An-Gedacht

Die Westfalenpost hat seit Ostern 2009 die Serie „An-Gedacht“ in ihrem Wittgensteiner Lokalteil, bei der jeden Samstag Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein zu Wort kommen. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion drucken wir die Gedanken dann ab Sonntag auch hier ab. Verantwortlich für den Inhalt sind immer die Verfasser.

Bei den Texten handelt es sich übrigens nicht um Predigten, sondern ganz einfach um kurze verschriftlichte Gedanken mit einem theologischen Impuls. Sie können nicht - und sie wollen auch nicht - die Gemeinschaft, die Musik und die Predigt eines richtigen Gottesdienstes ersetzen. Aber sie dürfen gern von allen Leserinnen und Lesern als Einladung verstanden werden, am nächsten Sonntag einen Gottesdienst in einer der Gemeinden des Kirchenkreises zu besuchen.

Pfr. Stefan Berk

24. Dezember 2016

Wir brauchen ein Zuhause

von Superintendent Stefan Berk

Wenn Kinder im Ausland sind, unterhält man sich mit ihnen heutzutage übers Internet. Wenn die Technik funktioniert, kann man sich sogar sehen.

Es war im mitten im Oktober, während einer Unterhaltung zwischen Erndtebrück und Tel Aviv. Dort war unsere älteste Tochter für ein Semester. Vor Weihnachten wollte sie zurückkommen. „Natürlich bin ich da!“ Das klang so selbstverständlich, als ob man an diesem Tag natürlich zuhause sein müsste. Es ist ja schließlich Heiligabend!

In den nächsten Wochen wurde immer klarer, dass erstens alle drei Kinder zu Hause sein würden (sogar die Jüngste hat frei, obwohl das Hotel, in dem sie arbeitet, voll gebucht ist!) und zweitens es so sein müsste wie immer, wie in den letzten Jahren. Einschließlich Abendessen. „Das ist doch schön so!“

Ich bin irritiert. Und gerührt gleichzeitig. Da gehen unsere Kinder ihre eigenen Wege, treffen ihre eigenen Entscheidungen, gestalten ihr Leben so, wie sie es für richtig halten – aber an diesem einen Tag im Jahr kommen sie zurück. Und dann sollten möglichst alle da sein. Ich hätte mir diesen Tag auch anders vorstellen können, mit einem langen Spaziergang durch den Abend oder so ähnlich wie in Raumland, ein Abendessen mit Leuten, die alleine sind. Da wird nichts draus, jedenfalls nicht in diesem Jahr.

Und es rührt mich auch, wirklich. Denn unsere Kinder haben ein Zuhause. Es ist ein Ort, an dem sie auftanken, zur Ruhe kommen. Sie wollen auch verwöhnt werden, sie genießen den vollen Kühlschrank. Aber es ist mehr. Es ist das Gefühl, dass es Orte geben muss, an denen ich zuhause sein kann. Vielleicht gerade dann, wenn sich das Leben in einer so großen und unübersichtlichen Welt abspielt. Da gibt es viele Fragen. Und es gibt dieses dumpfe Gefühl, dass noch lange nicht klar ist, wohin uns das nächste Jahr führt. Die Zeichen stehen eher auf Sturm. Deshalb trifft uns dieser Anschlag in Berlin Anfang der Woche so heftig, weil er uns furchtbar in Erinnerung ruft: Das Leben kann so schnell aus den Fugen geraten, und es gibt einen Hass, eine Bosheit, eine Aggressivität in unserer Welt, die einen verstummen lässt. Und deshalb sind diese Orte der inneren Heimat so wichtig.

Wer sich die unzähligen Bilder der Heiligen Nacht anschaut, begegnet dieser Zerrissenheit - und gleichzeitig dieser Sehnsucht nach einem inneren Zuhause. Ein Stall ist nun wirklich kein Ort, den eine Frau sich für eine Geburt wünschen kann. Und dieses ungastliche Bethlehem hat nichts von Heimat an sich. Trotzdem gibt es da so eine Art Zuhause. Die Hirten, die Eltern, der Säugling - sie sind plötzlich eine Gemeinschaft. Da wird gestaunt und erzählt, da erinnert man sich an alte Versprechen und uralte Geschichten. Da denkt man nach über die Zukunft und gibt sich gegenseitig Halt. Und alle spüren: Für einen Moment hält die Welt den Atem an und kommt zur Ruhe.

Wir brauchen diese Orte. Das muss kein Haus sein, in das die Kinder zurückkehren. Das muss auch nicht das Heimatdorf sein, in dem ich groß geworden bin. Was viel mehr zählt, ist die Gemeinschaft: Menschen, denen ich vertrauen kann. Bei denen ich aufgehoben bin. Wo ich sein kann, wie ich bin, ohne eine Rolle spielen zu müssen.

Ich wünsche Ihnen, dass sie heute so einen Ort finden, an dem die alte Weihnachtsbotschaft zuhause ist: „Fürchtet euch nicht!“ Und wenn Sie mögen, dann lassen Sie sich in einem der vielen Gottesdienste dazu inspirieren und erinnern: „Euch ist heute der Heiland geboren.“

In diesem Sinne: Fröhliche, bunte und gesegnete Weihnachtstage!


Pfrn. Silke van Doorn

18. Dezember 2016

Glückwunsch zum 80.

von Schulreferentin Pfrn. Silke van Doorn

Herzlichen Glückwunsch nachträglich, lieber Papst Franziskus. 80 Jahre alt sind Sie gestern geworden. Es ist ein bedeutender Tag. Eigentlich wollten Sie an diesem Tag zurücktreten. Sie tun es nicht - und das ist gut so.

Sie haben vieles begonnen, das die römisch-katholische Kirche vor reformatorische Fragen und Aufgaben stellt. Sie sind der erste Papst, der den Namen Franziskus gewählt hat. Gleich haben Sie sich sehr glaubwürdig der Schlichtheit und dem Verzicht von Prunk unterzogen. Sie wollen sich nicht bedienen lassen, schlafen in einem Zimmer im Gästehaus. Ihre erste Reise ging zu den geflüchteten Menschen nach Lampedusa. Sie schauten nicht nur, Sie halfen. Selbst Sie können die Welt nicht erlösen. So weit reicht auch die Macht des Stellvertreters Christi auf Erden nicht.

Aber Sie setzen Zeichen: Sie fordern, dass die Kirche sich entschuldigt bei denen, denen sie Leid angetan und sie verunglimpft hat: bei armen Menschen, bei homosexuelle Menschen, bei Frauen. Die Liste lässt sich fortsetzen. Sie setzen auf Worte. Es ist Ihnen vorgeworfen worden, dass es nur Worte bleiben werden. Dass Sie selbst keine Taten folgen lassen werden. Dass auch Sie die Dogmen nicht wandeln werden.

Vielleicht stimmt es. Allerdings sind wir Kirche. Wir setzen auf das Wort, das schafft („Es werde Licht“), das die Welt verändert, dadurch dass es ausgesprochen wird von einem, dass es geteilt und weitergesagt wird von vielen. Dadurch verändert sich die Welt. Evolutionär, nicht revolutionär. Ich bin so froh, dass Sie diese Worte ausrufen. Es ist ein neues Zeichen, ein gutes Zeichen der Kirche.

Sie haben immer wieder auf die unglaublich wichtige Rolle der Frau Maria hingewiesen. Nicht die Jungfräulichkeit ist ihre größte Tat. Marias größte Tat stand gleich am Anfang. Sie sang das Loblied auf den, der sich auf die Seite der Unterdrückten, der Kleinen, der Schwachen stellt gegen all diese Menschen und Kräfte, die sich zu Göttern machen und alles für sich beanspruchen. Die den Kleinen, den Minderheiten, den Fremden, den Hilflosen den Atem zum Leben rauben.

Sie, lieber Papst Franziskus, haben Geburtstag im Advent. Wir warten immer noch sehnsüchtig auf den Kommenden. Mit unserer Sehnsucht auf den, der kommt, verwandelt sich unser Herz und Tun. Ich wünsche Ihnen noch gute Jahre des Wirkens. Legen Sie Ihr Gewicht in die Waagschale: Nicht nur, um die Verletzen zu verbinden, sondern um dem Rad in die Speichen zu fallen.


Pfr. Steffen Post

11. Dezember 2016

Hoffnungsschimmer im Advent

von Pfr. Steffen Post, Bad Laasphe

Im Zuge der Vorbereitungen für eine Weihnachtsfeier am vergangenen Wochenende war eines unserer Kinder im Keller unterwegs, um das Raclette-Gerät zu holen. Plötzlich hörten wir ein lautes Scheppern und erfuhren kurz darauf den Grund: „Das Ding ist mir aus dem Karton gerutscht. Jetzt liegt alles in Schutt und Asche“, so die trockene Schilderung unseres Sohnes über sein Malheur.

Jetzt liegt alles in Schutt und Asche!? Das scheint - nach meiner Wahrnehmung - gegenwärtig eine weit verbreitete Sichtweise von einigen Zeitgenossen zu sein, wenn sie das Geschehen in der Welt einzuordnen versuchen. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ sah nach den Präsidentschaftswahlen in den USA bereits „das Ende der Welt“ gekommen, zumindest, „wie wir sie bisher kannten“ und nach dem gescheiterten Referendum in Italien „stürzt Europa in (einen) Krisenmodus“, so dass die ersten Kommentare schon das kommende Jahr 2017 „zum Schicksalsjahr der EU“ ausrufen, wie es in der Zeitung zu lesen war.

Jetzt liegt alles in Schutt und Asche!? Vielleicht haben so auch die Menschen im Volk Israel empfunden, als sie ihrer Heimat beraubt wurden und in babylonische Gefangenschaft kamen. Aber der Gott Israels hat sein Volk nicht vergessen. Auch dort in der Fremde wirbt er durch die Worte seiner Propheten um das Vertrauen bei den Menschen. Eines dieser Prophetenworte, das dem heutigen dritten Advent als Bibelwort zuogeordnet ist, findet sich in Jesaja 40 und lautet: „Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebene Bahn unserm Gott!“

Der Gott Israels ist sich also nicht zu schade, in der Wüste, in der Einöde, im Durcheinander, in Schutt und Asche wieder neu anzufangen. Er ist bereit, auch dahinein seinen Fuß zu setzten und seine Gegenwart zu zeigen. Advent möchte uns auf das vorbereiten, was Gott an Weihnachten wahr machen wird: Er kommt als Mensch hinein in eine Welt, in der auch damals manches im Argen lag: Es regiert ein römischer Kaiser, der auf Kosten der Bevölkerung seine Steuereinnahmen erhöhen möchte; Menschen werden durch ein politisches Gebaren aufgescheucht und finden nach einer langen Zeit des Unterwegsseins am Ankunftsort nur schwer eine Unterkunft.

In diese chaotische Weltlage hinein setzt Gott mit dem Kind in der Krippe sein Hoffnungszeichen: „Euch ist heute der Heiland geboren.“ (Lukas 2, 11) wird er den Hirten ausrichten lassen; und Heiland meint doch den, der die Wunden verbindet, der die Tränen trocknet, der die Bruchstücke des Lebens aufhebt und zusammenfügt; der sein Herz auch den Menschen zuwendet, die sich in Schutt und Asche wähnen. Diese Zuwendung Gottes zu uns Menschen ist für mich ein stärkender Hoffnungsschimmer im Advent.

Nebenbei bemerkt: Das heruntergefallene Raclette-Gerät konnte trotz Sturz seinen Dienst auf der Weihnachtsfeier verrichten und so die speisenden Gäste erfreuen.


Pfrn. Claudia Latzel-Binder

4. Dezember 2016

Entfesselt blitzen

von Pfrn. Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg

Mein Mann stellt sich zurzeit eine neue Fotoausrüstung zusammen. Technische Projekte werden bei uns im Haus schon einmal etwas größer. Daran bin ich gewöhnt. Aber beim dritten Blitz wurde ich stutzig, wofür das denn nötig sei. Zum „Entfesselten Blitzen“ habe ich erfahren. Und das sei nötig, um ein gutes Licht zu schaffen, in dem die Farben klar und erkennbar seien und Schatten so gut ausgeleuchtet werden, dass sie das Bild nicht entstellen.

Falls Ihnen „Entfesseltes Blitzen“ als Technik wie mir neu ist, hier eine kurze Erklärung: losgelöst von der Fotokamera können ein oder mehrere verschiedene Blitzgeräte frei aufgestellt werden, um eine möglichst gute Ausleuchtung einer Szene zu ermöglichen. Ausgelöst werden können die Blitze dabei auf verschiedene Weise. Einen Trick finde ich besonders toll: Die freistehenden Geräte besitzen eine Fotodiode, die jeweils den Blitz der Kamera oder des Vorblitzes erkennen und dadurch den Impuls zum eigenen Aufleuchten geben. Da wird es dann ordentlich hell. Ich finde das ein schönes aktuelles Bild für den Advent, den wir gerade mit den vielen Lichtern feiern. Es gibt ein erstes auslösendes helles Licht, das die Herumstehenden zum Aufleuchten bringt. Deren Erstrahlen löst dann bei den nächsten wieder etwas aus.

An Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu, in dem wir das Licht der Welt (Johannes 8, 12) sehen. In ihm leuchtet Gottes Menschenliebe so hell auf, dass sie etwas dieser Liebe in uns aufblitzen lässt. Jesus sagt es uns in der Bergpredigt auch direkt zu: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Matthäus 5, 14). In einem Adventslied wird dieser Gedanke so formuliert: „Mache dich auf und werde Licht, denn dein Licht kommt.“ Ausgelöst von Gottes Kommen können wir aufleuchten und uns gegenseitig zum Erstrahlen bringen.

Und das ist im Leben wahrhaftig nötig, viel mehr noch als in der Fotografie: Das Leben der Menschen und diese Welt ein wenig heller machen! Vielleicht nur an einer Stelle, für einen Augenblick bloß. Aber das darf den nächsten Blitzer auslösen, wenn ich mein Strahlen schon verschossen habe. Als nur ein Beispiel eines solchen Leuchtens möchte ich den Einsatz für Bildungsgerechtigkeit in unserem Land und gute Bildungschancen in anderen Länder anführen. Durch eine gute Bildung werden die Farben eines Kindes, eben seine individuellen Begabungen, hervorgehoben. Bildung ist dabei nicht nur ein Faktor für Wohlstand und Entwicklung, sondern auch für Gesundheit. Weltweit ist die Gesundheit von Säuglingen abhängig von dem Bildungsgrad der Mütter, also ein sich weitergebendes Licht. Bildung ist zudem als ein Baustein nötig für eine gelungene Integration in unserem Land und damit für einen stabilen gesellschaftlichen Frieden.

Mit den Schatten der Welt dürfen wir uns in Gottes Namen nicht abfinden. Keiner ist ohnmächtig, wenn er sein Licht - auch die kleinste Leuchte - nicht unter den Scheffel stellt. Advent bedeutet, wie in dem Lied gesungen: „Mache dich auf und werde Licht, denn dein Licht kommt!“ Oder um es mit dem Slogan des Reformationsjahres „Einfach frei!“ zu sagen: Advent heißt entfesselt blitzen.


Pfrn. Christine Liedtke

27. November 2016

Advent - Wartezeit

von Pfrn. Christine Liedtke, Girkhausen

Kennen Sie Walter Mischels sogenanntes Marshmallow-Experiment? Der österreichische Psychologie-Professor wollte die Willenskraft von Kindern testen und setzte sie vor einen Tisch mit einem Marshmallow. Dann erklärte er ihnen, sie könnten die Süßigkeit sofort essen oder aber eine Weile warten, und dann würden sie das Doppelte, also zwei Marshmallows, bekommen. 15 Minuten lang ließ er die Kinder warten, beobachtete sie dabei unbemerkt und notierte sich die Zeit, wenn sie nicht bis zu seiner Rückkehr gewartet hatten. 13 Jahre später lud er die Kinder, die inzwischen 18 bis 21 Jahre alt waren, wieder ein. Und entdeckte einen Zusammenhang: Erfolg und soziale Kompetenz bei denen, die hatten warten können, und emotionale Instabilität und schlechteres schulisches Abschneiden bei denen, die das eine Marshmallow gegessen hatten, bei gleicher Intelligenz. Nicht nur die Willenskraft hatte Mischel gemessen, sondern die Geduld, diese Mischung aus Selbstkontrolle, Ausdauer und Frustrationstoleranz.

Wie sieht es aus mit unserer Geduld? Sie wird so oft erbeten: am Telefon: „Leider sind im Augenblick alle Leitungen belegt. Bitte haben sie ein wenig Geduld. Wir sind gleich für sie da.“ Von der Sprechstundenhilfe: „Sie können heute noch den Arzt sprechen, dafür müssen Sie aber ein bisschen Geduld mitbringen.“ Im Restaurant, wenn wir auf das bestellte Essen warten.

Geduld leitet sich sprachgeschichtlich von einer Verbwurzel ab, die tragen, ertragen und erdulden bedeutet. Warten bedeutet eine Störung oder Unterbrechung unseres Tagesablaufes, und diese muss von uns regelrecht ertragen werden.

Auch der Advent, der morgen mit dem Ersten Advent beginnt, ist eine Wartezeit. Sie ist bis zu vier Wochen lang und ist mit dem Weihnachtsfest beendet. Hier hat das Warten ein klares Ziel, das dann auch verlässlich eintritt. Wie wichtig die Verlässlichkeit einer Belohnung nach dem Warten ist, fand Mischels ebenfalls heraus: Kinder, die diese Verlässlichkeit im Elternhaus erfahren hatten, waren geduldiger und konnten länger warten.

Auf das, was wir schätzen, können wir - das zeigt die Erfahrung - erstaunlich lange warten: auf die oder den Geliebten, auf ein großes Fest, auf ein besonderes Ereignis. Und manchmal schätzen wir umso mehr, auf was wir lange warten mussten.

Wie sieht es aus mit dem Weihnachtsfest? Schätzen wir es? Können wir darauf geduldig warten? Wird es wertvoller mit der langen Adventswartezeit? Oder werden wir hektischer mit jedem Dezembertag, der uns näher an das Fest bringt? Beherrschen wir die Kunst des Wartens? Beherrschen wir letztlich uns selbst?

Und was ist das Ziel unseres Wartens? „Gott kommt zu uns! Macht euch bereit!“ Das ist die Aufforderung der Adventszeit. Schätzen wir es, dass Gott zu uns kommt? Dass wir die Nähe Gottes zu uns Menschen feiern und uns vergegenwärtigen? Wenn ja, wird man es ablesen können an der Art unseres Wartens. Ein bisschen Besinnlichkeit, ein inneres Einstellen auf dieses unfassbare Wunder, dass der große Gott ganz klein wird und in einem Kind zur Welt kommt, das Singen von Adventsliedern, der Besuch eines Adventsgottesdienstes, ein Dämmerstündchen mit Kerzenlicht, ein Verweilen - das ist sinnvolles Warten auf das Weihnachtsfest, ist gute Vorbereitung auf das Kommen Gottes, ist mehr als geduldiges Ertragen einer Wartezeit. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen eine gesegnete Adventszeit!


Pfr. Stefan Berk

20. November 2016

Einfach? Frei?

von Superintendent Stefan Berk

Donnerstagnachmittag um fünf Uhr wurde das letzte „Amen“ gesprochen, die Landessynode in Bielefeld war zu Ende. Neben der Verteilung der Kirchensteuern, neben Wahlen und Berichten über die Arbeit der letzten Monate stand ein Thema im Mittelpunkt: das Reformations-Jubiläum 2017. Vor 500 Jahren hat Martin Luther seine 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche gehämmert. Das war der Auftakt für diese Bewegung, die für mich die Geburtsstunde meiner evangelischen Kirche ist.

Überall begegnete man dem Motto für das Jubiläum: „Einfach frei“. Auf Bechern abgedruckt, auf Stickern, die an die Jacken geheftet wurden, auf Broschüren und auf Taschen. Groß und unübersehbar standen diese beiden Worte auf einer Wand hinter dem Vorstandstisch. Einfach frei.

Dieses Motto kennen jetzt alle, jedenfalls alle, die in dieser Woche auf der Landessynode waren. Ich war schon seit Samstag in Bielefeld. Denn zur Synode werden immer Gäste eingeladen. Sie gehören zu Kirchen überall auf der Welt, mit denen wir in Westfalen eng verbunden sind. Auch drei Kirchenleute aus Zentralafrika waren dort, aus dem Kongo, aus Ruanda und aus Tansania. Das Gespräch mit ihnen hat mich beeindruckt. Sie sprechen alle (fast) perfekt deutsch, weil sie eine Zeitlang bei uns gelebt und gearbeitet haben. So konnten wir uns auch über schwierige Themen unterhalten, weil man in der eigenen Sprache Zwischentöne besser versteht. Das, was zwischen den Zeilen gesagt wird.

Einfach frei – das klingt so einfach. Wir sind inzwischen längst an die Freiheit gewöhnt. Sie ist so selbstverständlich, dass man gar kein Gefühl mehr dafür hat, was für ein Schatz das ist - und wie zerbrechlich der ist.

„Die Freiheit nehm' ich mir“, war vor ein paar Jahren mal ein Slogan aus der Werbung. Immer mehr Menschen scheinen das ernst zu nehmen - und tun nur noch das, was ihnen nützt. Ob ich anderen mit meiner Freiheit auf die Füße trete, ist dann egal. Und ob ich andere damit verletze, was ich sage - auch das zählt nicht mehr, weil doch meine Freiheit durch das Grundgesetz geschützt wird.

Aber ist Freiheit nicht auch eine Freiheit für? Braucht Freiheit nicht auch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen - und eben nicht nur egoistisch nach meiner eigenen Freiheit zu fragen? Einfach frei funktioniert nur, wenn es die Freiheit ist, die uns allen nützt. Eine Freiheit, die die Gemeinschaft weiter bringt, die ein ganzes Land bewegt, ja, die letztlich global denkt.

Es war furchtbar, was Dr. Molo aus dem Kongo erzählte. Freiheit dort führt dazu, dass Menschen einfach machen, was sie wollen. Menschenleben zählen nicht. Willkürlich werden im Osten des Landes Dörfer überfallen, Männer grausam erschlagen, Frauen dutzendfach vergewaltigt, Kinder verschleppt. In den letzten drei Jahren sind so fast 1000 Menschen ermordet worden. Was zählt, ist der Profit einiger internationaler Firmen, die in diesen Ländern die Rohstoffe ausbeuten, die für unsere elektronischen Geräte gebraucht werden, für unsere Symbole der Freiheit.

Und plötzlich hängt unser Leben mit dem Leid der Menschen im Kongo zusammen. Denn Freiheit ohne Verantwortung funktioniert nicht. Nachdenklich, betroffen, ja: wütend fahre ich von Bielefeld nach Hause.

„Einfach frei“- das Motto des Jubiläums gibt mir zu denken. Und fordert heraus. Vielleicht ist das mit der Freiheit doch nicht ganz so...  einfach. Gut, dass uns das Motto während des ganzen nächsten Jahres begleiten wird.


