Frauen und Reformation in der Kulturkirche >
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02.03.2018
Von: Jens Gesper

„Lasst uns gemeinsam in unserem Alltag... “

Dem Weltgebetstag aus Surinam war die Bewahrung der Schöpfung das erste Anliegen


Katholische und evangelische Frauen gestalteten in der Evangelischen Kirche Winterberg den Gottesdienst zum Weltgebetstag gemeinsam.

Regina Swoboda (stehend) hielt als Gemeindereferentin im Katholischen Pastoralverbund Winterberg beim Weltgebetstag in der Evangelischen Kirche die Predigt.

„Unsere Flüsse sind verseucht vom Quecksilber, das zur Goldgewinnung verwendet wird. Die Fische werden vergiftet, und vielen Menschen wird so die Lebensgrundlage entzogen. Gott, du Quelle allen Lebens, gib uns den Mut, die Einhaltung der Gesetze zu fordern, die den Gebrauch von Quecksilber verbieten und den Zugang zu sauberem Trinkwasser für alle Menschen sicherstellen.“ Diese Sätze erklangen am Freitag an vielen Orten im Kirchenkreis Wittgenstein beim Fürbittgebet des Weltgebetstags. Auch wenn es in Deutschland Quecksilber aus Kohlkraftwerken in Flüssen gibt, so ist es hier nicht solch ein existenzielles Problem wie in Surinam. Für die Frauen dort war es aber so wichtig, dass sie ihre Gedanken dazu in der Weltgebetstags-Liturgie unterbrachten. Christinnen aus dem südamerikanischen Land waren diesmal für die Liturgie der weltweiten Gottesdienste zuständig, die sich als Veranstaltungen der größten ökumenischen Basisbewegung von Frauen am ersten Freitag im März Zeitzone für Zeitzone einmal rund um den Globus ziehen.

Und der Globus stand in diesem Jahr im Zentrum des Weltgebetstags, denn das Leitmotiv lautete für 2018: „Gottes Schöpfung ist sehr gut!“ Alle, die die Gottesdienste besuchen, und noch bisschen mehr die Frauen, die die Gottesdienste vorbereiten, schauen alljährlich zum Weltgebetstag über ihren eigenen Tellerrand hinaus. Nach Ägypten, nach Frankreich, nach Kuba, nach Malaysia, um nur eine kleine Auswahl der gedanklichen Reiseziele in den vergangenen Jahren aufzuzählen. Sie lernen für einen Abend Frauengestalten aus den Weltgebetstags-Ländern kennen, deren Leben, deren Probleme, deren Hoffnungen, deren Wünsche und nach dem Gottesdienst an vielen Orten auch deren Essen, das so gut wie möglich mit den hier erhältlichen Zutaten nachgekocht wird. Wenn sich die Eine beim Kleiderkauf für den Abend vom Weltgebetstags-Titelbild dieses Jahres inspirieren lässt und die andere sagt, der geschmorte Kürbis aus dem Surinam-Rezeptheft ist so lecker, den gibt es jetzt öfters zuhause, dann hat der Weltgebetstag einen ganz greifbaren Nachhall. Darüberhinaus bleibt aber noch sehr viel mehr, eine Verbindung auch in entlegenen Ecken unserer Erde und nach den Besuchen in den meisten Ländern die dankbare Erkenntnis, wie gut es uns in Deutschland geht.

Wobei Regina Swoboda als Gemeindereferentin im Katholischen Pastoralverbund Winterberg bei ihrer Predigt in der Evangelischen Kirche Winterberg überlegte, welchen Einfluss wir auf unser aller Umwelt nehmen. Wenn weder wir selbst noch die Früchte, die wir essen, an Jahreszeiten gebunden sind: Irgendein Billigflieger bringt uns ganzjährig an einen Urlaubsort, wo gerade Frühling ist; Erdbeeren gibt es das ganze Jahr, auch wenn sie dafür in Spanien aus illegalen Brunnen bewässert werden, was die direkte Umwelt dort auf dem Trockenen sitzen lässt. So wurde beim Weltgebetstag aus Surinam ganz anschaulich die Einsicht klar, die die Menschen im 21. Jahrhundert in Verblendung und Selbstüberschätzung gern vergessen. Nämlich, dass wir nur im klugen und gerechten Miteinander auf dieser Welt zusammen leben können. Vorm Schluss-Segen ermutigten die Weltgebetstags-Besucherinnen einander: „Lasst uns gemeinsam in unserem Alltag konkrete Wege gehen, um die Schöpfung zu bewahren. Lasst uns unsere Regierungen, Kirchen und Familien in die Pflicht nehmen, die Erde für zukünftige Generationen zu schützen.“

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