Klares Votum für Joachim Cierpka >
< Zum zehnten Mal „Heiligabend nicht allein“
31.12.2017
Von: Jens Gesper

„Insgesamt war es ein gutes Luther-Jahr!“

Ein Fazit des Reformations-Jubiläums verschiedenster Menschen vom Gebiet des Kirchenkreises


Dieter Kuhli (rechts) ist nicht nur Laaspher Pfarrer und Vorsitzender des Theologischen Ausschusses im Kirchenkreis, sondern kann auch anpacken wie hier beim Aufbau für den Luthergarten in der ehemaligen Erndtebrücker Hauptschule.

Die Banfer Presbyterin Silke Stenger (rechts) gehörte zu dem Team, das den ersten Raum im Luthergarten gestaltete, in dem es um Martin Luthers Schulzeit ging.

Bei Dr. Tim Elkar liefen diverse Fäden der Luthergarten-Organisation zusammen, der Erndtebrücker Pfarrer führte auch zahlreiche Gruppen - wie hier den Frauenabendkreis der Wingeshäuser Kirchengemeinde - durch die Ausstellung.

Oliver Velte (Zweiter von rechts) war erstaunt, mit wieviel Interesse auch junge Leute - hier die Konfirmandengruppe der Evangelischen Kirchengemeinde Dorlar - seine Bibelausstellung im Luthergarten wahrnahmen.

Am Anfang einer langen Prozession tragen hier Georg Schröder und Jürgen Rademacher das Kreuz durch Schmallenberg, das die Mitte der christlichen Konfessionen ist.

Zu jedem der sieben Imperative der ökumenischen Verpflichtung „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“, die Dechant Georg Schröder (rechts) als Leiter des Pastoralverbunds Schmallenberg-Eslohe und Superintendent Stefan Berk (links) als Leitender Theologe des Kirchenkreises Wittgenstein eingingen, wurde in Schmallenberg eine Kerze entzündet.

Kirsten Lange stellte bei der Ökumenischen Feier am Vorabend des Reformationstages in Winterberg ein Plakat vor, das katholische und evangelische Vokabeln säuberlich getrennt aufführt und mit vielen Wörtern dazwischen klarmacht, wieviel beide Konfessionen miteinander verbindet.

Der 500. Jahrestag von Martin Luthers Thesenanschlag in Wittenberg hat im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein in 2017 unterschiedlichste Veranstaltungen mit sich gebracht. Aber wie war das im Rest der Welt? Für den Kirchenkreis fallen einem da zwei Blickrichtungen ein: zur United Church of Christ in den US-Bundesstaaten Indiana und Kentucky sowie zum Kirchenkreis Ngerengere der Evangelical Lutheran Church in Tansania.

Da man im Augenblick in der Pause zwischen zwei Young-Ambassador-Generationen ist, waren die Kontakte 2017 in die USA nicht so zahlreich. Aber schaut man auf der Facebook-Seite der Indiana-Kentucky-Conference, dann sieht man, dass deren Mitarbeiter ihre Frohe-Weihnacht-Botschaft gerade gemeinsam mit einem roten Kunststoff-Luther gepostet haben, der genauso aussieht wie die Luther-Figur, die im abgelaufenen Jahr auch im Wittgensteiner Kirchenkreis unterwegs war, um an verschiedensten Orten das Reformations-Jubiläum mitzufeiern. Und im kommenden Jahr steht schon wieder ein Jubiläum an. Dann feiern die Amerikaner mit den Wittgensteinern und Hochsauerländern aus dem Kirchenkreis das 25-jährige Bestehen des Austauschprogramms „Young Ambassadors“.

Reverend William Mitimingi hat als Superintendent des Kirchen-Distrikts Ngerengere, mit dem der heimische Kirchenkreis seit Jahrzehnten verbunden ist, die Wittgensteiner und Hochsauerländer hier per E-Mail über ihre Aktivitäten in Tansania informiert. Neben Reformations-Gottesdiensten in allen Kirchen konnte William Mitimingi auch berichten, dass man zu dieser Gelegenheit sich besonders anziehen wollte: mit Hüten, T-Shirts, Kitenge- und Kanga-Kleidungsstücken, allesamt mit Lutheraner-Symbolen bedruckt. Außerdem auf dem Programm: der Abschluss des Distrikt-Bürogebäude-Baus, die Grundsteinlegung für Kirche und Pfarrhaus in Kwaba, die Grundsteinlegung für eine Kirche in Seregete B, die Eröffnung einer neuen Kirche in Dete.