Pfrn. Simone Conrad

13. November 2016

Respekt - möge Gott uns dazu helfen

von Pfrn. Simone Conrad, Birkelbach

Endlich, es ist vorbei.
Amerika hat einen neuen Präsidenten. Allen Befürchtungen und anders lautenden Hochrechnungen zum Trotz hat Donald Trump sich gegen Hillary Clinton durchgesetzt und wird nun für die nächsten Jahre Amerika regieren. Mit dieser Wahl ist eine beispiellose Schlammschlacht zu Ende gegangen, in der sich die beiden Kandidaten beschimpft und erniedrigt haben - voller Gemeinheiten, Lügen und persönlicher Angriffe. Bis zum Schluss haben die Kandidaten vor allem versucht, ihren Mitbewerber, ihre Mitbewerberin schlecht zu machen, anstatt für eigenen Qualitäten zu werben.

Die Band „Green Day“ hat es am Montag in Rotterdam bei der Verleihung der MTV Europe Music Awards für mich auf den Punkt gebracht: Sie wurden an diesem Abend für ihre Musikgeschichte geehrt und brachten zum Abschluss ihren Hit „American Idiot“ - nicht ganz ohne politische Botschaft. So gestanden sie, dass sie „sehr froh seien, nicht in den USA zu sein“, weil sie so dem „entsetzlichen Wahlkampf“ entfliehen konnten. Sänger Billie Joe Armstrong fügte hinzu: „Die USA erleiden gerade einen großen kollektiven Herzinfarkt.“

Und ich frage mich: Wie sollen unsere Kinder und Jugendlichen Respekt, Akzeptanz und vielleicht sogar Ehrlichkeit und Höflichkeit lernen, wenn sich angehende Staatsoberhäupter so der Öffentlichkeit präsentieren?!
„Die Würde des Menschen ist unantastbar“ heißt es in unserem Grundgesetz. „Was du nicht willst, das dir getan wird, das tu auch keinem anderen“ – so sagt die Bibel. Und spricht vom Menschen als Gottes Ebenbild.

Alles über Bord gekippt, in diesem Wahlkampf.

Und ich kann mir nur wünschen, dass wir daraus lernen: So nicht.

So können Menschen nicht miteinander umgehen, so wird Menschlichkeit mit Füßen getreten. Vielleicht bin ich ja eine Träumerin. Aber ich habe es in meiner Zeit als Religionslehrerin oft an die Tafel geschrieben, ganz groß: RESPEKT.

Und ich werde die Hoffnung nicht aufgeben, dass wir Menschen lernen, dieses große Wort zu leben. Entgegen aller Wahlkampfschlachten. Einfach, weil Gott und die Menschenwürde es gebieten: Respekt. Möge Gott uns dazu helfen.


Pfr. Stefan Berk

6. November 2016

Das Poster in der Kirche

von Superintendent Stefan Berk

Einmal im Monat ist Kindergarten-Gottesdienst in Erndtebrück. Dann bevölkern die Jüngsten unserer Gemeinde das Gotteshaus. Und die sind erstaunlich leise und aufmerksam, wenn Pauline, die Handpuppe, auftritt. Die bringt nämlich immer ein Thema mit, ein Problem, eine Geschichte. Neulich war Pauline in Urlaub. Sie musste mit, weil ihre „Adoptivmama“ Kerstin auch Urlaub hatte. Rabe Rudi hat sie vertreten. Und hatte natürlich auch alle Aufmerksamkeit, weil einige Kinder den Raben kannten. Aus Büchern, aus dem Fernsehen. Gut war‘s. Und es ist toll zu sehen, wie Kinder unsere Kirche erleben – und mit ihrem „Spirit“ füllen. Kurz vor Beginn, kurz vor zehn, die Glocken läuten noch. Ein Mädchen sitzt schon auf dem Stuhl. Sie schaut nach vorne. Ganz konzentriert. Sie lässt sich nicht von den anderen ablenken, die noch reden und fragen, die ihre Jacke umständlich ausziehen oder den richtigen Platz noch nicht gefunden haben. Und dann fragt sie die Erzieherin, die neben ihr sitzt: „Was ist das denn für ein Poster, das da vorne hängt?“ Ein großes Poster in der Kirche? Vorne im Chorraum? Da ist doch gar nichts! Oder doch?
Wer die Evangelische Kirche in Erndtebrück kennt, weiß, dass die ziemlich schlicht ist. Es ist eben eine evangelisch-reformierte Kirche.
Aber ganz vorne, in der Rundung des Chorraums, da ist ein buntes F e n s t e r.
Es ist hundert Jahre alt und besteht aus bunten Glasscheiben, die mit Blei eingefasst sind. Zu sehen ist ein Mann, die Hände erhoben. Er steht auf einer Wolke, trägt ein altertümliches Gewand und sieht sehr heilig aus. Und für unseren Geschmack vielleicht ein bisschen kitschig, mit langen, lockigen Haaren. Insider wissen: Das soll Jesus Christus sein. Seine Hände und Füße zeigen die Löcher, durch die die Nägel geschlagen wurden, die ihn an das Hinrichtungskreuz brachten. Aber jetzt steht er sehr lebendig und mächtig und groß da – eben: auferstanden von den Toten. Das ist das Poster, das das Mädchen entdeckt hatte. Ein aufgehängtes Bild, das einzige in der ganzen Kirche. Irgendwie toll, dass sie das entdeckt hatte. Denn da ist ja wirklich das zu sehen, was den christlichen Glauben ausmacht. Ohne den Tod von Jesus und ohne seine Auferstehung kann man alles Christliche vergessen. Dann gäbe es das alles nicht. Deshalb ist das auch kein Poster. Man kann es nicht abhängen, wenn es einen stört. Man kann es auch nicht auswechseln, weil man gerne mal was anderes hinhängen würde. Das kleine Mädchen hat gefragt. Und das ist gut so. Denn von selbst erklärt sich das Bild von einem Mann mit Löchern in den Händen nicht, der auf einer Wolke steht. Verstehen fängt damit an, dass wir unseren Kindern Geschichten erzählen – Geschichten vom Leben, Geschichten von Gott und seinen Menschen, Geschichten von diesem Mann mit den Löchern. Ein Mann mit einer einzigartigen Geschichte. Unersetzlich, unglaublich wichtig, lebensentscheidend. Deshalb gehört Jesus auch ins Fenster, in Blei gefasst – und nicht auf ein Poster. Damit er immer zu sehen ist – und wir seine Geschichte unseren Kindern weiter erzählen. Nicht nur mittwochs um zehn in der Kirche!


Pfrn. Kerstin Grünert

30. Oktober 2016

Gottes Liebe nimmt es mit allem auf

von Pfrn. Kerstin Grünert, Erndtebrück

Was ist der Mensch, dass es ihm Spaß macht, Angst und Schrecken zu verbreiten? Horrorclowns sind seit ein paar Wochen immer wieder in den Schlagzeilen. Über 300 Fälle jetzt schon in Nordrhein-Westfalen. Verzerrte Fratzen, gruselige Gesichter, dazu der Schrecken, der mit Gewalt oder Zerstörung einhergeht. Vielleicht nicht unbedingt lebensbedrohlich, aber doch fürchterlich und in jedem Fall verletzend.

Warum ist das so? Warum werden Figuren, die eigentlich für die unbeschwerte Freude, das Lachen und den Spaß stehen, so missbraucht und dazu benutzt, Angst in den Alltag der Menschen zu verbreiten. Gibt es davon nicht schon genug? Reicht es nicht, dass wir beim Blick in die Welt Sorge und Furcht verspüren? Muss ich mich jetzt auch schon beim jedem Gang durchs Dorf fürchten und mit allem rechnen? Wird der Ton der Türklingel jetzt zum Signal, das Unheil und Schrecken ankündigt?

Apropos Türklingel. Am Montag ist es wieder soweit. Kinder feiern Halloween. Sie verkleiden sich gruselig, gehen von Tür zu Tür und fordern die Hausbewohner heraus: Süßes oder Saures. In den meisten Fällen niedlich und unbedenklich. Aber wird das dieses Jahr nicht schief gehen?

Man mag zu Halloween stehen, wie man will. Aber gerade wegen der Entwicklungen in den vergangenen Wochen möchte ich die eigentliche Bedeutung dieses Tages hochhalten: Natürlich ist der 31. Oktober in erster Linie Reformationstag. Der Tag, an dem wir die Freiheit feiern. Was ist denn der Mensch, dass er sich von Angst und Schrecken beherrschen lässt oder andere damit beherrschen will? Warum feiern und nehmen wir nicht die Freiheit an? Zur Freiheit hat uns Christus befreit! Wir haben die Freiheit, zu lachen, zu feiern und Spaß zu haben, ohne danach als Ausgleich in Sack und Asche gehen zu müssen. Christ zu sein bedeutet eben nicht, im Dauerbetrieb auf dem Sünderbänkchen zu sitzen und Angst vor dem strafenden Gott zu haben.

Das Evangelium, die Botschaft von Gottes Liebe, kann jeden Kampf mit Angst und Schrecken aufnehmen. Und will es auch. Was ist der Mensch, dass er das nicht erkennt und einsehen will, sondern sich daran ergötzt, dass Angst und Schrecken überhand nehmen? Hoffentlich ist diese Krankheit bald auskuriert…


Pfrn. Silke van Doorn

23. Oktober 2016

Weltliche Vision vom Reich Gottes

von Schulreferentin Pfrn. Silke van Doorn

Es ist mir fast peinlich: Ich liebe den Film „Dirty Dancing“. Ich liebe ihn wegen seiner letzten Szene, die mit dem Lied „Time of My Life“ beginnt: Mädchen aus der privilegierten Oberschicht trifft im Ferienressort (altertümlicher amerikanischer Vorgänger des Club Méditerranée) auf Maurer, der dort saisonal als Tanzlehrer arbeitet. Nachts tanzt die Crew „schmutzige Tänze“, die ihrer Lebensfreude trotz schlechter Bezahlung, Diskriminierung und Unterdrückung Ausdruck verleihen. Auf verschlungenen Wegen verlieben sich die beiden so unterschiedlichen Menschen ineinander. Ihr Weg ist gepflastert mit unbefangenem aufeinander Zugehen, Solidarität und Wertschätzung. Natürlich wird es nicht toleriert: Nicht vom Vater, nicht vom Arbeitgeber, nicht von den Gästen. Der Tanzlehrer wird gefeuert, das Töchterchen ist in Ungnade gefallen.

Dann aber, am Abschlussabend, kommt Johnny wieder. Er lässt sich das Recht des letzten Tanzes nicht nehmen. Er tanzt mit seiner Frances. Und es wirkt ansteckend: Die Crew - bis dahin nur unsichtbar im Hintergrund - tanzt mit, durchmischt das Publikum und alle lassen sich anstecken und auffordern: Der alte schwarze Dirigent der hauseigenen traditionellen Big Band von der sexy Dirty-Dancing-Tanzlehrerin, die ältere reiche Dame von dem wilden Mexikaner…. Die Grenzen verwischen: zwischen eingeborenen Amerikanern und Zuwanderern aus zumeist lateinamerikanischen Ländern, zwischen Armen und Reichen, zwischen der Jurastudentin und dem Maurer…

Weltfrieden.

Die Vereinten Nationen sind der großartige Zusammenschluss der unterschiedlichsten 193 Nationen der Welt. Sie tanzen miteinander. Die Schmuddelkinder mit den reichen Staaten. Beseelt von dem Gedanken, dass die Welt nie wieder in einen Krieg fallen darf, verpassten sie nach dem Ersten Weltkrieg die Chance. Aber dann gab es nach der zweiten Katastrophe kein Aufhalten mehr: Am 24. Oktober 1945 trat die Charta der Vereinten Nationen in Kraft: Sicherung des Weltfriedens, Einhaltung des Völkerrechts, internationaler Zusammenhalt, kurz: Die Grenzen verwischen. Tanz statt Krieg, Diskussion statt Waffen. Die große Versammlung der unterschiedlichsten Völker um das riesengroße Oval in New York ist die weltliche Vision der Völkerwallfahrt zum Zion. „Schwerter zu Pflugscharen“ und die Völker werden nicht mehr wissen, wie Krieg geführt wird.

Obwohl die UN und ihre Unterorganisationen schon acht Mal verdient den Friedensnobelpreis erhalten haben, sind wir immer nur einen Moment beim Tanz, der die Grenzen und Unterschiede gleichgültig macht und lächelnd überwindet. Sind wir immer nur einen Millimeter vorwärts beim Erreichen der Millenniums-Ziele: Leben für alle ohne Hunger und Armut, mit Bildung und Sicherheit. Aufatmen für die ganze Schöpfung.

Aber einen glücklichen Augenblick schauen wir der kommenden Welt entgegen, sehen und erleben sie jetzt, mitten in unserer Welt.

Die UN hat viele Probleme, vieles ist zu kritisieren. Es ist überlebenswichtig, dass es sie gibt. Und mit ihr Momente, in denen wir ahnen, wie der Himmel auf Erden aussehen kann. Dann ist es „Time of My Life“ – der beste Moment meines Lebens.


Pfr. Peter Liedtke

16. Oktober 2016

Gottesdienst als Kraftquelle

von Flüchtlingspfarrer Peter Liedtke

Zu „Hund und Pferd“ nach Dortmund? Oder zur Spielemesse in Essen? Beides würde mich reizen. Auf der Spielemesse in Essen war ich in den vergangenen Jahren einige Male. Es hat mir Spaß gemacht einzutauchen in eine größere Menge von Menschen, die genauso verrückt sind wie ich: stundenlang Carcassone spielen, neue Spiele ausprobieren, selbst die Exoten der Live-Rollenspiel-Community haben mich beeindruckt und angesprochen: Menschen die nicht nur am Tisch spielen, sondern sich mit Kleidung und Zubehör in neue Rollen begeben und Abenteuer nachspielen.

So ein Ausflug in die Gemeinschaft Gleichgesinnter tut gut. Dafür brechen Menschen sogar von Augsburg oder Dresden auf, übernachten im Wohnwagen auf dem Parkplatz der Messe und nehmen ohne Murren in Kauf, an der einen oder anderen Stelle anzustehen, um ein neues Spiel auszuprobieren oder im Gespräch mit Fachleuten und Entwicklern eigene Ideen weiterzusagen.

Gemeinschaft mit Gleichgesinnten tut gut, gibt neuen Schwung, hält meine Begeisterung wach. Nun bin ich nicht nur spielebegeistert und Mitbewohner eines Hundes, sondern auch - wie mir jemand in einem früheren Arbeitsbereich vorwarf - ein „verdammter Gutmensch“. Als solcher versuche ich zu leben und zu arbeiten (ohne zu sehr über das „verdammt“ nachzudenken). Doch oft werde ich müde oder bin ich verzweifelt, weil Bemühungen um das Gute so wenig Unterstützung erfahren durch Entscheidungsträger. In der Flüchtlingsarbeit ist es oft zum Verzweifeln, wenn man sieht, wie bereits traumatisierte Geflüchtete durch die lange Zeit ihres Verfahrens immer mehr sich verlieren in Müdigkeit, Depression oder schierer Verzweiflung. Und die Geflüchteten, die das bisher Erlittene einigermaßen verarbeitet haben, werden krank durch das monatelange Warten ohne Integrationskurs, ohne eigenes Zimmer, ohne Aussicht auf Arbeit. Bei uns haben Kinder inzwischen wenigstens teilweise die Chance zum Schulbesuch, was andernorts anders aussieht. Wie viele andere Ehrenamtliche und Hauptamtliche auch versuche ich zu helfen, zu telefonieren, wenigstens die Einhaltung von Gesetzen zu erbitten. Aber wie Hilferufe der vergangenen Wochen mir zeigten, bin ich mit meiner derzeitigen Erfahrung der Ohnmacht nicht allein.

Gesellschaft von Gleichgesinnten täte gut. Sie tut gut! Zum Glück bin ich auch zuständig für Vertretungen und bin unterwegs in verschiedenen Gemeinden, im Moment besonders intensiv in einer Gemeinde. Das tut mir gut. Hier finde ich andere, die genauso verrückt sind wie ich, die sich nicht scheuen, als „Gutmenschen“ abgetan zu werden. Und wenn ich am Ende eines Gottesdienstes auf Flüchtlingsarbeit angesprochen werde, wenn ich mich mit Anderen austausche über ihre Versuche, etwas zu bewegen, dann geht mir dabei das Herz auf und ich bekomme neue Kraft und manchmal auch einen Funken Hoffnung.

Gottesdienst und Kirchengemeinde, sie können unsere Kraftquelle sein, mindestens wenn wir uns darauf besinnen, wie Gemeinde und Gottesdienst am Anfang gelebt wurden. Menschen, die Jesus und seinen Jüngern begegneten oder Gäste waren in den ersten Gottesdiensten konnte man an ihren Erfahrungen erkennen: Sie erlebten, angenommen zu werden ganz ohne Bedingungen; sie fühlten sich geborgen und zugleich zum Leben befreit. Wie schön wäre es, wenn Menschen ihre Erfahrungen in Gemeinde heute mit den gleichen Worten beschreiben könnten. Und welche Kraft zur Veränderung könnte oder kann von diesem Miteinander ausgehen!


Pfr. Stefan Berk

9. Oktober 2016

Reden ist... wichtig

von Superintendent Stefan Berk

Samstagabend, im Restaurant. Wir treffen uns mit unseren Freunden aus Berlin-Müggelheim. Seit Jahrzehnten treffen wir uns - mal dort, mal in Erndtebrück. Aus der kirchlichen Partnerschaft sind längst Freundschaften entstanden.

Jemand hat ein Glas Wein bestellt. Bei über 30 Leuten nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten. Gleich zwei Frauen, die im Service arbeiten, haben ein Glas in der Hand - und steuern auf den Gast zu. Die eine von hinten, die andere von vorne. Verdutzt schauen sie sich an, als sie das Glas abstellen wollen. Der Gast schaut von einer zur anderen. Und dann, als hätten sie sich ein Zeichen gegeben, nehmen beide das Glas wieder hoch, machen einen Schritt nach hinten, wollen zurück zur Theke. Traurige Miene beim Gast - da geht er hin, der Wein.

Aber die beiden haben es natürlich gemerkt. Sie lachen herzlich, die Stimmung ist ja gut. Der Gast lacht mit. Und da zeigt sich, dass noch jemand Wein bestellt hatte. Und dann reden sie miteinander, die eine stellt das Glas wieder hin, die andere geht ein paar Tische weiter. „Entschuldigung“, natürlich, kein Problem.

Sprechenden Menschen kann geholfen werden. Ja, sicher, wissen wir. Eine Binsenweisheit. Aber diese völlig harmlose Szene im Restaurant spielt sich ja tausendfach im Alltag ab. Wo wir nicht miteinander reden, entstehen Missverständnisse. Gott sei Dank geht das meistens ohne schwerwiegende Folgen ab. Aber was passiert, wenn man nicht redet, wenn man immer schon vorher meint zu wissen, wie der andere denkt und tickt?

Ehen zerbrechen daran, dass die beiden verlernt haben, ehrlich und offen miteinander zu sein. Irgendwann stauen sich die nicht ausgesprochenen Dinge so weit an, dass man explodiert und in furchtbaren Streit gerät. Und dann wird das langjährige Vertrauen, diese Jahre des guten gemeinsamen Lebens plötzlich zertrümmert. „Warum hast du denn nie etwas gesagt?“

Ich fürchte, wir kennen dieses gefährliche Schweigen alle. Diese Situation, wo man einfach nicht miteinander kommuniziert. In der Familie kann das genauso gut passieren wie in der Firma, an der Kasse des Supermarktes genauso wie in der großen Politik - wo nicht mehr geredet wird, da zieht der kalte Krieg ein. Ich mache mir Sorgen, wenn ich lese, dass die politisch Verantwortlichen der Vereinigten Staaten und Russlands nicht mehr miteinander reden - was wird denn dann aus dem verheerenden Krieg in Syrien? Wie sollen die Millionen Menschen, die auf der Flucht vor dem Bombenterror sind, die Hoffnung auf eine Rückkehr in ihr Land behalten?

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ - das kann ein furchtbar dummer Spruch sein. Nicht alles muss kommentiert werden, wohl wahr. Manchmal ist es wirklich besser, mal den Mund zu halten. Aber wenn es wirklich um was geht, dann muss geredet werden. Den Mut brauchen wir, wenn Leben gelingen soll. Nicht nur, wenn es um den Wein im Restaurant geht.


Pfrn. Christine Liedtke

2. Oktober 2016

„Dankt Gott, dem Vater“

von Pfrn. Christine Liedtke, Girkhausen

Heute ist Erntedankfest. Wir Christen glauben, dass Gott Himmel und Erde für uns Menschen geschaffen hat, geschaffen mit physikalischen Naturgesetzen, die einen verlässlichen Rahmen bieten für unser Leben und Gestalten in dieser Welt. Und Gott verspricht uns nach der Sintflut, die nur das Leben auf der Arche verschont hat, dass er nie wieder zerstörend eingreifen wird (1. Mose 8, 22): „Von jetzt an gilt, solange die Erde besteht: Nie werden aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ Gott garantiert uns also die notwendigen Lebensgrundlagen, und wir danken ihm dafür.

Der Epheserbrief schlägt vor, die Dankbarkeit zu einer Lebenseinstellung zu machen (Epheser 5, 20): „Dankt Gott, dem Vater, immer und für alles.“ Es fällt mir leicht, dankbar zu sein dafür, dass wir im Frieden leben dürfen, jeden Tag; dankbar zu sein, weil uns eine überaus gute medizinische Versorgung zur Verfügung steht; dankbar dafür, dass wir keinen Hunger kennen; dankbar zu sein, weil es bei uns Schulbildung für alle und gute Ausbildungsmöglichkeiten gibt; dankbar zu sein für unseren Rechtsstaat und die Meinungsfreiheit und Informationsmöglichkeit; Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, fallen bestimmt noch viele Dinge mehr ein. Immer dankbar sein - für alles. Für alles? Halt! Heißt das: Dankbar sein auch für harte Zeiten und Traurigkeiten? Dankbar sein, weil mir Menschen das Leben schwer machen, weil mir Wege versperrt bleiben, dankbar sein für Fehler und Enttäuschungen, für Verluste und Krankheitszeiten?

Mir kommt eine Geschichte in den Sinn: Ein Mensch geht an einer Reihe neu gesetzter Palmen vorbei. Aus purer Boshaftigkeit legt er mitten auf die Krone einer Palme einen schweren Steinbrocken. Viele Jahre später kommt er wieder an den Palmen vorbei. Eine aus der Reihe ist besonders stark gewachsen, sie ist höher und breiter als die anderen. Er nimmt es nicht wahr, aber diese Palme wispert ihm zu: „Ich danke dir, dass du vor vielen, vielen Jahren mir diesen Stein zu tragen gabst. Erst dachte ich, ich müsste zerbrechen, so schwer war die Last, und ich wollte aufgeben. Doch dann trieb ich meine Wurzeln nur noch tiefer in den Boden und drang zu den unteren Wasseradern vor, ich stemmte mich der Last in meiner Krone entgegen und entwickelte Kraft, ich umschloss den Gesteinsbrocken und hob ihn mit meinem dicker werdenden Stamm und mit den neu sprießenden Palmblättern in die Höhe. Nun bin ich ein starker Baum - und danke dir dafür.“

Die Palme konnte die ihr auferlegte Last als Herausforderung zur Entwicklung und zum kräftigeren Wachstum verstehen.

