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25.06.2017
Von: Jens Gesper

Teambuilding zwischen Dungeon und Twisted Rooms

Berleburger Mitarbeitenden-Freizeit lehrte in Hamburg viel mehr als nur englische Vokabeln


Zwischen Spaß und Action machten sich die junge Leute bei einer Mitarbeitenden-Freizeit der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Berleburg viele Gedanken über das, was Team-Geist ausmacht.

Das Wort „Gemeinschaft“ kommt vom Ausdruck „Gemeinde“, der seine Wurzeln im althochdeutschen „gimeinida“ hat. Ausschlaggebend ist dabei die Vorstellung vom altgermanischen „gemein“, das heißt ungefähr mehreren abwechselnd zukommend. Zu kompliziert? Dann ist ja vielleicht die englische Vokabel „Teambuilding“ gar kein allzu schwieriges Fremdwort mehr. Genau darum ging es jetzt nämlich bei der Freizeit der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Berleburg für junge Mitarbeitende. Pfarrerin Claudia Latzel-Binder war mit 13 jungen Leuten von 15 bis 25 Jahren für drei Tage mit zwei Busschen in Hamburg. Gemeinschaftsgefühl und -geist sollten gestärkt werden Die Hansestadt habe man ausgesucht, weil sie weiter weg sei als Köln, aber dichter dran als Berlin oder München, so Max Born aus der Berleburger Kinder- und Jugendarbeit. Er ist der Ansprechpartner für die Ameisenjungschar, vertreten waren bei der Fahrt aber auch Mitarbeitende der Jungschar für die Größeren, des Treffpunkts „Jugend“ und des Teenagerkreises.

In einer Selbstverpfleger-Unterkunft wohnten die Wittgensteiner, drei Veranstaltungen stachen aus dem insgesamt wohlüberlegten, abwechslungsreichen und sehr guten Programm nochmal als etwas Besonderes heraus: erst der Dialog im Dunkeln, dann der Dungeon, schließlich die Twisted Rooms.

Der Dialog im Dunkeln fand in völlig abgedunkelten Räumen statt, blinde Ausstellungs-Guides führten die Berleburger in zwei Gruppen über eine Ausstellungsfläche von rund 400 Quadratmetern mit Düften, Wind, Temperaturen, Tönen und Texturen. Max beschrieb die Düsternis noch anschaulicher: „So dunkel hat man’s nicht mal, wenn man die Augen zumacht.“ Die Absicht der Ausstellungsmacher erläutern diese so auf ihrer Homepage: „Mit Blindenstöcken ausgestattet, und von Eurem Guide bestens geführt, erlebt Ihr einen Park, eine Stadt oder ein Café von einer ganz neuen Seite. Alltagssituationen werden durch das Nichts-Sehen-Können zu einem völlig neuen Erlebnis. Ein Rollentausch findet statt: Sehende Menschen werden herausgelöst aus sozialer Routine und gewohnter Rezeption. Blinde Menschen sichern Orientierung und Mobilität und werden zu Botschaftern einer Kultur ohne Bilder.“ Dabei habe man sich, so Max, nicht nur auf den Führer durch die Ausstellung verlassen müssen, auch zum direkten Vorder- und zum direkten Hintermann, wahlweise -frau, habe man blindes Vertrauen haben müssen.

Dungeon kann man aus dem Englischen mit Verlies oder Kerker übersetzen, in Hamburg hat man sich offenbar für Verlies entschieden: „Das Hamburg Dungeon ist eine 90-minütige Reise durch über 600 Jahre grauenhafter Hamburger Geschichte. Shows mit echten Darstellern, fesselnde Geschichten, zwei aufregende Fahrattraktionen und moderne Special Effects werden Dich zum Lachen und Schreien bringen. Im Hamburg Dungeon wirst Du eine schaurig schöne Zeit erleben.“ Und das für eine kirchliche Gruppe? Ja, nicht nur, weil es neben dem verheerenden Hamburger Brand von 1842 auch um die Inquisition ging und weil es ein besonderes Gruppenerlebnis gab, an das sich Max auch im Nachhinein erinnerte: „Man hatte gemeinsam Angst“, als man die Geschichte Hamburgs am eigenen Leib erlebt habe.

Auch beim dritten Glanzlicht reichten deutsche Wörter nicht: „TwistedRooms“ stand drüber, dabei sollte es um Escape Games gehen. Das Erste sind wortwörtlich übersetzt verdrehte Zimmer, das zweite bedeutet Fluchtspiele. Konkret geht es hier darum, dass man in einem abgeschlossenen Zimmer ist und dann: „Du schaust einen Film und bist plötzlich mit Deinem Team mitten in der Handlung. Ab jetzt bleiben Euch 60 Minuten Zeit, die Geschichte zu einem Happy End zu bringen.“ Egal, ob bei einer Mutprobe oder gegen eine Verschwörung. In Vierer- und Fünfer-Gruppen waren die Berleburger im Einsatz. „Alle überlebt“ lautete die Schlussbilanz von Max für dieses Spiel, zu schaffen war das allerdings nur im Miteinander einer ganzen Mannschaft.

Das Programm dazwischen war weniger spektakulär, aber genauso wichtig: Mit den Erfahrungen und Erkenntnissen dieser drei Einheiten im Hinterkopf dachten die jungen Leute über ihre gemeinsame Arbeit auf dem festen Fundament ihres christlichen Glaubens nach, über die Kommunikation als wichtigen Schlüssel und das Bearbeiten von Konflikten, die immer wieder auftreten können. Stille Zeiten, das gemeinsame Besprechen von Bibeltexten, Gesang und Gebet - oder schon wieder Englisch: Sing-and-Pray-Einheiten - waren ebenfalls Teil des Aufenthalts. Und natürlich auch der Besuch eines Gottesdienstes in Hamburg. Eines besonders jungen, frischen Gottesdienstes. Von dem habe das Mitarbeitenden-Team der Berleburger Kirchengemeinde „Inspiration für die Jugendarbeit“ mit nach Wittgenstein genommen, so Max. So haben die jungen Leute außer englischen Vokabeln noch ganz viel mehr gelernt. Finanziell gefördert wurde die Mitarbeitenden-Freizeit vom Förderverein für die Jugendarbeit in der Berleburger Kirchengemeinde sowie vom Kreisjugendring.

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