Das Jahr der Taufe im Kirchenkreis

2011 war auch im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein das Jahr der Taufe.

Auch wenn im Jahr 2009 im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein immerhin 296 Menschenkinder getauft wurden, so ist das doch auch auf dem Land mit dem Taufen inzwischen nicht mehr so einfach.

Alleinerziehende Mütter und andere Abweichungen von dem gewohnten Mutter-Vater-Kind-Schema gibt es inzwischen auch hier, genauso wie Leute, die sich  schlicht und ergreifend eine große Tauffeier finanziell einfach nicht mehr leisten können. Die Gründe für die Nicht-Durchführung der bei uns üblichen Kindertaufen sind mannigfaltig, dabei markiert sie doch fast für alle Christen den deutlich sichtbaren Eintritt ganz allgemein in das Christentum und im Speziellen in eine Gemeinde: „Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt“, so schreibt es der Apostel Paulus an die Korinther.

Kerstin Grünert kümmert sich im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein um das Jahr der Taufe, zu dem die Landeskirche von Westfalen 2011 ausgerufen hat. Eine hilfreiche Arbeitsmappe konnte die Pfarrerin bei der Synode an ihre Kollegen verteilen, wie hier an Peter Liedtke. Der Schmallenberger Pfarrer ist im Kirchenkreis Wittgenstein der Synodalbeauftragte für den Kindergottesdienst.

Die Wichtigkeit des Themas ist also klar – und deshalb hat die Evangelische Kirche von Westfalen 2011 zum Jahr der Taufe ausgerufen, auch die Evangelischen Landeskirchen im Rheinland und in Lippe sowie die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers haben sich dem mittlerweile angeschlossen. Das schöne Schlagwort lautet in diesem Zusammenhang: Gottesgeschenk. Das Wort „Geschenk“ betont das Bedingungslose an der Taufe: Wir Menschen sind angewiesen auf die bedingungslose Zuwendung Gottes, er hat schon längst zu uns Ja gesagt, bevor wir überhaupt zu ihm Ja sagen können. Zum anderen verweist „Gottesgeschenk“ darauf, dass der Täufling ein Geschenk Gottes an die Eltern und die übrige Welt ist. Unter www.gottesgeschenk.info gibt es weitere Informationen über das Projekt, um das sich im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein Kerstin Grünert kümmert.

Auch getaufte Kinder dürfen gern mal dreckige Füße haben, wie dieses Bildmotiv der Evangelischen Kirche von Westfalen zum Jahr der Taufe beweist.

Die 32-Jährige ist die Theologische Fachkraft im Kompetenzzentrum für Kinder-, Jugend- und Familienarbeit beim Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein in Bad Berleburg und seit gut anderthalb Jahren selbst Mutter. Und so hat die Pfarrerin einen im Alltag praktisch geschulten Blick auf das Thema. Dabei sieht sie, dass schon viel Gutes in den Gemeinden für Kinder gemacht werde, aber gerade junge Familien müssten noch viel deutlicher in den Blick der Kirche kommen. Man müsse sie als „echte Zielgruppe“ wahrnehmen. Das landeskirchliche Projekt „Mit Kindern neu anfangen“ sei schon in die richtige Richtung gegangen, die man nun weiterverfolge.

Gemeinden müssten sowohl den Kindern als auch ihren Familien etwas bieten: „Es geht darum, den Leuten, den Menschen das Gemeindeleben nahe zu bringen.“ Und um die eine Wahrheit, die das Lied „Du bist du“ so schon auf den Punkt bringe: „Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls.“ Was die Taufe den Menschen bedeute, habe sie selbst in ihrem Vikariats-Abschnitt „Krankenhaus-Seelsorge“ in den Märkischen Kliniken in Lüdenscheid mitbekommen. Gerade in der Extrem-Situation einer Krankheit erinnerten sich Menschen an ihre Taufe und daran, dass diese Verbindung mit Gott durch nichts aufzulösen sei.

Der Laaspher Presbyter Hans-Dieter Krüger verewigte sich bei der Herbstsynode 2010 des Kirchenkreises ebenfalls im dicken Buch von Kerstin Grünert, die darin als Projekt zum Jahr der Taufe sowohl Taufdaten als auch Taufsprüche sammelt.