Der Epheserbrief versteht das ähnlich: wir dürfen Gott für alles danken, auch für das Schwere in unserem Leben, weil es uns in tiefer gelegene Bereiche führt, weil es uns unsere Kraftreserven entdecken lässt, weil es uns weiterführt auf unserem Weg, der nicht immer nur sonnig und heiter und unbeschwert ist.

Dankt Gott, dem Vater, immer und für alles.“ Das Erntedankfest will uns daran wieder erinnern: Dass wir alles aus Gottes Hand empfangen und dass wir antworten können darauf mit Dankbarkeit - für alles, was das Leben für uns bereit hält.

Haben Sie ein gutes Erntedankfest!


Pfrn. Kerstin Grünert

25. September 2016

Einheit aus Vielheit

von Pfrn. Kerstin Grünert, Erndtebrück

Ein Hoch auf uns! Ein Hoch auf die Gemeinschaft! Echte und brauchbare Gemeinschaft. In allen Lebenslagen.

Am Wochenende ist viel los in Erndtebrück: Leistungsspange der Jugendfeuerwehr in Schameder, Oktoberfest am Samstag und am Sonntag Silberne Konfirmation. Das volle Programm. Lauter schöne Dinge. Ich freu mich drauf. Aber wie krieg ich die zusammen? Kann man da was drüber schreiben?

Es geht ganz viel um Gemeinschaft. Gemeinsames Erleben. Besondere Formen, Gemeinschaft zu begehen, zu feiern und zu genießen. Und das kann in gleichem Maße bei den Kindern der Jugendfeuerwehren, bei den Jubelkonfirmanden und auch beim Oktoberfest geschehen.

Jugendliche, die schon früh anfangen, sich für andere einzusetzen. Ehrenamtlich im Dienst für den Menschen neben mir zu sein, ist längst nicht mehr üblich, in Mode, erstrebenswert. Und trotzdem brauchen wir Menschen, die das ur-biblische Prinzip der Nächstenliebe mit Leben füllen.

Genauso gemeinschaftlich geht es beim Feiern zu. Es geht uns gut, sogar ziemlich gut! Auch wenn wir an manchen Tagen das nicht sehen und vom Gegenteil überzeugt sind. Es geht uns gut, und wir haben einen Grund zu feiern. Ob jetzt so ein Oktoberfest für jeden das Richtige ist, weiß ich nicht. Aber es ist wichtig, dass man sich auch einmal in anderen Zusammenhängen im Dorf trifft. Genießen wir also auch mal das Leben und lassen den Alltag vor der Tür. So feiern, dass uns aber am nächsten Tag auch nichts leid tut. Dann hat man von dem schönen Abend noch viel länger etwas.

So richtig ans Eingemachte geht es am Sonntag. Silberne Konfirmation. Wiedertreffen nach 25 Jahren. Zwischenbilanz ziehen. Rückschau halten. Alte Erinnerungen hervorkramen, Zukunftsträume neu oder wieder träumen. Sich an den Segen Gottes erinnern. Vielleicht ist er ein wenig in Vergessenheit geraten oder vom Gefühl her im Alltag untergegangen. Sich noch einmal neu vergewissern, dass man nicht allein unterwegs ist. Gemeinsam mit anderen Menschen und mit Gott.

Der große Kirchenvater Augustin hat im vierten Jahrhundert in seinem Werk „Bekenntnisse“ über die Gemeinschaft ein paar Dinge zusammengefasst:

Mit einander reden und lachen,
sich gegenseitig Gefälligkeiten erweisen,
zusammen schöne Bücher lesen,
sich necken, dabei aber auch einander Achtung erweisen,
mitunter sich auch streiten - ohne Hass,
wie man es auch mit sich tut,
manchmal auch in den Meinungen auseinandergehen
und damit die Eintracht würzen,
einander belehren und voneinander lernen,
die Abwesenden schmerzlich vermissen und die Ankommenden freudig begrüßen
- lauter Zeichen der Liebe und Gegenliebe, die aus dem Herzen kommen,
sich äußern in Miene, Wort und tausend freundlichen Gesten,
und wie Zündstoff den Geist in Gemeinsamkeit entflammen,
so dass aus Vielheit Einheit wird.

Ich finde, das liest sich wie eine Bedienungsanleitung. Das alles kann und sollte Gemeinschaft sein. Echt und brauchbar! Wir brauchen uns untereinander und wir brauchen die Gemeinschaft mit Gott. So dass aus Vielheit Einheit wird!


Stu Perry

18. September 2016

Das Ergebnis steht vorher fest

von Stu Perry, Louisville

Ich bin Reverend Stu, der Desaster-Pastor, ein professioneller Wrestler, also Ringer oder Catcher aus Louisville, Kentucky in den Vereinigten Staaten von Amerika. Jede Woche sehen mich über 75.000 Menschen in einer Fernseh-Sendung ringen, die Ohio Valley Wrestling heißt. Außerdem hab‘ ich schon in einem Programm vom World Wrestling Entertainment Network mitgemacht, wo mir noch einmal Tausende mehr zugeschaut haben.

Leute wollen mir immer erzählen, dass sie wissen, dass beim Wrestling alles Fauler Zauber ist. Das sehen wir ganz anders. Wenn Du mit mir für zwei Minuten in einen Ring steigst, werde ich Dir zeigen, dass es kein Schmu ist, was wir machen. Überhaupt gar nicht.

Wir bleiben ramponiert, geprellt, nass geschwitzt, blutig und manchmal mit Verletzungen. die im Krankenhaus behandelt werden müssen, zurück. Wrestling ist alles andere als eine Fälschung, und jetzt vertraue ich Euch ein Geheimnis aus diesem Geschäft an.

Es ist wirklich kein Fauler Zauber. Unsere Bewegungen sind echt. Wir fliegen wirklich durch die Luft, wir werden wahrhaftig zu Boden geschlagen, wir hauen einander richtig auf die Brust, die Stühle sind echt, die Tische sind echt, die Leitern sind echt, der Käfig ist echt – hier ist nichts Schmu. Aber, und das ist das Geheimnis: Der Kampf ist abgesprochen, das Ergebnis steht vorher fest.

Bevor ich in den Ring steige, hat mir und meinem Gegner ein Sendeleiter gesagt, wer gewinnen soll. Schon bevor die Menge uns überhaupt gesehen hat, wissen wir, wer den Ring als Sieger verlassen wird.

Obwohl es kein echter Wettkampf ist, schauen uns die Menschen zu. Aus zwei Gründen: Erstens, Du der Fan weißt nicht im Vorfeld, wer gewinnen wird. Zweitens, Du schaust Dir immer wieder Filme an, obwohl du weißt, dass der Gute gewinnt, und doch bist du die ganzen zwei Stunden gefesselt.

Und was ich Dir heute gern sagen möchte: Das Ergebnis von Deinem Kampf ist ebenfalls schon abgesprochen. Egal, welchen Umständen Du Dich stellen musst, egal, welches Übel Dir begegnet, egal, wie oft es so aussieht, als ob das Böse gewonnen hätte. Es hat nicht gewonnen, Es kann nicht gewinnen. Jesus hat längst im Kampf gesiegt.

Jesus sagt zu uns in Johannes 16, 33: „Ich hab‘ Euch das erzählt, damit Ihr wirklichen Frieden durch mich findet. Ihr werdet viele ätzende Sachen durchmachen müssen in dieser Welt, aber Ihr braucht keine Angst zu haben, denn ich bin stärker als diese Welt, ich habe sie besiegt!

Jesus hat die Welt besiegt. Deine Welt. Egal was, mit ihm im Herzen hast Du bereits gewonnen. Der Schmerz Deines Lebens mag wahrhaftig sein, aber am Ende wirst Du siegen.

Dein Kampf ist abgesprochen, das Ergebnis steht fest.

... und hier auch im englischen Original:

Your Fight Is Fixed

I am Reverend Stu, „The Pastor of Disaster“ - a professional wrestler from Louisville, Kentucky (in America). Each week, over 75,000 people watch me wrestle on a program called Ohio Valley Wrestling and I’ve also been featured on the WWE Network - where even thousands more watched me.

People always want to tell me they know wrestling is fake. I remind them that fake is not the word we like to use. If you step into the ring with me for two minutes, I will show you that what we do is not fake. Not at all.

We are left battered, bruised, sweaty, bloody and sometimes with injuries that require us to go to the hospital. Wrestling is anything but fake, but right now I am willing to share something with you - a secret of the wrestling business.

Wrestling isn’t fake. We really do get hurt. The moves are real. We really are flying through the air, getting slammed down, slapping each other in the chest, the chairs are real, the tables are real, the ladders are real, the cage is real - none of it is fake. But, the secret is this... the fight is fixed.

Before I step into the ring, a producer has told both me and my opponent who is supposed to win. We know before the crowd ever sees us who is going to walk out of the ring victorious.

Even though it’s not a real competition, people still watch. For two reasons: 1. You, the fan, don’t know who is going to win beforehand. 2. You watch movies all the time knowing that the good guy is going to win, and still, you’re enthralled for the entire two hours.

What I would like to share with you today is that your fight is fixed too. No matter what circumstances you face, no matter what evil comes your way and no matter how many times it seems like evil has won - it hasn’t. It can’t. Jesus already won the fight.

Jesus says this to us in John 16:33: I have told you all this so that you may have peace in me. Here on earth you will have many trials and sorrows. But take heart, because I have overcome the world.

Jesus has overcome the world. Your world. No matter what, with Him in your heart, you have already won. The pain of your life may be real, but the outcome is that you are victorious.

Your fight is fixed.


Pfrn. Heike Lilienthal

11. September 2016

Drei Dinge, die...

von Pfrn. Heike Lilienthal, Kirchenkreis-Region II

Eines Tages fand ich in der Post einen grünen rechteckigen Zettel mit dabei. Darauf fand sich der Satz in farbigen Worten „Drei Dinge, die ich an dir liebe“.

Er sprach mich sofort an. Er beschäftige mich. Welche drei Dinge liebe ich an…?

Erst mit Zeitverzögerung entdeckte ich, dass dieser Satz der Werbung geschuldet ist. Eine Bank wirbt mit diesem Satz für sich. Liebe hätte ich nie und nimmer mit Geld (Sonderzahlung, Ratenpause und Ratenanpassung) in Zusammenhang gebracht.

Drei Dinge, die ich an dir liebe. Eigentlich eine gute Idee. Ich lasse mal die Werbung Werbung sein. Ich mag den Inhalt dorthin heben, wohin er gehören kann. Ich frage mich erst. Ich habe noch keine Feststellung.

Welche drei Dinge liebe ich bei meinem Partner /meiner Partnerin? Welche drei Dinge liebe ich an meinem Kind? Welche drei Dinge liebe ich bei meiner besten Freundin? Welche drei Dinge liebe ich an…?

Welche drei Dinge liebe ich an Gott? Warum nicht mal eine Liebeserklärung an Gott, dessen Liebe mir immer zukommt. Unsichtbar.

Drei Dinge, die ich an dir, Gott, liebe: dass du für mich immer da bist und ich mich zu jeder Zeit, an jedem Ort an dir anlehnen kann.

Ich liebe an dir, dass du offen für uns Menschen bist, uns wohlwollend zugewandt. Ich liebe an dir, dass du das Risiko eingegangen bist, uns Menschen die Freiheit zu lassen, selbst Entscheidungen zu treffen und uns eigene Wege gehen und Erfahrungen machen lässt. Und ich liebe noch mehr an dir...


Pfrn. Claudia Latzel-Binder

4. September 2016

Himmel oder Hölle?

von Pfrn. Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg

Wenn in anderen Zusammenhängen plötzlich biblische Begriffe verwendet werden, werde ich in der Regel schon von Berufs wegen neugierig. So in der vergangenen Woche, als statt von einer Steueroase immer wieder von dem Steuerparadies Irland gesprochen wurde. Vielleicht hat die Zahl 0,005 Prozent als Steuersatz zunächst so etwas unvorstellbar Schönes, dass es nicht nur erfrischend erleichternd, sondern einfach unvorstellbar und geradezu himmlisch klingt. Dass der US-Konzern, dem nun mit der Vertreibung aus diesem Paradies gedroht wird, ausgerechnet den angebissenen Apfel als Markenzeichen führt, gibt dem Vergleich ja dann auch eine amüsant interpretierende Note.

Da war die Versuchung wohl offensichtlich so groß, dass sie zum Sündenfall wurde. Die Versuchung, den eigenen Profit zu maximieren und den Anteil, der Gesellschaft und Sozialsystemen dabei zusteht, zu minimieren. In diesem Fall auf lächerliche 50 Euro pro eine Millionen Gewinn. Das ist skandalös oder um in dem Bild zu bleiben höllisch. Vielleicht ist es clever, aber schändlich ist es auch, paradiesisch aber auf keinen Fall. Ein Paradies kann nämlich nach christlicher Vorstellung nur dort sein, wo nach Gottes Willen für alle Menschen Frieden und Gerechtigkeit herrschen.

Erfolg und Reichtum sind allemal süße Früchte. Sie können ein Segen sein. Zur Sünde werden sie, wenn die Verantwortung, die mit ihnen verbunden ist, nicht wahrgenommen oder - wie bei Apple - aktiv abgestreift wird. Wenn wir akzeptieren, dass Steuern von solchen Firmen durch Tricks nicht mehr in den Ländern, in denen der Umsatz eigentlich gemacht wird, gezahlt werden, akzeptieren wir eben auch, dass dort das Geld für Bildung, Gesundheit, Sicherheit und andere öffentliche Belange fehlt. Wir akzeptieren dann, dass das Wohl und Wehe solcher Bereiche zunehmend von den Stiftungen und Wohltaten und damit von der Gunst einiger Superreichen abhängt. Wo Staaten der Wirtschaft erlauben, ethische Maßstäbe auszublenden, entsteht in einer globalisierten Welt die Hölle auf Erden. Die Schritte von Armut und Benachteiligung zu Neid und Hass und zu Terror und Krieg sind zu schnell gegangen, als dass uns der erste egal sein könnte. Die Ausbeutung von Mensch und Rohstoffen bei der Gewinnung von seltenen Erden, die in der Computerherstellung benötigt werden, ist ein weiteres Übel solcher Firmenideologie. Ich möchte das nicht akzeptieren und bin der EU-Kommissarin Margrethe Vestager für ihr mutiges Auftreten dankbar.

Für uns Christinnen und Christen geht es nicht nur um Aufrichtigkeit bei der eigenen Steuererklärung, sondern auch darum mit der eigenen Kaufkraft verantwortlich umzugehen und faire und steuerlich anständige zu Firmen unterstützen, auch wenn man technische Produkte mit weißen Kabeln toll findet. Und wir können weiter auf unsere Sprache achten, mit ihr nichts verharmlosen, was unlauter ist, sondern es demaskieren als das, was es wirklich ist: nämlich eine Flucht vor sozialer Verantwortung. Deshalb schlage ich vor, Irland in diesem Zusammenhang nur noch als Steuerfluchtland zu bezeichnen oder - wenn es denn ein biblischer Begriff sein soll - als Steuerhölle.


Pfrn. Kerstin Grünert

28. August 2016

Es gibt viel zu tun,…

von Pfrn. Kerstin Grünert, Erndtebrück

Na, wie war's im Urlaub? Diese Frage ist in der letzten Zeit vermutlich ein paar Mal gestellt worden. Denn es geht ja wieder los. Die großen Ferien sind zu Ende. Der Alltag rollt wieder an. Man trifft sich wieder und tauscht die Urlaubserlebnisse aus.

Und so ein bisschen geht es ja dann auch immer darum, den Urlaub mit seinen Erlebnissen in den Alltag hinüberzuretten. Man nimmt sich Erinnerungen mit. Ein bisschen Sand vom Meer, Muscheln, Steine aus den Bergen oder ein Stück vom typischen Käse oder andere Delikatessen aus dem Urlaub, die dann zu Hause meistens nur noch halb so gut schmecken. Und dann natürlich der Vorsatz, es nach dem Urlaub ein wenig anders zu machen. Nicht mehr so viel und lang arbeiten, stattdesen besser strukturiert. Sich die Zeit besser einteilen, damit für alles ein bisschen mehr rausspringt.

Und dann ist das aber auch der neue Ehrgeiz, die aufgetankte Energie, mit der ich dann ran will. Es gibt viel zu tun, packen wir es an! Es gibt viel zu tun, lassen wir es los! Die Weisheit, zwischen beiden zu unterscheiden, werden die kommenden Tage mitbestimmen. Vorankommen und nicht gleich schon wieder urlaubsreif auf der Nase liegen.

Das alles wissen wir natürlich. Es reist sich am besten mit wenig Gepäck. Aber so, wie man es nach jeder Urlaubsreise wieder feststellt, dass man doch auch mit viel weniger ausgekommen wäre, ist es eben auch schwierig zu entscheiden, was man loslassen und was man behalten will.

Es gibt ja viele Erfahrungen des Loslassens: Arbeitsplätze verändern sich - loslassen - , Wohnorte wechseln - loslassen - , Lebensentwürfe scheitern - loslassen - , Beziehungen stürzen ab - loslassen -, die Kinder werden größer und gehen ihren Weg - loslassen - , der Partner hat seinen Kopf - loslassen - , Kräfte schwinden - loslassen -, Freunde gehen weiter - loslassen - , der Tod - das letzte große Loslassen. Das Loslassen ist ein großes und zentrales Thema unseres Lebens.

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich kann manchmal nur schwer loslassen. Das fängt bei kleinen Dingen an, die ich einfach verwahren muss und nicht wegtun kann und hört bei so mancher Grenzerfahrung auf, wenn ich dann richtig kämpfen muss, um auch wirklich und getrost loslassen zu können. Festzustellen, es geht nicht mehr oder bewusst zu sagen „Ich will oder kann nicht mehr“ ist gar nicht so einfach.

Ich meine, jetzt mal das loslassen, das wir bewusst und ganz eigenständig bestimmen können. Also mehr so ein Platzschaffen für etwas mehr Luft oder etwas Neues. Loslassen ermöglicht aber auch anderes Festhalten. Weniger verkrampft, weniger einschränkend. Ich muss nicht immer etwas in meinen Händen fest umschließen und denken, es gibt nur krampfhaft festhalten oder los- und fallenlassen.

Es gibt ein anderes Loslassen: Bleibt etwas in meiner nach oben geöffneten Hand, halten ich es nicht fest. Es bleibt in meiner Nähe, aber es ist freigegeben.

Echtes Loslassen geschieht immer dann, wenn wir die Ereignisse, Gegebenheiten, Menschen freigeben, nicht um sie zu verlieren oder loszuwerden, sondern um uns mit ihnen nach oben hin zu öffnen. Echtes Loslassen gelingt nur dort, wo ich eine Hoffnung über alles Geschehene hinaus habe. So ist Loslassen ein Akt tiefster Hoffnung. Loslassen ist ein Sich-Fallen-Lassen in größeres Vertrauen - immer! Wo wir Glaube und Hoffnung über uns hinaus verlieren, beginnt der Krampf!

Es gibt viel zu tun, packen wir es an! Es gibt viel zu tun, lassen wir es los!


Pfr. Thomas Janetzki

21. August 2016

Nur noch schnell die Welt retten?

von Pfr. Thomas Janetzki, Wingeshausen

Ein Zeitungsartikel in dieser Woche mit einem Interview des Technikexperten Stephan Balzer aus Berlin warf genau diese Frage in mir auf. Können wir die Welt retten, indem wir immer mehr auf maschinelle Hilfen, Computer und Roboter, auf genetisch veränderte Organismen oder Zellen setzen?

Vieles Positive wird im Interview aufgezählt und kann sicherlich in vielen Bereichen nützlich und hilfreich sein: Medizin, Energie- und Umwelttechnik, Nahrung und Trinkwasser für Milliarden von Menschen - diese Herausforderungen sind sicher ohne Forschung und technische Neuerungen nicht zu bewältigen.

Aber dahinter steht natürlich auch immer dann die Frage: Ist dabei alles erlaubt, was in Zukunft machbar ist? Horrorszenarien sind da durchaus für mich vorstellbar und müssen soweit wie möglich durch einen allen gemeinsamen Kodex ausgeschlossen werden. Hier sollten auch gerade die christlichen Kirchen die Diskussion zumindest mitgestalten…

Und die andere Frage, die ich auch in dem Interview höre, ist: Wo bleibt der Mensch unersetzbar? Auch wenn etwa eine computergestützten Diagnose in der Medizin die Arbeit des Arztes erleichtert und sicherer macht, so ist die persönliche Zuwendung zum Patienten für mich nicht durch eine Maschine ersetzbar. Dies gilt meiner Meinung nach ebenso auch in Pflegeberufen und in Krankenhäusern, wo der persönliche Bezug zu den betroffenen Menschen ein wichtiger Aspekt der Therapie und Pflege ist.

An diesem Punkt stimmt ich dem Technikexperten völlig zu, wenn er abschließend sagt, dass die Menschheit sich überlegen muss, was sie zulässt und was nicht. Gerade wir als Christinnen und Christen sind hier besonders aufgefordert, für unsere Werte einzustehen und unsere Stimme in dieser Diskussion zu erheben, wenn es um Mitmenschlichkeit, Zuwendung und die Liebe Gottes zu seiner ganzen Schöpfung geht. Wir sind gemeinsam verantwortlich für unsere Welt, mit allem, was dazugehört - auch mit allen offenen Fragen, auf die wir miteinander und im Hören aufeinander Antworten suchen müssen. 


Pfrn. Christine Liedtke

14. August 2016

Selfies sind mehr als Fotos

von Pfrn. Christine Liedtke, Girkhausen

Sie kennen das sicher: Wenn Sie an Orte kommen, die touristisch bedeutsam sind, dann sind da erstens: meistens noch viele andere Menschen mit Ihnen, und zweitens: können Sie die Menschen dabei beobachten, wie Sie am langen Arm mit ihrem Handy Selfies machen, also Bilder von sich selbst schießen. Ich bin da keine Ausnahme: Ab und zu will ich auch selber mit drauf sein auf meinen Urlaubsfotos, die wichtig sind, damit die Erinnerung nicht so schnell verblasst. Während ich mir selbst das Motiv bin, schaue ich mich sozusagen mit meinem Handy selber an. In den U-Bahnen von großen Städten habe ich das auch schon beobachtet: Da schauen Teenager oder junge Frauen mal eben auf den Mini-Bildschirm, der ihnen ein Livebild von sich selbst gibt, und zupfen an einer Haarsträhne oder malen sich die Lippen nach.

