An-Gedacht zum Wochenende

Die Westfalenpost hat seit Ostern 2009 die Serie „Angedacht“ in ihrem Wittgensteiner Lokalteil aufgenommen, bei der jeden Samstag Pfarrerinnen und Pfarrer zu Wort kommen. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion drucken wir die Gedanken dann ab Sonntag hier ab. Verantwortlich für den Inhalt sind immer die Verfasser.

Bei den Texten handelt es sich übrigens nicht um Predigten, sondern ganz einfach um kurze verschriftlichte Gedanken mit einem theologischen Anliegen. Sie können und wollen auch nicht die Gemeinschaft, die Musik und die Predigt eines richtigen Gottesdienstes ersetzen. Aber sie dürfen gern von allen Leserinnen und Lesern als Einladung verstanden werden, am nächsten Sonntag einen Gottesdienst in einer der Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein zu besuchen.

Wir freuen uns auch über Reaktionen auf das Angedacht. Klicken Sie auf das Foto des jeweiligen Andacht-Schreibers, dann können Sie dem Autor Ihre Gedanken in einer E-Mail mitteilen.

Pfr. Dr. Tim Elkar

25. Februar 2017

Ein Sieg ist wichtig, aber nicht alles

von Pfr. Dr. Tim Elkar, Erndtebrück

Wenn Sie in den vergangenen Tagen und Wochen den Fernseher angeschaltet haben, lief dort fast den ganzen Tag auf ARD und ZDF die Übertragung von den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang. Können Sie eigentlich etwas anfangen mit den Olympischen Winterspielen? Mein Verhältnis zu den Spielen ist durchaus ambivalent.

Einerseits sehe ich gern die Übertragungen von Biathlon, Curling und Freestyle-Skiing. Biathlon finde ich sehr spannend. Beim Curling beeindruckt mich die Präzision mit der die Spieler arbeiten müssen. Spektakulär ist das Freestyle-Skiing. Ich sehe mir diese Übertragungen an und verbringe mehr Zeit vor dem Fernseher als sonst. Damit bin ich keineswegs allein, viele Menschen sehen die Olympischen Spiele im Fernsehen.

Andererseits sind da die vielen negativen Schlagzeilen, die Olympia auch in diesen Tagen wieder gemacht haben. Die ersten Dopingfälle der Spiele sind bekannt. Da ist die Sperre für das russische olympische Team wegen der Anschuldigung, dass in Russland systematisch gedopt wird. Die Sportanlagen werden in Naturschutzgebiete gebaut und nach den Olympischen Spielen bleiben sie ungenutzt als zunehmend verfallende Ruinen stehen. Natürlich sind die Olympischen Spiele auch eine Gelddruckmaschine für das Internationale Olympische Komitee. Skepsis ist also durchaus angebracht.

Wie halten wir es als Christen eigentlich mit dem Sport und den Olympischen Spielen? Wenn ich so in die Sportgeschichte blicke, dann wird darin immer wieder deutlich, dass die Kirche viele Jahre und Jahrhunderte kritisch auf den Sport gesehen hat. Wenn Sportarten verboten waren, dann oft auch aus religiösen Gründen. In einen Sportverein zu gehen, das galt viele Jahrhunderte lang, häufig weniger als Ergänzung als vielmehr als ein Gegenkonzept zur Kirche. Zudem gab es eine gewisse Leibfeindlichkeit innerhalb des Protestantismus.

Also dann doch lieber weg- und umschalten, wenn Olympia oder Sport im Fernsehen gezeigt werden? Ich finde, es gibt gute Gründe für den Sport und auch für das Sehen der Olympischen Spiele. Zunächst einmal ist es so, dass wir unseren Körper von Gott geschenkt bekommen. Er ist Teil seiner guten Schöpfung. So drückt es der 139. Psalm mit den Worten aus: „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin.“ Geistlich gesehen gehört der menschliche Körper Gott und dient als sein Tempel. Deshalb sollen wir uns auch um unseren Körper kümmern. Sport tut dem eigenen Körper bekanntermaßen gut.

Zudem ist es so, dass die Olympischen Spiele ein großes Fest der Gemeinschaft ist. Verschiedene Nationen und Menschen kommen zusammen und erleben Gemeinschaft, friedvolle Gemeinschaft. Mir ist es lieber, dass sich Menschen zu Wettkämpfen zusammenfinden und sich messen, als dass sie Krieg gegeneinander führen. So gibt es bei dieser Olympiade eine koreanische Mannschaft. Dies ist eine gute olympische Vision, dass sich Menschen in Frieden zusammenfinden, ein bisschen so wie die friedliche Völkerwallfahrt zum Zion, die wir in der Bibel beschrieben finden.

Außerdem dürfen wir uns natürlich mit anderen Menschen freuen, wenn sie etwas im Leben erreicht haben. Ich jedenfalls freue mich für die Athleten, wenn sie einen Sieg davontragen oder eine gute Platzierung erreichen. Wohlwissend, dass ein Sieg beim Sport wichtig, aber nicht alles im Leben ist. Entscheidend für unser Leben ist die Beziehung zu Jesus Christus.