Während im Aufbruch in Tansania reichlich gebaut wird, sehen die Aufzählungen zum Reformations-Jubiläum bei uns anders aus, etwa wie die von Pfarrer Thomas Janetzki aus der Wingeshäuser Kirchengemeinde: „acht gemeinsame Sondergottesdienste mit Birkelbach zusammen im Wechsel, Gestaltung eines Raumes im Luthergarten mit Birkelbach zusammen, Veranstaltung im Frauenabendkreis zum Frauen in der Reformation, ein thematisches Seniorenfrühstück zum Reformations-Jubiläum, fünf thematische Passionsandachten in jeder Gemeinde mit Berghausen und Birkelbach zusammen“.

„Gemeinsam“ und „zusammen“, diese Worte fallen öfters in Thomas Janetzkis Aufzählung, letztendlich waren diese Vokabeln auch der Schlüssel zum unerwartet beeindruckenden Erfolg eines Kirchenkreis-Großprojektes zum Reformations-Jubiläum: der Luthergarten in der ehemaligen Erndtebrücker Hauptschule, wo 13 der heimischen 15 Kirchengemeinden sowie die Diakonie, das Schulreferat und das Berleburger Johannes-Althusius-Gymnasium drei Wochen lang verschiedene Aspekte der Reformation im Allgemeinen und des Reformators Martin Luther im Speziellen beleuchteten.

Neben Wittgensteinern und Hochsauerländern, die naturgemäß zum Kirchenkreis gehören, trug zum Gelingen des Luthergartens auch ein Hesse bei, der Wiesenbacher Oliver Velte setzte mit seiner Bibelausstellung einen Glanzpunkt der facettenreichen Ausstellung, sein Fazit: „Für mich, den Aussteller der Exponate des 15. bis 18. Jahrhunderts, war es eine lohnenswerte Premiere, die Bibeln der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, den Werdegang des Buchs der Bücher präsentiert zu haben und auf ungeahntes Interesse - auch von vielen jungen Menschen - gestoßen zu sein. Alle intensiven Vorbereitungen mit dem Ausarbeiten der Schautafeln, der Präparation des Ausstellungs-Ortes und des Kräfte zehrenden Transports einiger 100 Kilogramm Buchseiten wurde durch reges Interesse und gute Gespräche mit den Besuchern komplett aufgewogen.“ Er habe nicht mit solch großem Interesse gerechnet und habe selbst etwas dazugelernt: Das Wappen von Karl V., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, auf einem der Exponate aus dem Hause des heimischen Grafen Ludwig dem Älteren habe er sich nie erklären können, aber die Wittgensteiner hätten laut eines Luthergarten-Besuchers beste Beziehungen zu den Habsburgern gepflegt, so Oliver Velte.

Der Luthergarten als Idee von Pfarrer Peter Liedtke wurde vom Theologischen Kirchenkreis-Ausschuss als Projekt ausgearbeitet, Kirchengemeinden und Arbeitsbereiche füllten es mit Phantasie und Engagement, viele der Fäden liefen bei Dr. Tim Elkar zusammen, der als Erndtebrücker Pfarrer vor Ort natürlich kurze Wege hatte. Seine Bilanz fällt zwiespältig aus: „Der Höhepunkt sollte der Luthergarten werden, von der positiven Resonanz war ich überwältigt. Alle Generationen haben den Luthergarten besucht, die Räume waren von den Kirchengemeinden sehr ideenreich gestaltet. Sehr positiv angetan war ich vom Gemeindefest zum Thema ‚Luther‘ und dass dorthin so viele Menschen gekommen sind. Aus meiner Sicht hätte die Resonanz auf den Luther-Vortrag, die Luther-Leseabende und auch die Wanderung von Erndtebrück auf den Stünzel größer sein können. Für mich zeigt sich in der Beobachtung, dass der Trend bei den Besuchern hin zu einmaligen Events geht, so wie es eben der Luthergarten und das Gemeindefest waren. Dagegen haben es andere Formate eher schwer.“

Die Banferin Silke Stenger war gleich bei zwei Events dabei, die Großen und Kleinen die Ideen der Reformation effektvoll näherbrachten: im Sommer als Banfer Presbyterin bei der Gestaltung des Banfetaler Luthergarten-Raums, im Herbst als Lehrerin bei der Grundschul-Projektwoche zur Reformation in Niederlaasphe: „Besonders beeindruckend in diesem Jubiläumsjahr war für mich unsere Projektwoche in der Schule. Jeden Morgen haben wir mit einem gemeinsamen Singen begonnen. Lieder, die meine Kollegin Evi Sindermann ausgesucht hat und die die Kinder so gern gesungen haben. Dabei hat sich das Lied ‚99 Luther-Thesen‘, eine Umdichtung von Nenas ‚99 Luftballons‘, besonders in meinem Kopf festgesetzt. Natürlich war auch der Luthergarten mit seinen vielfältig gestalteten Räumen ein besonderes Highlight. Das, was die Gemeinden dort aufgebaut und zusammengetragen haben, war erstaunlich. Insgesamt war es ein gutes Luther-Jahr!“