Die Wertschätzung der Taufe zu steigern, dabei will Kerstin Grünert mithelfen. Auf keinen Fall durch eine spektakuläre Massentaufe, da ist sie sich sicher. Denn für die Pfarrerin steht fest, dass es nicht darum gehen könne, die Taufen aus den Ortsgemeinden herauszuholen und zu übernehmen. Drei Dinge möchte sie im Jahr der Taufe vorantreiben. Als Erstes gibt es im Sommer einen Wittgensteiner Kreiskinderkirchentag für Kindergottesdienst-Kinder und -Mitarbeiter sowie für die breite Öffentlichkeit - einen ganzen Tag, an dem sich alles rund ums Taufen drehe. Zudem gibt es beim Kompetenzzentrum Unterstützung, wenn sich eine Gemeinde besonders mit dem Thema in 2011 beschäftigen möchte, und drittens möchte Kerstin Grünert das Paten-Amt neu ins Blickfeld rücken. So könnte sie sich etwa Paten-Seminare in den vier Regionen des Wittgensteiner Kirchenkreises vorstellen. „Das interessiert mich persönlich - als Mama und Patin.“ Bis dahin ist Kerstin Grünert mit ihrem dicken Taufbuch unterwegs. Hier darf jeder seinen Tauftag und seinen Taufspruch eintragen: In der Hoffnung, dass es gut gefüllt wird, nimmt sie es auch zu größeren Veranstaltungen mit. Zum Beispiel zur Synode des Kirchenkreises. Viele trugen sich ein, die Pfarrerin erinnert sich: „Jeder denkt auf einmal über seine Taufe nach.“ Genau darum geht es beim Jahr der Taufe.

„Gott macht sich in der Taufe selbst zum Geschenk“, wie dieses Bildmotiv der Evangelischen Kirche von Westfalen zum Jahr der Taufe deutlich macht.

Im Jahr der Taufe nutzte Pfarrerin Kerstin Grünert eine Taufe in Erndtebrück dazu, auch die übrigen Gottesdienst-Besucher an deren eigene Taufe und die Bedeutung des Vorgangs zu erinnern: „Gott macht sich in der Taufe selbst zum Geschenk.“ In der Predigt nahm sie dieses Motiv des Schenkens auf. Nach und nach kamen so aus ihrer Gottesgeschenk-Kiste Präsente zum Vorschein: ein Globus, ein Stück Regenbogen, ein Schaf, ein Kamel, ein Kreuz, eine Bibel, eine Kerze und ein Osterei. Klar verständlich waren ihre Erläuterungen zu den einzelnen Geschenken aus der Kiste und in Verbindung damit die Botschaft der Taufe. So sagte die Pfarrerin an einer Stelle: „Hier hab’ ich einen Globus. Das ist unsere Welt. Das ist Gottes Welt, er hat sie geschaffen, und wir sind seine Geschöpfe. Aber nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere und Pflanzen. Und als Schöpfer ist Gott nach wie vor an der Welt interessiert. Er lässt sie nicht aus den Augen, lässt sie nicht fallen, auch wenn das angesichts solcher Katastrophen wie in Japan schwer zu glauben ist.“

Die Taufe sei ein Gottesgeschenk, dass man immer wieder auspacken müsse, so Kerstin Grünert.

Jedes Kind, jeder Mensch sei ein Gottesgeschenk, genau wie die Taufe ein Gottesgeschenk sei, dass man immer wieder auspacken müsse, so Kerstin Grünert: „Die Taufe ist nicht nur ein einmaliges Ereignis irgendwann im Leben. Immer wieder wird ihre Bedeutung wichtig: Gott spricht unverbrüchlich, unwiderruflich sein Ja zu uns Menschen. Dafür ist die Taufe das Zeichen. Dieses Ja kann durch nichts gelöscht werden. Man kann als Mensch nichts dazu beitragen, das unterstreicht die Taufe von kleinen Kindern besonders.“

Bei dem Gottesdienst lag zur Erinnerung das Taufbuch des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein aus: Wer Taufdatum und sogar -spruch wusste, konnte sich dort eintragen. Und auf dem Abendmahlstisch lagen außerdem auch noch verschiedene Motivkarten zum Jahr der Taufe aus. In der Vergegenwärtigung der eigenen Taufe konnte ein Jeder nach vorn kommen und sich dort eine solche Postkarte abholen, wo normalerweise die Kinder getauft werden. Im Kleinen waren auch das nette Geschenke, aber Kerstin Grünert erinnerte in der Predigt auch noch mal an ein deutliches größeres Geschenk: „Gott schenkt uns immer wieder Menschen, Momente, Worte, die uns helfen, den täglichen Wahn des Lebens zu meistern.“

Die Tür versprach geheimnisvoll Kirchenerlebnisse in dem Gotteshaus, aber vor der Kirche konnte man auch etwas erleben, etwa wenn man beim Wittgensteiner KinderKirchenTag von Platsch nass gespritzt wurde.

Im September 2011 waren es dann rund 50 Mädchen und Jungen beim Wittgensteiner KinderKirchenTag in Bad Laasphe. Aus vielen Teilen des Evangelischen Kirchenkreises zwischen Diedenshausen und Feudingen hatten sich Kinder von drei bis zwölf Jahren auf den Weg in die Lahnstadt gemacht. Verantwortlich für die Organisation des KinderKirchenTages war Pfarrerin Kerstin Grünert. Die frühere Laaspher Vikarin hatte in Christina Petri und deren Mann Harald Tobert aus der örtlichen Kirchengemeinde engagierte Mitstreiter an ihrer Seite, zum Mitarbeiter-Team gehörte außerdem die Hälfte der Young Ambassadors.

