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06.10.2017
Von: Jens Gesper

Wenn der Fuchs ein Huhn klaut, ...

... dann hat das auf dem Literaturpflaster im Zwergenland und im Senfkorn ein Happy End


Auch wenn Béatrice Rodriguez im Girkhäuser Zwergenland freundlich guckt, kann sie doch gefährliche, zähnefletschende Hasen zeichnen.

Was wie „Fuchs, du hast das Huhn gestohlen“ anfing machte die Kinderbuch-Autorin und -Zeichnerin Béatrice Rodriguez auch im Zwergenland zu einer Liebesgeschichte mit Happy End.

Routiniert nahm Zwergenland-Leiterin Anette Eckhardt-Sommer (links) den vierten Literaturpflasterstein für die Girkhäuser Kindertageseinrichtung entgegen.

Hasen, Bären, Hähne, Füchse und Hennen, die gut miteinander auskommen - ob das die Kinder im Senfkorn glaubten, die sich in Wittgenstein ja offenkundig gut mit Tieren auskennen?

Gebannt hörten und schauten die Kinder im Senfkorn bei der Geschichte vom Hühnerdieb zu.

Die Senfkorn-Kinder sangen für Béatrice Rodriguez „Frère Jacques“, worüber sich die französische Autorin und Zeichnerin sehr freute.

Die Senfkorn-Kinder schauten sich den ersten Literaturpflasterstein für ihre Kita genau an, den ihnen Rikarde Riedesel zeigte.

Wenn eine Erzählung anfängt wie „Fuchs, du hast das Huhn gestohlen“ und dann als Liebesgeschichte mit Happy End aufhört, dann muss da zwischendurch schon etwas unerhört Außergewöhnliches passiert sein. Miterlebt haben diese wundersame Wandlung in den vergangenen Tagen die Mädchen und Jungen aus vier Kindertageseinrichtungen auf dem Berleburger Stadtgebiet: Neben dem Raumländer Familienzentrum „Blauland“ und der Berghäuser AWo-Kita war im Rahmen des Literaturpflasters die französische Bilderbuch-Autorin und -Zeichnerin Béatrice Rodriguez auch in den Evangelischen Kindergärten „Zwergenland“ in Girkhausen und „Senfkorn“ in Bad Berleburg zu Gast. Dabei hatte sie Bilder aus ihrem Buch „Der Hühnerdieb“, die mit einem Beamer an die Wand projiziert wurden, und ein paar leere DIN-A1-Blätter.

Nach den ersten Worten von Béatrice Rodriguez sagte ein ungläubig staunendes Mädchen im Senfkorn „Die spricht ja wirklich Französisch!“. Das war aber kein Problem, denn die Französin hatte auch noch Rikarde Riedesel dabei, die im Berleburger Rathaus der Motor der Literaturpflaster-Veranstaltungsreihe ist. Rikarde Riedesel übersetzte das, was die Autorin erzählte, und am Ende sagten die Bilder sowieso viel mehr als 1000 Worte. Durch finstre Wälder und über wogende Wasser-Wellen hinweg verfolgen der Bär, der Hahn und der Hase den Fuchs mit dem gestohlenen Huhn. Während Reineke am Anfang der Henne noch den Schnabel zuhalten muss, ändert sich ihre Beziehung im Laufe der Zeit und auf dem Weg. Als das ungleiche Pärchen kurz vor Schluss locker im Boot schippert, trägt das Huhn jedenfalls eine coole Sonnenbrille und schlürft lässig mit dem Fuchs einen Cocktail. Eines der Girkhäuser Kinder kannte genau diese komplizierte Vokabel. Denn zwischendurch wurde viel von Béatrice Rodriguez gefragt. Immer wieder ermunterte sie die Mädchen und Jungs, ganz genau hinzugucken. Denn hier sind Details wichtig. Oder sie dachte mit den Kindern nach, wie die Geschichte weitergehen könnte. Und dann malte sie aus dem Stegreif Bär, Hahn, Henne, Fuchs oder einen Esel oder einen Kraken oder sogar einen gefährlichen Hasen mit gefletschten Zähnen. Oder auch mal ein Croissant und ein Baguette. Denn die Zwergenland-Kinder hatten sich mit einem französischen Frühstück auf ihren Besuch vorbereitet und französische Fahnen für die Fenster gemalt. Und die Senfkorn-Kinder kamen zu ihrer Lesung im Gänsemarsch, der aussah wie eine Polonaise, auch das ein französisches Wort. Und sie sangen Béatrice Rodriguez zudem noch das Lied von „Frère Jacques“ vor. Ihre Aussprache sei genauso gut wie die von kleinen Franzosen gewesen, lobte die Autorin, selbst Mutter von vier Kindern von zehn bis 19 Jahren.

Am Ende hatten alle eine wunderbare Stunde erlebt, die so ganz anders als Alltag war. Für die Girkhäuser eine bekannte Erfahrung. Das Zwergenland war schon zum vierten Mal Teil des Berleburger Literaturpflasters. Einrichtungsleiterin Anette Eckhardt-Sommer nahm routiniert den Literaturpflasterstein entgegen, den alle Künstler und Gastgeber erhalten. Er kommt in die Sammlung. Erzieherin Manuela Schnell freute sich indes über den ersten Stein fürs Senfkorn und sagte gleich einmal, dass man das doch wieder machen könne. Rikarde Riedesel versprach, dass sie sich auf die Suche nach Bilderbuch- und Kinderbuchautoren aus dem nächsten Frankfurter-Buchmessen-Land mache. Wobei das vielleicht nicht so einfach werde. Das Literaturpflaster-Land 2018 ist Georgien, ganz weit im Osten, dort wo Europa an Asien grenzt.

Stichwort: Das Literaturpflaster...

... ist ein Berleburger Veranstaltungsreigen im Herbst, der seit 1994 alljährlich den aktuellen Frankfurter-Buchmessen-Schwerpunkt zu seinem Mittelpunkt macht. Die Reihe nähert sich dem Gastland, also in diesem Jahr Frankreich, auf verschiedensten Gebieten und an außergewöhnlichen Orten: Diesmal gab es eine Einführung in die französische Literatur in der Apotheke, eine Weinprobe im Schieferschaubergwerk, eine Schattentheater-Vorstellung mit dem Kleinen Prinzen, eine Käse-Verkostung im Bioladen, Kochkurse in der Berufskolleg-Küche, Ausstellungen in Volksbank und Sparkasse, im zweiten Fall garniert mit einem Chanson-Abend, einen Spezialitätenabend im Restaurant, eine Multivisionsschau, die auf dem Hausboot das Land durchkreuzte, einen Generalkonsul im EJOT-Labor und darüberhinaus eine mitreißende Lesung mit den echten Musikern aus dem vorgestellten Roman, einen französischen Märchenabend im Altenzentrum, Belletristik-Lesungen in einer Logistikhalle und einem Autohaus sowie eine Krimi-Lesung im Verhandlungszimmer des Amtsgerichts Bad Berleburg.

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