Jahreslosung 2017

Gott spricht:
„Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch“ Hesekiel 36, 26

  • Wittgensteins Gehörlosenseelsorgerin Pfarrerin Barbara Plümer gebärdet die Jahreslosung 2017: Gott
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Eine Weltgemeinschaft, die dem Bombardieren des Weltkulturerbes Aleppo und seiner Menschen wochenlang hilflos zuschaut, demokratische Entscheidungen, die absehbar der Mehrheit der Abstimmenden schaden werden, ein wuchernder Terrorismus, dessen einziges Ziel es ist, das friedliche, vertrauensvolle Zusammenleben unterschiedlichster Menschen unmöglich zu machen. Zieht man diese Bilanz für 2016, dann kann man nur hoffen, dass das nächste Jahr etwas Neues mit sich bringt. Das nimmt auch die Jahreslosung auf, für 2017 stammt sie vom Propheten Hesekiel: „Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“

Dr. Johannes Gilbert

Was denken Menschen im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein darüber? Zum Beispiel Dr. Johannes Gilbert, Presbyteriums-Vorsitzender der Evangelischen Kirchengemeinde Gleidorf, der früher als Praktischer Arzt seine Praxis in Bad Fredeburg hatte: „Betrachtet man das Herz nicht als Blutpumpe, sondern als Empfindungsorgan im Sinne von ‚Willst Du dein Herz mir schenken‘ und den Geist als mehr als das Gehirn, so könnte man daraus schließen, dass wir mit einer neuen Sensibilität ausgestattet werden sollen und unser Geist gleichzeitig in die Lage versetzt wird, Möglichkeiten zu suchen und zu finden, dieser Sensibilität beziehungsweise Mitmenschlichkeit Form und Richtung zu geben.“

Pfarrer Peter Liedtke

Und das wäre in der Tat nötig, wie auch sein ehemalige Schmallenberger Gemeindepfarrer Peter Liedtke denkt, der heute unter anderem als Flüchtlingspfarrer im Wittgensteiner Kirchenkreis arbeitet: „Da verschwinden Geflüchtete plötzlich von der Bildfläche, weil sie abgeschoben werden sollen, zurück in das so sichere Afghanistan. Es ist so ‚sicher‘, dass das Auswärtige Amt von Reisen in alle Regionen des Landes abrät: ‚Wer dennoch reist, muss sich der Gefährdung durch terroristisch oder kriminell motivierte Gewaltakte bewusst sein.‘“ Aber er ermuntert nicht nur dazu, dass man in der großen Politik genau hinschaut, sondern Jeder und Jede bei sich selbst im Alltag: „Immer wieder stehen wir vor Entscheidungen, bei denen auf der einen Seite mein persönlicher Vorteil steht und auf der anderen Seite die Chancen für unser gesellschaftliches Miteinander. Und immer öfter entscheiden wir uns zugunsten unseres persönlichen Vorteils: als Aktionäre, als Konsumenten, mit Blick auf die Verwendung unserer verfügbaren Zeit, mit Blick auf Außenseiter. Immer öfter siegt das finanzielle Kalkül über das Mitgefühl und die Verantwortung für andere.“

Pfarrer Matthias Gleibe

Für seinen Kollegen Matthias Gleibe, den evangelischen Winterberger Gemeindepfarrer, keine Überraschung: „Weil unser menschliches Herz nach 1. Mose 8 böse ist von Jugend auf. Doch Jesus Christus hat die Werke der Finsternis zerstört durch seine Rettungstat am Kreuz. Das heißt auch, dass er uns seinen neuen Geist schenkt, der Sehnsucht danach hat, den lebendigen Gott zu erkennen und ihm von ganzem Herzen zu dienen.“

Pfarrerin Silke van Doorn

Aber auch wenn hier die Rede von einem Gottesgeschenk ist, so kann der Mensch doch etwas tun, schreibt Pfarrerin Silke van Doorn, Schulreferentin des Wittgensteiner Kirchenkreises: „Wie oft sind wir verhärtet und lassen uns nicht erreichen von dem Unglück anderer. Allerdings: So viele Nachrichten von Tod, Leid und Zerstörung haben unser Herz vielleicht sterben lassen. Verhärtung, damit der Schmerz nicht immer wieder unter die Haut geht. Abschottung, damit ich leben kann angesichts der schlechten Nachrichten. Was ist ein neues Herz? Kopf- und Bauchgefühl spüren, zulassen, in Einklang bringen. Was ist ein neuer Geist? Ruach ist, was am Anfang über den Wassern schwebt. Ruach ist Gestaltungswille. Ruach ist immer von Gott und ermöglicht Wandel. Wir stehen vor gigantischen Herausforderungen: So viele Menschen entwurzelt und heimatlos wie noch nie. So viele Menschen verunsichert, bereit, radikaler zu werden, sich zu verhärten und abzuschotten. Immer mehr Menschen bereit, die Radikalen an die Macht zu lassen. Das einzige, was hilft: Sich öffnen, wünschen, dass Gott meine Angst sieht, hört und mein Herz ruhig macht, damit es wieder klar denken kann. Mit diesem Wunsch beginnt der Wandel des Herzens und des Geistes. Spüren, dass ich mich verhärte, und wünschen, dass es wieder weich wird - um Gottes Willen.“

