssen dafür noch die letzten Besorgungen gemacht werden. Oder in der Firma muss noch der Jahresabschluss fertig gemacht werden. Und dann schleicht sich wieder Hektik und Stress ein und man eilt von einem Termin zum anderen. Und dann fragt man sich, ob das Weihnachtsfest nicht doch nur eine Ausnahmeerscheinung und eine Gefühlsoase ist, die von dem an sich leistungsorientierten Alltag relativiert wird.

Doch gerade auch das Weihnachtsfest selbst erinnert uns daran, dass mit dem Kind in der Krippe zu Bethlehem Gott selbst in unsere Welt gekommen ist, um uns das Leben in Fülle zu schenken. Es ist ein Leben, das sich im Mitmenschen spiegelt und einen dadurch reich macht. Es ist ein Leben, dass wir uns nicht verdienen können und dass man auch nicht kaufen kann. Man kann es sich nur schenken lassen. So dürfen wir dieses Geschenk immer wieder neu aufnehmen, und es auch einander weiterverschenken. Wir können aufeinander zugehen, uns füreinander Zeit nehmen und gemeinsam segensvolle Dinge tun, sei es in der Familie, oder mit Freunden, oder mit anderen, mit denen man eigentlich nur wenig Kontakt hat. Denn darin können wir das Leben feiern, das unseren Mitmenschen und uns selbst immer wieder neu von Gott geschenkt wird.


Superintendent Stefan Berk

24. Dezember 2012

Weihnachten heißt: Gott wird Mensch

von Superintendent Stefan Berk

Schade. Die vierte Kerze hatte nur einen Tag Zeit zu brennen. Die Adventszeit ist vorbei, Weihnachten steht vor der Tür. Das ist ein bisschen so, als hätte der Heilige Abend dem vierten Advent die Show gestohlen: Ich bin schon da!

Geht Ihnen das auch so? Für mich kommt Weihnachten immer so plötzlich. Natürlich weiß ich, dass es immer am 24. Dezember beginnt. Und der Adventskranz mit seinen Kerzen, die schöne Beleuchtung auf den Märkten, in den Straßen, in vielen Fenstern lässt keinen Zweifel aufkommen, um was es geht. Aber dann ist doch wieder plötzlich Weihnachten, und ich bin nicht fertig. Höchstens mit den Nerven.

Jedes Jahr passiert uns das aufs Neue: Wir wollen es nicht, niemand hat Lust auf den Stress – und er erwischt uns doch. Die Suche nach dem richtigen Geschenk für die Menschen, die einem wichtig sind, ist nicht leicht, und da helfen auch die überquellenden Kaufhäuser und das Internet nicht. Diesen Drang spürt fast jeder, in diesen dunklen Tagen gemütlich zu leben – aber die meisten stöhnen über zu viele Termine, über zu viel Hektik und am Ende über die Müdigkeit.

Und jetzt ist schon wieder Heiligabend – und gleich nach der Tageszeitung geht es noch mal in die Vollen: Baum schmücken, dann saugen und putzen, dann die letzten Sachen einkaufen und in der Schlange stehen. Dann müssen alle noch duschen und brauchen die richtigen Anziehsachen – und irgendwer hat garantiert noch Stress mit dem Einpacken. Was ist nur los mit uns? Warum kriegen wir das nicht besser hin?

Vor ein paar Tagen saßen wir mit Kollegen zusammen und dachten darüber nach, was uns in der letzten Zeit Sorgen und Mühe gemacht hatte. Das tun wir regelmäßig, weil es wirklich nützlich ist, sich gegenseitig zu beraten. Und als wir alle so kurz erzählt hatten, was bei uns vor Ort los ist, da merkten wir: Alle sind irgendwie müde und ausgelaugt – und das in der Adventszeit! Alle sehnten sich danach, dass wirklich Ruhe einkehrt, kurz: dass endlich Weihnachten wird.

Einer von uns sagte fast in einem Nebensatz: „Advent ist die Zeit, wo Entschleunigung erlaubt ist.“ Langsamer leben - erlaubt! Müde sein – erlaubt! Sich über Hektik ärgern – erlaubt! Den Stress als großen Störenfried empfinden – erlaubt!

Auf der Rückfahrt ging mir der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf. Vieles von dem, was mir in der Adventszeit so auf den Geist geht, passiert ja sonst im Jahr auch. Der November ist nicht besser als der Dezember – aber in diesem Weihnachtsmonat stört es mich mehr. Vielleicht liegt das wirklich daran, dass der Advent so etwas wie einen besonderen Lebens-Geist mitbringt – Lichter in der Dunkelheit, Lieder der Hoffnung bis hin zu den besonderen Leb(ens)kuchen und Butterstollen, die das Leben versüßen. Irgendwie drängelt sich das Leben ganz nach vorne, ruft laut und deutlich: Vergesst mich nicht! Und plötzlich spüren wir mehr als sonst diese Sehnsucht nach Gemütlichkeit, nach Wärme, nach Gemeinschaft, nach Zeit und Muße. Langsamer leben ist erlaubt, um diesen besonderen Lebens-Geist wieder zu entdecken. Müde darf ich sein, damit ich mir Ruhe gönnen kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Den Stress als Störenfried empfinden und zu überlegen, wie ich ihm ein Schnippchen schlagen kann.

Und heute steht wieder mal ganz plötzlich der Heilige Abend vor der Tür. Aber das macht nichts. Weihnachten kann kommen. Ich weiß ja, worauf es ankommt: die eigene Menschlichkeit nicht zu vergessen – und meine Grenzen, meine Schwäche, meine Müdigkeit zu akzeptieren als etwas, das zu mir gehört. Und wenn Weihnachten am Ende doch heißt: Gott wird Mensch – was könnte es da Besseres für mich geben immer wieder als Mensch zu leben? Wenn ich für mich wieder entdecke, menschlich mit mir und anderen umzugehen – was könnte Weihnachten noch mehr bedeuten? Wenn ich in einem der vielen Gottesdienste heute Nachmittag wieder ahne, wie wichtig Gott selbst die Menschlichkeit ist – was könnte mir Besseres begegnen?

Mag sein, dass heute Abend ein Geschenk nicht passt – macht nichts, weil die Idee zählt. Mag sein, dass Sie heute Abend das Gefühl haben, ganz satt und müde zu sein – macht nichts. Gönnen Sie sich Ihre eigene Menschlichkeit. Denn Morgen ist auch noch Weihnachten - und das dauert länger als der vierte Advent. Garantiert!


Pfr. Henning A. Debus

23. Dezember 2012

Weihnachten: Geboren, um zu leben!

von Schulpfarrer Henning A. Debus

Da ist also die Welt vorgestern nicht untergegangen! Unsere Erde dreht sich weiter und rollt dem Weihnachtsfest entgegen. In diesen letzten Stunden vor der Bescherung sind unsere Städte und die Geschäfte voller Menschen, die noch die letzten Geschenke besorgen wollen. Bei vielen liegen die Nerven blank. Eine besinnliche Zeit ist die Advents- und Weihnachtszeit schon lange nicht mehr. Dabei hätten unsere Seelen und unsere Körper es so dringend nötig, gelegentlich zur Ruhe zu kommen! Ich glaube, wir können da von den Kindern lernen. Ja, auch sie sind ungeduldig, aufgeregt. Aber ihre Ungeduld ist eine heilsame Ungeduld, weil sie auf ein Ziel hin ausgerichtet ist. Sie zählen die Tage und die Stunden bis zur Bescherung. Sie können noch, was wir längst verlernt haben: Sie können noch erwarten!

Weihnachten ist das Fest der Kinder. Sie stehen im Mittelpunkt, weil vor über 2000 Jahren in einem damals unbedeutenden Winkel der Welt ein Kind zur Welt kam, von dem der Engel in der Weihnachtsgeschichte sagt: „Euch ist heute der Heiland geboren!“ Der Heiland! Der, der Euch und die ganze Welt heilmachen kann und will! Gott im Futtertrog! Gott, der sich als Kind der Schutzlosigkeit ausliefert und sich verwundbar macht!

Weihnachten stellt alle unsere Vorstellungen von „Oben“ und „Unten“ auf den Kopf: Kein Mensch lebt auf der Erde, dem Gott seit der ersten Weihnacht in Bethlehem fern wäre. Gott macht sich klein. Darin liegt, glaube ich, das Geheimnis begründet, warum gerade Kinder diesen unmittelbaren Zugang zu Weihnachten haben, und warum wir Erwachsene uns gerade in diesen Tagen wieder an die Weihnachtsfeste unserer Kindheit erinnern.

Das Kind in der Krippe ist groß geworden. Der erwachsene Jesus von Nazareth hat die Welt verändert, indem er sich kompromisslos an die Seite der Menschen stellte, die keine Hoffnung hatten und die in der Gesellschaft nichts galten. Dazu gehörten auch die Kinder. Ihnen verhieß er Gottes Reich. Seit Jesus auf der Erde lebte, gibt es Hoffnung für jedes Leben.

Weihnachten 2012 zeigt uns auch, wieviel an Nachfolge wir noch einzulösen haben: Da sind die Kinder von Newtown, die miterlebt haben, wie ihre Mitschüler sinnlos umgebracht wurden. Da sind die Kinder in Indien und Nepal, im Kongo und in Kolumbien, in Gaza und Japan, die Opfer von Kriegen und Gewalt, von Hunger und Umweltkatastrophen, von AIDS und Prostitution werden. Darf das sein, dass in unserem Land mehr Kinder durch Schläge sterben als durch Kinderkrankheiten?

In unseren weihnachtlichen Schulgottesdiensten in Bad Laasphe und Bad Berleburg haben wir als Schulgemeinden an all diese Kinder gedacht und für sie Hoffnungslichter angezündet. Weihnachten heißt: Wir sind „geboren, um zu leben“, um die Fülle des Lebens auszukosten! Jedes Kind, das leidet, ist ein Kind zuviel. Denn seit der Nacht von Bethlehem trägt Gott an jedem Leiden mit.

Wie wäre es, wenn wir in der Heiligen Nacht in unseren Weihnachtsstuben eine Kerze für ein irgendwo auf dieser Welt leidendes Kind auf die Fensterbank stellen: Ein Licht der Hoffnung!? Ein erster Schritt!

Ihnen allen wünsche ich einen hoffnungsvollen vierten Advent und ein gesegnetes Weihnachtsfest!


Gehörlosenseelsorgerin Pfrn. Barbara Plümer

16. Dezember 2012

24 Türchen...

von Gehörlosenseelsorgerin Pfrn. Barbara Plümer, Siegen

In unserer Küche hängen gleich mehrere Adventskalender.

Seit Jahren hat unsere Tochter einen traditionellen Adventskalender mit durchscheinenden Bildchen hinter den Türchen. Mittlerweile gibt es aber auch einen mit kleinen Mal- und Rätsel-Heftchen hinter den Türchen. Unsere Tochter soll doch, wie die anderen in der Klasse, auch einen Kalender haben „mit etwas drin“. Nur möchten wir die tägliche Schokolade vermeiden.