Viele junge Menschen kamen auf unterschiedlichste Art mit dem Thema „Reformation“ in Berührung: Grundschulen, Kindergärten, weiterführende Schulen besuchten den Luthergarten oder beschäftigten sich noch ganz anders mit der Reformation, Kinderbibeltage, Kinderkirchentag und Jugendbibelwoche für den ganzen Kirchenkreis thematisierten den Jahrestag der Reformation.

Waren die Kinder und Jugendlichen ein unerwartet aktiver Teil des Reformations-Jubiläums, war die Ökumene ein anderer. Und zwar auf beiden Seiten des Rothaarkamms. Zum Kirchenkreis gehören die Kommunen Bad Berleburg, Bad Laasphe, Erndtebrück, Eslohe, Schmallenberg und Winterberg. Während die Evangelischen in Wittgenstein stets die absolute Mehrheit haben, nehmen diese Position im Hochsauerland die Katholiken ein. Und überall gab es Veranstaltungen zum Reformations-Jubiläum, ganz unterschiedliche. Der ökumenische Bittgottesdienst für die Einheit der Christen an Pfingsten war dabei ein Beitrag, der bereits seit langer Zeit zum Laaspher Kirchenjahr dazugehört. In diesem Jahr kamen hinzu: das gemeinsame Apfelbaum-Pflanzen von Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat und Presbyterium in Bad Berleburg; eine gemeinsame Vortragsreihe „Reformation und Ökumene in Winterberg“ des Katholischen Pastoralverbunds Winterberg und der Evangelischen Kirchengemeinde Winterberg; das gemeinsame Kreuz-Aufstellen in Stünzel, zu dem Pastoralverbund Wittgenstein und Kirchenkreis Wittgenstein gemeinsam einluden; eine gemeinsame Prozession durch Schmallenberg von der Christuskirche zur St.-Alexander-Kirche, organisiert vom Katholischen Patoralverbund Schmallenberg-Eslohe und den Evangelischen Kirchengemeinden Dorlar und Gleidorf; ein gemeinsames Fest am Vorabend des Reformation-Feiertages in Winterberg.

Pfarrer Georg Schröder ist Leiter des Pastoralverbunds Schmallenberg-Eslohe und darüberhinaus Dechant des Dekanats Hochsauerland-Mitte, zu dem auch Bestwig und Meschede gehören. Seine Worte zu der Veranstaltung Anfang Oktober in Schmallenberg sind eindeutig: „Unser ökumenischer Gottesdienst war im wahrsten Sinne des Wortes ein bewegendes Ereignis - Anfang in der evangelischen Christuskirche - Weg durch Schmallenberg - Ende in der katholischen St. Alexanderkirche. Rund 250 Christinnen und Christen dem Kreuz folgend, bei Regen nicht aufgebend, betend und einträchtig. Zwei Stunden, in denen wir erfahren haben: ein Herr, ein Glaube, eine Taufe. Wir waren alle berührt und nachträglich dankbar.“

Mit dem Diaspora-Blickwinkel fiel das Fazit des evangelischen Pfarrers Jürgen Rademacher aus Eslohe ebenso eindrücklich aus: „Nachhaltig beeindruckt hat mich der ökumenische Gottesdienst, den wir zentral in Schmallenberg gefeiert haben. Alle katholischen Kolleginnen und Kollegen waren anwesend. Und viele haben sich in die Vorbereitung und die Durchführung des Gottesdienstes bewusst eingebracht. Wenn man lange in der Diaspora lebt weiß man, wie wenig selbstverständlich das ist und wie uns diese Erfahrung zu einer tief empfundenen Dankbarkeit führt. Es war ein erstaunliches Zeichen gelebter Ökumene im Hochsauerlandkreis und zugleich ein wegweisendes Zeichen eines gemeinsamen christlichen Handelns in einer säkularisierten Welt. Der Gottesdienst weckte Visionen, was zukünftig noch möglich sein wird in geschwisterlichem Zusammenleben und Handeln.“