Philipp Hartmann

In Betrachtung der Jahreslosung hofft auch der 26-jährige Philipp Hartmann, der seit Sommer sein Anerkennungspraktikum im Kompetenzzentrum für Kinder-, Jugend- und Familienarbeit des Wittgensteiner Kirchenkreises absolviert und dafür nach Erzgebirge, Marburg und Niederlanden nun in Schwarzenau wohnt: „Israel war Gottes Beispielvolk. Es sollte ein gutes Beispiel für die Welt sein, um Gottes Namen groß zu machen. Nun bin ich dieses Jahr neu nach Wittgenstein gezogen und mein Berufsleben hat begonnen. Für einige Jugendliche werde ich hier ein Vorbild sein oder werden. Das will ich mir besonders 2017 immer wieder bewusst machen, schauen in welchen Lebensbereichen ich mir von Gott noch ein neues Herz und einen neuen Geist schenken lassen will, um ihn dann darum zu bitten - damit sein Name auch durch mich groß gemacht wird.“

Pfarrerin Simone Conrad

Vorbildlich findet die Birkelbacher Gemeindepfarrerin Simone Conrad, seit Sommer auch Wittgensteiner Diakoniepfarrerin, eine Freundin: „Ich kenne wenige Menschen, denen ich das Prädikat ‚herzensgut‘ geben würde. Sehr wenige. Aber eine meiner Freundinnen, die ist wahrhaftig herzensgut: Sie pflegt Hunde, Katzen, Hasen und Schildkröten, wenn die Besitzer in Urlaub sind. Ihre Mitmenschen bringen ihr die Blumen zum Gießen und die Kinder zum Hüten. Wer Kuchen braucht, einen Salat oder Waffeln, muss nur Bescheid sagen. Und wer jemanden zum Zuhören braucht, der kommt zu ihr in den Garten. Auf die Frage ‚Hast du Zeit?‘ sagt sie nur ‚Das richte ich ein‘. Herzensgut eben, das heißt: Mit einem weiten, offenen Herzen, in dem Raum ist für Gott und die Menschen. Und ich glaube, so ein Herz brauchen wir: eines, in dem Gott und unsere Nächsten wohnen können.“

Johannes Drechsler

Johannes Drechsler, der ab April als Gemeindereferent in der Feudinger Kirchengemeinde arbeitet, deutet die Jahreslosung für sich so: „Diese Worte Gottes sind eine Liebeserklärung an uns. Ein jeder von uns braucht Zuversicht, ein jeder von uns soll wissen, dass jeder Tag ein neuer Anfang sein kann. Es erschließen sich neue Perspektiven und neue Wege. Es entsteht etwas Neues, Unbekanntes. Gott will unser Wegweiser sein, damit wir die richtige Richtung finden. Ein lohnendes Wagnis. Mit einem einzigen Wort kann alles beginnen. Lassen wir uns ein neues Herz und lebendigen Geist Gottes schenken mit dem Risiko, dass nichts bleiben muss, wie es ist. Lösen wir unsere Gefangenschaft in unserem Denken und Handeln auf und vertrauen auf das, was Gott uns schenkt.“

Pfarrer Stefan Berk

Superintendent Stefan Berk hört zuerst die Aufgabe in der Jahreslosung: „Neu werden müsste manches. Vieles in unserem Leben hängt zu sehr fest an den alten Dingen. Wir spüren immer wieder, dass vieles nicht mehr trägt. Wir müssten neu denken, in unserer Wirtschaft, in unserem sozialen Miteinander, im Umgang mit Migranten, in der Umwelt. Und letztlich mit mir selbst.“ Er verschließt dabei nicht die Augen vor den Beschwernissen: „Aber das Neue ist anstrengend. Ich weiß ja nicht, wohin mich das führt. Man braucht Mut, etwas Neues zu beginnen.“ Aber als Pfarrer kann der Erndtebrücker Mut machen: „Gott schenkt ein neues Herz und einen neuen Geist. Das klingt gut. Ich muss das nicht alleine schaffen. Gott selbst inspiriert mich. Das Neue macht keine Angst mehr. Ein paar Schritte könnten wir doch mal wagen, oder? Mit diesem Gott an unserer Seite?“