Dieses Jahr hängt da aber noch ein Kalender. Der ist nicht für das Kind. Der ist für uns Eltern. Vorne drauf ist ein selbst gemaltes Bild mit Tannenbaum, Geschenken, Sternenhimmel und zwei Menschen: Papa und Mama. Der Kalender hat auch 24 Türchen. Und hinter jeder Tür verbirgt sich ein kleines Bild oder ein Satz. Diese Kostbarkeit hat uns unsere Tochter mit viel Liebe gestaltet: An den Adventssonntagen einen Adventskranz mit brennenden Kerzen, am 6. Dezember einen Nikolaus-Stiefel, am Geburtstag meiner Tochter ein Fähnchen mit der Aufschrift: „Herzlichen Glückwunsch Ruth!“

Bemerkenswert war das Türchen einen Tag vor ihrem Geburtstag. Hinter der Tür stand der Satz: „Mama hol die Girlanden heraus!“

Da spricht die Vorfreude auf den Geburtstag, aber auch die Sorge um das Gelingen des Tages. Mama könnte die Dekoration vergessen! Diese Sorge ist nicht ganz unbegründet. Im Trubel der Vorweihnachtszeit ist das schon einmal vorgekommen.

Meine Tochter kennt meine Schwäche. Darum erinnert sie mich liebevoll an das, was ihr wichtig ist. Sie hat Geduld mit mir.

Diese Geduld ist es, an die ich mich erinnere, als ich die Tageslosung für den 3. Advent lese: „Das ist mein großer Wunsch: Der Herr lenke euer Herz auf das Wichtigste: Gott liebt euch und Jesus Christus ist geduldig mit euch.“ (1. Thessalonicher 3, 5)

Ich kann und darf Fehler machen. Ich darf am Kindergeburtstag auch mal die Girlande vergessen. Gottes Liebe bleibt mir erhalten, so wie meine Tochter aus Liebe über meinen Fauxpas hinweg gesehen hat. Ich darf sogar einen Fehler wiederholen. Jesus bleibt geduldig mit mir. Die liebevolle Gedankenstütze im Adventskalender meiner Tochter hat mir gezeigt: Letztlich ist das doch tatsächlich das Wichtigste: Gott weiß um unsere Schwächen und eben darum hat er Geduld mit uns. Seine Liebe akzeptiert uns so, wie wir sind, und sie glaubt daran, dass wir zu mehr fähig sind, als wir uns zutrauen.

Die Sehnsucht nach dieser Liebe verbinden wir mit Weihnachten. Darum verliert das Öffnen der Kalendertürchen auch für uns Erwachsene kaum etwas von seinem Reiz.


Pfrn. Berit Nolting

9. Dezember 2012

Ein Kind wird Euch geboren

von Pfrn. Berit Nolting, Berghausen

Ein Kind wird Euch geboren, es wird einmal ein König oder eine Königin sein. Diese Botschaft erfreute in der vergangenen Woche Millionen Menschen, besonders in England.

Es wurde bekannt, dass Herzogin Kate schwanger ist. Endlich haben alle die Bunten Blätter recht. Endlich kann man sich mit dem Paar über Nachwuchs freuen. Welche Freude fürs Königshaus!

Aber die Botschaft: Euch wird ein Kind geboren, hören hoffentlich viele Paare in einem Jahr. Eigentlich nichts Besonderes.

Euch wird ein Kind geboren, das ist eine ganz adventliche Botschaft. Sie passt genau in diese Zeit. Denn das ist es ja, worauf wir uns jetzt gerade alle so intensiv vorbereiten – auf Weihnachten – die Erinnerung an die Geburt Jesu Christi. Das Baby in der Krippe im Stall.

Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter und er heißt Wunder - Rat, Gott - Held, Ewig - Vater, Friedefürst, auf dass seine Herrschaft groß werde. So sagt der Prophet Jesaja im Alten Testament.

Dieses Kind ist vor mehr als 2000 Jahren zu uns gekommen. Dieses Kind ist erwachsen geworden und hat eine große Herrschaft sichtbar gemacht. Dieses Kind möchte auch uns heute erfreuen.

Freuen wir uns eigentlich über Jesus Christus, das Kind in der Krippe, das Christkind, genauso wie über ein Kind im englischen Köngishaus? Genug Aufwand betreiben wir ja.


Pfr. Steffen Post

2. Dezember 2012

Das wünsche ich mir...

von Pfr. Steffen Post, Bad Laasphe

„Wünsche, die nur wir erfüllen“ – so lese ich es vor einigen Tagen in der Heimatzeitung. Unter der Überschrift finde ich einen golden gefärbten „Weihnachts-Wunschzettel“ mit zehn Wünschen, „die man mit einem Griff in die Geldbörse nicht so ohne weiteres erfüllen kann“, wie der Begleittext verrät. Wer möchte da nicht gleich zum Stift greifen und fleißig seine Kreuze in die vorgesehenen weißen Felder machen, wenn es z.B. um eine Riesenspielgerätelandschaft im eigenen Garten, einen Rundflug über den Heimatort, um freien Eintritt in Fort Fun oder um einen „Prinzessinen-Nachmittag“ geht. Doch Vorsicht: „Bitte drei Wünsche ankreuzen“ – mehr geht nicht. Trotzdem finde ich es schön, dass sich hier Menschen bereit erklären, Kindern bis 16 Jahren einen ungewöhnlichen Wunsch zu erfüllen.

Der Wunschzettel, er hat jetzt Hochkonjunktur, wenn spätestens mit dem Beginn der Adventszeit die Wünsche für das Weihnachtsfest von Kindern aufs Papier gebracht werden. Aber auch Erwachsene haben Wünsche in diesen Tagen. Nicht immer werden sie gleich aufgeschrieben. Manchmal sind sie in einer kleinen Nebenbemerkung während eines Gesprächs versteckt. Wohl dem, der hier ein gutes Ohr hat, diese geheimen Wünsche heraushört und so seinem Gegenüber eine Freude machen kann.

Und während ich so über Wünsche und Wunschzettel schreibe, meldet sich meine innere Stimme: „Und, Herr Post,...“; ach nein, ich sage ja ‚Du’ zu mir: „Und, Steffen, was wünschst Du Dir?“ Ja, was wünsche ich mir? So spontan fällt mir da gerade nichts ein. Muss mal überlegen... mhh... während ich so überlege und mich ein wenig mit meinem Schreibtischstuhl drehe, fällt mein Blick auf die Kopie von einem Spruchband, das in meinem Arbeitszimmer an einem Wandvorsprung zwischen zwei Bücherregalen hängt. Eine ältere Dame aus der Stadt hat es mir bei einem Besuch vor einiger Zeit geschenkt. Mit Filzstift hat sie einzelne Buchstaben der Kopie nachgemalt, damit man die Worte besser lesen kann:

„Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit,
ein bisschen mehr Güte und weniger Neid,
ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass,
ein bisschen mehr Wahrheit, das wäre doch 'was.
Statt soviel Hast ein bisschen mehr Ruh',
statt immer nur Ich ein bisschen mehr Du,
statt Angst und Hemmungen ein bisschen Mut
und Kraft zum Handeln, das wäre gut.
Kein Trübsinn und Dunkel, mehr Freude und Licht,
kein quälend Verlangen, ein froher Verzicht
und viel mehr Blumen, solange es geht,
nicht erst auf Gräbern, da blüh’n sie zu spät“,

steht da auf dem Spruchband. Je öfter ich diese Worte lese, umso deutlicher merke ich es: Ja, das wünsche ich mir!


25. November 2012

An-Gedacht

von Pfr. Stefan Döhner, Erndtebrück

auf Wunsch des Verfassers wurde der Text entfernt


Pfr. Frank Schröder

18. November 2012

Bist du noch ganz sauber?!!

von Pfr. Frank Schröder, Bad Berleburg

„Das sagt man, wenn man die Tat eines Anderen völlig unverständlich findet“ – so hat mir jetzt ein Konfirmand diesen Satz erklärt. Zum Buß- und Bettag in dieser Woche fällt mir aber auf, dass man den Ausruf auch nochmal ganz anders verstehen kann. Ich denke an eine praktisch veranlagte Mutter, die ihren Jungen, der total verdreckt und zugeschmiert vom Spielen zurückkommt, gar nicht ganz ins Haus lässt. Sofort im Eingang werden die dreckigen Sachen ausgezogen und mit spitzen Fingern zur Waschmaschine getragen. Der Junge wird direkt ins Bad geschickt mit der dringenden Bitte: unterwegs bloß nichts anfassen!

In der Bibel gibt es eine Geschichte von Mose, der in der Wüste eine Gotteserscheinung sieht - den brennenden Dornbusch. Er geht einige Schritte auf diesen Busch zu, hört dann aber die Stimme GOTTES: „Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von den Füßen.“ Mose sollte sich bewusst machen, dass er vor dem heiligen Gott steht. Gott ist der Heilige, der Reine, der Unfehlbare! Und wer bin ich? Wie ist meine Beziehung zu Gott - ist die „im Reinen“?

Jeden Morgen gehen wir ins Bad, putzen die Zähne, steigen in die Dusche. Aber wie oft reinige ich mein Gewissen, meine Seele, meine Verbindung mit Gott? So, wie ich bin, komme ich erstmal „nicht durch“. Da klebt an mir der Schmutz des Alltags, die dreckigen Gedanken, die nicht ganz saubere Art, wie ich mit meinen Mitmenschen umgehe, wie ich versuche, etwas „zurechtzubiegen“, was mal wieder falschgelaufen ist. Ich bin nicht sauber, nicht rein, nicht heilig, obwohl Gott das von mir möchte.

Ich habe zwei Möglichkeiten:

Entweder ich nehme schnell das „Gute-Gewissen-Deo“, decke alles mit Wohlgeruch zu, verorte die Ursache für meine Schuld woanders. Dann ist nach außen jedenfalls die gute Fassade gewahrt. Eine kurze Zeit gelingt es mir deshalb sogar, mir auch selbst vorzumachen, dass alles gut und mein Leben (und meine Gottesbeziehung) so in Ordnung ist.

Oder ich lasse mich auf Gott ein und lasse mich neu von Jesus „reinigen“ und mache mir bewusst, was er für mich getan hat: Er ist für unseren Schmutz ans Kreuz gegangen, er hat sich ganz tief hinab gebeugt. Er ist sich nicht zu schade gewesen, die Sklavenarbeit für seine Freunde zu machen und ihnen die schmutzigen Füße zu waschen.

Wir müssen das allerdings auch zulassen, und uns von Jesus reinigen lassen. Das ist durch das Großreinemachen auf Golgatha ein für alle Mal geschehen. Dadurch können wir rein sein, dadurch können wir heilig sein, dadurch können wir zu Gott kommen. Wir können, im Bild gesprochen, hinein zu ihm. Wir können vor ihn treten wie Mose und die Verbindung zu ihm wird wieder intakt. Immer wieder dürfen wir unsern Alltagschmutz bei JESUS abgeben. Wir dürfen es ihm bekennen, wo es bei uns „stinkt“.

Das ist keine ganz leichte Sache. Wir brauchen das Eingeständnis unserer Fehler und unserer Sünde dafür, und da steht unser Stolz dagegen. Die Buß- und Bettags - Gottesdienste der kommenden Woche sollen dazu eine Gelegenheit und eine Hilfe sein. Damit der Neuanfang als GOTTES wunderbare Möglichkeit bei uns Wirklichkeit wird. Wir können sie beanspruchen, indem wir von seiner Vergebung uns zurecht bringen und trösten lassen. Und wir wollen ihn im Gottesdienst dafür loben!