Sich selbst einmal von außen anschauen: mit dem Handy gelingt das fast noch besser als mit einem Spiegel. Ich sehe mittendrin in meinem Alltag, wo ich gerade bin, ich sehe die Kulisse hinter mir, die Umgebung, in der ich gerade bin, ich sehe mich, wie Andere mich gerade auch sehen: auf dem Weg von der Arbeit oder zur Party, müde oder unzufrieden oder erwartungsvoll oder auch voller Sorgen. Ich betrachte mich einmal von einem anderen Standpunkt aus, ich gebe die Innensicht auf und gucke von außen; ich sehe vielleicht etwas kritischer hin und ohne Selbstentschuldigung, sehe, wo mir etwas gelingt, und sehe auch, wo ich anderen etwas schuldig bleibe. Als Christin führt mich solche Selbstbetrachtung und die Einsicht eigener Fehlerhaftigkeit dann zum Bekenntnis der Schuld vor Gott.

So ein Selfie zeigt mir außerdem ganz deutlich, in welchem Umfeld ich mich befinde: ich lebe in einem gepflegten Dorf oder in einer Kleinstadt, die gerade groß genug ist, ich leide keinen Hunger, ich muss nicht befürchten, dass Familienmitglieder von korrupten Polizeikräften abgeholt werden und spurlos verschwinden, ich habe Anspruch auf Bildung und Ausbildung, ich darf demokratisch wählen, ich darf prozessieren, wenn mir Unrecht geschieht, ich darf selbstbestimmt reisen, ich habe ein Dach über dem Kopf. Ich sehe, was mir geschenkt ist, was mir zusteht, was mein Recht ist, allein deshalb, weil ich durch Geburt Bürgerin dieses Landes bin, - und Dankbarkeit macht sich breit: Ich muss nicht vor Krieg und Terror fliehen, ich muss nicht versuchen, auf einem kleinen Boot das Mittelmeer zu überqueren, ich habe meine Familie hier, ich leide keinen Mangel. Wie gut geht es mir!

Und noch ein dritter Gedanke: Wenn andere sehen, wie ich meinen Arm lang mache, um mich und die atemberaubende Landschaft hinter mir aufs Bild zu bekommen, dann werde ich zuweilen angesprochen: Soll ich ein Foto von Ihnen machen? Und wenn ich beschließe, dieser Person zu vertrauen, und mein Handy für einen Moment aus der Hand gebe, dann kann sich ein zwangloses Gespräch anschließen, und ich erfahre zuweilen Neues über interessante Dinge in der Umgebung; ein kleiner Kontakt entsteht und ich werde bereichert und kann umgekehrt von meinen Erfahrungen als Touristin und Fremde etwas weitersagen.

Ich wünsche Ihnen, wo auch immer Sie gerade sind, ab und zu eine atemberaubende Kulisse in Ihrem Rücken, zuweilen einen kritischen Blick auf sich selbst, Momente der Dankbarkeit und immer mal wieder bereichernde zufällige kleine Begegnungen! Gott segne Sie!


Pfr. Peter Liedtke

7. August 2016

Liebe bringt Hoffnung

von Flüchtlingspfarrer Peter Liedtke

Kehrvers eines modernen geistlichen Liedes: Wir wollen aufstehn, aufeinander zugehn, / voneinander lernen, miteinander umzugehn! / Aufstehn, aufeinander zugehn / und uns nicht entfernen, wenn wir etwas nicht verstehn.

Im Schmelztiegel der Nationen, in New York, durfte ich an einer Fortbildung teilnehmen, in der es um das Miteinander der Religionen (und Kulturen) ging. Einhellige Botschaft von engagierten Christinnen und Christen, von Theologinnen und Theologen dabei war: Wir sind gefragt. Wir müssen uns auf den Weg machen, uns besser kennen und verstehen lernen - und schauen, wie wir uns gegenseitig bereichern können! - Wir trafen auch Menschen, die uns von der entgegengesetzten Bewegung erzählten, von Abschottung und Rückzug auf die eigene Tradition. Die Folge ist dann zwar ein starkes Selbstbewusstsein der Gemeinschaft, aber die Einzelnen müssen dafür zurückstecken und auf eine Weiterentwicklung verzichten.

In dem Lied von Sven Schuhmacher heißt es in der zweiten Strophe: Jeder hat was einzubringen, / diese Vielfalt - wunderbar! / Neue Lieder wolln wir singen, / neue Texte laut und klar.

Ja, jeder hat etwas einzubringen. Wenn eine Gemeinschaft sich dafür öffnet, sind die Früchte wunderbar. Bei der Fortbildung und der anschließenden privaten Rundreise durch Teile der USA wurde spürbar, welchen Gewinn eine Gemeinschaft hat, wenn sie die verschiedenen Gaben, Erfahrungen und Fähigkeiten von Menschen einbezieht. Es bestärkt mich in meiner Haltung in der Flüchtlingsarbeit: Menschen anderer Kulturen und Religionen stellen uns vor Herausforderungen, aber: was wir empfangen können durch sie, macht die Mühen mehr als wett.

Strophe 3: Dass aus Fremden Nachbarn werden, / dass geschieht nicht von allein; / dass aus Nachbarn Freunde werden, / dafür setzen wir uns ein.

Es kommt auf unser Tun an, auf unser Engagement. Die Ereignisse der vergangenen Wochen erschüttern uns, wecken Zweifel, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Aber auch in anderen Bereichen überwinden wir Enttäuschungen und lassen den Wahnsinn Einzelner nicht zum Maßstab werden in der Beurteilung ganzer Gruppen. Wir dürfen nicht nachlassen in unserem Bemühen, mitzubauen an einem guten Miteinander. Die Bereitschaft in Zivilgesellschaft und Kirche zum Aufeinander-zu-Gehen hat uns doch so das Herz geöffnet. Das wollen wir uns nicht rauben lassen.

Strophe 1: Viel zu lang schon rumgelegen. / Viel zu viel schon diskutiert. / Es wird Zeit sich zu bewegen, / höchste Zeit, dass was passiert.

Die aktiven Gruppen und die Einzelnen haben genau das getan: nicht gewartet auf "die da oben", sondern sie haben ihre Türen geöffnet, ihre Schränke, sie machten sich auf den Weg, forderten und fordern Begegnung und Teilhabe ein: für sich und für die, die anders sind. Und wir haben dafür auch etwas zurückbekommen: die Erfahrung, dass wir Teil einer Gemeinschaft sind und dass wir miteinander etwas verändern können. Lassen Sie uns das festhalten als Menschen in der Nachfolge Jesu, der die Liebe lebte und so Hoffnung in die Welt brachte.


Thomas Lindner

31. Juli 2016

Die Liebe Gottes verbindet

von Thomas Lindner, Kompetenzzentrum

Was ist eigentlich eine Familie? Diese Frage stellte sich mir in den letzten Wochen immer wieder. In den vergangenen drei Wochen waren bei uns im Kirchenkreis Wittgenstein 13 amerikanische Jugendliche und ihre zwei Leiter zu Gast. Sie kamen im Rahmen des Jugendaustauschs „Young Ambassadors“ zwischen der United Church of Christ in Indiana und Kentucky mit der Evangelischen Kirche von Westfalen. Letztes Jahr waren die teilnehmenden Jugendlichen aus unserem Kirchenkreis in den USA und lernten dort ihre Austauschpartner, deren Familien und kirchliches Leben kennen.

Immer wieder haben mir die Jugendlichen damals und auch jetzt wieder gesagt, dass das, was sie gerade erfahren einer Familie am ähnlichsten ist. Was das heißt?

Eine der Young Ambassadors freute sich zum Beispiel, dass sie in dieser Gruppe endlich so sein könne wie sie wirklich sei, dass sie sich nicht verstellen müsse, nicht vorsichtig mit ihren Gesten oder Meinungen sein müsse, weil sie immer das Gefühl habe, dass die anderen sie a) so annehmen wie sie sei und b) sie immer liebevoll mittrügen.

Ein zweiter YA fand, dass ihm gerade der Umgang mit Problemen, die es auch gab, gezeigt habe, wie stark sich diese Gruppe innerhalb des Austauschs entwickelt habe. Genauso wie in einer Familie wurden Probleme nicht unter den Tisch gekehrt, sondern miteinander an Lösungen gearbeitet.

Eine dritter YA sagte: „Ich bin als Fremde in meine Gastfamilie gekommen, jetzt verlasse ich sie als Teil dieser Familie.“

Diese Erfahrungen bestätigen auch die Teilnehmer der vorhergehenden Programme des Austauschs, den es jetzt bereits zum sechsten Mal gab.

Was ist eigentlich eine Familie? Zuerst einmal kann sich niemand seine Familie aussuchen. Ich kann mir meinen Lebenspartner/meine Lebenspartnerin aussuchen, aber meine Eltern, meine Geschwister und meine Kinder nicht. Damit muss ich leben. Und wenn ich das muss, dann muss ich auch Wege finden, mit ihnen zu leben. Das ist nicht immer einfach, auch davon könnte ich aus persönlichem Erleben erzählen. Ich habe mich mit meinen Eltern und Geschwistern gestritten, gezankt und rumgestänkert, nur um immer wieder zu erleben, dass das Band der Familie, das Band der Liebe stärker war als aller Streit. Ich habe mich über meine Kinder geärgert, wurde von ihnen enttäuscht und habe sie enttäuscht. Aber immer wieder war klar: Nichts steht unserer Liebe im Wege, jeder wusste zu jedem Zeitpunkt, dass trotz heftigster Auseinandersetzung der andere immer bereit war, einen in den Arm zu nehmen und sich zu versöhnen.

Das ist Familie, das erlebten die YA in den vergangenen zwei Jahren. Das Band der Liebe ist gewachsen und hält.

Jesus hat uns gelehrt, dass wir zu unserem Vater „Papa“ sagen dürfen, dass wir alle Teil einer großen Familie sind, dass Gottes Liebe noch viel größer ist als alles, was wir hier auf Erden kennenlernen. Er vergibt alles, nein, er hat schon alles vergeben. Bei ihm können wir so sein, wie wir sind, wir müssen uns nicht verstellen, er liebt uns so wie wir sind.

Lernen wir doch von den YA, die verschiedener nicht sein könnten, und doch erleben, dass sie das Band der Liebe Gottes zu einer großen Familie gemacht hat.

Hier finden sich alle Einzelheiten zum Austausch 2016.


Pfr. Steffen Post

24. Juli 2016

Gehalten in einer unberechenbaren Welt

von Pfr. Steffen Post, Bad Laasphe

„Wann hört dieser Wahnsinn auf?“, lese ich am Montag als Überschrift in meiner Tageszeitung. Gestellt hat diese Frage ein Passant aus Baton Rouge im US-Staat Louisiana, wo drei Polizeibeamte erschossen wurden. Sie hätte genauso gut über dem Artikel zur Horrornacht in Nizza, zum Putschversuch in der Türkei oder zu den Geschehnissen in einem Zug bei Würzburg stehen können. „Das Unberechenbare greift Raum in unserer Welt“, lese ich im Leitartikel in der gleichen Ausgabe. „Gibt es denn nicht ein kleines bisschen Sicherheit, in einer Welt, in der nichts sicher scheint“, wie es die Popgruppe „Silbermond“ in einem ihrer Lieder suchend und beinahe schon flehentlich besingt?

Ich muss dabei an den 73. Psalm in der Bibel denken. Asaf, dem dieser Psalm zugeschrieben wird, hat sich in seinem Nachdenken und Beobachten durch die Widrigkeiten und Widersprüche des menschlichen Lebens gearbeitet. Er hat darüber gerätselt, warum es den einen so gut geht, während andere einen schweren Schlag nach dem anderen zu verkraften haben.

Er gibt sogar offen zu, dass er dabei zwischenzeitlich an einen Punkt gekommen ist, an dem auch sein Glaube, sein Vertrauen in die Führungen Gottes, ins Wanken geriet. Ein Besuch im Gottesdienst, das Hören auf Worte aus der Bibel also, hat ihm schließlich eine neue Sichtweise geschenkt; und er hat dabei für sich mit Blick auf Gott den Schluss gezogen: „Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand...“ (V. 23)

Für mich schwingt in diesem Satz zunächst noch die ganze Unsicherheit mit, die Asaf bei seinen Beobachtungen in seinem Inneren gespürt hat, aber er wagt ein trotziges "dennoch". Obwohl er alle Gefährdungen und Unsicherheiten für sich sauber analysiert hat, will er sich davon in letzter Konsequenz nicht bestimmen lassen, weil er um einen Halt in seinem Leben weiß: „denn du - Gott - hältst mich bei meiner rechten Hand“.

Ähnlich zuversichtlich hat das auch Philipp Spitta für sich bekannt, wenn er in seinem Lied schreibt: „Ich steh' in meines Herren Hand und will drin stehen bleiben; nicht Erdennot, nicht Erdentand soll mich daraus vertreiben. Und wenn zerfällt die ganze Welt, wer sich an ihn und wen er hält, wird wohlbehalten bleiben.“ (EG 374, 1)

Diese Zuversicht, von Gottes starker Hand gehalten zu sein, wünsche ich den betroffenen Angehörigen in den USA, in Nizza, in der Türkei, in Würzburg und in anderen Krisenregionen dieser Erde. Ich wünsche diese Zuversicht auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, und mir in diesen Tagen und in der kommenden Zeit.


Pfrn. Silke van Doorn

17. Juli 2016

Frieden und Gerechtigkeit

von Schulreferentin Pfrn. Silke van Doorn

Das ist ungerecht - bei der Notenvergabe in der Schule schreit das jeder zweite Schüler. Sind Noten ungerecht? Ich denke ja. Es ist soo schwer, gerechte Noten zu vergeben. So viele Faktoren spielen eine Rolle. Wieviel sagt oder schreibt ein Schüler? Welche Qualität hat das Geschriebene oder Gesagte? Wie ist es im Vergleich zu dem Klassenniveau? Wie ist es im Verhältnis zu der Anstrengung, die ein Schüler investiert?

Gerade dieser Punkt ist wichtig - und wird zu selten wirklich berücksichtigt. Wie viele Schüler strengen sich an und üben und trainieren - und werden doch nicht so gut, dass es für eine EINS reicht. Ich habe es bei meinen Schülerinnen und Schülern oft erlebt: Nicht das ausdauernde Lernen wird mit einer guten Note belohnt, nur das Resultat zählt. Egal, ob es durch Fleiß und Schweiß entstand – oder weil der Mensch eben ein Naturtalent ist, sich Vokabeln zu merken, mathematisch zu denken oder sportlich zu sein. Noten sind ungerecht. Und gerechte Noten zu vergeben ist auf der anderen Seite bei den Lehrerinnen und Lehrern eine Aufgabe, die manchen schlaflos werden lässt.

Warum ist das so? Weil Gerechtigkeit zu üben schwer ist. So einfach ist das.

Frag' ich Sie nach Ihrem Empfinden für Gerechtigkeit, werde ich so viele Antworten erhalten, wie ich Menschen gefragt habe. So hat ein Politiker gesagt: „Ich habe es mir angewöhnt, das Wort Gerechtigkeit fast immer nur in Anführungszeichen auszusprechen, weil ich erfahren habe, dass mit keinem Wort mehr Missbrauch getrieben wird als gerade mit diesem höchsten Wert.“ Gibt es dann Gerechtigkeit?

Heute ist der weltweite Tag der Gerechtigkeit. Er hängt mit dem Internationalen Gerichtshof zusammen. Gerechtigkeit ist also gleich Recht?

Wohl nicht. Wenn wir an das Unrecht denken, dass durch das vermeintliche Recht ungerechter Herrscher oder Staaten, gesprochen wird, leuchtet das jedem sofort ein.

Heißt das aufgeben, auf die Gerechtigkeit zu setzen?

Das heißt es keinesfalls. Die Bibel erzählt die wunderbarsten Geschichten über Gerechtigkeit. Was ist gerecht? Wenn jeder satt wird und soviel bekommt, wie er braucht. Allerdings auch nicht mehr. Modern nennen wir das Verteilungsgerechtigkeit. Wenn keiner bangen muss um sein Auskommen und seine Zufriedenheit, dann muss auch keiner gierig werden oder neidisch. Niemand kommt zu kurz und doch ist berücksichtigt, dass es unterschiedliche Bedürfnisse gibt.

Schöner als in Psalm 85 habe ich es noch nie geschrieben gesehen: „Doch ist ja seine Hilfe nahe denen, die ihn fürchten, dass in unserm Lande Ehre wohne; dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen; dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue; dass uns auch der HERR Gutes tue und unser Land seine Frucht gebe; dass Gerechtigkeit vor ihm her gehe und seinen Schritten folge.

Einfach ausgedrückt: Der Psalmdichter vertraute vor tausenden von Jahren darauf, dass Gott allen hilft, die ihm seinen Respekt erweisen. Er schenkt den Menschen Güte und Treue, Gerechtigkeit und Friede.

Eine unvorstellbare Hoffnung, verbunden mit dem tiefen Wissen: Gerechtigkeit ist ohne Friede nicht denkbar, Frieden ohne Gerechtigkeit genau so wenig.


Pfrn. Kerstin Grünert

10. Juli 2016

Egal, wie viele Gegentore 

von Pfrn. Kerstin Grünert, Erndtebrück

Die Nerven sind zum Zerreißen gespannt. Schon wieder. Ein Elfer, der nicht sein musste. Zum Verrückt werden. Es ist Halbzeitpause. Kurz per WhatsApp und Facebook das vorläufige Fazit ausgetauscht. Dieses eine Tor, das so ungünstig gefallen ist, beschäftigt jetzt eine ganze Nation. Da rückt man ja zusammen. Kann alles andere für ein paar Minuten vergessen. Die schönste Nebensache der Welt rückt in den Mittelpunkt.

Hoffentlich konnte der Schock in der Pause überwunden werden. Die Spieler in der Kabine auf Kurs gebracht werden. Für den Fernsehzuschauer heißt es in den 15 Minuten alles zu erledigen, was dringend sein muss. Und dann wieder dasitzen und dem Druck standhalten. Dem Ansturm der Franzosen etwas entgegensetzen. Auf dem Platz und zu Hause und in den Rängen emotional. Das Tor sei - so die Experten am Mikrofon - antizyklisch gefallen, gegen den Spielverlauf. Jetzt gilt es, gegen die aufkommende Mutlosigkeit anzugehen.

Ja, Sporttreiben ist eben nicht nur Spielen und Freude am Bewegen. Die Lust am sich Verausgaben und am sich Überwinden. Wie gut Sport tut, muss man selbst erleben. Wie schön es ist, mal körperlich fertig, ganz ausgepowert zu sein, an die Grenze gegangen zu sein. Wer Sport treibt, gönnt sich etwas: spielerische Ausgelassenheit und Freude. Aber: Sport ist auch Kämpfen, Üben, Trainieren, sich Enthalten. Sport treiben bedeutet, ein Ziel im Auge haben und es zu erlangen suchen.

Ich starte ja nicht, wenn ich nicht auch gewinnen will. Ich fange kein Fußballspiel an, wenn ich keinen Siegeswillen habe. Das machte die Zuschauer am Rande am meisten wütend: Nicht, wenn einer nicht kann, das wird verziehen. Wenn einer nicht will oder eine ganze Mannschaft, dann entrüsten wir uns. Sporttreiben ist auch kämpfen, sich einsetzen: Mann gegen Mann, Frau gegen Frau, einzeln und in der Mannschaft.

Aber man kann eben nicht immer gewinnen. Nach 90 Minuten ist klar: Aus im Halbfinale. Der Kommentator gibt sich alle Mühe, die positiven Aspekte noch hervorzuheben. Eigentlich war es…. Hätte nicht… Dieser unglückliche Moment…

Ja, jetzt geht es ans Wunden lecken. Man muss den Verlust erstmal verdauen. Ursachen werden gesucht. Fragen gestellt. Eine Schmach war es ja nicht. Aber eben auch kein Sieg. Und hat der italienische Schiedsrichter eigentlich was damit zu tun?

Es geht ja nur um Fußball. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Die Motivation zu neuen Höchstleistungen wird wieder kommen. Nach einer Niederlage darf man das Kämpfen nicht vergessen. Rückschläge sind dazu da, um gestärkt daraus hervorzugehen. Phrasendrescherei oder ist da tatsächlich ein Körnchen Wahrheit drin?

In diesem Sinn lässt sich die Analyse des Halbfinales auch auf das ganz normale Leben übertragen. Wo sind meine Wunden? Wer kämpft mit mir und wer ist gegen mich? Und der Unparteiische? Macht der wirklich immer einen guten Job? Wie schaffe ich es, mich immer wieder aufzuraffen? Hab‘ ich Oasen, Schlupfwinkel? Orte, an die ich mich zurückziehen kann. Wie schaffe ich es, immer noch einen positiven Blickwinkel zu behalten? Auch wenn ich ihn manchmal lange hervorkramen muss. Es mag sich holzschnittartig anhören. Aber es tut auch gut, noch einmal darüber nachzudenken. Gott, als unser Schöpfer, ist nun wirklich der beste Unparteiische, den wir kriegen können. Deswegen packt er uns nicht in Watte und uns bleiben auch keine Niederlagen erspart. Aber egal, wie viele Gegentore wir kassieren, bei ihm sind wir immer „Winner oft the Match“. Dieser Schlupfwinkel steht uns immer offen. Da kann ich nach einer Niederlage reinkriechen und mich durch Gottes Urteil, unbedingt geliebt und geachtet, fallen lassen.

Ich trete an, um zu gewinnen. Aber ich gehe nicht unter, wenn ich verliere!


Pfr. Peter Liedtke

3. Juli 2016

Wir ist mehr als viele Ichs

von Flüchtlingspfarrer Peter Liedtke

Menschen haben abgestimmt. Ob es gerade jetzt in Großbritannien geschah, bei den letzten Landtagswahlen in Deutschland oder demnächst in den USA geschehen wird. Mit ihrer Abstimmung tun Menschen aus dem Volk ihre Meinung kund. Aber es ist zugleich mehr. Es ist eine Weichenstellung durch eine Mehrheit. Aus einem Kreuz in einem Kästchen erwachsen Konsequenzen. Manchmal erschrecken Menschen nachher, wenn ihnen bewusst wird, was durch ein solches Votum ausgelöst wird. Wieso? Haben sie ihre Verantwortung nicht gesehen?

Ich gewinne das Gefühl, dass nicht nur Menschen in Großbritannien, sondern auch wir zunehmend bei Entscheidungen und Wahlen stark vom „Ich“ her denken: Was nützt mir?, Was drückt meine Gefühle aus?, Auf welche Weise kann ich meine Vorstellungen vom Leben Wirklichkeit werden lassen? Die Frage „Was würde geschehen, wenn alle so denken, wie ich denke?“ stellen wir uns hingegen immer seltener. Da helfen große Plakatwände mit Sprüchen wie „Das Wir gewinnt“ oder „Wir sind Deutschland“ nichts. Im Gegenteil: Die Notwendigkeit, dies auszusprechen und dafür werben zu wollen, offenbart, wie sehr dieser Gedanke an das „Wir“ zurückgetreten ist.