Den Auftakt gestaltete Kerstin Grünert. In Jeans und in der Kirche stellte sie das Thema des KinderKirchenTages vor, an diesem Tag im Jahr der Taufe sollte sich nämlich alles um Wasser drehen. Anschaulich gemacht wurde das Thema durch Platsch, der menschengroße Wassertropfen auf zwei Beinen hatte schon zuvor immer wieder Groß und Klein nass gespritzt. Die Geschichte von Platsch erzählte dann ein kleiner Zeichentrickfilm in der Kirche, der Wassertropfen war nämlich mehr oder weniger zufällig als Regen vom Himmel fallend in einem kirchlichen Taufbecken gelandet und war dabei, als ein Kind in eben jener Kirche getauft wurde.

Die KinderKirchenTags-Besucher erlebten am Nachmittag zwei echte Taufen in Bad Laasphe mit. Dafür hatte Pfarrerin Kerstin Grünert ihren Talar angezogen, die Mädchen und Jungens saßen auf den besten Plätzen im Chorraum der Kirche.

Das ging übrigens den KinderKirchenTags-Besuchern nicht anders, seinen Abschluss fand der Tag bei einem Taufgottesdienst am Nachmittag. Dabei dürften die kleinen Gäste vorn im Chorraum sitzen, so dass sie die Taufen von dem kleinen Phil und der etwas größeren Stina live und in Farbe prima miterleben konnten. Um sich zu revanchieren, spielten die Mädchen und Jungens auch in einem kurzen Anspiel mit, das zuvor Pfarrerin Kerstin Grünert mit ihnen eingeübt hatte und bei dem klar, wurde, wie wichtig Jesus die Kinder waren. Außerdem spielte der 18-jährige Malte Kötter beim Gottesdienst die Orgel und bewies dabei, dass das kirchliche Liedgut viele schöne Lieder zu bieten hat, die auch so junge Leute wie beim KinderKirchenTag fröhlich und begeistert mitsingen.

Aber auf dem Programm zwischendurch stand natürlich noch viel mehr. Wenn man vom Mittagessen absieht, dann mussten die Kinder nämlich jede Menge spannende Stationen abarbeiten und sich dafür einen Stempel nach dem anderen abholen. Mit ganz viel Spaß ließen sich die Mädchen und Jungen von Miriam Conrad und Stefanie Scholz wunderbare Bilder ins Gesicht schminken, bei Corinna Born konnten man die größten Seifenblasen in den blauen Himmel über dem Laaspher Kirchplatz aufsteigen lassen, bei Max Jung und Christian Schneider wurden in einem Wettrennen mit Zahnputzbechern große Wassereimer gefüllt, Jan-Philipp Uebach war dafür vorgesehen, biblische Geschichten in der Kirche zu erzählen. Bei Harald Tobert konnte man Fotos machen lassen, die passenden Bilderrahmen dafür wurden im Gemeindehaus gebastelt. Außerdem wartete eine Hüpfburg auf energiegeladene Kinder, jeder kleine KinderKirchenTags-Besucher konnte sich eine Namenskette zusammenbauen und dann gab es doch tatsächlich Knete, die im Wasser schwamm - zumindest wenn man aus ihr einen Fisch formte. Auch das eine der Aufgaben.

„Tolle Kinder“ - das war der wichtigste Bestandteil, der den Wittgensteiner  KinderKirchenTag in Bad Laasphe zu einem Erfolg werden ließ.

Der Dank von Superintendent Stefan Berk, der zum abschließenden Taufgottesdienst in die Laaspher Stadtkirche kam, galt Kerstin Grünert für die Organisation und der evangelischen Laaspher Kirchengemeinde für ihre Gastfreundschaft. Dem Chef des Kirchenkreises gefiel insbesondere das Thema der Veranstaltung. Mit einer rhetorischen Frage griff er die Wichtigkeit dieses Sakramentes auf: „Was wären wir alle ohne Taufe?“ Nach der Veranstaltung war Kerstin Grünert geschafft, aber zufrieden: „Schön war’s.“ Der Tag sei nach ihrem Empfinden ein fröhliches Kinderfest gewesen, das mit dem Taufgottesdienst einen würdigen Abschluss gefunden habe. Sie sei besonders dankbar für die Helfer, die entweder von Anfang an geplant oder plötzlich ganz spontan bei der Veranstaltung mitangepackt hätten. Wobei Christina Petri noch eine wichtige Zutat für das gute Gelingen des Festes ergänzte: „Das waren heute wirklich tolle Kinder beim KinderKirchenTag.“