Pfr. Henning A. Debus

11. November 2012

St. Martin und ein Apfelbäumchen

von Schulpfarrer Henning A. Debus

Meine Laterne war die schönste von allen. Eine Sonne aus Papier mit einem fröhlichen Gesicht, das den dunklen Novemberabend mit Hilfe einer kleinen Kerze ein wenig heller und wärmer machte. Zwei Nachbarskinder gingen mit mir, begleitet von meinem Vater, zu ein paar Häusern in der Nachbarschaft. Dort sangen wir: „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne…“ Unser Gesang wurde mit Bonbons belohnt.

Später dann, in der Volksschule, gab es am 11. November einen großen Umzug der Schule zum Martinstag. Mit meiner großen Sonne am Holzstab war ich ein Teil des Lichtermeeres, das sich durch die Straßen unseres Dorfes bewegte. Ich wusste jetzt, dass der 11. November der Beisetzungstag des Heiligen Martin ist, der im 4. Jahrhundert lebte. Ich hatte gelernt, dass der junge Martin Gardereiter in der kaiserlichen römischen Armee war, der sich im Alter von 18 Jahren taufen ließ. Er verließ das Heer, wurde Mönch und missionierte Gallien. Im Jahre 371 wurde er Bischof von Tours – gegen seinen Willen, wie überliefert wird: Weil er sich dem Bischofsamt nicht gewachsen fühlte, floh er und versteckte sich in einem Gänsestall. Das aufgeregte Schnattern der Tiere verriet ihn. Arme Martinsgans!

26 Jahre lang wirkte er dann als Bischof. Als er am 8.November 397 gestorben war, wurde sein Leichnam mit einer Lichterprozession nach Tours überführt. Daher stammt der Brauch der Martinsumzüge. Von allen Legenden, die sich um Martin ranken, gefällt mir seit meiner Kinderzeit die am besten, die erzählt, wie er, hoch zu Ross, an einem Winterabend einem frierenden Bettler begegnet. Er hält an, halbiert seinen warmen Umhang mit dem Schwert und gibt die eine Hälfte dem Frierenden. Mit dieser Tat wird er zu einem Vorbild für Mitmenschlichkeit und tätige Nächstenliebe, ganz so, wie Jesus es fordert: „Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder tut, das tut ihr mir!“

Wenn in diesen Tagen wieder die Kinder mit ihren Laternen durch unsere Ortschaften ziehen, wenn in einigen Orten sogar die Legende von der Mantelteilung nachgespielt wird, dann freue ich mich nicht nur, weil ich an meine eigene Laternenzeit erinnert werde, sondern vor allem, weil ich glaube, dass es uns allen gut tut, wenn wir uns solche Traditionen bewahren, die uns daran erinnern, was unser Leben eigentlich reich macht.

Aufrichtige Nächtenliebe erpresst niemanden („Süßes oder Saures!“), sondern geht mit offenen Augen durch den Alltag, sieht und teilt. Gelebte Nächstenliebe gibt es auch heute noch, Gott sei Dank! Doch ich beobachte gerade bei jüngeren Menschen zunehmend eine Tendenz zum Egoismus, die mit Zukunftsängsten zu tun hat: Klimakatastrophe, Weltuntergang im Dezember usw. Und dann gibt es eine Internetseite, die schürt diese Ängste, indem sie das „Ein-Jahres-Überlebenspaket“ mit Grundnahrungsmitteln für 3500 €uro anbietet.

Martin Luther, geboren am 10.11.1483, getauft am 11.11.1483, soll gesagt haben: „Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch mein Apfelbäumchen pflanzen.“ Unsere Welt wird wie von selbst heller, wenn wir so viele Apfelbäumchen „Nächstenliebe“ pflanzen, wie wir nur können. Übrigens: Auch 2013!


4. November 2012

An-Gedacht

von Pfr. Stefan Döhner, Erndtebrück

auf Wunsch des Verfassers wurde der Text entfernt


Pfr. Oliver Lehnsdorf

28. Oktober 2012

Lebe deinen Traum

von Pfr. Oliver Lehnsdorf, Oberndorf

Wer kennt sie nicht, Redewendungen wie „Träume sind Schäume“ oder „Träume nicht dein Leben“?

Doch wie sieht es mit unseren eigenen Träumen und Hoffnungen aus? Sind sie wirklich nur Phantasieprodukte von uns selbst?

In den Ferien war ich fünf Tage lang im Oberallgäu im Urlaub. Bei einer der Wanderungen stieß ich auf ein Schild: Kutschenmuseum in 2,5 Kilometern. Nun gut, dachte ich mir, ich bin zwar an sich kein Fan von irgendwelchen Kutschen, aber wenn man schon mal hier ist, sollte man sich das doch dann mal anschauen. Man will ja schließlich auch etwas Kulturelles mitnehmen.

Und so kam ich dann schließlich beim Kutschenmuseum an. Von außen betrachtet war es eine Aneinanderreihung von mehreren einfachen Holzhütten. Und auch der Eingangsbereich war eher schlicht gehalten. Als ich die Eingangstür aufmachte, merkte ich, dass auf einmal besinnliche Musik zu hören war, und als ich ein paar Schritte durch das Foyer des ersten Gebäudes gegangen war und die nächste Tür öffnete, bot sich für mich ein vollkommen überraschendes Bild: Ich betrat einen großen Raum, der nicht nur mit unterschiedlichen Kutschen versehen war, sondern auch mit Figuren, Dekorationen, Spiegeln und verschiedenen Lichtspielen. Alles in allem betrat ich mit einem Mal eine wunderschöne Traumwelt, bei der mir vor lauter Staunen fast der Atem wegblieb. Wie ein kleines Kind wagte ich mich von Raum zu Raum vor, und wurde jedes Mal aufs Neue tief berührt. Und am Ende der Ausstellung, für die ich noch nicht einmal Eintritt zahlen musste, gelangte ich dann in eine Grotte mit angezündeten Teelichtern, einem Kreuz und mehreren Ikonen.

Alles in allem konnte ich bei dem Besuch dieses Kutschenmuseums nicht nur abschalten, sondern mich auch von meinen eigenen Gedanken, Träumen und Hoffnungen leiten lassen. Und das tat mir sehr gut.

Ich denke, dass es wichtig ist, immer wieder neu zu träumen, denn die Träume sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Hoffnungen. Und Hoffnung braucht jeder Mensch zu jeder Zeit.

Es heißt zwar zu Recht: „Träume nicht dein Leben“, aber die Redewendung geht in Wahrheit ja noch weiter und bringt eine andere wichtige Dimension des Lebens zum Ausdruck, nämlich: „sondern lebe deinen Traum“.


Pfr. Dr. Andreas Kroh

21. Oktober 2012

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist“

von Pfr. Dr. Andreas Kroh, Klinikseelsorger in Bad Berleburg

Heutige Christen sollten sich auch an das Zeugnis früherer Christen erinnern lassen und fragen, was ihr Wirken für die Gegenwart bedeutet. Für mich gehört das Vermächtnis des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) aus der Zeit des Nationalsozialismus dazu. Bonhoeffer hat die Werte des Christentums in der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte verteidigt. Er hat die Unvereinbarkeit des Evangeliums mit der nationalsozialistischen Ideologie bezeugt. Aufgrund seines Widerstands gegen das NS-Regime erhielt er zunächst Rede- und Schreibverbot. Später wurde er mehr als zwei Jahre eingesperrt. Wiederholt hat er sich in seiner Gefangenschaft zu seinem christlichen Glauben bekannt.

Eines seiner Zeugnisse aus dieser Zeit ist ein Gedicht, das nach dem Krieg auch als Lied vertont worden ist. Eine Strophe aus diesem Lied ist besonders bekannt geworden:
„Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag,
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“
Mit diesen Worten hat Dietrich Bonhoeffer im Dezember 1944, kurz vor seinem gewaltsamen Tod im KZ Flossenbürg, seinen Glauben an Gott bezeugt. Das Evangelium von Jesus Christus ist damals wie heute der Weg zu Gott und zum Nächsten. Es gibt jedem Menschen Kraft für sein eigenes Leben.

Das Evangelium gilt auch in schweren Tagen im Leben eines Christen. Getragen von dieser Einsicht können Christen ihren Weg auch in schwierigen Zeiten zuversichtlich gehen. Auch in unserer Zeit sollten sich Christen in ihrem Denken und Handeln vom Evangelium leiten lassen. Denn das Evangelium führt zur Erkenntnis, dass der Mensch seine Würde und Freiheit von Gott hat. Das Evangelium fordert von Christen gleichzeitig den Widerspruch zu jeder Form von Hass und Gewalt. Auch der Wochenspruch für die kommende Woche ist ein Hinweis darauf: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Micha 6, 8)


14. Oktober 2012

An-Gedacht

von Pfr. Stefan Döhner, Erndtebrück

auf Wunsch des Verfassers wurde der Text entfernt


Pfrn. Elisabeth Grube

7. Oktober 2012

Wir sind Töne, Klänge, Rhythmen

von Pfrn. Elisabeth Grube, Heiminghausen

In der Schmallenberger Christuskirche - Teil des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein - ist zur Zeit ein besonderes Kunstwerk zu bewundern: Auf zwei großen, weiß beschichteten Holzfaserplatten, sind Notenlinien zu sehen. Und auf den Notenlinien 198 musikalische Zeichen: Noten, Pausenzeichen und Notenschlüssel.

Und jedes musikalische Zeichen ist wiederum ein ganz eigenes Kunstwerk. Kinder, Jugendliche, Erwachsene aus der Gemeinde und aus Schulen haben jeweils ihr ganz eigenes musikalisches Zeichen gestaltet, bemalt, ausgeschnitten, beklebt, ausgesägt… und die unterschiedlichsten Materialen wurden dazu verwendet.

Und jeder hat zum Gesamtkunstwerk beigetragen und mitgeholfen zu versinnbildlichen: „Gottesklang - Wir sind alle Töne in Gottes Melodie“ – das Motto dieses Jahres, das zum Thema hat: Reformation und Musik.

Ein Zeichen hat es mir besonders angetan. Der Notenschlüssel. Ein Zeichen, das den Schlüssel dazu gibt, wie hoch oder wie tief eine Note klingt, welchen Klang eine Note hat.

Der Notenschlüssel, der aussieht wie ein verschnörkeltes „G“. Er heißt „G“-Schlüssel, weil er die Stelle umkreist, an der die Note „g“ zu finden ist und die Linie zieht sich weiter nach oben hin zu himmlischen Klängen und dann weit nach unten hin zu ganz tiefen, irdischen Tönen. Der „G“-Schlüssel zeigt an, wo das „g“ ist und dann ergibt sich, wo alle anderen Noten zu finden sind: das a, das h, das c… das f, das e, das d… Am Anfang eines jeden Gottesdienstes wird der Name Gottes zum Klingen gebracht. Am Anfang steht der Name Gottes und er ist wie der „G“-Schlüssel für den ganzen Gottesdienst. Überhaupt für alles Leben. „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde…“

Im Gottesdienst werden alle eingestimmt auf den Namen Gottes, auf den der Himmel und Erde geschaffen. Auf den, dessen Name nach Gerechtigkeit, Güte, Gnade, Glückseligkeit klingt…

Sein Name hat einen freundlichen Klang, einen liebevollen Ton, sein Name strahlt Warmherzigkeit aus.