Natürlich ist es wichtig, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse und Träume ernst zu nehmen. Ich sehe aber das Miteinander von „Ich“ und „Wir“ als eine Wippe, auf der einen Seite das „Ich“, auf der anderen das „Wir“. Mal hat das eine Übergewicht, mal das andere, aber beide kommen zum Zuge, und so bleibt es in Bewegung und tut beiden Seiten gut. Dort, wo eine Seite so dominiert, dass die andere hilflos verhungert, ist es mit der Bewegung vorbei. Dann erstarrt alles, dann gibt es Gewinner auf der einen Seite, Verlierer auf der anderen - solange bis die scheinbaren Gewinner erkennen, dass sie auch zu den Verlieren gehören. Denn sie haben aus einem lebendigen Miteinander einen das Leben verleugnenden Stillstand gemacht.

Wenn bei Wahlen, um bei meinem Anfang anzuknüpfen, Menschen das „Wir“ ausblenden, sondern nur noch sich selber ausdrücken wollen ohne die Folgen zu bedenken, erschreckt mich dies. Es erschreckt mich besonders deshalb, weil ich mich frage, was Menschen zu dieser Haltung bringt. Liegt es vielleicht daran, dass sie schon lange das Gefühl haben, nicht mehr Teil eines „Wir“ zu sein? Haben wir das Gleichgewicht der Wippe vielleicht selber schon gestört, als wir andere verhungern ließen?


Pfrn. Stephanie Eyter-Teuchert

26. Juni 2016

Gesetz ist in einem Wort erfüllt

von Pfrn. Stephanie Eyter-Teuchert, Diakoniepfarrerin i.R.

Liebe Leserin, lieber Leser,

auf einer Reise in diesem Frühjahr traf ich eine Familie aus Eritrea, einen jungen Mann, eine junge Frau und einen kleinen Jungen. Ich traf sie vor einer Bäckerei, wo sie mich nach einer Bushaltestelle fragten. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählten mir, was für einen Weg sie hinter sich hatten. Sie waren jetzt in einer Flüchtlingsunterkunft untergebracht, hatten als Familie ein eigenes Zimmer, wussten noch nicht, wie lange sie bleiben konnten, ob sie überhaupt ein Bleibereicht erhalten würden. Aber sie sagten: Wir kommen nach der langen Zeit des Aufbruchs endlich zur Ruhe, wir können schlafen, ohne dass wir fürchten müssen, überfallen zu werden, wir haben genug zu essen, Kleidung, unser Kind ist in Sicherheit und wir haben uns. Das ist viel. Das bedeutet Freiheit für uns. Wie glücklich können Sie sein, dass es für Sie immer so ist.

Ja, dachte ich, das ist wahr. Mit ist es nur nicht so oft bewusst. Wie gut ist es da, mit Menschen in anderen Lebensumständen, mit ganz anderen Erfahrungen ins Gespräch zu kommen.

Wie wertvoll Leben da mit einem Mal wird und wie deutlich: Nichts ist selbstverständlich.

Mit sind dabei Worte aus dem Galaterbrief in den Sinn gekommen: Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt fest darin und lasst euch nicht wieder das Joch der Sklaverei auflegen.

Das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.

Ja, da kann man ja nur zustimmen.

Manchmal muss man es aber auch erfahren, erleben, was das heißt, was das für mich selbst bedeutet.

Zur Freiheit hat uns Christus befreit – das macht uns nachdenklich, wenn wir in so vielen Ländern heute Unterdrückung erfahren. Wir können ja kaum die Nachrichten anstellen, ohne dass uns die Kriege und Schreckensmeldungen die Luft abdrücken. Freiheit bedeutet z.B., das Recht auf körperliche Unversehrtheit, ein Recht dazu, „Nein“ zu sagen, Freiheit der Meinungsäußerung, Pressefreiheit, Freiheit, dass jede und jeder so sein darf wie er und sie ist, gleich, welche Hautfarbe, Religionszugehörigkeit oder welches Geschlecht jemand hat, welches Alter und welche Meinung. Freiheit ist umfassend. Und sie bedeutet, dass der Mensch Vorrang hat.

Für uns selbst ist es wichtig, dass wir die Freiheit immer wieder spüren, dass wir sie uns bewusst machen. Was bedeutet es, wenn ich frei bin? Und wie wirkt es sich aus?

Kennen Sie einen Menschen, der innerlich frei ist? Fühlen Sie sich, wenigstens ab und zu, frei?

Seit dem Januar bin ich im Ruhestand – ich bin von meinem Auftrag und meinen Aufgaben als Pfarrerin „entpflichtet“ worden. Und obwohl ich gern, mit Freude und Lust gearbeitet habe und mir die Menschen hier im Kirchenkreis sehr fehlen, entsteht doch etwas Neues. Es entsteht die Freiheit „einfach zu leben“.

Es ist wunderbar, denn ich komme heraus aus dem „du musst jetzt aber“, „eigentlich wäre es wichtig...“,“ es ist unbedingt, noch zu erledigen...“ Zur Freiheit hat uns Christus befreit.

Aus dieser Freiheit heraus entwickle ich viele neue Ideen, begegne Menschen offener als wenn ich so angespannt bin. Sie kennen das selbst von sich. Deshalb freuen wir uns ja auch so auf den Urlaub, die Sommerferien.

Für die Ferien möchte ich Ihnen etwas mit auf den Weg geben, sozusagen eine Anleitung, Freiheit neu zu entdecken und zu genießen.

Ich habe diese Anleitung bei Joan Erickson gefunden, der Frau des Entwicklungspsychologen Erik Erickson. Joan Erickson ist über 90 Jahre alt geworden, sie war Tänzerin, eine warmherzige, lebensfrohe Frau, bis ins hohe Alter hinein.

Sie schreibt:

  1. Ache auf deine Sinne: Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Fühlen
  2. Verlass dich auf deine Stärken, die du im Humor, der Erfahrung, in der Fantasie finden kannst
  3. Wertschätze dich selbst und versuche nicht, um jeden Preis anderen zu gefallen.
  4. Teil dein Wissen mit anderen und gib es weiter
  5. Spiele so oft du kannst
  6. Versuche, zufrieden zu sein
  7. Sei bereit, Herausforderungen anzunehmen.

Ein ganzer Katalog von guten Ratschlägen, Vielleicht gefällt Ihnen einer besonders gut und Sie probieren ihn mal aus. Bei Paulus, diesem weisen Mann in der Bibel heißt es: „Das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Lassen Sie es uns ausprobieren in diesen Sommertagen. Ich bin gespannt darauf, was uns bei diesem Leben in Freiheit begegnet.


Pfrn. Kerstin Grünert

19. Juni 2016

Und zum Schluss: Vertrauen

von Pfrn. Kerstin Grünert, Erndtebrück

Mutig. Grenzgänger! Draufgänger?
Zurückhaltend. Angsthase?
Es gibt sie von allen Sorten. Menschen können ja so unterschiedlich sein. Der eine liebt das Abenteuer, die ständige Herausforderung. Kann es kaum erwarten, wieder mal die eigenen Grenzen zu erspüren. Der andere mag es eher kontrollierter, möchte lieber alle Eventualitäten erwogen und abgeschätzt haben. Für den Fall, dass etwas schief geht, oder passiert, will er den Notfallplan schon in der Tasche haben.

Mit dem Risiko ist das nämlich so eine Sache. Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Das steht schon in der Bibel so. Ist aber vielleicht ein bisschen zu pessimistisch gedacht. Es muss ja nicht immer was passieren. Ich bin eher geneigt, den Ausspruch ein wenig abzuändern: Wer sich in Gefahr begibt, kann darin umkommen – muss aber nicht.

Ganz schön schlau, oder? Aber lässt sich auch sagen, was uns nicht umkommen lässt, wenn wir uns in Gefahr begeben? In den Bergen, auf hoher See, im Abenteuer-Urlaub oder im Einsatz, wenn es darum geht, anderen zu helfen und selbst dabei ein Risiko einzugehen.

Eine gute Ausrüstung ist wichtig. Ganz klar. In die Berge geht man heute nicht mehr mit genagelten Schuhen, Lodenjacke und Strohseilen. Da ist die Technik schon ein bisschen weiter und erleichtert so manchen Gipfelsieg. Und trotzdem zeigt der Berg hin und wieder, dass er sich nicht vollends bezwingen lässt. Moderne Navigation macht es nahezu unmöglich, dass sich heutzutage noch ein Schiff auf den Weltmeeren verirrt. Und auch Rettungskräfte jeglicher Art sind in den meisten Fällen so gut ausgerüstet, dass das Helfen sie selbst eigentlich nicht in Gefahr bringen sollte.

Wer großes leisten will, muss gut im Training sein. Kondition ist am Berg, auf dem Meer und im Einsatz wichtig. Handgriffe müssen geübt werden und in Fleisch und Blut übergegangen sein. Dass man sie in jeder Situation abrufen kann. Ich muss mich und meine Leistungsfähigkeit einschätzen können. Und das setzt Ehrlichkeit voraus. Vor mir selbst. Wo es um ein Risiko geht, muss ich mir und anderen nichts beweisen. Ich bin Profi in dem, was ich tue, wenn ich den Weg gehe, der zu mir passt. An der Stelle helfe, wo ich gefordert werde.

Und da sind wir auch schon beim letzten Punkt, vielleicht dem wichtigsten, angelangt: Vertrauen.

Ausrüstung und Kondition sind unerlässlich. Aber ich muss auch vollends vertrauen können: auf mich und meine Fähigkeiten, das Material vernünftig einsetzen und Situationen richtig einschätzen zu können.

Und ich muss auch in der Lage sein, mein Vertrauen auf andere zu setzen. Kollegen, Kameraden, Freunde. Ein Risiko kann man am besten bezwingen oder abwenden, wenn man nicht allein unterwegs ist. Auch wenn es manche Grenzgänger gibt, die am liebsten alles mit sich selbst ausmachen. Zu zweit ist in der Regel doch besser als allein. Mit einem Kameraden an meiner Seite ist der Mut doppelt so groß, der Weg nur halb so weit und die Hindernisse einigermaßen zu überwinden. Angst verschwindet zwar nicht wie von Zauberhand, aber sie ist gemeinsam leichter zu überwinden. Das Risiko verliert ein wenig den Schrecken. Ich kann das schon - ich habe ja einen an meiner Seite, der wird mich halten!

Am Berg, auf dem Wasser, im Einsatz, ein Leben lang:
Gott, erinnere uns dran, unser Leben und das der anderen zu achten und zu schützen.
Es sind unsere Familienangehörigen und Freunde, Kollegen und Kameraden, mit denen wir unser Leben teilen.
Lass uns dieses Leben aus deinen Händen annehmen,
mit dem Vertrauen, dass du uns behütest und mit deinem Segen begleitest.
Amen!


Pfrn. Silke van Doorn

12. Juni 2016

Regeln - und die Freiheit

von Schulreferentin Pfrn. Silke van Doorn

Über Regeln kann man sich aufregen - sie beschränken meine Freiheit. Regeln kann man feiern - sie ermöglichen meine Freiheit.

Wie ist das denn nun - so oder so? Die weise Antwort ist: Es kommt darauf an. Aber worauf kommt es an?

Das Regelwerk der Fifa ist rechtzeitig zum Beginn der Europameisterschaft vorgestern überholt worden. 95 Regeln wurden geändert, um das Spiel einfacher zu gestalten. Ob es so sein wird? Täuschungen sollen zumindest nicht mehr so leicht möglich sein: Beim Elfmeter darf keiner mehr stoppen und den Torwart verwirren. Die Mauer beim Freistoß wird verboten, da sie nur die Sicht des Torwarts auf den Schützen verhindern sollte. Täuschungen und Undurchsichtigkeiten werden zurückgestutzt. Hört sich nach guten Regeln und Absichten an. Fußball ohne Regeln wäre undenkbar. Auch wenn der eine oder andere Spieler, der gerade eines Regelstoßes bezichtigt wurde, das nicht erfreulich findet. Trotzdem sind sich alle einig: Ohne fest Regeln, ohne Schiri - kein Fußball.

Ohne feste Regeln kein freiheitliches Miteinander. Jüdische Menschen auf der ganzen Welt feiern heute ein Fest - Schawuot. Sie feiern sieben Wochen nach dem Pesachfest, dass ihnen als Spielregeln ihrer neuen Freiheit Gott die Zehn Gebote am Berg Sinai gab. Gleichzeitig hat er einen Bund mit dem Volk Israel geschlossen: Ihr sollt mein Volk sein und ich will eurer Gott sein. An eurer Gerechtigkeit sollt ihr erkannt werden.

Das Volk hatte sich feierlich versammelt und sprach wie aus einem Munde: Alles, was du uns gesagt hast: Wir wollen es tun. Wir wollen es hören. Sie ahnten damals nach ihrer Befreiung aus dem Sklavenhaus, dass die Freiheit, der sie entgegenzogen drohend und neu war. Wie sollten sie damit umgehen? Sie hatten nur Unterdrückung kennen gelernt. Sie wollten nicht mehr unterdrückt werden. Sie wollten selbst nicht unterdrücken. Die Rollenvorbilder fehlten.

Einen Gedankenanstoß hat Gott nun seinem ihm anvertrauten Volk gegeben: die Zehn Gebote. So knapp wie es nur geht hat Gott das Wichtigste zusammengefasst. Es ist mehr als ein Regelwerk. Es ist eine Verheißung: Ich bin der, der dir nahe ist, dein Gott. Vertraust du mir, dann wirst du nicht morden, nicht stehlen, nicht… All das nicht tun, was ein gutes Miteinander ins Wanken bringt und den Spiel- vielmehr Lebenslauf zerstört.

Über das jüdische Volk sind diese Zehn Gebote auch zu denen der Christinnen und Christen geworden. Letztlich aber prägen sie sogar die Menschenrechtserklärung und sind damit für die Menschheit gegeben.

Wie wunderbar: Jüdinnen und Juden feiern mit diesem Fest, dass ihrer Gemeinschaft und damit letztlich der Welt diese lebensförderlichen Gebote gegeben wurden. Sie feiern es mit Fröhlichkeit, mit grünen Zweigen und mit Käsekuchen. Denn wie Milch dem Säugling zur Nahrung gegeben wird und ihn einzig am Leben erhält, so hat Gott seinem Volk die Gebote gegeben. Deswegen wird Milchiges gegessen an diesem Fest.

Ein Hoch also auf die Regeln, die unser Miteinander fördern und erhalten.

Ein frohes Fest allen Schawuot-Feiernden.

Und ein gutes, faires Miteinander denen, die sich in den nächsten vier Wochen zusammenfinden, um gemeinsam zu feiern, zu jubeln, zu leiden… Fußball bildet eben das Leben in Gemeinschaft ab. Wie ginge das nur ohne Regeln?


Pfrn. Claudia Latzel-Binder

5. Juni 2016

Gottes Liebe ist der Schlüssel

von Pfrn. Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg

In den nächsten beiden Wochen nehme ich an einer Bildungs- und Begegnungsreise für Pfarrerinnen und Pfarrer nach Ruanda teil. Das Thema ist kirchliche Versöhnungsarbeit. 22 Jahre nach dem furchtbaren Genozid an den Tutsi in diesem Land geht es um die gesellschaftliche Aufgabe von Kirche, das Miteinander heilsam, friedenstiftend und versöhnend zu gestalten. Dabei kommt natürlich auch die Frage zur Sprache, wie das sein kann, dass ein Nachbar zu des anderen Monster wird und dass schlimmste Gräueltaten sich in einer Gesellschaft so schnell und selbstverständlich ausbreiten wie eine Schnupfenwelle, die im November grassiert und einen halt so erwischt.

Sie merken, diese Sätze sind nicht auf ein afrikanisches Land beschränkt. Das ist unsere Geschichte - die in Zeiten des Nationalsozialismus und die aktuelle. Spätestens seit dem Zusammenbruch des ehemaligen Jugoslawiens ist uns bewusst, dass das Eis der Zivilisation, der Mitmenschlichkeit und des Anstandes auch in Europa nach wie vor sehr dünn ist. Schnell ist eine Nation durchgebrochen und sind Menschen enthemmt, unvorstellbare Grausamkeiten wie selbstverständlich auszuüben.

Der Bericht des Innenministers Thomas de Maizière aus der vergangenen Woche hat mich betroffen gemacht. Er spricht von einer Teilverrohung unserer Gesellschaft. Er verzeichnet einen enormen Anstieg von Gewalt gegen Flüchtlinge und Flüchtlingshelfer. Seit Jahresbeginn hat es allein 449 Übergriffe auf Flüchtlingsheime gegeben. Flüchtlingshelfer und Politiker werden beleidigt, diffamiert, mit Hassmails und Drohbotschaften versehen. Die Täter sind erschreckender Weise oft Menschen aus der unmittelbaren Nachbarschaft, die bis dahin strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten sind.

Wo kommt das her? Ist der Mensch so ein ethisches Mängelwesen, dass er seine Liebe nur ein paar Menschen seiner Familie und seines Freundeskreises zuwenden kann? Welche Angst liegt hier zugrunde? Offensichtlich ist es so, dass schon eine steigende Zahl von Flüchtlingen bei uns die Fassade der Anständigkeit zerschlagen kann. Mitmenschlichkeit und Respekt vor Menschen anderer Kulturen, Religionen, ethnischer Zugehörigkeit oder politischer Gesinnung sind nicht selbstverständlich.

Christliche Nächstenliebe als Wert ist eben kein Allgemeingut, das man ein für alle Mal hat. Es gibt sie auch nicht als Vorrat, wie wir ja auch nicht auf Vorrat atmen oder essen und trinken. Man muss sie vielmehr einüben und trainieren. Täglich. In den kleinen Dingen, wie den großen, den privaten, wie den politischen. Stellen wir die Nächstenliebe ein, gefährden wir nicht so offensichtlich und unmittelbar das eigene Leben wie beim Atmen oder der Nahrungsaufnahme, aber doch sehr schnell den Lebensraum von anderen. Nächstenliebe will immer gelebt sein.

Die wichtigste Übung dafür ist es, sich jeden Tag die unendliche Menschenliebe Gottes bewusst zu machen. Sie kennt keine kulturellen, ethnischen, politischen oder religiösen Grenzen. Sie macht darum unsere engen Grenzen weit und schenkt einen barmherzigen und liebevollen Blick auf die Menschen, auch wenn sie einem fremd sind. Sie gilt Ihnen und mir. Und damit ist sie Hoffnung für unser Land, für Ruanda und für die ganze Welt. Hoffnung auf Versöhnung und Frieden.


Pfrn. Kerstin Grünert

29. Mai 2016

Nur die faulen Momente...

von Pfrn. Kerstin Grünert, Erndtebrück

Immer gibt es viel zu tun. Manchmal hat der Tag sogar zu wenig Stunden. Dann will man alles erledigen, vielleicht sogar vorarbeiten, um sich in einem anderen Moment etwas Freizeit zu gönnen. Um die dann auch wieder nicht zu nutzen.

Ja, man müsste einfach viel mehr mal wieder faul sein. Den lieben Gott einen guten Mann sein lassen und mal nicht die Welt retten wollen. Nein, das geht gar nicht. Nicht etwa, weil die Welt nicht auch einmal ohne mich auskommen könnte, aber einfach nichts tun? Dann kann man doch hinterher gar kein Ergebnis sehen.

Die Tür dreht sich in der Angel und der Faule in seinem Bett.“ Sprüche 26, 14

Na also, da steht es doch. Im Buch der Sprüche. Der Faule dreht sich im Bett noch einmal herum. Und vielleicht auch noch ein zweites und drittes Mal. Er lässt die Welt draußen, will nichts sehen und hören, zieht sich die Decke über den Kopf. Da hat die Bibel schon Recht. Nicht etwa, weil man nicht im Bett liegen bleiben darf. Aber die Welt draußen vor der Tür zu lassen, das ist auf Dauer nicht gesund. Dann bleibe ich irgendwann nur noch alleine übrig. Mit der Decke über dem Kopf. Außerdem ist es auch nicht besonders schwierig, faul zu sein, wenn ich die Fensterläden dicht mache.

Da halte ich es doch eher mit Pippi Langstrumpf. Die hat schon immer eine vernünftige Einstellung zum Thema Faulsein gehabt.

Faulsein ist wunderschön,
denn die Arbeit hat noch Zeit.
Wenn die Sonne scheint
und die Blumen blüh‘n,
ist die Welt so schön und weit.

Nicht die Decke über den Kopf ziehen und die Welt draußen vor der Tür lassen. Sondern die Augen wieder aufmachen und die volle Schönheit erkennen. Weg mit den Scheuklappen, die mir immer ins Ohr flüstern: Du musst aber… Jetzt mach mal…! Faulsein nach Pippi Langstrumpf heißt hier, zu erkennen, wann es genug ist. Die Zeit richtig einzuschätzen, den Blick schweifen zu lassen, nach rechts und nach links und auch wieder ins Genießen zu kommen.

Liebe Leute, seid mal wieder faul! Und zwar den ganzen Tag lang, immer mal wieder. Ihr werdet sehen, das ist gar nicht so einfach. Immer mal wieder inne halten und den Blick schweifen lassen. Nach innen, und vor allen Dingen nach rechts und nach links. Pippi-Langstrumpf-Momente schützen uns davor, engstirnig und eingefahren zu sein. Perspektivwechsel sind nämlich wichtig und notwendig, um in der fleißigen Zeit über die Runden zu kommen.

Erst wenn ich mich zurücklehnen und mit Abstand auf meine Leistung blicken kann, dann bin ich auch in der Lage zu reflektieren und mein Werk auch kritisch zu betrachten. Und faul und entspannt kann ich dann mit der Kritik auch ganz anders umgehen, als abgehetzt und schnurstracks aufs Ziel ausgerichtet. Wehe, da kommt dann etwas dazwischen, oder jemand!

Wer hin und wieder faul ist, den Blick schweifen lässt, gerät leichter in Bewegung. Denn nur die faulen Momente lassen erkennen, wie sehr wir Bewegung brauchen. Den Blick durch einen faulen Moment geschärft, lässt uns die Ecke im Leben und in der Welt finden, in der wir gebraucht werden, um uns dann voll Energie wieder in die Arbeit stürzen können!


Pfr. Horst Spillmann

22. Mai 2016

Daumendrücken ist zu wenig

von Pfr. Horst Spillmann, Arfeld

„Halt's Maul, jetzt kommt der Segen!“ - so herrschte am Ende eines Gottesdienstes ein Jugendlicher seinen Kumpel neben ihm in der Kirchenbank an, damit dieser endlich mit dem Quatschen aufhören sollte.

„Halt's Maul, jetzt kommt der Segen!“

Mag man auch alles andere überhören und mit den Gedanken während des Gottesdienstes ganz woanders sein, beim Segen aber ist nun die ganze Aufmerksamkeit gefragt. Hier kommt es darauf an, ganz präsent zu sein. Dieser Jugendliche hatte erkannt, worauf es ankommt: Der Segen, ja, den will ich haben und den lass' ich mir nicht von anderen zerquatschen. (Und damit schaffte es sein Segenswunsch sogar, als Buchtitel gedruckt zu werden.)