Kirsten Lange arbeitet im Pfarrgemeinderat Züschen mit, sie schaute von katholischer Seite auf die Winterberger Veranstaltungen: „Reformation und Ökumene sind im Jubiläumsjahr 2017 aktueller denn je und das nicht nur in den bekannten Orten der Reformation. Sie sind und waren auch Thema in Winterberg und Umgebung. Leben wir doch in einem Grenzgebiet evangelisch und katholisch geprägter Kulturräume. In Erinnerung an die Reformation feierten Christen beider Konfessionen ein ökumenisches Fest. Die Feier war der Höhepunkt einer Veranstaltungsreihe aus Anlass des Reformationsjubiläums, zu der eine Initiative katholischer und evangelische Christen des Pastoralverbunds Winterberg und der evangelischen Gemeinde Winterberg in Winterberger Cafés und Gaststuben eingeladen hatte. Während der drei Treffen beschäftigten sich die Teilnehmer in Vorträgen, Diskussionen und Andachten mit der Entstehung der Reformation, dem Verlauf, den Auswirkungen und der aktuellen Situation und wagten Ausblicke auf die zukünftige ökumenische Bewegung.“ Nach „einem rundum gelungenen Fest“ war für Kirsten Lange klar, dass dieses über 2017 hinauswirkt: „Eine Fortsetzung der ökumenischen Treffen in Form von lockeren Stammtischrunden ist geplant.“

Beim Winterberger Fest am Vorabend des Reformationstags war auch Superintendent Stefan Berk, obwohl seine eigene Erndtebrücker Gemeinde ebenfalls in den Jubiläums-Tag hineinfeierte. In seiner Andacht zog er eine Parallele zwischen der Gegenwart und den Zeiten vor 500 Jahren: „Gegen das Angst-Virus hilft nur eins: Vertrauen in Gottes Zukunft. Darauf zu hoffen, dass die Zukunft in seinen Händen liegt - und dort gut aufgehoben ist. Das macht frei. Einfach frei. Von innen heraus frei. Dieser Glaube an Gottes Möglichkeiten ist das beste Mittel, um unser Immunsystem gegen das Angst-Virus zu stärken. Als Martin Luther vor 500 Jahren den Glauben an Gott neu buchstabierte, war die Welt von Angst zerfressen. Gott macht gerecht! Drei Worte gegen die Angst. Drei Worte zur Stärkung unseres Immunsystems. Drei Worte, die mich aufatmen lassen - heute genauso wie damals Martin Luther und mit ihm tausende andere. Gott macht gerecht! Er sucht unsere Nähe. In Jesus Christus wird er Mensch, damit wir menschlich leben können, zugewandt, ohne Hass, ohne die Angst, zu kurz zu kommen. Fasst Vertrauen in Gottes Segen! Fasst Vertrauen in seine Zukunft! Seid frei von der Sorge um Euer Seelenheil! Seid einfach frei!“ So die universale Frohe Botschaft, die er aus der Heiligen Schrift herausdestillierte.

Diese entscheidende Freiheit der Christmenschen, die in der Evangelischen Kirche von Westfalen mit dem Leitmotiv „Einfach frei“ als Überschrift über dem Reformations-Jubiläum stand, nahm auch Dieter Kuhli als Vorsitzender des Theologischen Kirchenkreis-Ausschusses für seine Bilanz auf: „In vielen Veranstaltungen haben wir erinnert an das, was uns als ChristInnen und als Kirche hält und trägt: Wir dürfen leben, unverdient, einfach frei. Wenn der Eindruck richtig ist, der uns immer wieder gespiegelt wurde, dann ist uns das durchaus weithin gelungen, in der Erinnerung an die Reformation als Kirche sympathisch und lebendig und offen rüberzukommen.“ Doch nach dem Feiern kommt jetzt wieder der Alltag mit all seinen Beschwernissen, die einen im Klein-Klein hin und wieder das große Ganze vergessen lassen, aber auch der Laaspher Pfarrer ermutigte zum Mut: „Die Verkündigung des Evangeliums ist manchmal auch eine Sache der kleinen Schritte. Es gibt nicht nur die großen Feste, auf die wir dankbar zurückblicken können. Nein, es ist und bleibt unsere Aufgabe, immer wieder neu nach Worten zu suchen und in Taten zu zeigen, was das für uns Menschen heute bedeutet: ‚Gott liebt diese Welt, und wir sind sein eigen. Wohin er uns stellt, sollen wir es zeigen: Gott liebt diese Welt.‘“ Das Lied stammt von dem lutherischen Theologen Walter Schulz und findet sich heute sowohl im Evangelischen Gesangbuch als auch im Katholischen Gotteslob. Einmal unter der Nummer 409, das andere Mal unter der Nummer 464. Aber es steht in beiden Liedersammlungen.