Sein Name ist ein Klang Gottes. Sein Name ist Gottesklang. In seinem Namen klingt, singt, tönt Gott selbst mit allem, was er für uns ist.

Ein Notenschlüssel auf dem Kunstwerk in der Christuskirche ist mir besonders aufgefallen: Ein Notenschlüssel ist mit Muscheln beklebt.

Muscheln, die hält man ans Ohr. Und wenn man ganz still ist, hört man das Rauschen des Meeres, die Melodie des Windes.

Höre ich in den Gottesnamen hinein, dann kann ich es hören:

Gottes Name, Gottes Klang, ist wie Wind und Weite und wie ein Gesang. Wie ein Klang, der in allem tönt und klingt und singt.

Vielleicht stimmt es ja sogar – wie manche sagen – das alles, aber auch alles aus Klang kommt. Der Anfang, der Uranfang ist Klang, Schwingen, Klingen, Singen.

Und wir? Wir sind die Töne, Klänge, Rhythmen, die einstimmen, einschwingen in den Klang, der von Uranfang ist und war und sein wird. Wir sind Töne in Gottes Melodie. Und diese Melodie wird immer neu.

In der Christuskirche ist sie in Notenform zu sehen: eine neue Melodie, entstanden aus 198 musikalischen Zeichen. Und: kein Zeichen ist wie das andere. Und für manchen und manche ist es zu hören: da wird ein neues Lied angestimmt, in dem jeder Ton seinen Platz hat und wichtig ist. Auch die Pausen.

P.S.: Übrigens: Es gibt die Broschüre zum Gottesklang-Kunstwerk in der Christuskirche auch im Haus der Kirche an der Berleburger Schloßstraße 25.


Pfrn. Claudia Latzel-Binder

30. September 2012

BLB-Kennzeichen und weiter Himmel

von Pfrn. Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg

Die Welt ist groß und wunderbar und ich reise gerne. Es gibt viele Orte, die ich einmal bereisen möchte, und viele Orte, von denen ich denke, dass man dort bestimmt gut wohnen kann. Mit diesem Gefühl hängt für mich ein weiteres zusammen: Ich lebe gerne in Wittgenstein. Jetzt im Herbst wird der Wald von Tag zu Tag schöner und ein Spaziergang nachts zum Hirschebrüllen ist ein tief eindrückliches Erlebnis. Ich mag die Menschen hier und schätze das Miteinander und Engagement vor Ort. Deswegen werde ich für mein Auto auch ein BLB-Kennzeichen wählen.

BLB-LB, das passt für mich. Solche Verortung in dieser Welt hat für mich aber gerade auch etwas mit der Unabhängigkeit von ihr zu tun, die in meinem Glauben begründet ist. Deshalb hat unser zweites Auto auch das Kennzeichen SI-MO 2456. Das S bedeutet „Siehe“ und das I ist als 1 zu lesen, und dann heißt es: Siehe 1.Mose 24, 56: „Haltet mich nicht auf, denn der Herr hat Gnade zu meiner Reise gegeben.“ Weil Gott unserem Leben ein Zuhause gibt, das alle Orte übersteigt, können wir in dieser Welt heimisch werden. Weil Gott uns Heimat in alle Ewigkeit schenkt, können und sollen wir das Leben in der Zeit gestalten. Es ist richtig, sich immer wieder einmal daran zu erinnern. Und es ist weise, sich bisweilen zu lösen, um wieder ganz anzukommen. Vielleicht mögen wir die Urlaubszeiten auch deshalb so sehr, weil wir dann gerne wieder nach Hause kommen.

Das jüdische Sukkot- oder Laubhüttenfest, das in der nächsten Woche beginnt und in diesem Jahr auf die Zeit vom 1. bis 7. Oktober fällt, nimmt solche Gedanken auf. In dem Jahr, in dem ich in Israel gelebt habe, habe ich es mitbekommen können. Jeder, dem es möglich ist, zieht tatsächlich in dieser Woche um in Laubhütten im Garten, auf der Dachterrasse oder dem Balkon. Die Hütten werden extra gebaut, dürfen nicht zu stabil sein und man muss durch die Zweige den Himmel sehen können. Ursprünglich war Sukkot ein Dankfest zur Ernte, in dem die Laubhütten daran erinnern, dass die Erntearbeiter in der Zeit Ernte in den Feldern schliefen.

Weil die größte aller Gaben Gottes Wort selbst ist, schließt die Festwoche mit dem ausgelassenen, fröhlichen Fest Simchat Thora, dem Fest der Thorafreude. Über diese Verbindung erhielt das Fest seine geschichtliche Ausdeutung und weist nun zugleich hin auf den 40-jährigen Zug der Israeliten durch die Wüste. Die provisorischen Hütten erinnern somit an die Wanderung, die keine feste Behausung zulässt. Es gehört eben in tiefer Weisheit zusammen: zu wissen, dass wir „keine bleibende Stadt haben“, wie es der Hebräerbrief ausdrückt, dass wir letztlich in Gott beheimatet und verortet sind, und ihm dann dafür zu danken, dass wir hier und jetzt so gut leben können, ein Zuhause haben, genug zum Essen und zum Genießen, Friede und Freunde und sein gutes Wort. Die Erntedank-Gottesdienste an diesem und an dem kommenden Sonntag in unseren Gemeinden laden dazu ein. Lösen Sie sich für ein oder zwei Stunden aus dem Alltag, verorten sich neu bei Gott, um wieder ganz anzukommen.


Schulreferentin Pfrn. Silke van Doorn

23. September 2012

Mit dem ersten Schritt geht es los

von Schulreferentin Pfrn. Silke van Doorn

Irgendetwas ist heute ganz anders als an einem gewöhnlichen Samstag. Hören Sie es auch? Nein? Ist es bei Ihnen nicht ganz still, so dass Sie die Sonnenstrahlen tanzen hören und die Regentropfen tropfen? Schauen Sie aus dem Fenster – und staunen Sie: Kein einziges Auto ist unterwegs. Die Straßen gehören Ihnen und Ihren Kindern – zum Laufen, zum Rad fahren, zum Spielen, zum Versammeln, zum Essen mit Nachbarn. Spielt da nicht einer mitten auf der Straße Saxophon?

Heute ärgern Sie sich nicht über die immer weiter steigenden und am Wochenende schwindelerregenden Preise fürs Benzin, denn Sie brauchen heute keines. Auch Ihr Auto bleibt kalt, denn es ist heute der europaweite autofreie Tag.

Wie das wohl wäre, wenn wir alle städteweit, länderweit, kontinentweit, weltweit einen Tag im Jahr unser Auto nicht benutzten. Einen Tag im Jahr, an dem wir uns und der Natur etwas Ruhe gönnen und aufatmen. Einen Tag, an dem wir uns nicht den Mächten der Ölindustrie ausgeliefert fühlten, sondern durch den kleinen Verzicht zeigen, dass es sich in den Geldkassen der Ölkonzerne bemerkbar macht. Kein: „Was kann ich denn nun tun angesichts der Übermacht der anderen?“ Keine Resignation angesichts der Verhältnisse. Sondern: Freier werden von den Abhängigkeiten. Entdecken Sie, wie verändert Ihr eigenes Verhalten sein wird ohne Auto – nur für einen Tag.

Die Befürchtungen, was wir machen, wenn uns das Öl ausgeht, werden nicht mehr so düster sein. Wir werden mehr Ideen entwickeln. Die Befürchtung, dass wir an unseren CO2-Emmissionen zugrunde gehen: Wir ahnten, dass schon ein kleiner Verzicht kleine Wirkung zeigt. Untersuchungen belegen, dass der Ausstoß durch den Verzicht auf das Auto an einem Tag in einer Großstadt spürbar bessere Luft bringt. Nicht nur wir, sondern die gequälte Natur atmet auf.

Gustav Heinemann, Bundespräsident von 1969 bis 1974, sagte: „Das Geheimnis der großen, umwälzenden Aktionen besteht darin, den kleinen Schritt herauszufinden, der weitere Schritte zu einer besseren Wirklichkeit nach sich zieht“.

Die große und reiche Stadt Ninive war schon dem Untergang geweiht. Die Ansage stand über sie gesagt: Noch vierzig Tage, dann wird Ninive untergehen. Bosheit, Überfluss, Verdreckung – all das war so groß geworden, dass die Stadt keinen Bestand mehr haben sollte. Angesichts des Untergangs passierte etwas Sonder- ja Wunderbares: Die Bewohner verfielen nicht in Hoffnungslosigkeit. Nein, angesichts der drohenden Katastrophe rafften sich alle Bewohner der Stadt auf – vom Mächtigsten bis zum Kind, vom Jungen zum Greis, vom Ärmsten bis zur Reichsten. Alle ließen ab von ihrem eigenen Tun, das den Untergang heraufbeschwor – und erreichten das Überleben der Stadt.

Ein Tag im Jahr kein Auto für alle in Berleburg und Laasphe, Erndtebrück und im ganzen Wittgensteiner Land. Wird es etwas verändern? Ausprobieren. Wir sind dabei – nächstes Jahr.


Pfr. Horst Spillmann

16. September 2012

Stau ist Mist

von Pfr. Horst Spillmann, Arfeld

Zugegeben: Ich hasse Staus. Neulich auf einer Autofahrt nach Berlin: Ich habe eine klare Zeitvorstellung, wann ich dort sein möchte, möglichst schnell will ich diese lange Strecke bewältigen. Fünf Stunden im Auto (mit Unterbrechungen) sollten normalerweise ausreichen, sie sind ja auch nicht unbedingt als Vergnügen zu bezeichnen.

Und dann: Erste Autobahnauffahrt: Gesperrt! Die Folge: Langwierige Umleitung. Schließlich auf der Autobahn: Große Verkehrskontrolle der Polizei: anderthalb Stunden Stau oder Stop-and-Go! Und danach immer wieder Baustellen! Alle Mitfahrenden sind nur noch genervt, wollen endlich ans Ziel gelangen.

Das Gefühl, nicht voran zu kommen, im Stau zu stehen, haben wir auch in anderen Bereichen unseres Lebens: In den letzten Wochen vor einer Entbindung oder beim Warten auf die Prüfungsergebnisse, auf den medizinischen Befund, auf die Baugenehmigung. Man sitzt da und ist mehr oder weniger zur Untätigkeit verurteilt. Man ist fixiert auf den An- oder Abruf, dass es endlich weitergeht. Der Blutdruck steigt, die Gereiztheit nimmt zu, es ist, als renne man ständig gegen eine Mauer, die nicht nachgibt. Dass dieser Zustand oder diese Reaktion nicht unbedingt gesundheitsförderlich ist, dürfte einleuchten.

Aber wie kann man anders mit einer solchen Situation der Ohn-macht umgehen? Ein simpler Trick, den ich im Stau manchmal anwende: Ich schaue gar nicht mehr auf die Uhr! Ich weiß ja, dass ich die Zeit nicht anhalten kann. Ich kann mit meinen Blick auf die Uhr aber auch nicht schneller ans Ziel kommen, und deshalb blende ich den Stressverstärker „Zeit“ aus. Wenn der Stau sich aufgelöst hat, ist es noch früh genug, sich zeitlich neu zu orientieren.