Der Segen, eigentlich doch nur ein Satz, eine Formel, fast abgegriffen, weil so häufig gehört (von manchen jedenfalls) – und doch ist eine Kraft in ihm, die auf Menschen überspringt, in sie eingeht und sie im Alltag begleitet. „Geh' unter der Gnade, geh' mit Gottes Segen…“, ein guter Wunsch, häufig auf den Konfirmandenfreizeiten von den Konfirmanden so gesungen!

Ich bin dankbar für den Segen Gottes, weil er mich entlastet. Nicht ich muss dem anderen die Daumen drücken, damit ihm Gutes widerfährt - was ja eigentlich nur eine säkulare Segensform und damit Ausdruck spiritueller Hilflosigkeit ist - nein, ich darf diesen Menschen bewusst unter Gottes Obhut und Fürsorge stellen und die wirken weiter, als alles menschliche Wünschen und Wollen.

Ein Elternpaar erzählt von seinem Kind, das in massiver Gefahr ist, auf die schiefe Bahn zu geraten. Die Eltern kommen nicht mehr an ihr Kind heran, es blockiert, lässt sich nichts mehr sagen. Und doch: Für ihr Kind in der eigenen Ohnmacht beten, es unter den Segen Gottes stellen, damit Gott auf diesen krummen Linien das Leben des Kindes wieder gerade schreibt, das können die Eltern noch immer. Auch wenn es körperlich und seelisch weit entfernt sein sollte, Gottes Fürsorge kann dies Kind überall erreichen.

Wie sagte es eine Großmutter: „Ich bete täglich für meinen Enkel, dass er in seinem Leben bewahrt bleibt, besonnen und überlegt in seinem verantwortungsvollen Beruf handelt – zum Segen auch für die, die ihm anvertraut sind.“ Sie hatte erkannt: Daumendrücken ist zu wenig. Ja, geben wir mehr, reichen wir den Segen Gottes weiter. Und wenn sie ihn selbst brauchen, dann holen sie ihn sich sonntags im Gottesdienst oder lassen sich von einem Christen, der es im Glauben ernst meint, segnen. (Ja, warum eigentlich nicht ausdrücklich auch im Gottesdienst?)

Mögen ihnen die Lieder im Gottesdienst mitunter nur gequält über die Lippen kommen, mag die Predigt sie auch nicht von der Kirchenbank reißen, öffnen sie dann aber noch einmal Augen, Ohren und das Herz, wenn das Ende kommt: der Segen. Ergreifen sie den so zugesprochenen Segen mit einem glaubensvollen Herzen: Er wird ihr Leben verwandeln und dann auch am Ende über ihrem Leben stehen!


Pfr. Steffen Post

15. Mai 2016

Miteinander statt Gegeneinander

von Pfr. Steffen Post, Bad Laasphe

In England spricht man vom „blauen Wunder“ und auf dem Festland vom „größten europäischen Fußballmärchen“: Gemeint ist damit der Fußballverein Leicester City, der in diesem Jahr englischer Meister geworden ist; ein Verein, der in der vergangenen Saison fast abgestiegen wäre, der über vergleichsweise bescheidene finanzielle Mittel verfügt und der in dieser Saison alle namhaften Vereine, wie Manchester United, FC Chelsea, FC Arsenal und Manchester City hinter sich gelassen hat.

Viele Fußballexperten haben in diesen Tagen versucht, die Hintergründe für diesen Erfolg zu analysieren. Dabei fällt immer wieder das Stichwort „Teamgeist“, den diese Mannschaft mit ihrem italienischen Trainer Claudio Ranieri in den Spielen an den Tag gelegt hat; ein Stichwort, dass mich an das erste Pfingstfest denken lässt.

In der Bibel wird erzählt, wie Jesus an diesem Tag seine Jünger mit der Kraft des Heiligen Geistes beschenkt und sie sozusagen als seine Mannschaft aufstellt. Durch diesen Teamgeist bekommen sie Mut, nach draußen zu gehen und den Menschen in Jerusalem die gute Nachricht von Jesus Christus zu erzählen. Dabei erleben sie ein Wunder: Mit Hilfe des Heiligen Geistes werden Sprachbarrieren überwunden und so Grenzen übersprungen: „Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache?“ ist die erstaunte Reaktion der Menschen in Jerusalem (Apostelgeschichte 2, 8).

Somit wird das Pfingstgeschehen für mich zu einem Ereignis, bei dem der Heilige Geist Menschen aus ganz verschiedenen Sprachen und Kulturen zu einem Team verbindet und die dabei miteinander ins Staunen geraten, wie Gott unter ihnen wirkt. Das Pfingstfest wird somit für mich zum Anlass dankbar in den Blick zu nehmen, wo Menschen sich über sprachliche, nationale und konfessionelle Grenzen hinweg aufeinander zubewegen, einen gemeinsamen Teamgeist pflegen und sich für das Miteinander zwischen unterschiedlichen Menschen einsetzen.

Auf kirchlicher Ebene denke ich dabei an zwei Gottesdienste am Pfingstmontag, in denen dieser Teamgeist praktiziert wird: Zum einen an den Partnerschaftsgottesdienst im Abenteuerdorf Wittgenstein in Wemlighausen mit Gästen aus dem Kirchenkreis Ngerengere in Tansania und zum anderen an den Ökumenischen Bittgottesdienst für die Einheit der Christen in der Katholischen Kirche in Bad Laasphe.

Daneben sind für mich aber auch die Bemühungen auf kommunaler Ebene im Rahmen von Städtepartnerschaften mit befreundeten Gemeinden in England, Frankreich oder anderen europäischen Staaten Ausdruck dieses pfingstlichen Teamgeistes, wo man zum Teil schon über viele Jahre hinweg Freundschaften pflegt und sich für Verständigung und ein Miteinander zwischen den Nationen einsetzt. So wünsche ich mir, dass dieser pfingstliche Teamgeist bei uns in Wittgenstein, in Europa und in der Welt mehr und mehr um sich greifen möge, weil er uns zum Miteinander und nicht zum Gegeneinander anleiten möchte.


Pfrn. Silke van Doorn

8. Mai 2016

Ein Tag der Befreiung

von Schulreferentin Pfrn. Silke van Doorn

... und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Micha 4
Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten. Psalm 118, 5

Europa und die Welt waren erlöst an diesem Tag – heute vor 71 Jahren: Endlich frei von der Tyrannei des Krieges, von der Selbstherrlichkeit der Übermenschen. Nachdem 40 Jahre lang in Deutschland am 8. Mai der Tag der Kapitulation erinnert wurde, hat Bundespräsident Richard von Weizäcker in seiner großartigen Rede 1985 den 8. Mai 1945 „Tag der Befreiung“ genannt. Gemeinsam mit allen Europäern stimmten alle in den Gedanken der Befreiung ein.

Jedes Jahr neu freue ich mich über den Tag und will ihn feiern, dankbar sein, dass es ihn so gegeben hat. Bitter ist an diesem Tag, dass Krieg notwendig war, den Tyrannen und sein Reich mit all seinen Unterstützern und Mitläufern zu stoppen. Viel lieber möchte ich den Gedanken des Propheten Micha weiterdenken, dass alle Völker auf Erden die Sehnsucht nach Frieden und Freiheit und Heilsein unveränderlich packt, wenn sie von dem Wort Gottes berührt sind. Dass sie gar nicht mehr wissen, wie Krieg geführt wird.

Aber 71 Jahre nach dem Ende des nationalsozialistischen Reiches und des Zweiten Weltkriegs, die zusammen 80 Millionen Menschen das Leben kosteten, wissen Menschen immer noch zu gut, wie sie Krieg anzetteln. In so vielen Ländern der Erde gibt es Kriege, die sogar gegen das eigene Volk oder andere Ethnien im Lande geführt werden. Es bedeutet, dass die Völkergemeinschaft dagegen aufstehen muss. Dabei darf Krieg immer nur das letzte Mittel sein. Verhandeln, Wirtschaftsembargos und vor allem der Stopp von Waffenlieferungen müssen an erster Stelle stehen.

Mit Udo Lindenberg in einem Kinderfriedenslied kann man fragen: „Habt ihr alle Milliarden Menschen überall auf der Welt gefragt, ob sie das so wollen, oder geht's da auch um Geld. Das Geld für die wenigen Bonzen, die die Panzer und Raketen bau'n, um dann Gold und Brillanten zu kaufen für ihre eleganten Frau'n. Oder geht's da nebenbei noch um so religiösen Zwist, dass man sich nicht einig wird, welcher Gott nun der wahre ist?“

Machterhalt und Gewinn sind die wichtigsten Faktoren für Krieg. Religion wird in der Regel instrumentalisiert, um die Macht der Machthaber größer zu machen. Das bringt Gott in Misskredit. Denn er ist ein Gott, der Frieden will. Hier und jetzt auf Erden, nicht erst in der kommenden Welt. Gott wirbt bei uns darum. Und leidet, wenn Menschenverachtung und Grausamkeit groß bleiben. Er setzt auf seine Menschen guten Willens. Auf dass es viele Gedenktage der Befreiung gibt und keinen Krieg mehr.


Pfr. Peter Liedtke

1. Mai 2016

„Ich liebe diese Tage“

von Flüchtlingspfarrer Peter Liedtke

Vor zwei Jahren wurde ich von einer Zeitung im Interview gefragt, welche Lieder ich im Moment gern und oft höre. Natürlich dachte ich an Kirchenlieder, aber es gab ein Lied im Radio, das ich immer lauter stellte, wenn es gerade lief: „Ich liebe diese Tage“. Die Melodie spielte natürlich eine Rolle, aber auch die Haltung, die der Sänger abbildete: „Ich liebe diese Tage, egal wie Scheiße es war.“ So lautet der Anfang des Refrains. So zu leben, das fand und finde ich attraktiv. Nicht festhalten am Jammern, was ich auch gut kann, nicht immer nur das Negative sehen. Jeden Tag kann ich etwas entdecken, einen Schatz heben, mitten im Alltag. Mal ist es ein Gespräch, mal ein Spaziergang mit Hund, mal ein Anblick oder ein Erfolgserlebnis. Manchmal ist es sogar im Schlechten verborgen, dann wenn ich mich von einer Niederlage nicht fertigmachen lasse, sondern sie durchstehe. Oder wenn ich aus eigener Kraft einen Weg finde, heraus aus Wut, Enttäuschung, Traurigkeit. Oder es tröstet mich jemand, von dem ich es nicht erwartet habe. Das sind ganz starke Momente. Sie zu sehen und sie nicht zu übersehen, das tut gut. Dann geht mir das Herz auf und ich kann singen „Ich liebe diese Tage, egal wie Scheiße es war“.

Doch warum gelingt mir das nicht jeden Tag? Es gibt doch bestimmt jeden Tag etwas zu entdecken. Für mich liegt das Geheimnis in der Art, wie ich mein Leben betrachte. Ist es eine Pflichtübung, die ich irgendwie durchstehen muss? Muss ich am Ende ein Zeugnis vorweisen, wie toll ich gewirkt habe und was ich alles geleistet habe? Dann sehe ich nur das, was nicht gelungen ist. Und davon gibt es so viel. Aber wenn ich mein Leben anders verstehe, nämlich als ein großes Geschenk, ist alles anders. Dann brauche ich es nur anzunehmen, auszupacken und mich daran zu freuen. Und dann sehe ich nicht, was fehlt, meine Mängel, mein Versagen, nein, dann sehe ich Chancen, Möglichkeiten. Und wie es bei Geschenken sein soll: Ich muss dem Geber am Ende nichts beweisen, ihm auch nichts zurückzahlen. Er will nur meine Freude und Dankbarkeit sehen.

Ob wir singen - und sei es „Ich liebe diese Tage“ - oder ob wir die Hände falten und Ihm mit einem Gebet danken, wenn wir Ihm zeigen, wie dankbar wir Ihm sind für unser Leben, ist alles gesagt und getan. Natürlich gehört zum Leben noch anderes dazu. Doch das kommt, wenn meine Haltung stimmt, ganz von allein. Wer geliebt wird und dankbar ist, dessen Herz fließt über!


Pfr. Steffen Post

24. April 2016

„Auf Adlers Flügeln“

von Pfr. Steffen Post, Bad Laasphe

Als ich neulich die Vorschau für das Kinoprogramm las und später die ersten Filmausschnitte im Fernsehen sah, wurde ich in meine frühe Jugendzeit zurück versetzt. In den 80er Jahren zählten die Vierschanzentournee im Skispringen und die Übertragungen zu den Olympischen Winterspielen zu meinem Pflichtprogramm beim Fernsehen. Und da tauchte er dann auf einmal auf: DER Skispringer aus DER Skisprungnation schlechthin, der Engländer Michael Edwards, genannt Eddie, the Eagle, also: Eddie, der Adler. Mit seinem leichten Übergewicht, seiner dicken Hornbrille, die nur mit viel Mühe unter die Skibrille passte und seinen Sprüngen um die 60 Meter, während die Weltspitze zu dieser Zeit fast doppelt so weit sprang, sorgte er für Verwunderung bei Sportlern und Zuschauern. Der letzte Platz war ihm stets sicher, aber er sprang für einen Traum: Er wollte unbedingt für sein Land an den Olympischen Spielen teilnehmen. Weil er 1987 mit 73,5 Metern englischen Rekord sprang, ging dieser Traum 1988 in Calgary in Erfüllung. Wie nicht anders zu erwarten belegte er auch hier beim Springen von der Normal- und von der Großschanze den letzten Platz. Bei der Abschlussfeier dankte der Chef des Olympischen Organisationskomitees, Frank King, den Athleten mit den Worten:Sie haben Weltrekorde gebrochen, persönliche Bestleistungen aufgestellt und einer von ihnen flog wie ein Adler. Daraufhin jubelten 100.000 Zuschauer und schrien Eddie, Eddie. Später bezeichnete Eddie Edwards diesen Moment als den größten in seiner Karriere.

Dieser sportliche Werdegang von Eddie Edwards ist für mich eine Hoffnungsgeschichte, die mir zeigt wie mit ein bisschen Phantasie, einer Portion Durchhaltevermögen und einer Prise Zielstrebigkeit ein Lebenstraum in Erfüllung gehen kann. Es ist für mich eine Hoffnungsgeschichte, die dazu ermutigt, sich nicht von den ersten Rückschlägen verunsichern zu lassen, sondern am angestrebten Ziel festzuhalten, auch wenn man dabei vielleicht belächelt wird.

Es ist auch deshalb für mich eine Hoffnungsgeschichte, weil das Bild vom Adler mich an zwei Texte denken lässt, die diese Ermutigung mit einer Zusage Gottes für mein Leben in Verbindung bringen. So lädt das Gesangbuch ein, Gottes Spuren auch in meinem Leben zu entdecken:

Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, der dich erhält, wie es dir selber gefällt; hast du nicht dieses verspüret? (Evangelisches Gesangbuch 316, 2), während der Prophet Jesaja die Menschen seiner Zeit ermutigt: Gott gibt den Müden Kraft, und die Schwachen macht er stark. Selbst junge Leu­te werden kraftlos, die Stärksten erlahmen. Aber alle, die auf den Herrn vertrauen, be­kommen immer wieder neue Kraft, es wachsen ihnen Flügel wie dem Adler. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und brechen nicht zusammen. (Jesaja 40, 29ff.)

Eine gesegnete Woche mit oder auf Adlers Flügeln wünscht Ihnen,
Pfarrer Steffen Post


Pfrn. Kerstin Grünert

17. April 2016

Streichholz oder Feuerlöscher?

von Pfrn. Kerstin Grünert, Erndtebrück

Es ist schon nach Elf. Ein langer Tag scheint endlich zu Ende zu sein. Viel war los heute, die unterschiedlichsten Sachen. Freud und Leid mal wieder dicht beieinander. Und dann noch Presbyteriumssitzung am Abend. Wie das eben so ist. Es gibt viele, wichtige Dinge zu besprechen und das dauert dann eben auch. Fast Viertel vor Elf war es am Ende wieder. Und jetzt? Schnell ins Bett? Denn der nächste Tag wird auch wieder anstrengend.

Nein, ich muss erst noch runterkommen. Ich gehe ins Wohnzimmer und wie automatisch fühle ich am Ofen, ob er noch warm ist. Ein bisschen noch. Es würde bestimmt gut gehen. Also nehme ich vom Holz, hole die Streichhölzer und versuche, das Feuer in Gang zu kriegen. Wie erwartet brennt es schnell. Es brennt gut, lodert schön vor sich hin.

Ich finde, es gibt ja nichts, das mehr entspannt, als in ein Feuer zu schauen. Jedenfalls, wenn es so kontrolliert und gebändigt brennt wie eben im Ofen, hinter der Scheibe. Ich sitze also da, genieße das Feuer und lasse den Tag Revue passieren.

Und ich komme ins Nachdenken über das Feuer.

Feuer - plötzlich ist es da - es brennt - verzehrt - leuchtet; wo kommt es her?

Dann verschwindet es wieder. Ausgelöscht - wo geht es hin?

Was ist das, Feuer?

Für Tiere ein Schrecken, für Menschen ein Segen, wenn es gebändigt wird: Es gibt uns Wärme, Licht, dient zum Kochen. Wir brauchen das Feuer zum Leben.

Ein Fluch, wenn es außer Kontrolle gerät: Es zerstört, tötet, hinterlässt nur Asche.

Im Feuer steckt elementare Kraft: Da ist das Feuer der Leidenschaft, brennende Liebe.

Ich kann jemanden anfeuern und dem Müden Feuer unter dem Hintern machen, beides brennend, voller Leidenschaft.

Ich überlege: Manchmal komme ich mir vor wie ein Streichholz. Da bin ich so begeistert, dass ich unbedingt andere anstecken muss. Da will ich austeilen von dem, was ich für mich im Überfluss habe. Da geht es gar nicht anders. Da will ich es um mich herum brennen sehen.

Und dann fange ich an zu zündeln, in der Hoffnung, dass der Funke überspringt. Ja, ich hoffe, dass ich ein nützliches Feuer entzünde, eins, das wärmt und Licht bringt. Ich freue mich über das lodern der Flammen, über das Knacken und Knistern. Wo Gottes große Liebe in einem Menschen brennt. Ja, manchmal ist das echt so. Dann schlagen die Flammen hoch. Dann kann ich voller Leidenschaft von der Liebe Gottes erzählen und austeilen, Streichholz sein.

Manchmal ist das genau anders herum. Da muss ich den Brand bekämpfen. Fenster und Türen schließen, das Feuer im Keim ersticken. Keinen Sauerstoff mehr liefern, nicht dass die Glut noch einmal ins Lodern kommt. Das mag ja für die Brandbekämpfung genau das richtige sein. Das Feuer unter Kontrolle haben. Nichts riskieren. Die Glutnester zerstören, ehe sie noch mehr Schaden anrichten. Das sind Vokabeln, die mir eigentlich nicht so schmecken. Aber auch die Brandbekämpfung gehört dazu.

Es gibt Momente, da müssen die Flammen hoch hinaus lodern. Dass man den Feuerschein weit sehen kann. Dann ist auch mal ein kontrolliertes Abbrennen gefordert. Ein ordentliches Feuer, aber in notwendigen Grenzen. Und manchmal muss ein Feuer auch im Keim erstickt werden. Dann darf es keine Flammen geben, denn sie würden nur zerstören und Schaden anrichten.

Nicht nur lodern, sondern auch kontrolliertes Abbrennen. Beides kann sein. Beides bringt Licht, beides liefert Energie zum Vorankommen. Es ist eben jeden Tag, in jedem Fall eine neue Entscheidung: Streichholz oder Feuerlöscher?


Pfr. Horst Spillmann

10. April 2016

Christus - oder nix!

von Pfr. Horst Spillmann, Arfeld

Das nenne ich mal eine Überzeugung: Da wurde der Trainer von Bayern München im Jahr 2013 von den Clubverantwortlichen gefragt, welchen Spieler er noch benötige. Antwort des Trainers: „Thiago oder nix.“ Thiago, gemeint war der spanische Jugendfußballnationalspieler mit herausragendem Talent; der allein sollte es sein, der sei eine echte Verstärkung für die Mannschaft.

Wann haben wir das zum letzten Mal gesagt: „Nur das will ich, sonst nichts!“? Vielleicht beim Partner: „Nur der oder die soll es sein!“ Vielleicht bei der Auswahl der Arbeitsstelle, beim Autokauf, beim Schuhkauf, obwohl: Die Wahlmöglichkeiten sind mitunter schier unerschöpflich… Und warum sich überhaupt festlegen? Es wird uns doch leicht gemacht im Unverbindlichen zu bleiben: Wir bestellen über das Internet und wenn uns die Ware nicht gefällt, wird sie innerhalb von 14 Tage meistens noch kostenlos retourniert und man hält nach Neuem Ausschau. Na ja, und wenn bei Facebook jemand mehr als 100 sogenannte Freunde (Follower) vorweisen kann, dann wäre es interessant zu wissen, ob er auch tatsächlich einen einzigen wirklichen Freund darunter hat. Aber man kann ja auch Freunde löschen… So prägen fast grenzenlose Auswahl und Unverbindlichkeit mehr und mehr unser Leben.

Und schauen wir in die Welt hinein, wie da um unsere Aufmerksamkeit gebuhlt wird und wir darüber regelrecht in einen Entscheidungsstau geraten, wem wir unsere kostbare Zeit, unser Geld, unsere Kraft zukommen lassen sollen. Wer ist es wert, dass wir uns ihm geben?

Ohne Umschweife gibt die Bibel durchgängig die eine Antwort: Allein Gott ist es wert, dass wir ihm unser Leben zur Verfügung stellen. Dabei weist Gott zugleich von sich weg hin auf seinen Sohn Jesus Christus: „Das ist mein lieber Sohn; den ihr hören sollt.“ (Markus 9, 7) Also: Christus oder nix! So formuliert es auch die Barmer Theologische Erklärung von 1934: „Jesus Christus… ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“

Es tut Not, dass wir dies auch in unserer Kirche immer wieder neu hören, um uns nicht im Kulturprotestantismus zu ergehen, wo die Gefahr besteht, dass allerlei schöne Angebote und bunter Aktionismus den eigentlichen Inhalt unseres Glaubens zu verdecken drohen oder wo wir uns hinter wohlgesetzten Lehrsätzen mit einem ermatteten Glauben verstecken. Ja, Christus muss in unser Leben.

Da fragte ein Mann seinen Freund, für den Jesus eines Tages zum Mittelpunkt und Maßstab seines Lebens geworden war: „Wenn du also nun mit Jesus leben willst, dann musst du ja auch gut über ihn Bescheid wissen. Sag mir: In welchem Land wurde er geboren?“

„Das weiß ich nicht.“

„Wie alt war er, als er starb?“

„Das weiß ich nicht.“

„Wie viele Predigten hat er gehalten?“

„Das weiß ich nicht.“

„Na, du weißt aber wirklich sehr wenig für jemanden, der behauptet sein Leben mit Christus zu leben!“

„Du hast recht. Ich schäme mich, so wenig von ihm zu wissen. Aber so viel weiß ich: Noch vor drei Jahren war ich ein Trinker. Ich hatte Schulden. Meine Familie brach auseinander. Meine Frau und meine Kinder fürchteten sich jeden Abend vor meiner Heimkehr. Aber jetzt habe ich das Trinken aufgegeben; wir haben keine Schulden mehr; wir sind eine glückliche Familie. Das alles hat Christus für mich getan. Soviel weiß ich von Christus!“ (nach Anthony de Mello)

Das ist das herzliche Vertrauen zu Gott, das Rechnen mit ihm im Leben, im Gegensatz zu einem bloßen Für-wahr-Halten irgendwelcher Glaubensaussagen.

