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06.02.2018
Von: Jens Gesper

Halbzeitbilanz des Girkhäuser Presbyteriums

Auch wenn es schwierig bleibt herrscht bei Gemeindeversammlung Zuversicht vor


Michael Schwarz (stehend) erläuterte in der Girkhäuser Gemeindeversammlung als stellvertretender Verwaltungsleiter des Siegener Kreiskirchenamtes die komplexen Zusammenhänge beim Thema „Kirchenfinanzen“.

Seit zwei Jahren arbeitet das neue Presbyterium der Kirchengemeinde Girkhausen, genau in der Mitte der vierjährigen Amtszeit war die Gemeindeversammlung am Dienstag auch eine Halbzeitbilanz der Arbeit. Die Versammlung fand im Girkhäuser Gemeindehaus statt. Genau um das Gebäude dreht sich die wichtigste Veränderung der jüngsten Vergangenheit. Denn dieses gehört zwar noch der Kirchengemeinde, aber der Girkhäuser Generationenverein sorgt jetzt dafür, dass ihr fürs Gemeindehaus keine Kosten mehr entstehen. Ende August 2017 unterzeichneten Generationenverein und Presbyterium einen Nutzungsvertrag, Anfang Oktober wurde das Gebäude übergeben. So war die Kirchengemeinde mit ihren knapp 30 Gemeindeversammlungs-Besuchern, darunter auch Ortsvorsteher Eberhard Lauber, jetzt strenggenommen zu Gast beim Generationenverein. Wobei die Kirchengemeinde genau wie CVJM-Posaunenchor, Frauenhilfe und Männergesangverein ein fester Kooperationspartner des Generationenvereins ist.

Der Grund für dieses Arrangement: die finanzielle Situation der Girkhäuser Kirchengemeinde. Finanzen sind immer ein schwieriges Thema, bei Kirche als Körperschaft des öffentlichen Rechts sind die Anforderungen und Zwänge nochmal komplizierter. Licht in diese komplexen Zusammenhänge brachte bei der Girkhäuser Gemeindeversammlung Michael Schwarz, der stellvertretende Verwaltungsleiter des gemeinsamen Kreiskirchenamtes der beiden selbständigen Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein. Bei Kirchfinanzen gehört zum Erklären immer die Vokabel „Pfarrvermögen“ dazu. Davon haben die Girkhäuser viel, aber das hilft ihnen wenig: Das Pfarrvermögen - in Girkhausen viel Wald - gehört der Kirchengemeinde, aber nach der Verwaltungsordnung der Evangelischen Kirche von Westfalen dienen seine Erlöse der allgemeinen Pfarrbesoldung in der gesamten Landeskirche. Drei Viertel der Pfarrvermögens-Erlöse werden verbindlich dafür genutzt, ohne dass die Kirchengemeinde oder der Kirchenkreis an das Geld herankommen könnte. Da ist also Girkhäuser Geld, das in einem großen Topf landet, aus dem die westfälischen Pfarrer insgesamt bezahlt werden. Das kann man als ungerecht empfinden, ist allerdings ein Zeichen der Solidarität in der Westfälischen Landeskirche.

Das ist nicht wegzudiskutieren. Mit 553 Gemeindegliedern ist die Girkhäuser Kirchengemeinde die kleinste im Wittgensteiner Kirchenkreis, ihr Pfarrstellen-Anteil konnte nur in einer pfarramtlichen Verbindung mit der Berleburger Nachbarkirchengemeinde besetzt werden. Christine Liedtke ist seit knapp drei Jahren die gemeinsame Gemeindepfarrerin. Obwohl die Gemeinde klein ist, hat sie in den vergangenen beiden Jahren viel geschafft, auch dank der Vorarbeit des vorherigen Presbyteriums.

Klaus Saßmannshausen als Vorsitzender des aktuellen Gemeinde-Leitungsgremiums sowie Ruth Bald, Anne Lückel und Steffen Schmidt berichten jetzt aus ihren unterschiedlichen Bereichen, von vielen Maßnahmen zur Bauunterhaltung und von einem ausgebuchten Zwergenland im nächsten Kindergartenjahr, aber auch von einer weiterhin sehr angespannten Haushaltssituation. Selbst wenn die Kirchensteuer-Zuweisungen momentan aufgrund einer guten Konjunktur und Wirtschaftssituation sehr stabil sind, beschweren steigende Kosten, etwa für Energie, die Kirchengemeinde. Außerdem braucht die sinnvolle neue Substanzerhaltungs-Rücklage für gemeindliche Gebäude Geld. Klaus Saßmannshausen unterstrich, dass die Einsparungsmöglichkeiten aber mittlerweile erschöpft seien. Dennoch setzte in absehbar schwierigen Zeiten das zuversichtliche Presbyterium den Ton in der Aussprache. Mit seinem zupackenden Einsatz und gleichzeitiger Dankbarkeit ermutigte es die Gemeindeglieder bei der Versammlung: „Ohne Eure umfangreiche Hilfe wäre und ist vieles in unserer Evangelischen Kirchengemeinde nicht möglich“, hieß es in Präsentation von Steffen Schmidt und außerdem: „Wir benötigen Eure tatkräftige Unterstützung!“ und Klaus Saßmannshausen war sich sicher: „Wir sind auf einem guten Weg.“

Hier gibt es die Präsentation von Michael Schwarz,
hier gibt es die Präsentaion von Steffen Schmidt.