Ich wende mich also von dem ab, was mich gefangen nimmt. Dabei wird mir deutlich, dass hier ein großes Thema des christlichen Glaubens angeschlagen ist: Die Abwendung, die Umkehr von all dem, was uns gefangen nimmt und doch eigentlich nach dem Willen Gottes keine Macht über uns haben soll. Wenn Jesus zu Beginn seiner öffentlichen Wirksamkeit ausruft: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“ (Markus 1, 16), dann ist das ein Ruf in die Freiheit. „Kehrt um …“ meint: „Ändert euren Sinn, orientiert euch neu!“

An vielen Stellen buchstabiert dies die Bibel durch: Es soll uns nichts gefangen nehmen, wir sind auch keinen dunklen Mächten ausgeliefert, so sehr sie auch in unser Leben drängen. Nicht nur Süchte wie Alkoholismus, Machtstreben, Geltungssucht sind damit gemeint, auch die Sucht, mit dem Bestehenden und Vorgegebenen unzufrieden zu sein, ist hier zu nennen. So gibt es gerade in unserem Land die schier unausrottbare Neigung zum Meckern, zum Negativsehen. All diesen Sichtweisen ist eigen, dass sie uns im Leben niederdrücken. Ich will hier nicht einer platten Spaßgesellschaft das Wort reden, aber ein recht verstandener christlicher Glaube zielt immer darauf, dass Menschen aufleben und sich am Leben freuen, und deshalb kann der Apostel Paulus auch rufen: „Freut euch in dem Herrn allewege …“ (Philipper 4, 4). Das schreibt einer, der oftmals in seinem Verkündigungsdienst im Stau stand - sogar im Gefängnis saß - und mit ansehen musste, wie es in den Gemeinden, die er gegründet hatte, nicht vorwärts ging. Aber bei ihm sehe ich eine Lösung, mit den Staus meines Lebens umzugehen: Wenn ich auch körperlich nicht vorwärts komme, so kann ich doch mit meinem Sinn, mit meinem Denken und Fühlen die bedrückende Situation wenden, in der ich mich befinde. Paulus hat dabei das gemacht, was wir bei Jesus sehen, aber auch bei vielen, die ihm im Glauben nachgefolgt sind: Sie haben gelernt, loszulassen, indem sie im Gebet zu Gott gesprochen haben: „Herr, ich kann nicht mehr. Ich stoße meinen Kopf an den Problemen meines Lebens blutig, meine Seele verzerrt sich in den Sorgen und im Grübeln – ich übergebe dir dies alles. Mache damit, was du willst. Ich vertraue darauf, egal wie es ausgeht, dass du es mit mir gut meinst und dass ich in dir immer geborgen bin.“

Ja, Stau ist Mist, um in es in Abwandlung eines Politikerwortes zu formulieren - besonders wenn man dabei den Flieger verpasst -, aber er gehört zum Leben. Und er macht uns deutlich, dass wir mit unserem Können und Vermögen, mit unserer Leistung nicht alles erreichen können – und auch nicht müssen. Manchmal bremst uns Gott offenbar im Leben aus, damit wir uns wieder darauf besinnen, dass wir allein von ihm abhängig sein sollen.

PS: Es gibt welche, denen gönne ich den Stau: Den Weihnachtsmännern! Die stehen zurzeit ja im Stau - in den Regalen der Supermärkte -, hoffentlich noch bis Anfang Dezember!


Pfr. Dr. Ralf Kötter

9. September 2012

Barrierefreiheit im Alltag

von Pfr. Dr. Ralf Kötter, Elsoff

Im Juli haben wir uns auf den Weg gemacht: Ein ganzer Haufen Jugendlicher aus fünf verschiedenen Dörfern des Eder- und Elsofftales genoss das Leben am Meer, genauer gesagt das Leben auf der Nordsee-Insel Wangerooge. Endlich mal nicht in den abgesteckten Grenzen des Elternhauses, endlich mal auf eigenen Füßen unterwegs sein, endlich mal die Grenzen austesten und bisweilen auch überschreiten. Und selbst wenn es geschüttet hat wie im tiefsten Wittgenstein, so hat uns allen der Blick über den Horizont hinaus gut getan. Die jungen Leute werden diese Grenzüberschreitungen sicher nie vergessen.

Am Hauptstrand der Insel trauten wir allerdings unseren Augen nicht: Der weite Strand war übersät mit Wällen und Dämmen, die streng begrenzte Klein-Parzellen bildeten. Und an manchen Stellen sah man die Urlauber noch schweißgebadet bei der anstrengenden Arbeit – und zwar nicht mehr mit Kinderschäufelchen wie früher, sondern ausgerüstet mit professionellen Baustellen-Schüppen türmten sie den Sand rund um ihre Strandkörbe zu Verlies-artigen Monstern auf, die es kaum mehr zuließen, auf geradem Wege zum Wasser zu gelangen. Suchend und ein wenig orientierungslos bahnten wir uns den Weg zwischen den Sandburgen, und mancher argwöhnische Blick der gestrengen Burgherren mahnte zur Vorsicht: bis hierhin und nicht weiter!

Ich mag keine Wälle und Dämme. Ich mag keine Grenzen und Barrieren. Ich mag es, Grenzen zu überschreiten, Neues zu entdecken, Ungewohntes kennenzulernen, den Horizont zu erweitern. Ich mag es, auf eine fremde Insel zu fahren, am endlosen Strand entlang zu schlendern, fremden Menschen zu begegnen, sie freundlich zu grüßen und sich ab und zu auch mit ihnen auszutauschen. Ich mag es, Jugendliche zu begleiten, wenn sie das Miteinander jenseits aller Dorfgrenzen genießen.

Bei uns im Eder- und Elsofftal sind inzwischen manche Sandburgen weggespült. In dieser neuen Barrierefreiheit haben wir seit Jahren wunderbare Erfahrungen gesammelt. In ganz Bad Berleburg reift die Einsicht, dass sich im dorfübergreifenden Miteinander ungeahnte Horizonte öffnen. In mehreren Regionen ergeben sich großartige Chancen, weil alle an einem Strang ziehen. Inzwischen sind tatsächlich viele bereit, die alten Strandburgen zu verlassen, Feindbilder und Gegensätze abzubauen und den weiten Strand gemeinsam zu nutzen. Ich mag das!

In der Bibel heißt das übrigens so: „Ein jeder sehe nicht nur auf das Seine, sondern auch auf das, was dem anderen dient.“ (Philipper 2, 4)


Schulreferentin Pfrn. Silke van Doorn

2. September 2012

Blutiger Ernst

von Schulreferentin Pfrn. Silke van Doorn

In der letzten Woche gab es eine Radio-Umfrage. Dabei kam es zu Verwechslungen. Der Reporter fragte die Passanten: „Was ist es denn Ihrer Ansicht nach: Körperverletzung und Kindesmisshandlung – oder aber ein wichtiges religiöses Ritual?“

Die erste Befragte antwortete eindeutig: „Grenzwertig, grenzwertig. Die Sache mit dem Untertauchen. Ersäufen. Das ist brutal. Also für mich ist das Kindesmisshandlung. Was da für psychische Störungen entstehen können.“

Der Reporter war hörbar irritiert und hakte nach: „Moment. Wovon reden Sie?“

Die Reaktion kam postwendend: „Na, Sie haben doch nach diesem religiösen Ritual gefragt. Ich finde es nicht richtig, dass die Kinder einfach unter Wasser gedrückt werden oder mit einem Schwall Wasser übergossen werden? Angeblich, damit sie besser leben können – ohne Schuld. Da frage ich Sie: Was haben die Kleinen gemacht, dass „ihr alter Adam ersäuft“ werden soll oder wie das heißt?“

Die Irritation steigt: „’Alter Adam ersäuft’? Mit Wasser übergossen? Wovon reden Sie?“

Nun ist die Befragte ratlos: „Wovon ich rede? Natürlich von der Taufe! Wovon denn sonst?“

Nun ist der Reporter wieder im Bilde, er entgegnet: „Ach. Aber bei dieser Umfrage geht es um die Beschneidung. Darüber wird doch diskutiert. Sogar im Ethikrat.“

Die Ratlosigkeit steigt: „Beschneidung? Ich weiß nicht…“

Da mischt sich ein weiterer Passant ein. Er hatte die Diskussion verfolgt und wurde zunehmend unruhig: „Darf ich mich da mal einmischen? Also: Ich finde es richtig, dass das endlich beim Namen genannt wird: Es ist Kindesmisshandlung!“

Das konnte nicht unhinterfragt bleiben. Eine junge Frau erregt sich: „Dazu möchte ich jetzt aber etwas sagen. Kindesmisshandlung! Quatsch. Seit Jahrtausenden ist die Beschneidung das Zeichen der Zugehörigkeit für jüdische Jungs. Damit wird mit großem Ernst und großer Sorgfalt umgegangen.“ Leiser werdend setzt sie hinzu: „Im Judentum sind die Kinder unglaublich wichtig und schützenswert. Niemals würde ein Ritual gepflegt, wenn es den Jungen schadete oder ihre körperlichen Fähigkeiten beeinträchtigte.“

Der andere Passant bleibt beharrlich: „Aber es blutet. Und die Kinder haben Schmerzen.“

Die junge Frau antwortet: „Ja, es blutet. Die Zeichen der Zugehörigkeit – Taufe ebenso wie die Beschneidung – sind von einem tiefen Ernst geprägt. Sie bezeugen den Ernst der Bedrohung für den Menschen. Durch das äußere Zeichen der Zugehörigkeit wird ein Bund geschlossen. Es bedeutet eben etwas, dazu zu gehören.“

Der Reporter bringt einen neuen Aspekt in die Diskussion ein: „Noch einmal zum Thema: Es gibt jüdische und übrigens auch muslimische Eltern, die lehnen die Beschneidung für ihre Jungen ab.“

Die junge Frau bestätigt: „Stimmt. Jeder ist in seiner Entscheidung frei. Aber niemand, der seinen Kindern seine Religion, Identität und Tradition mitgeben möchte, darf daran gehindert werden. Wir sollten uns über jeden freuen, der liebevoll eine Wegweisung für sein Leben von den Eltern mitgegeben bekommt.“

Nachdenklich bedankt sich der Reporter.


Pfrn. Claudia Latzel-Binder

26. August 2012

Wenn man Gott nicht mehr sehen kann

von Pfrn. Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg

In unserem Badezimmer habe ich unter die Decke eine grüne Wiese mit weißen Blümchen gemalt. Der eigentliche Grund dafür war, dass Boden und Wände weiß gefliest sind und ich einfach Farbe in Räumen mag. Mittlerweile ist es für mich aber zu einer täglichen Erinnerung geworden, die Dinge immer wieder einmal anders zu betrachten. Es ist quasi schon eine morgendliche Denkübung beim Zähneputzen, die Perspektive zu verändern. Und das ist manches Mal heilsam.