In welchen Bereichen unseres Lebens ist Christus für uns die einzige verheißungsvolle Alternative, sodass wir uns zu dem Bekenntnis durchringen: „Hier, Herr Jesus Christus, hast du mein deprimierendes, verfahrenes Leben, hier hast du meine Probleme und Ängste, ich kann nicht mehr!“? Oder noch anspruchsvoller: „Hier hast du mein glanzvolles Leben, meinen Erfolg, meine Karriere, führe mich zu dem, was wirklich zählt und vor dir Bestand hat.“

Christus allein hat die Macht unser Leben umfassend heil, ja, ewigkeitstauglich zu machen. Dazu ist er gekommen. Deshalb: Christus oder nix.


Pfrn. Heike Lilienthal

3. April 2016

Alles ist möglich

von Pfrn. Heike Lilienthal, Kirchenkreis-Region II

Immer wieder begegnet mir in der Werbung, dass sie Worte der Bibel entlehnt.

Es ist interessant, wie für die umworbenen Produkte die Inhalte der Bibel verwendet werden.

Eines meiner Patenkinder hatte als Kind ein besonderes Faible für Werbung. „Nichts ist unmöglich - Toyota“ kam mir dadurch in den Blick und ins Ohr. Und ich habe es immer noch im Ohr. Was genau hat Toyota damit gemeint? Es bleiben keine Wünsche offen?

Ein anderes Patenkind erhielt als Taufspruch „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt“ (Markus 9, 23). Was er damit verbindet, weiß ich nicht. Aber ich weiß, was der Vers mir sagt.

Wenn ich Sorgen habe, nicht weiß, wie es weitergegen kann, ich in schwierigen Lebenslagen stecke oder auch andere Menschen, die mir wichtig sind und ich mir nicht anders zu helfen weiß, wenn ich keine Ideen für Lösungsmöglichkeiten habe, für mich, für andere, wenn ich selber an Grenzen komme, dann gebe ich es an das himmlische Großraumbüro ab. Ich vertraue, dass andere Hilfe zukommen kann, dass es Lösungen gibt, auf die ich nicht komme. Nur wann, wie, was, wo mit Gottes Hilfe etwas Unmögliches möglich wird, das weiß ich nicht. Dass es irgendwie geschehen kann, das habe ich immer wieder erfahren. Oft überraschend anders. 


Pfrn. Kerstin Grünert

25. März 2016

Glaubt und vertraut!

von Pfrn. Kerstin Grünert, Erndtebrück

Ostern ist der Aufstand Gottes gegen den Tod - so lautet die kurze und knappe Deutung dessen, was wir auch in diesem Jahr wieder feiern wollen.

In einem Satz ist auf den Punkt genau alles formuliert, was man braucht, um das Osterfest richtig zu verstehen. Der Schlachtruf der Auferstehung!

Als ich am Dienstag über meinen Ostergottesdienstes brütete und die Vorbereitung so langsam ins Rollen kam, dachte ich auch wieder an diesen Satz. Gleichzeitig machte mein Handy ständig „ping“, weil im Minutentakt die Nachrichten aus Belgien aktualisiert wurden. Noch eine Bombe mehr, die Zahl der Opfer steigt. Terror in der Hauptstadt Europas.

Ostern ist der Aufstand Gottes gegen den Tod!

Tod und Zerstörung und am Ostermorgen heile Welt im Inneren der Kirche? Wie hören die Angehörigen der Opfer in diesem Jahr wohl die Botschaft von der Auferstehung. Das Leben hat den Tod besiegt?!

Eine Zeit lang denke ich darüber nach. Schwanke zwischen Resignation und Bockigkeit. Jetzt doch erst recht vom Leben reden! Das muss ich, obwohl ich gleichzeitig Angst davor habe, dass die Welt in Gewalt, Zerstörung und Tod unterzugehen droht. Ich rufe mir die Botschaft ins Gedächtnis und halte mir selbst eine Predigt. Sonst kann ich die Vorbereitung für die Feiertage knicken.

Für uns ist das Wissen von der Auferweckung Jesu die Kampfansage unseres Gottes gegen die zerstörerischen Kräfte unter den Menschen. Gott hat Jesus herausgeholt aus seinem Grab.

Er hat den mächtigen Steinbrocken, der für immer besiegeln wollte, dass die Macht des Todes die größere ist, weggewälzt. Er hat am Morgen einen ganz anderen Tag anbrechen lassen, als je ein Mensch ihn sich erträumt hätte.

Dieser Gott hat gezeigt, dass vor der Macht des Lebens die Macht des Todes weichen muss.

ER hat gezeigt, dass sein Wille für die Menschen größer ist, mächtiger und stärker als der Wille des Menschen gegen den Menschen.

So sagt Ostern zu uns: Glaubt und vertraut!

Trotzdem!

Ostern ist der Aufstand Gottes gegen den Tod!

Oh, lieber Gott, wenn es doch nur endlich so richtig und überall wahr werden könnte!


Pfr. Peter Liedtke

20. März 2016

„Glückauf und Halleluja“

von Flüchtlingspfarrer Peter Liedtke

2019 wollen Christen sich in Dortmund treffen zum Kirchentag. Als Motto für die Vorbereitung wählte sich das westfälische Team: „Glückauf und Halleluja“. Kirchentag soll ein Fest sein, ein Fest für die Suchenden genauso wie für die im Glauben getragenen. Kirchentag lädt ein zum Diskutieren und Beten, zum Musizieren wie zum Nachdenken. Die Erwartungen sind ganz unterschiedlich. Doch alle sollen sich willkommen und angenommen fühlen, wenn sie begrüßt werden mit diesem Glückauf und Halleluja.

Glückauf - diesen Bergmannsgruß hört man auch bei uns. Glückauf - mögest du Glück haben und sich ein neuer Stollen auftun, so verstehen einfahrende Bergleute dieses Zuspruch. Aber auch die Hoffnung auf eine gute Auffahrt aus dem Berg klingt in diesem Wort mit. Das Leben der Menschen, die unter Tage schuften, ist nicht nur hart, sondern auch gefährlich. Natürlich erleben auch viele andere Menschen Unsicherheiten und Bedrohungen - wer kann schon mit Sicherheit sagen, was der nächste Tage bringt oder ob man die Möglichkeit hat, sich an dem zum Leben Notwendigen zu freuen. Die Bergmänner aber, die sich unter Tage wagten und wagen, sind sich in besonderer Weise dessen bewusst, wie bedroht das Leben ist. Ihren Halt fanden und finden sie in der Kameradschaft untereinander und im Glauben. Dieses Vertrauen auf den Kumpel an der Seite und auf Gott schwingt auch in dem Glückauf mit.

Halleluja ist mehr ein kirchlich geprägter Ausruf: Lobt Gott. In der Bibel wie im Gottesdienst ist dieses Wort zu Hause. In der Passionszeit, die wir im Moment begehen, erklingt es nicht so oft. Wir erinnern uns in diesen Tagen an das Leiden Jesu. Da wollen wir ernst bleiben. Das Sterben des einzigen, der ohne Schuld war, passt nicht zum fröhlichen Lob Gottes. Doch am Ostermorgen soll es wieder anders sein: Wenn wir hören, dass das Leben stärker ist als der Tod, sollen und wollen wir uns freuen, feiern und Gott loben: Halleluja.

Lege ich beide Bilder übereinander, bereichern sie sich gegenseitig. Ich sehe vor meinem inneren Auge verschiedene Dinge: Menschen, die sich durch Leid und Mühe einen Weg bahnen, so wie es Jesus auch auf sich nahm. Unser Gefühl, nicht zu wissen, wo unser Weg verläuft, jener Weg, den zu finden ich mich Zeit meines Lebens bemühe, jener Weg, der mich an einen Ort führen wird, an dem ich mich geborgen weiß. Ich sehe die Momente vor meinem inneren Augen, an denen ich geführt und beschützt wurde, um am Ende, wie Bergleute, schmutzig und verschwitzt, aber mit vollen Händen wieder ins Licht treten zu dürfen, um dann anzurufen: Gott sei Dank.

Die Bergleute erleben es Tag für Tag, aber nicht nur sie. Und ich wünsche mir, dass viele Menschen die Chance bekommen, wieder ins Licht zu treten und Gott loben zu können: Menschen in schweren Trauerprozessen oder bei lebensbedrohlichen Erkrankungen; Geflüchtete, die alles hinter sich ließen; jene, die in unserer Gesellschaft auf Dauer benachteiligt und ausgegrenzt werden und erfüllt sind von dem Gefühl, als Loser dazustehen. Sie alle sollen den Weg finden heraus aus den engen Gängen der Verzweiflung und Einsamkeit. Glückauf möchte ich ihnen zurufen. Und hoffe, dass sie irgendwann antworten können: Glückauf und Halleluja.


Pfrn. Berit Nolting

13. März 2016

Und dann schaue ich in junge Gesichter

von Pfrn. Berit Nolting, Berghausen

Wenn man zurzeit in die Zeitungen schaut, sieht man ganz viele Fotos von Jahreshauptversammlungen und Ehrungen. Aber jetzt seit einer Woche mischen sich noch anderer Bilder dazu: Presbyter-Verabschiedungen und -Einführungen.

Eigentlich hätte es ja im Februar Wahlen zu den Prebyterien geben sollen - aber in keiner unserer Gemeinden im Kirchenkreis Wittgenstein haben sich so viele Menschen zur Verfügung gestellt, dass man hätte auswählen können. Es waren gerade mal genug Menschen da, oder zu wenig, so dass gar nicht alle Stellen besetzt werden konnten.

Ja, das Ehrenamt - nur noch wenige sind bereit, ein Ehrenamt zu übernehmen. Auch das lesen wir unter anderem von Sportvereinen, Schützenvereinen immer wieder in der Zeitung.

Aber ist Kirche nicht doch noch etwas anderes? Da geht es um eine Überzeugung, da geht es um etwas, was das Leben bestimmt und prägt. Unsere Gottesdienste werden zurzeit immer spärlicher besucht - die ersten Kirchen sind geschlossen worden und die erste evangelische Kirche im Kirchenkreis wird gerade in Bad Fredeburg abgerissen. Wie wird es weitergehen?

Ist es da nicht logisch, dass immer weniger Menschen sich bereit erklären, das sinkende Schiff zu retten? Immerhin leiten ja die Presbyterien die Gemeinde und nicht die Pfarrer.Wer will da Verantwortung übernehmen?

Und dann schaue ich in die Zeitung und sehe in junge Gesichter. Das macht mir Mut. Es gibt es also doch noch - junge - Menschen, denen Kirche wichtig ist, die anscheinend sagen: Ich will etwas für meine Kirche tun.

Ich danke allen, die jetzt in diesen Wochen dieses Presbyteramt übernehmen, die sagen: Ja, für vier Jahre will ich meine Gemeinde mitleiten – da übernehme ich Verantwortung. Mir ist mein Glaube, das Christentum und unsere Kirche wichtig. Ich freue mich, dass neue Presbyterien gebildet werden können und es in unseren Gemeinden weitergeht.

Ja, und wenn jetzt noch jemand sagt: Eigentlich kann ich mir das ja für mich auch vorstellen - Stellen, die jetzt noch frei sind, können auch jederzeit später nachbesetzt werden. Ich würde mich sehr freuen.


Pfr. Martin Ahlhaus

6. März 2016

Weite wirkt

von Pfr. Martin Ahlhaus, für den Kirchenkreis zuständiger Regionalpfarrer des EKvW-Amtes für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung

Ein Jahr vor dem Reformations-Jubiläum 2017 weitet sich der Blick evangelischer Christinnen und Christen über den eigenen Kirchturm hinaus auf die ganze Erde. Was vor fast 500 Jahren von Wittenberg und Genf aus als Reformbewegung in der damaligen Römischen Kirche begann, war keine Provinzposse, sondern hat sehr schnell die Länder Europas erfasst und die Alte Welt am Ausgang des Mittelalters grundlegend verändert. Die Berufung auf die Bibel als Basis des christlichen Glaubens und Handelns, ihre Übersetzung in die deutsche Sprache und Verbreitung durch den Buchdruck, der Bruch mit alten Traditionen und die Suche nach neuen Formen des Christseins, die Feier des Abendmahls mit Brot und Wein und die Erneuerung des Schulwesens: all das haben Martin Luther und Philipp Melanchthon, Johannes Calvin und Ulrich Zwingli angestoßen und ins Rollen gebracht. Die Kernsätze der Reformation von Gottes Liebe und Gnade in Christus sind 500 Jahre später gemeinsamer Nenner vieler Kirchen in der Ökumene.

Durch Flucht und Vertreibung, Mission und Migration hat die reformatorische Bewegung weite Kreise gezogen und Wurzeln geschlagen in allen Kultur- und Klimazonen der Erde: Flüchtlinge wie die Hugenotten oder Pilgerväter und Prediger wie John Wesley oder Johannes Goßner tragen den protestantischen Glauben in die neu entdeckten Kontinente Afrika, Amerika und Asien. Doch Reformation hat nicht nur geglänzt: Mehr als einmal wird sie mitschuldig an Religionskriegen und Glaubenskämpfen, ist verstrickt in die Geschichte von Kolonialzeit und Apartheid, steht mehr auf der Seite der Reichen und ist zu selten Anwalt der Armen, Stimme der Rechtlosen. Es dauert lange, bis Mission und Diakonie die europäische Überheblichkeit ablegen und sich gemeinsam mit den indigenen Christen einsetzen für nachhaltige Entwicklung und Überwindung von Armut, Unrecht und Gewalt.

Längst sind die ehemaligen Missionskirchen in Asien und Afrika erwachsen geworden und setzen ihre eigenen Akzente in Theologie und Gottesdienst. Als Partnerkirchen sind wir miteinander verbunden und global vernetzt, begegnen einander auf Augenhöhe und lernen in gegenseitigen Besuchen voneinander. Während in Deutschland und England Kirchen geschlossen und Gemeindehäuser verkauft werden, wachsen die Kirchen in Tansania, Indonesien und Brasilien, verlagert sich die Weltchristenheit weiter in den globalen Süden. Mittlerweile kommen Missionare aus Südkorea und Ghana nach Europa und gründen in unseren Städten neue Gemeinden. Auch viele geflüchtete Menschen aus dem Nahen Osten und Nordafrika sind Christen, sind geflohen vor Verfolgung, Tod und Terror und suchen Schutz und neue Heimat – auch in den Kirchen und Gemeinden bei uns.

Heute ist die Reformation eine Weltbürgerin mit rund 800 Millionen Menschen, die sich und ihren Glauben evangelisch nennen. Mehr, als uns trennt, verbindet uns inzwischen wieder mit der Katholischen und Orthodoxen Kirche – dank der Ökumenischen Bewegung, die den Blick weitet für das, was den Christen aller Konfessionen und Kulturen wichtig ist. Den bis heute andauernden globalen Wirkungen der Reformation nachzuspüren, lädt das Themenjahr 2016 „Reformation und die Eine Welt“ ein. Im kommenden Mai werden viele Delegationen der Partnerkirchen in Afrika und Asien nach Deutschland kommen. Erfahren Sie mehr dazu unter www.kirchenkreis-wittgenstein.de und www.weite-wirkt.de.

Dass Weite wirkt, wünscht Ihnen
Martin Ahlhaus


Laienpredigerin Manuela Schnell

28. Februar 2016

Die Kinder sind unser Schatz

von Manuela Schnell, Laienpredigerin aus Bad Berleburg und Musikbeauftragte des Deutschen Weltgebetstags-Komitees

- das ist kein Werbeslogan der Windel- oder Babynahrungsindustrie, sondern ein ehrlich gemeinter Satz aus Kuba. Was wir von Kuba kennen sind Havanna-Zigarren, Cuba libre, Oldtimer und vielleicht noch die leidenschaftliche Musik aus dem Film „Buena Vista Social Club“.

Den Weltgebetstag, den wir, wie in den vergangenen Jahren am ersten Freitag im März begehen, kommt diesmal aus diesem Karibik-Staat. Als das kubanische Weltgebetstags-Komitee vor etwa drei Jahren die Gebetsordnung für dieses Jahr vorbereitete, ahnte keine der beteiligten Frauen, dass eine solche politische Kehrtwende eintreten würde. Wer hätte gedacht, dass die USA und Kuba Schritte aufeinanderzugehen. Nach der Kubakrise in den 1960er Jahren, als die Welt gerade nochmal an einem Atomkrieg vorbei schrammte, ist dies nun kaum zu fassen. Und nun hat Präsident Barack Obama sogar seinen Besuch in Kuba angekündigt.

Und gerade deshalb ist es wunderbar, gemeinsam an einem der vielen Weltgebetstags-Gottesdienste teilzunehmen, dafür zu danken, dass in Kuba positive Veränderungen möglich sind.

Das diesjährige Weltgebetstags-Thema lautet: „Nehmt Kinder auf und ihr nehmt mich auf.“ Es weist auf die besondere Stellung der Kinder in diesem Land hin. Für die Frauen sind sie die Zukunft Kubas, sie sind der Schatz des Landes.

Jesus hat in der Begegnung mit den Jüngerinnen und Jüngern, Müttern und Kindern ganz klar erklärt, wem er das Reich Gottes anvertraut: Kindern, die ohne Vorurteile auf Menschen zugehen, die eine ansteckende Fröhlichkeit mitbringen und vieles ganz einfach erklären und unkompliziert denken. Auch für Jesus sind Kinder ein Schatz. Feiern wir Kubas Kinder, feiern wir den Frieden, den Gott Kuba und uns schenkt. Das weltweite verbindende Gebet am 4. März 2016 wirkt. Davon bin ich fest überzeugt.

Alle sind übrigens eingeladen: Frauen, Männer, Kinder.

Arriba la paz - ein Hoch auf den Frieden.


Pfrn. Kerstin Grünert

21. Februar 2016

Was ist die größte Versuchung?

von Pfrn. Kerstin Grünert, Erndtebrück

Verlockend und aufreizend liegt sie vor mir. Mit einem Antlitz, kaum zu beschreiben. Alles ist darin enthalten. Liebreiz, Anmut, Feuer und Leidenschaft, Zorn und sogar Furcht. Ein ganz bisschen und unendlich viel von allem. Genauso, wie ich es gerade brauche. Perfekt. Wie für mich gemacht. Und wartet nur darauf, dass ich schwach werde. Mit unschuldsvoller Mine und doch so gerissen und raffiniert.

„Versuchung du bist grell geschminkt,
verwegen lächelst du mich an,
und wenn´s dir erst einmal gelingt,
dass mich´s zum Widerlächeln bringt, dann bin ich dran.
Oh, wärst du nicht so schön,
es wär so leicht, dir zu widerstehn.“

Ja, so ist das mit der Versuchung. Unbarmherzig und so schwer zum Widerstehen. Ein unvergleichlicher Mann, eine schöne Frau, jemand besonderes, leckere Schokolade, ein blinkendes Handy, Abenteuerlust, der ultimative Kick. Es gibt so vieles, was man aufzählen könnte, was zur Versuchung gehört, oder werden kann.

Auf jeden Fall ist es eine unangenehme Sache, gefährlich. Aber nein, doch so wunderschön. Ein Ziel, das man nie zu erreichen glaubte. Ein bisschen Würze ins Leben bringen. Das wird ja wohl noch erlaubt sein. Nur so eine klitzekleine Versuchung. Auch nur einmal nachgeben. Dann auch ganz bestimmt nicht wieder.

Ich komme ich mir vor, wie vor dem Süßigkeitenregal, oder ich denke an die Ladentheke einer Konditorei, in der die dicksten Torten ausgestellt sind. Aber bitte mit Sahne. Und ich darf nicht dran. Fieberhaft überlege ich an einer Strategie, mich selbst auszutricksen oder es so passend zu schwätzen. Jedenfalls so, dass ich am Ende gut da stehe.

So viel zur Theorie. Jetzt knurrt mir der Magen. Blöde Fasterei. Nein, nicht blöde Fasterei – aber schwierig ist es ja nun schon. Dieses Verzichten. Denn durch die Lust auf genau das, was man ja nun gerade meiden will, werde ich ständig an das Verzichten erinnert. Und darauf kann ich nun wirklich verzichten.

Anderthalb Tage hat es dieses Jahr gehalten. Irgendwie war die Versuchung dann doch wieder zu groß. Bin ich also doch zu schwach. Nicht in der Lage zu widerstehen. Naja, beim Schnuck irgendwie schon. Wenn ich das Zeug im Haus habe, dann muss ich da ran. So stark bin ich nicht. Und auch auf ein Bier mit Freunden, in gemütlicher Runde, mag ich dann nicht verzichten. Aber ich bin genervt. Genervt von meiner Inkonsequenz.

Und schwupps bin ich mittendrin in der Passionszeit. Bereit für die Selbstanalyse! Was läuft eigentlich schief, oder nicht so gut? Wo hängt es bei mir und bei meinem Blick auf die anderen? Wo denke ich nur in eine Richtung, stecke den Kopf in den Sand und halte mein Herz klein?

Mit dem Fasten bin ich gescheitert. Jedenfalls vorerst. Und trotzdem bin ich in die Gänge gekommen. Habe den Blick auf mich geschärft. Und das ist manchmal auch deutlich härter als der Verzicht auf Schokolade. Und darauf kommt es in den nächsten Wochen auch an. Sich selbst zu hinterfragen. Der Versuchung zu widerstehen, alles beim Alten lassen zu wollen.

Die Versuchung hält mich in Bewegung. Mobil in meinem Denken und weit im Herzen. Der einen gebe ich ganz bewusst nach. Der anderen widerstehe ich. Widerstehen und Nachgeben, das ist die Würze, die das Leben aufregend macht. Und das ist dann der Kick: zu erkennen, dass das Leben so viel mehr sein kann, als Enge und eingefahrene Wege. Ein ernster, scharfer Blick auf sich selbst, das lohnt sich. Und dann widersteht man der vielleicht größten Versuchung: sich selbst als das Maß aller Dinge zu nehmen. Und das ist dann ein richtig anstrengender Verzicht!


Pfrn. Christine Liedtke

14. Februar 2016

„Du bist mir wichtig!“

von Pfrn. Christine Liedtke, Girkhausen

Stellen Sie sich vor, es gibt einen Tag, an dem man sich gegenseitig sagt: „Du bist mir wichtig!“, und niemand sagt diesen Satz zu Ihnen, und auch Sie wissen keinen, zu dem Sie diesen Satz sagen möchten!

Stellen Sie sich vor, Sie dürften sich für einen Menschen, der Ihnen am Herzen liegt, etwas wünschen, und Ihnen fiele kein Name dazu ein!