Gestern haben wir unsere Partner aus Tansania vom Flughafen abgeholt. Zwei Wochen lang werden wir mit vier Christen aus unserem Partnerschaftskirchenkreis Ngerengere zusammen sein. Ich freue mich auf die Zeit mit ihnen, auf die gemeinsamen Gottesdienste, Unternehmungen, Gespräche und ihren anderen Blick auf unsere für uns so selbstverständliche Art zu leben. Das betrifft auch unsere Form von Frömmigkeit und Glauben. In eindrucksvoller Erinnerung ist mir eine Zusammenfassung durch den Superintendenten aus Ngerengere nach einem Delegationsbesuch vor einigen Jahren hier. Er sagte in etwa: „Wir als Kirche in Ngerengere sind materiell arm, ihr hier in Wittgestein auf andere Weise. Ihr habt es nämlich so schwer, weil die Menschen hinter all dem, was sie besitzen, Gott nicht mehr sehen können.“

Das war so eine heilsame Perspektivänderung in der Begegnung. Denn auch in unserer Partnerschaftsarbeit beschäftigt uns ja oft die erste augenscheinliche Armut der Partner: die fehlende Wasserversorgung, die hohe Kindersterblichkeit, Hunger und große soziale Probleme, mit denen die Gemeinden sich dort auseinandersetzen müssen. Begegnungen gelingen aber dann, wenn ich selbst bereit bin, mich auf die Sicht des Gegenübers einzulassen. Bei den Partnern zum Beispiel so beeindruckend auf ihren Ernst, den Glauben im Alltag zur Sprache zu bringen und ihre Fröhlichkeit in Gottesdiensten.

Als inhaltlichen Leitfaden für den Besuch in diesen Tagen haben wir miteinander „Altsein in Tansania und Deutschland“ gewählt. Ein Thema, das uns als Kirche hier wie dort beschäftigt. Hier in der viel beschriebenen demographischen Entwicklung mit der steigenden Anzahl älterer und alter Menschen. Dort unter anderem durch das Wegbrechen der mittleren Generation durch viele HIV-Tote und den Aufgaben, die die alten Menschen dadurch für die Enkelkinder übernehmen müssen. Wir wollen dabei an Fragen der letzten Besuche anknüpfen. Unsererseits mit Blick auf Tansania: „Wie kann Altwerden gelingen ohne funktionierende Sozialversicherungen und medizinische Versorgung?“ Von tansanischer Seite im Hinblick auf unsere Situation: „Wie können alte Menschen ohne ihre Familie überhaupt glücklich leben?“

Bei allen Unterschieden, die kulturell einfach da sind, verbindet uns Gottes bleibende Zusage seiner gnädigen Zuwendung zu den Menschen. Etwa die aus Jesaja 46, 4, die ja auch über den Veränderungen in den Zeiten eines einzelnen Lebens steht: „Auch bis in euer Alter bin ich derselbe, und ich will euch tragen, bis ihr grau werdet. Ich habe es getan; ich will heben tragen und erretten.“ Ich bin gespannt auf manchen Perspektivwechsel, auf genaueres Hinsehen und manchen neuen erfrischenden Blick. Vielleicht Sie ja auch. Der eigene Glaube kann dadurch wachsen. Falls Sie Interesse haben, lassen Sie sich einladen, an der einen oder anderen Veranstaltung teilzunehmen. Sie können sich dazu gerne an mich wenden oder an Pfarrer Oliver Lehnsdorf, den Vorsitzenden unseres kreiskirchlichen Partnerschaftsauschusses.


Schulpfarrer Henning A. Debus

19. August 2012

Es gibt auch noch ein anderes Leben

von Schulpfarrer Henning A. Debus

Elfmal Gold, 19-mal Silber, 14-mal Bronze: 44 Medaillen, die unsere Sportler aus London nach Hause mitgebracht haben. Jede einzelne Medaille erzählt eine Geschichte vom langen Weg nach Olympia, von hartem Training, von Entbehrungen und Verletzungen, von überschäumender Freude und manchen Rückschlägen. Jede Medaille ist die vorläufige Krönung eines Sportlerlebens. Aber was ist mit denen, die nichts gewonnen haben? Gehören sie nicht zu den Besten in ihrer jeweiligen Sportart? Haben sie nicht auch unseren Respekt dafür verdient, dass sie beim weltweit größten Sportereignis dabei waren? „Ich bin nicht enttäuscht, weil ich hier gesund sitze. Ich habe Frau und Kind zu Hause. Es gibt auch noch ein anderes Leben“, sagte der Gewichtheber Matthias Steiner, nachdem er seinen spektakulären Unfall beim Wettkampf in London ohne größere Verletzungen überstanden hatte.

„Es gibt auch noch ein anderes Leben.“ Jenseits von Leistung, Erfolg und Medaillen. Es ist schön, wenn ich die Früchte meiner Anstrengungen und meines Einsatzes ernten kann, ob bei Olympia, in der Schule, im Beruf oder zu Hause. Wichtig ist, dass der Erfolg mich nicht verbiegt, dass ich nicht hochmütig und eingebildet werde. Wichtig ist, dass ich derselbe bleibe, der ich vor dem Erfolg war, dass ich weiß, wem ich mich mit meinem ganzen Leben verdanke.

Der Wochenspruch der neuen Woche aus dem 1. Petrusbrief im Neuen Testament sagt das so: „Gott widersteht dem Hochmütigen, aber dem Demütigen gibt er Gnade.“ Demut, das ist die Gesinnung eines Menschen, der dient, der sich in seinem täglichen Gottes-Dienst mit seinen Erfolgen und seinem Scheitern bei Gott gut aufgehoben weiß. Gott freut sich, wenn wir unsere Fähigkeiten entfalten, doch er fragt uns nicht nach unseren Medaillen und rechnet uns unser Scheitern nicht als Fehlversuch an.

Damit lässt es sich doch auch gut ins neue Schuljahr gehen, das am Mittwoch beginnt. Gott will, dass wir uns anstrengen, dass wir unser Bestes geben. Schließlich wollen wir ja weiter kommen und das Klassenziel erreichen. Aber wie bei Olympia ist das Schönste eine Gesinnung der Demut, die in Gott wurzelt. „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“, heißt es bei Petrus zwei Verse weiter.

Ja, es gibt noch ein anderes Leben!


Christiane Petri, Superintendentur

12. August 2012

„Das sehe ich aber anders“

von Christiane Petri, Superintendentur

Sind Sie vielleicht „links“ ? Ich jedenfalls bin eine verhinderte Linke. Aber unsere Tochter ist eine wirkliche. Die Linken haben schon einen besonderen Stand. So ist es nicht verwunderlich, dass ihnen ein eigener Tag gewidmet ist. Seit 1976 wird an jedem 13. August, also auch am kommenden Montag, der internationale Linkshändertag begangen. Unsere Tochter war noch ziemlich klein, als sich herausstellte, dass ihre linke Hand die eindeutig bevorzugte ist. Da war es nur natürlich, dass wir als junge Eltern dies bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zur Sprache brachten. Man macht sich eben Sorgen, denn das Kind soll ja möglichst allen Normen der standardisierten Vorsorgeuntersuchungen entsprechen. Ist sie nun Linkshänderin oder nicht?

Für Rechtshänder eine Ente, für Linkshänder ein Hase.

Auf diese Frage erklärte uns schließlich der Kinderarzt: „Lassen Sie ihre Tochter einmal diese Zeichnung anschauen,“ (es war unschwer eine Ente darauf zu erkennen…) „wenn sie sagt, das sei ein Hase, dann ist sie Linkshänderin.“ Wir müssen wohl ziemlich irritiert dreingeschaut haben, denn der Arzt erklärte uns: „Sehen Sie sich dieses Bild einmal NICHT von links nach rechts an, denn so schauen wir normalerweise, sondern versuchen Sie, von rechts nach links zu blicken.“ Und tatsächlich: Aus der Ente wurde ein Hase! Linkshänder schreiben nicht nur anders herum – sie schauen auch so!

Die Erinnerung an diese Episode lässt mich nachdenklich werden. Was ist richtig – was ist falsch? Wie ist das, egal ob Links- oder Rechtshänder, mit unserem Blick, mit unserer Blickrichtung? Was sehen wir? Geben wir uns überhaupt die Mühe, die Dinge auch einmal aus einer anderen Richtung zu betrachten? Und wie leicht verurteilen wir einen Menschen, der eine etwas andere Art hat, eine Sache anzupacken! Der ist dann „linkisch“. Und wer anders ist als andere, der hat es nicht immer leicht. Den lässt man dann sprichwörtlich eher „links liegen“. Und wie Viele, wie Vieles, haben wir überhaupt nicht im Blick und schauen achtlos daran vorbei?

Bei Gott ist das anders. Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an. ER sieht tiefer, weiter. Er sieht uns, jede und jeden einzelnen, immer wieder mit einem liebevollen Blick an, er schaut uns ins Herz, er sieht uns in einem anderen Licht. Wenn wir selbst uns darauf einlassen können, uns von diesem Licht bescheinen zu lassen, dann kann in diesem Fokus auch unsere Umgebung vielleicht in ganz neuen Farben erstrahlen. Mir persönlich tut es immer wieder gut, eine solche „Erleuchtung“ zu erfahren. Zu erkennen, dass meine Sichtweise nicht die allgemein und allein gültige sein muss. Wenn ein Kollege, eine Bekannte, eine Freundin oder der Nachbar sagt: „Das sehe ich aber anders“, dann muss das keine Kritik, sondern kann eine Bereicherung sein. Es kommt eben auch da auf meine Sichtweise an.

Gewiss, es ist nicht immer leicht, die eigene Anschauung zu reflektieren und vielleicht auch einmal zu korrigieren. Aber gerade das Nachdenken über eine andere Meinung, das Stehenlassen-Können einer anderen Blickrichtung macht uns, um mit Martin Luther zu sprechen, zu „freien Christenmenschen“. Mittlerweile ist unsere Tochter 23 Jahre alt und managt sich, ihr Studium und ihren Alltag „mit links“. Und es ist erfrischend, wenn sie einen die Welt mit ihren Augen und auch mal von rechts nach links sehen lässt!


Pfrn. Heike Lilienthal

5. August 2012

Unwahrscheinlich glücklich

von Pfrn. Heike Lilienthal, Kirchenkreis

In einer Comicserie der Peanuts wird Charlie Brown gefragt „Was willst du werden, wenn du groß bist?“ Seine Antwort: „Unwahrscheinlich glücklich“. Wer von uns hätte auf diese Frage nicht erst einmal an den Berufswunsch gedacht. Wer denkt schon an das Glücklichsein? Und dass ich für das Glück geschaffen bin? Was willst du sein, wenn du erwachsen bist? Unwahrscheinlich glücklich.

Wer möchte nicht gern glücklich sein? Ich auf jeden Fall. Aber ich weiß auch, wie viel leichter es ist, sich unglücklich zu machen. Ich kann Ihnen eine Anleitung zum Unglücklichsein mitgeben: Vergleichen Sie sich immer wieder mit anderen – kritisieren Sie sich ständig, auch für Kleinigkeiten – seien Sie ungnädig mit sich – machen Sie Ihr Verhalten von der Meinung anderer Leute abhängig – stellen Sie sich immer wieder Negatives vor – versinken Sie in Selbstmitleid und jammern Sie kräftig – suchen Sie die Schuld für ihre Situation bei anderen…

Können Sie dieser Liste noch einiges hinzufügen? Will ich wirklich glücklich werden, glücklich sein? Das Glück liegt in mir. Es ist mir von Gott für mein Leben mitgegeben. Es liegt an mir, mich diesem Glücklichsein zuzuwenden, das Gott mir für mein Leben wünscht. Statt mich mit meinem Denken und Verhalten unglücklich zu machen, kann ich jeden Tag Ausschauhalten nach kleinen Freuden: die Schönheit und der Duft einer Blume, der badende Vogel, das Schauen in den Himmel, das Summen einer Melodie, Kinderlachen, ein nettes Gespräch… Und Sie? Möchten Sie unwahrscheinlich glücklich werden und sein?


Pfrn. Simone Conrad

29. Juli 2012

Damit aus Fremden Freunde werden...

von Pfrn. Simone Conrad, Birkelbach

Mir graut vor Montagabend. Ehrlich. Nein, nichts Schlimmes, kein Trauerfall, keine schlechten Nachrichten. Aber: ein Abschied. Montag findet um 19.30 Uhr in Bad Berleburg der letzte Gottesdienst mit den Young Ambassadors statt – am Dienstag startet dann der Heimflug in die USA. Und ich ahne es mit überwältigender Gewissheit: Der „Last Worship“ wird wunderbar, bewegend und – tränenreich. Dreißig Junge Botschafter ziehen Bilanz, müssen Abschied nehmen – wer weiß, ob und wann man sich wieder sieht. Vermutlich heule ich auch. Nein, ganz bestimmt heule ich. Ja, ich weiß, ich bin erstens emotional und zweitens sentimental. Aber all die Eltern der Young Ambassadors werden es mir vermutlich nachempfinden können: Die jungen Menschen aus den USA, unsere Gäste im Kirchenkreis, sind einem ans Herz gewachsen. Es war ein bisschen wie Familienzuwachs auf Zeit; Familienzuwachs, der meiner ganzen Familie und mir am Herzen liegt.

Schließlich möchte man es den Gästen schön machen, etwas zurückgeben von der großartigen Gastfreundschaft, die unsere deutschen Young Ambassadors letztes Jahr in den USA erfahren haben. Deutsches Essen, deutsche Süßigkeiten, deutsche Sehenswürdigkeiten, deutsche Lebensart. Ich habe erfahren: wenn man so weit gereiste Gäste hat, dann sieht man alles noch einmal anders, noch einmal neu. Das Selbstverständliche ist auf einmal nicht mehr selbstverständlich, sondern überraschend und schön. Vor der Begegnung mit Katie und Amanda - das sind „unsere“ Young Ambassadors - war mir die Schönheit der Wittgensteiner Wälder fast schon zur Gewohnheit geworden. Nun werde ich immer, wenn ich im Wald unterwegs bin, daran denken, dass sich Amerikaner so die Wälder von Harry Potter vorstellen! Ich weiß auch nicht, wann ich das letzte Mal mit einer solchen Begeisterung vor einem italienischen Mega-Eisbecher gesessen habe, wie ich sie kürzlich mit unseren Gästen erlebt habe. Und eigentlich fand ich manche Supermärkte in Bad Berleburg relativ groß. Relativ. In den Augen der Amerikaner ist er klein und niedlich…

Die jungen Botschafter aus den USA haben mir die Augen neu geöffnet für viel Schönes und Gutes in meinem Leben und haben mich auch sehr nachdenklich gemacht. Gäste aus einer ganz anderen Kultur, einer Kirche, in der vieles anders ist als bei uns – und alles war so leicht, so einfach. Sprachschwierigkeiten sind untergegangen in einem Lächeln oder einer Umarmung. Vertrauen und Offenheit haben den Umgang miteinander geprägt. Und immer wieder haben wir gespürt: Unser Glaube verbindet uns! Sich auf den anderen einzulassen, bereichert und macht fröhlich und lebendig. Der Blickwinkel weitet sich und ist doch geerdet im gemeinsamen Vertrauen auf unseren Gott. Das ist wie ein Geschenk, diese Erfahrung – und um das Geschenk auszupacken, braucht es nur ein wenig Offenheit.

Und deshalb werde ich wohl heulen am Montagabend – denn sie sind mir ans Herz gewachsen, unsere Gäste. Ich werde sie vermissen, wenn sie abreisen und mit mir tun das gewiss ganz viele Menschen, die in diesen Austausch eingebunden waren. Aber die Begegnung hat Spuren hinterlassen in meinem Herzen, Spuren, für die ich dankbar bin. Aus Fremden sind Freunde geworden.


22. Juli 2012

An-Gedacht

von Pfr. Stefan Döhner, Erndtebrück

auf Wunsch des Verfassers wurde der Text entfernt


Superintendent Stefan Berk

15. Juli 2012

Urlaub für Gott?

von Superintendent Stefan Berk

Endlich: Am Dienstag beginnt der Urlaub. Ich habe das Gefühl, dass ich die Auszeit brauche. Keine Termine, keine ernsten Gespräche, kein Planen und keine Strategie-Konferenzen. Stattdessen ziehe ich die Wanderschuhe an und mache mich auf den Weg, ein Stück Rothaarsteig vielleicht, ein Stück irgendwo in Hessen. Und zum Kellerwald wollte ich schon lange mal.

Ob Gott auch Urlaub nötig hat? Manchmal hätte ich durchaus Verständnis dafür – bei allem, was wir Menschen ihm zumuten. Wir haben ja den Anspruch, dass er für uns da sein soll, für unsere kleinen und großen Sorgen und auch auch für das, was wir nicht hinkriegen. Da kommt eine ganze Menge zusammen, eine ganze Menge an menschlichen Unzulänglichkeiten, an Ungereimtheiten, an Unvollkommenem. Viel für einen allein, oder?

Immerhin, den freien Tag hat Gott selbst eingeführt, damals, als noch alles im Lot war, als die Schöpfung noch rund war. Als alles fertig war, freute er sich über das, was er geschaffen hatte und setzte allem als Krone den Ruhetag auf. Gott – ein Freund der Ruhe und der Entspannung? Gott – ein Anhänger des Urlaubs? Der freien, unverplanten Zeit, der Muße und des Glücks eines unverplanten Augenblicks?

Gestern hörte ich von Gott. Jemand hatte einige kurze Gedanken zum Auftakt einer Sitzung mitgebracht. Und da hörte ich von Gott als einem, der seine Wanderschuhe angezogen hat und unterwegs ist. Er ist nicht zu erreichen zu festen Sprechzeiten, nicht verplanbar im Büro, nicht berechenbar während einer 40-Stunden-Woche. Unterwegs ist er – und vielleicht liegt es genau daran, dass wir Menschen manchmal das bange Gefühl haben, als sei Gott gar nicht da, wo wir gerade sind. Als wäre Gott weg, weit weg, unerreichbar. Als würden meine Anrufe irgendwo im Nichts enden und ohne Antwort bleiben. Selbst vor Kirchen und Kapellen macht dieses Gefühl nicht halt – ja, vielleicht ist das eine unserer größten Täuschungen, als ließe Gott sich dort einsperren. Stattdessen hat er sich längst die Wanderschuhe angezogen und ist unterwegs.

Andererseits – irgendwie ist das doch auch ein tolles Bild, oder? Ich stelle mir vor, wem ich auf meinen Wanderungen in den nächsten Wochen alles begegnen kann. Und jedes mal überlege ich: Was wäre wohl, wenn mir da Gott selbst entgegenkommt? Gott in seinen Wanderschuhen? Was wäre wohl, wenn Gott längst dort ist, wo ich erst noch hinkomme? Unterwegs im Leben, nicht festgelegt auf einen Ort, auf eine Rolle, auf das ewig gleiche?

Dann säße er vielleicht im Biergarten und würde mir freundlich zulächeln, wenn ich müde und durstig ankomme. Dann stünde er vielleicht konzentriert in einer alten Kapelle, wenn ich hereinkäme und für eine Zeitlang an seiner Seite Ruhe suchte. Dann würde er mir unterwegs einen Platz neben sich anbieten – und mir das Gefühl geben, willkommen zu sein, selbst im Bummelzug nach Marburg.

Irgendwie ist mir Gott mit Wanderschuhen ausgesprochen sympathisch, merke ich.

Ich glaube, ich brauche Urlaub. Und meine Wanderschuhe. Vielleicht sieht man sich ...

 

 

 


Thomas Lindner, Kompetenzzentrum für Kinder-, Jugend- und Familienarbeit

8. Juli 2012

Ich wart' seit Wochen auf diesen Tag

von Thomas Lindner, Kompetenzzentrum

Diese Worte aus dem aktuellen Lied der „Toten Hosen“ können viele Schülerinnen und Schüler im ganzen Land laut mitsingen: endlich Ferien.

Eine kleine Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zählt seit fast einem Jahr allerdings auf einen anderen Tag hin: Die „Young Ambassadors“ (Junge Botschafter) aus dem Kirchenkreis Wittgenstein und den Partnergemeinden aus Kentucky und Indiana in den USA zählen rückwärts auf den 10. Juli hin. Wenn Sie diese Zeilen lesen, sind wir bei drei angekommen - drei Tage noch, bis sich die 27 Jugendlichen/Junge Erwachsene endlich wiedersehen. Die Spannung und Vorfreude ist immens und kaum noch auszuhalten.

Während des Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten im letzten Jahr wurden aus Fremden erst Freunde und zum Ende hin wurden wir eine große Familie. Ich war dabei und habe es hautnah erlebt. Gemeinsame Gottesdienste, Andachten und Einsätze in sozialen Einrichtungen prägten die Gemeinschaft. Probleme traten genauso wie in jeder guten Familie auf, es wurde gestritten, sich wieder vertragen und gemeinsam gesungen und gebetet. Nach drei Wochen hatten alle Tränen in den Augen als man sich trennte.

Doch der 10. Juli ist bald da. Drei Wochen werden wir in Wittgenstein, Dortmund und Berlin unterwegs sein. 15 Gottesdienste werden von den „Young Ambassadors“ in den Gemeinden in Wittgenstein gestaltet. Am 19. Juli gibt es ein „Churchdinner“ (Essen und Begegnung in der Gemeinde) ab 18 Uhr in der Ev. Stadtkirche Bad Berleburg, zu dem jeder herzlich eingeladen ist. Am gleichen Ort findet am Montag, 30. Juli, ab 19.30 Uhr der Abschlussgottesdienst statt.

An diesen Tagen werden sich die „Young Ambassadors“ mit dem Refrain des Liedes der „Toten Hosen“ identifizieren können. Dort heißt es: „An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit.“

Diese Tage möchte man festhalten. Ewig. Aber am 31. Juli geht es für die amerikanische Delegation zurück in die Staaten mit dem Wissen, dass man sich in dieser Gruppenzusammensetzung nie wieder treffen wird! Nie wieder? Ewigkeit? Wir Christen leben mit der Hoffnung, uns tatsächlich noch einmal wieder zu sehen. Jesus Christus beschreibt das kommende Reich Gottes wie ein nie endendes Hochzeitsfest. Da können wir dann weiter feiern, uns wiedersehen und „an Tagen wie diesen, haben wir noch ewig Zeit“.

Darauf freu' ich mich!


Pfrn. Kerstin Grünert, Kompetenzzentrum für Kinder-, Jugend- und Familienarbeit

1. Juli 2012

Die Liebe als die goldene Regel

von Pfrn. Kerstin Grünert, Kompetenzzentrum

Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Fast kommt mir dieser Vers aus dem Römerbrief in den Sinn! Es sind noch drei Stunden bis zum großen Spiel: UEFA-Euro-Halbfinale: Deutschland gegen Italien. Das Trauma ist in aller Munde: Noch nie haben die Deutschen in einem großen Turnier gegen die Azzurri gewonnen. Unvergessen das Leid bei der Heim-WM 2006, wo wir doch auch im Halbfinale an Italien scheitern mussten. Den ganzen Tag schon wurde man übers Radio in die richtige Stimmung gebracht, der Countdown gezählt.