Stellen Sie sich vor, es wird ein „Tag für Liebende“ ausgerufen und niemand hat Sie im Blick und auch Sie selbst haben niemanden im Blick.

Wenn wir den Valentinstag, der heute begangen werden kann und der durch Süßwaren- und Blumen-Industrie bekannt gemacht und beworben wird,  verengen auf die Liebesbeziehung von bestehenden oder zukünftigen Paaren, dann kommt es vor, dass manche Menschen daran keinen Anteil haben, weil sie aus verschiedenen Gründen nicht oder nicht mehr in einer Paarbeziehung leben. Wenn wir aber den Valentinstag öffnen würden und ihn verstehen würden als einen Tag, an dem ich den Menschen, die mir wichtig sind, das auch einmal sage, wie viel sie mir bedeuten, was könnte dann in mir und bei anderen geschehen? Dafür brauchen wir noch nicht einmal Konfekt oder Blumen.

Wer kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie darüber nachdenken, wer Ihnen wichtig ist? Und für wen könnten Sie selbst wichtig sein? Wer könnte zu Ihnen sagen: „Du bist mir wichtig!“?

Sterbende machen das manchmal, dass sie noch einmal die Menschen an ihr Bett holen, die ihnen wichtig waren in ihrem Leben. Krebs-Patienten feiern zuweilen noch in ihren guten Tagen ein Fest, zu dem sie alle Menschen einladen, die ihnen etwas bedeuten; denen sagen sie dann, wie viel Segen und Gutes sie von ihnen bekommen haben. Das ist dann sozusagen ein großes und fröhliches Dankeschön-Fest.

Wenn ich wüsste, dass ich bald sterben müsste, dann würde ich auch gerne so ein Fest feiern... Halt, warum tue ich das denn nicht mitten im Leben? Warum sage ich nicht einfach heute noch den Menschen, die mir etwas bedeuten, dass sie mir wichtig sind? Warum sollte ich warten, bis ich auf dem Sterbebett liege?

„Du bist mir wichtig!“ - diese Haltung begegnet mir auf allen Seiten der Bibel. Es ist die Haltung, mit der Gott mir begegnet. Gott sagt zu uns:  „Du bist mir wichtig, denn ich habe dich ins Leben gerufen; du bist mir wichtig, daher begleite ich dich auf deinen Wegen; du bist mir wichtig, deshalb opfere ich alles für dich;  du bist mir wichtig, darum lasse ich nicht von dir; du bist mir wichtig, darum kann nichts dich von mir trennen, selbst der Tod nicht!“ Gott begegnet mir in Liebe.  Die Bibel, so hat einmal jemand gesagt, die Bibel ist von vorne bis hinten ein einziger Liebesbrief von Gott an uns Menschen. Wenn ich auch von keinem Menschen geliebt werden sollte, Gott liebt mich. Wenn ich auch niemandem wichtig wäre, meinem Gott bin ich unendlich wichtig. Gott hält mit seinem Liebesbeweis nicht zurück, immer wieder wirbt er um uns Menschen, kommt uns in Jesus Christus nahe und verändert uns Menschen hin zur Liebe.

So komme ich im Nachdenken über den Valentinstag, dem Tag der Liebe, zum Nachdenken über Gott, der mir in Liebe begegnet. Und ich nehme mir vor, heute noch den Menschen, die mir wichtig sind, das auch zu sagen, wie viel sie mir bedeuten.

Stellen Sie sich vor, wir alle würden das zum Valentinstag machen... wie anders sähe die Welt aus, oder? Denn es tut so unendlich gut, zu sagen und zu hören: „Du bist mir wichtig!“


Pfrn. Barbara Plümer

7. Februar 2016

Was treibt Sie an?

von Pfrn. Barbara Plümer, Wittgensteiner Gehörlosenseelsorgerin

In diesen Tagen habe ich auf einer Brücke über einem Fluss gestanden und den gewaltigen Fluten zugeschaut. Über Hindernisse im Flussbett stürzt das Wasser in die Tiefe. An den Stauwehren der Flüsse treiben die Fluten ganze Turbinen an, nicht nur - wie einst - die klappernde Mühle am rauschenden Bach.

Eine gewaltige Kraft treibt diese Turbinen an. Ich komme ins Grübeln. Mir fällt da dieser Slogan ein, der behauptet, jeder Mensch habe etwas, das ihn antreibt. Mag sein. Aber was ist das?

Ein alter Spruch sagt: Wo ein Wille ist, da ist ein Weg.

Also treibt uns der Wille an? Viel spricht dafür.

Ich denke an kleine Kinder. Sie wollen laufen wie die Großen. Deshalb versuchen sie es mit aller Macht, mit vollem Körpereinsatz. Auch Missgeschicke halten sie nicht auf. Hingefallen? Beule geholt? Egal! Neuer Versuch! Der Wille ist ihre Antriebskraft. Das Lob der Eltern ist die Belohnung.

Als Erwachsene wollen wir anderes erreichen als Kinder. Aber das Ziel ist oft ähnlich: Erfolg, Lob und Anerkennung.

Sie sind das Ziel. Für sie setzten wir unsere körperlichen und geistigen Kräfte ein. Wie Lob und Anerkennung aussehen kann unterschiedlich sein. Die eine fühlt ihre Leistung durch eine Lohnerhöhung oder ein Trinkgeld anerkannt. Der andere hofft auf das Lob seiner Fußball-Kollegen.

Oft ist die Anerkennung hart erarbeitet. Sie zu erringen, hat viel Kraft gekostet.

Immer mehr Menschen spüren, wie die Jagd nach Anerkennung an ihren Kräften zehrt. Schon der alltägliche Stress zerrt an den Nerven. Am Wochenende heißt es da: Auftanken! Wo bleibt da noch Kraft über, um Lob und Anerkennung zu bekommen?!

Ich muss wieder an das Wasser im Flussbett denken. Es schießt tatsächlich über Stock und Stein hinweg. Denn dort fließt mehr als genug. Genau dieser Über-Schuss, dieser Überfluss ist die Antriebskraft der Wassermühlen.

Ihr Antrieb ist also der Überfluss. Bei Wassermangel steht das Mühlrad still.

Trifft das vielleicht auch auf Menschen zu?

Dann muss der Antrieb des Menschen etwas sein, das bereits vorhanden ist, und zwar reichlich.

Dann ist der Antrieb nichts, das ich erst erreichen will. Er ist etwas, das ich bereits habe – und zwar im Überfluss. Mein Antrieb kostet mich also keine Kraft, sondern er schenkt mir Kraft.

Doch was kann das sein?

Im Predigttext des heutigen Sonntags heißt es:

Nun bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe; diese drei. Und die größte Kraft von diesen ist die Liebe.“ (1. Korinther 13, 13) Die Liebe ist unsere Kraftquelle, unser Antrieb. Wohlgemerkt die Liebe Gottes.
Sie ist uns geschenkt und sie ist uns gewiss – im Gegensatz zu manch menschlicher Liebe.

Aus dieser Quelle dürfen wir schöpfen.

Denn auch „wenn ich alles, was ich kann und habe, für andere aufwende und mein Leben aufs Spiel setze und bin ohne Liebe, hat alles keinen Sinn“. (1. Korinther 13, 3)

Mit Gottes Liebe als Antriebskraft bekommt unser Leben neuen Schwung.


Pfrn. Silke van Doorn

31. Januar 2016

„Lassen Sie uns träumen. Heute.“

von Schulreferentin Pfrn. Silke van Doorn

Keine Noten nötig: Mein Traum von der Schule ist das fliegende Klassenzimmer. Fliegen, forschen, fragen. Berechnen, besprechen, bestaunen. Stolpern, sprechen, spielen. Gerüche, Gewohnheiten und Grenzen. Was wäre es, wenn wir in Gruppen ein Schuljahr lang uns vorbereiten auf das andere Land, die andere Sprache: Die Schülerinnen und Schüler müssten alles planen, berechnen, vorbereiten, stolpern, aufstehen, weitermachen, schauen, warum sie stolperten, besser machen. Lehrerinnen und Lehrer sind Begleiter, sind Ratgeber, Hinweiser.

Dann geht es los. Der Trip im fremden Land: Können wir uns bewähren? Klappt es mit der Sprache? Welche Geographie, Kunst, Wirtschaft gibt es in diesem Land? Fragen stellen, Antworten sammeln, aufeinander angewiesen sein. Zu Fuß unterwegs, mit dem ÖPNV (gute Vergleiche der Länder möglich). Warum sind die so? Welche Geschichte haben die? Freunde werden. Aus „DIE DA“ wird „DU“.

Und das Beste daran ist: Alle sind neugierig. Keiner muss motiviert werden. Das Portfolio am Schluss sieht bei jedem anders aus. Der eine hat alles berechnet, Der andere hat alle auf die klimatischen Verhältnisse hingewiesen. Jede und jeder macht mit und gibt von sich, was er kann. Wozu Noten? Das Projekt ist gelungen, wenn alle wieder zu Haus und erschöpft und bereichert und mit Wissen bis in den letzten Winkel des Körpers und des Herzens angefüllt sind.

So geht Lernen. So hat uns Gott in den Garten gesetzt, dass wir bebauen und bewahren, erforschen und erfinden. Miteinander auf dem Wege sein. Das ist es, wobei wir am meisten gemeinsam lernen. Geschichten erleben und Geschichten erzählen. Auf dem Weg Flöße bauen, um über die Untiefen und Beschwerlichkeiten des Lebens zu kommen. Gemeinsam Hängebrücken bauen, uns stützen und weiterhelfen.

Schule braucht dann keine Noten und ständig neue Lehrpläne und Überprüfungsmöglichkeiten der erworbenen Kompetenzen. Keine Plastikwelt, sondern das Leben.

So soll die Schule aussehen, die in kirchlicher Trägerschaft steht. So soll natürlich jede Schule aussehen. Aber einer muss ja anfangen, es so auszuprobieren. Diese Schule baut darauf, dass das Staunen über Gott und die Welt nicht nur auf dem Lehrplan steht, sondern im Herzen ankommt. Sie vertraut darauf, dass wir mitten in diese Welt gesetzt mit ihren Herausforderungen, mit ihren Toden, mit ihren Hindernissen und mit ihren Schönheiten gemeinsam das Leben meistern.

Aus dieser Schule will niemand entlassen werden.

Natürlich wird niemand bewertet, weil jeder von uns sein Möglichstes dafür gibt.

So gesehen sind die Zeugnisse von vorgestern nicht mehr so wichtig.

Und: Wenn wir wollen, ist es kein Traum.

Lassen Sie uns träumen. Heute.


Pfrn. Claudia Latzel-Binder

24. Januar 2016

Man darf vom Beten etwas erwarten

von Pfrn. Claudia Latzel-Binder, Bad Berleburg

Schon vor einigen Monaten hatte ich eine wunderbare Begegnung zum Thema „Gebet“ und was man davon erwarten kann. Ich hatte am späten Vormittag einen Termin in Siegen, der recht wichtig war und den nicht ausfallen lassen wollte. Zeitlich war es aber knapp, weil die erste von zwei Beerdigungen an diesem Tag in Berleburg schon in die Mittagszeit geplant war. Ausnahmsweise war ich nicht mit meinem kleinen Auto, sondern mit unserem VW-Bus unterwegs. Der Termin war planmäßig zu Ende und ich konnte mich rechtzeitig auf den Heimweg machen.

Gerade in Siegen losgefahren kam mir in einer holprigen Nebenstraße, in der auf beiden Seiten Autos parkten, ein Wagen entgegen. Ich wich nach rechts aus, schätzte die Breite des VW-Busses falsch ein und rammte mit meinem Außenspiegel den eines dort geparkten schwarzen Kleintransporters. Mist! Wäre ich doch besser dem Entgegenkommenden reingefahren. Mit dem hätte ich das ja regeln können. Aber ein geparktes Auto beschädigen, wie blöd! Was nun? Einfach wegfahren geht ja nicht, - das wäre Fahrerflucht. Die Polizei rufen, würde zu lange dauern – Beerdigungen kann man nicht später anfangen.

So steh' ich da in dieser Straße, weiß nicht weiter und sprech ein kurzes Stoßgebet „Alles was ich jetzt mache, Gott, ist doof. Kannst du nicht was Gutes machen?“ In dem Moment geht weiter vorne in der Straße eine Haustür auf und ein Mann kommt heraus und ich weiß schon hundertprozentig, dass das der Besitzer des Kleintransporters ist. Erleichtert und froh laufe ich ihm entgegen und erkläre ihm, dass ich gegen seinen Außenspiegel gefahren bin. Vom Aussehen her schätzte ich den Mann als Inder oder Pakistani ein, was der Name, den ich etwas später erfuhr, bestätigte.

Er wird sich sicherlich gewundert haben, dass ich ihm so freudestrahlend von der Karambolage erzählte. Wir schauten uns zusammen den Schaden an. Sein Spiegel ließ sich problemlos wieder zurückklappen und zeigte nur an einer Plastikverkleidung eine minimale Schramme. Trotzdem tauschten wir natürlich die Adressen aus und vereinbarten, dass er mich abends anruft, um auszuschließen, dass doch mehr passiert ist.

Eigentlich schon im Verabschieden fragt er mich mit Blick auf mein Berleburger Kennzeichen, ob ich beruflich in Siegen wäre. Und als ich das bestätige, fragt er weiter, was ich denn arbeite. „Ich bin Pfarrerin.“ ist meine Antwort, die ich entweder nicht deutlich genug ausgesprochen habe oder die vor einem Kleintransporter einfach missverständlich klingt. Er fragt nämlich weiter „Und was fahren Sie so?“ „Hääh? Ach so. Nein, nicht Fahrerin. Pfarrerin. Mit pf. Pastorin!“

Auf einmal macht dieser freundliche Mensch ein ganz ernstes Gesicht, erhebt den Zeigefinger und kommt noch einen Schritt auf mich zu „Das“, sagt er, „ist ein guter Beruf!“ Damit hat er ja Recht, aber dass das jemand mit einem solchem Nachdruck sagt, hat mich schon beeindruckt. Nach einer weiteren kurzen Unterhaltung, verabschieden wir uns erneut und ich breche dann endlich wieder Richtung Berleburg auf.

Ich sitze schon im Auto, schnalle mich an, da klopft er noch einmal an mein Fenster, um mir mitzuteilen, dass er nicht bei mir anrufen würde. Es wäre doch alles gut. Aber ich müsste dafür heute Abend für ihn beten. Das habe ich natürlich gemacht. Ich kam übrigens ganz ohne Zeitdruck zu der Beerdigung. Und der Kratzer an meinem Außenspiegel bleibt. Er ist eine Erinnerung daran, wie gut es ist, vom Beten etwas zu erwarten.


Pfrn. Heike Lilienthal

17. Januar 2016

Man kann nicht jeden mögen

von Pfrn. Heike Lilienthal, Kirchenkreis-Region II

Fallen Ihnen spontan Menschen ein, die Ihnen nicht so liegen? Mit denen Sie am liebsten gar nichts zu tun hätten, aber denen Sie immer wieder begegnen? Gibt es Personen, die Sie am liebsten ändern wollen und es klappt nicht?

Verspüren Sie auch manchmal den Wunsch, sich mit allen Menschen zu verstehen und dass man Sie mag? Dann wär so manches leichter in der Welt. Aber die Erfahrung zeigt bisher, dass dies eine Wunschvorstellung ist. So unter-schiedlich sind wir Menschen, im Charakter, in unseren Prägungen und Ansichten. Man kann einfach nicht jeden mögen. Und nicht jeder mag mich und kommt mit meiner Art klar. Nicht jeder kann jeden riechen. Ich kann daran leiden und mir das Leben schwer machen. Oder ich finde einen Weg damit umzugehen. Ob es Konrad Adenauer auch so erging? Zumindest scheint er sich darüber Gedanken gemacht zu haben. Ihm wird diese Erkenntnis zugeschrieben: „Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind. Andere gibt es nicht.“

Manchmal hole ich mir diesen Adenauer-Spruch ins Bewusstsein, als Hilfe. Keiner kann vollkommen so sein, wie ich es gerne hätte. Ich kann mir keine Menschen nach meiner Vorstellung zusammenbasteln, damit ich es einfacher habe. Manchmal muss ich mir einfach sagen: Es ist, wie es ist. Ich versuche jetzt in dem Moment, den Menschen so zu nehmen, wie er ist. Wenigstens für diesen Moment.


Pfr. Thomas Janetzki

10. Januar 2016

Rückenwind durch Gottes Geist

von Pfr. Thomas Janetzki, Wingeshausen

„Gegenwind: Airline reduziert Gepäck“ – so konnte man es am Mittwoch in der Zeitung lesen. Das brachte mich ins Grübeln…

Wie sieht das eigentlich im neuen Jahr für mich persönlich mit Rücken- oder Gegenwind aus? Was treibt mich eigentlich an oder hält mich auf?

Den einen treibt der Beruf, seine Arbeit, die ihn beansprucht und manchmal überfordert: Der Schichtdienst, die Überstunden, der Gedanke: „Wer wird mich ersetzen, wenn ich jetzt krank werde?“ Die andere treiben ihre Interessen: Aufsteigen, mehr Geld verdienen, unabhängiger sein, ein Haus bauen, den Einfluss steigern, für den Chef unentbehrlich werden...

Wieder andere werden von ihren Sorgen und Befürchtungen getrieben: Was wird morgen sein? Werde ich meine Pläne verwirklichen können? Wird meine Kraft reichen? Werde ich mir noch lange allein helfen können? Werden mir andere dann helfen, wenn ich es selbst nicht mehr kann?

Und noch vieles mehr treibt und beschäftigt uns – besonders, wenn ein neues Jahr beginnt… Am Ende oder am Beginn eines bestimmten Lebensabschnittes empfindet man ja immer ganz intensiv, was man versäumt hat, was noch aussteht und zu tun ist, was man sich wünscht und wovor man Angst hat. Solche Zeiten sind Stationen, an denen wir deutlicher als sonst wahrnehmen, was unser Leben prägt und treibt, beschwert oder in Atem hält.

Alldem setzt ein Bibelvers entgegen: Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Gottes Kinder... das klingt gut – wie schön wäre das doch, Kind zu sein, sich nicht ängstigen müssen, versorgt sein, vertrauensvoll an der Hand des Vaters, der Mutter gehen...

Aber da ist auch die Bedingung: Welche der Geist Gottes treibt... Zuviel anderes bestimmt uns noch oft: Beruf, Aufstieg, Macht, Geld, Zukunftsangst...

Damit und mit noch viel mehr möchte Gottes Geist bei uns gern aufräumen! Und er könnte es - wenn wir ihn nur wirken lassen! Denn dieser Geist Gottes hat viel mit Gelassenheit zu tun, mit Ruhe und fester Zuversicht in die Zukunft: Er sagt mir, dass ich in Gottes Hand geborgen bin, dass mich nichts, aber auch gar nichts von seiner Liebe trennen kann. Er führt mir vor Augen, wie unwichtig und manchmal übertrieben meine bösen Befürchtungen sind. Und er bringt meine Wünsche und Bedürfnisse in das rechte Maß und die richtige Ordnung, zeigt mir, wo ich Rückenwind herbekomme, aber auch wie ich mit Gegenwind richtig umgehe…

In diesem Sinne ein gutes und segensreiches Jahr Ihnen allen!


Pfr. Stefan Berk

1. Januar 2016

Was es wohl für ein Jahr wird?

von Superintendent Stefan Berk

Man kann's einfach nicht lassen. Obwohl ich genau weiß, dass es am Ende nichts bringt: Am 31. Dezember ziehe ich Bilanz. Was war das für ein Jahr? Und was bringt das nächste? Zeitungen sind auch voll von Rückblicken, die Moderatoren der Fernseh-Stationen geben jede Menge Weisheiten über das Leben von sich. Ich auch.

Dabei bringt das nicht viel. Die guten Vorsätze sind schneller verbraucht als eine Tankfüllung im Auto. Ich weiß das. Es passiert ja jedes Jahr aufs Neue. Und trotzdem mache ich mit. Es steckt eben in mir drin. Und ich nehme an: In Ihnen auch.

Also: Was war das für ein Jahr?

Die großen Sachen sind längst tausendmal aufgezählt. Aber was fehlt, ist meine eigene Sicht auf diese 365 Tage. Und die ist viel weniger spektakulär. Da war viel Alltag, vieles, was ich kenne. Die meisten Tage waren vertraut, bekannt, wie eine Hose, in die man hineinsteigt, ohne überhaupt nachzudenken. Irgendwie auch gut, oder? Tage, die mir passen? Tage, an denen ich das Leben nicht neu erfinden muss? Tage, an denen ich mich darauf verlassen kann, was passiert? Vielleicht ist das gar nicht so schlecht, dass es den Alltag gibt. 350 Tage Alltag – keine schlechte Bilanz, finde ich. Denn das sind Tage, an denen ich aufstehen konnte, meine Arbeit hatte, Menschen getroffen habe, die ich kenne, die mir vertraut sind. Und es sind Tage, an denen ich selbstverständlich satt geworden bin, an denen fürs Leben immer genug da war. Und abends konnte ich manches mal friedlich auf meinem Sofa sitzen und zusammen mit meiner Frau einen Wein trinken. Das ist doch wohl einen Dank wert, oder?

Bleiben 15 andere Tage. So ungefähr 15, ich habe nicht genau gezählt. Besondere Tage. Die Hochzeit meiner Tochter, wunderbar gefeiert. Oder der Kurzurlaub auf Rügen im März, furchtbar kalt, aber in einem tollen Hotel – eine Auszeit für Körper und Seele. Und ein Geburtstag hier und ein Abend mit Freunden dort. Da ist mindestens noch ein Dank fällig.

Es gab auch die Angst-Tage. Die Dunkel-Tage. Die Tage, die ich abends gerne abgehakt hätte, die ich gerne aus der Bilanz gestrichen hätte. Tage der Wut über meine eigenen Unzulänglichkeiten, Tage der Ohnmacht über diesen feigen Terror und die Not der Menschen auf der Flucht. Tage, an denen ich die Faust in der Tasche balle, weil ich keine Antwort weiß, wenn ich einen jungen Menschen beerdigen soll. Da gibt es keinen Alltag. Den darf es nicht geben, damit ich mich nicht mit Ungerechtigkeit und Hass, mit Leid und Not abfinde. Da ist dann auch mal eine Klage fällig.

Heute fängt ein neues Jahr an. Was es wohl für ein Jahr wird?

Ganz bestimmt wieder ein Alltags-Jahr. Ein Jahr, das von vielen Dingen geprägt ist, die ich kenne und die mir vertraut sind. Vielleicht ist das auch ein Segen, wenn ich im Juli sagen kann: Wie schön, dass niemand aus meiner Familie gestorben ist. Wie schön, dass mir auch in diesem Sommer abends ein frisches Bier auf dem Balkon schmeckt. Wie schön, dass das Leben so reich ist.

Dann lassen sich die anderen Tage leichter nehmen – und die werden sich ja nicht ausbremsen lassen, diese Tage mit schweren Gedanken und Tränen in den Augen. Aber sie regieren nicht. Das tut ein anderer. Gott sei Dank.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Alltags-Jahr!