Ja, der Begriff von den „eigenen Leuten“ und „den anderen“ bekommt am Donnerstagnachmittag, am Halbfinal-Tag, noch einmal eine ganz neue Gewichtung. Wie ist die Stimmung in der Mannschaft, untereinander? Wie sind die anderen wohl drauf? Wer hat die bessere Physis, wer die stärkere Moral?

So oder so ähnlich ist es doch überall, wo zwei Parteien aufeinander treffen. Da werden Menschen zu Gegnern: Meinungsverschiedenheiten, Konflikte, unüberbrückbare Gegensätze. Der Kampf kann beginnen...Und jeder pachtet das Recht auf seiner Seite.

Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein? Die Parole ist wohl ein bisschen hoch gegriffen für ein normales Halbfinale, aber bei manchem Konflikt habe ich das Gefühl, als stünde sie groß auf der Brust von wenigstens einer der Parteien. Dabei ist das doch ein großes Missverständnis. Wieso sollte man Gott zum Schlachtruf machen können? Auch wenn man noch so überzeugt davon ist, im Auftrag des Herrn unterwegs zu sein?!

Der Herr lässt sich immer leicht als Garant für den eigenen Sieg und die Niederlage der anderen heranziehen. Aber mit Gott auf meiner Seite hab’ ich eigentlich keine Gegner. Gott kennt diese Ränkeleien nicht und will sie auch nicht. Nehme ich ihn ernst, dann glaube ich an ihn als den Schöpfer von Himmel und Erde, der den Menschen zu seinem Bilde geschaffen hat. Somit bin ich schon einmal grundsätzlich angehalten, jedem Menschen mit dem nötigen Respekt und Anstand zu begegnen. Ja, mehr noch: Ich soll ihn sogar lieben – er ist nämlich wie ich. Die Bibel ist voll von Regeln und Ratschlägen, die unser Zusammenleben erleichtern sollen. Natürlich muss man sie auch immer in dem Zusammenhang der Zeit, in der sie entstanden sind, lesen. Aber die Liebe zu sich selbst und darauf hin auch zum Nächsten ist zeitlos – gewissermaßen die goldene Regel! Auch Jesus lässt keinen Zweifel zu. Er hat es nicht nur gepredigt, sondern auch gelebt: Er hat sich mit denen an einen Tisch gesetzt, die dafür von der Gesellschaft eigentlich nicht vorgesehen waren. Er hat Grenzen überwunden, Konventionen außer Kraft gesetzt. Immer auf dem Fundament der Liebe zu Gott und zu den Menschen. Natürlich hat er auch diskutiert und gestritten. Und ich möchte sagen, dass er wohl als einziger mit Fug und Recht behaupten konnte: Ich hab’ Gott auf meiner Seite! Aber er wurde dabei nie ungerecht oder gar unmenschlich! Jesus sollte da ein Vorbild für unsere Streitkultur sein.

Aber zurück zum Fußball. Wir erwarten einen harten Kampf, dass jeder alles gibt – bis zur letzten Minute! So ein Halbfinale gegen den absoluten Angstgegner hat dann eben mal die Dimension, als ob es um Leben und Tod ginge...

Und, was hat es gebracht? Am morgen danach passt das Wetter zur Stimmung von Fußball Deutschland: Gewitter ziehen über den dunklen Himmel, man hat keine richtige Lust, in den neuen Tag zu starten. Wieder einmal haben wir das Trauma nicht überwinden können. Ein Glück, dass es „nur“ um Fußball geht. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Die Motivation zu neuen Höchstleistungen wird wieder kommen. Auch diese Schmach wird vorübergehen.

So leicht ist es bei den Auseinandersetzungen in unserem Leben oft nicht. Da ist nicht nach 90 Minuten einfach Schluss und nach ein paar Tagen hat man seine Wunden geleckt. Da gehen die Verletzungen meistens viel tiefer. Mit Gott auf unsrer Seite kommt es erst gar nicht soweit!


Pfr. Oliver Günther

24. Juni 2012

Wann wird's wieder richtig Sommer?

von Pfr. Oliver Günther, Feudingen

Der Sommer fängt an. Jedenfalls auf dem Kalender. Auch wenn dieser Sommer noch weit davon entfernt ist, ein Sommer zu werden, wie er früher einmal war mit Sonnenschein von Juni bis September. Aber es ist ja auch noch EM. Der Ball rollt, und Deutschland ist dabei. Ohne die Beteiligung der deutschen Mannschaft wären Mehmet Scholl und Oliver Kahn als Fußball(un)sachverständige auch kaum zu ertragen. Außerdem könnte die Eurokrise doch noch ins Stocken geraten – den Griechen sei Dank. Über nichts kann man schließlich so gut plaudern und philosophieren wie über das Wetter, den Fußball und den Euro.

Wetter, Fußball und Euro – das alles verliert mit einem Schlag an Bedeutung und wird gänzlich unwichtig. Unsere Tochter ist vier Jahre alt. Sie klettert, schaukelt, rennt, tobt, spielt, fährt Fahrrad und hüpft. Sie ist gerne draußen, buchstäblich quietschvergnügt. In der Nachbarschaft sind viele Kinder. Und sie spielen alle zusammen; große und kleine – ein bisschen wie in Bullerbü. Unsere Tochter ist die jüngste. Eigentlich weiß sie, dass sie kurz Bescheid sagen soll, wenn das Spiel in einem anderen Garten fortgesetzt wird. Eigentlich … Aber sie hat es offenbar vergessen. Jedenfalls war sie plötzlich fort. In solchen Momenten steht die Zeit still. Und als Vater hält man die Luft an. Wo ist das Kind? Da wird mit einem Mal alles andere unwichtig: der nächste Termin, der Einkauf, die noch nicht fertige Predigt, das Wetter, die EM und erst recht der Euro. Ein verschwundenes Kind relativiert vieles und rückt so manche Sorge und so manches Problem dorthin, wo es hingehört, in den Hintergrund.

Unsere Tochter ist dann genauso schnell wieder aufgetaucht wie sie sie verschwunden war. Durchatmen. „Aber Papa, wir waren doch nur am Bach, Frösche füttern!“ - „Na, dann ist es ja gut!“ Und dann erlebt man, wie der Alltag langsam Fahrt aufnimmt, bis sich wieder alles um das Wetter, den Fußball, den Euro und den nächsten Termin dreht. Ach so, ein anderer Gedanke ist mir auch noch gekommen.

Vielleicht empfindet Gott so ähnlich. Könnte doch sein: Weil es so viele Menschen gibt, die so leben, als ob es Gott nicht gäbe. Menschen, die aufgegeben haben, nach Gott zu fragen und ihm zu trauen, sind für Gott wie die kostbare und ersetzliche Silbermünze im Brautschmuck, wie ein Kind, das plötzlich verschwunden ist. Wir sind Gottes wertvollster Besitz. Ich bin es Gott wert, dass er sich auf die Suche nach mir macht. Gott gibt mich nicht verloren. Gott ist es nicht egal, wenn ich plötzlich aus seinem Leben verschwunden bin.

Insofern hatte der Ausflug unserer Tochter zum Fröschefüttern am Bach auch etwas Positives. Im Lamentieren über den nassen und sibirischen Sommer, beim Debattieren, ob Klose oder Gomez auflaufen soll, und beim Geldzählen ist mir aufgegangen, was wirklich zählt: Gott ist längst unterwegs, um mich zu finden. Das wär‘ doch mal eine Predigt wert.


Pfrn. Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg

17. Juni 2012

Blättern wir weiter ...

von Pfrn. Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg

Das konnten wir in diesen Tagen hier in Wittgenstein so lesen: Dörte wurde zum zweiten Mal mit dem Titel „Miss Siegen-Wittgenstein“ zur schönsten  Milchkuh gekürt und Kälbchen „Quelle“ nach erfolgreicher Flaschenaufzucht wieder zu seiner Wisent-Herde zurückgebracht. Nachrichten, die einem beim Morgenkaffee schmunzeln lassen und den Gute-Laune-Faktor schon im Bild und im Titel und nicht nur in dem Namen des Muttertieres tragen. Solche Artikel bewegen nicht die Welt. Das wissen wir. Und manchmal kann man vielleicht auch fragen, warum sie überhaupt in einer Zeitung stehen.

Ich möchte versuchen, dazu meine persönliche Antwort zu geben: Für mich sind sie wichtig, und zwar nicht nur als Information über das, was hier vor Ort so geschieht, sondern auch, um aufmerksam weiterlesen zu können. Um das, was manchmal nur ein Blatt weiter abgedruckt wird, einzuordnen. Wie zum Beispiel in dieser Woche die Meldung, dass die Vereinten Nationen der Syrischen Regierung vorwerfen, Kinder zu foltern und als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen, während sie von der Seite der Aufständischen als Kindersoldaten rekrutiert werden. Unrecht und Gräuel, die, um im Bild zu bleiben, auf keine Kuhhaut gehen.

Solche Nachrichten stehen Seite an Seite und gehören auch in der Tat zusammen. Die Kuh Dörte, das kleine Wisent Quelle und die Kinder in Syrien. Es sind Themen, die einen angehen. Wo mich das Wachsen eines Kälbchens interessiert, mich die Sorge um es anrührt, sein Wohl mich freut, können die Schrecken, die Schmerzen, können Not und Tod, die ein Regime nachwachsendem Menschenleben antut, mich nicht unberührt lassen. Die Freude an dem einen sensibilisiert für den Schmerz über das andere. Beides steht miteinander in der Zeitung und beschreibt die Komplexität der Welt, in der wir leben.

Das zu lesen und wahrzunehmen heißt zu staunen und zu erschrecken. Es heißt dann weiter, sich selber in der Beziehung zu allem Geschehen zu sehen. Das, was ich lese, ist das, was mich angeht, wofür ich damit auch verantwortlich bin. Dazu gehört dann auch nach meinen Möglichkeiten, das zu ändern, was ungerecht, was grausam, was schlecht ist. Es heißt für mich, nach solchen Verhältnissen zu streben, die, wenn über sie berichtet wird, Gott und den Menschen morgens schon ein Lächeln auf das Gesicht schenken.

Das ist gerade bei so groß-politischen Themen wie den Kämpfen in Syrien weiß Gott schwer. Aber eine Möglichkeit, die deswegen für mich zum Zeitungslesen dazu gehört, ist das Gebet: ein Dank für Schönes, eine Klage über Furchtbares und eine Fürbitte für Schicksale, von denen ich lese. Und weil die Dinge in meinem Glauben so zusammengehören, mag ich auch darüber hinaus noch weiterblättern und noch die eine oder andere Seite weiterlesen: nämlich zu den Schlagzeilen des Tages die Nachrichten der Bibel über Gottes Welt, wie er sie will. So zum Beispiel Jesaja 11, die Vision seines Friedensreiches: „Kühe und Bären werden zusammen weiden, dass ihre Jungen beieinander liegen und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder. Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein entwöhntes Kind wird seine Hand stecken in die Höhle der Natter. Man wird nirgends Sünde tun noch freveln auf meinem ganzen heiligen Berge; denn das Land wird voll Erkenntnis des Herrn sein.“

Blättern wir weiter.