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< „Flucht, Taufe und was dann?“
24.02.2018
Von: Jens Gesper

„Ängste wurden heute abgebaut“

Beim Wittgensteiner Presbytertag ging es darum, Kirche mit Geflüchteten und Migranten zu sein


Die Teilnehmenden beim Presbytertag des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein kamen jetzt aus den Kirchengemeinden Arfeld, Bad Berleburg, Bad Laasphe, Feudingen, Girkhausen und Lukas ins Abenteuerdorf nach Wemlighausen.

Beate Heßler vom Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung der Evangelischen Kirche von Westfalen in Dortmund war als Referentin beim Presbyter- und Mitarbeitenden-Tag des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein: „Flucht, Taufe und was dann?“ stand als Frage über dem Tag, es sollte darum gehen, gemeinsam mit Geflüchteten und Migranten Kirche zu sein. Und gleich in der Vorstellungsrunde der knapp 20 Teilnehmenden illustrierte die Pfarrerin perfekt, wenn auch unauffällig eine der grundlegenden Schwierigkeiten in der Thematik. Dafür reichte schon ihr Nachname. Geschrieben mit dem komplizierten deutschen Buckel-S, das in seiner Fremdheit auf anderen Computer-Tastaturen und Nicht-Muttersprachler allein in seiner Aussprache vor Probleme stellt. Und dennoch berichtete die Referentin, dass sie - anders als andere Mitglieder aus ihrer Sippe - unbedingt an diesem Buchstaben festhalte. Unterschiede bringen zweifelsohne Beschwernisse mit sich, die muss man nicht wegdiskutieren, sie dürfen nur nicht wuchern, denn damit kann man umgehen - jedenfalls wenn man will.

Augenfällig war beim Presbytertag, dass insbesondere die kleineren Kirchengemeinden der Berleburger Kirchenkreis-Region sehr gut vertreten waren. Anke Althaus-Aderhold aus dem Bevollmächtigtengremium der Lukas-Kirchengemeinde war eine von ihnen und brachte für ein Kurzfazit das Wesentliche auf den Punkt: „Das Abenteuerdorf bot einen ansprechenden Rahmen und die Verköstigung war hervorragend, dazu haben wir durch die kompetente Beate Heßler auch an Beispielen sehr viel erfahren.“

Mehr ins Detail ging Presbyter Thomas Dienst aus Arfeld. Auch wenn sich die Gottesdienst-Besucher in Arfeld vor Ort zumeist kennen, war Thomas Dienst für die kleinen Tipps von Beate Heßler dankbar, die man wahrscheinlich für die Zukunft brauche: „Die Frage ist, wie wir Fremde an unseren Gottesdiensten teilhaben lassen können. Trotz Sprachbarrieren gibt es einfache Möglichkeiten, ein Lächeln, ein paar freundliche Worte oder eine Umarmung, um zu zeigen, dass die Menschen in unserer Gemeinde willkommen sind. Wir haben Hilfestellungen erhalten, wie man Gottesdienste internationaler gestalten kann. Es gibt von der Landeskirche Übersetzungen von Liturgien und Gebeten wie dem Vaterunser. Ebenso gibt es Zusammenstellungen von Kirchenliedern aus dem Gesangbuch, die in Deutsch, Englisch und Französisch abgedruckt sind.“ Doch der Arfelder wies auch noch auf einen anderen Punkt hin: „Im Dialog mit Andersgläubigen sollten wir als Christen sprachfähig sein, wir sollten mit eigenen Worten über unseren Glauben Auskunft geben können.“

Für den Berleburger Presbyter und Laienprediger Horst Seeger ebenfalls ein wichtiger und wunder Punkt: „Von den Besuchern wurde sowohl der eindringliche Wunsch nach mehr Informationen über den Islam wie aber auch über den eigenen Glauben geäußert. Es wurde deutlich, dass in unseren Gemeinden kaum noch Bibelgesprächs- oder Hauskreise bestehen, in denen das eingeübt werden kann. Darüber sollte unbedingt auch gemeindeübergreifend gesprochen werden.“ Allein damit hatte der Presbytertag einen ermunternden Erkenntnisgewinn gebracht. Und wie den Anderen auch war Horst Seeger ein verantwortungsvoller Umgang mit der Taufe ein entscheidendes Anliegen: „Mit dem Wunsch vieler Asylanten nach einer Taufe muss in den Gemeinden sehr sensibel umgegangen werden. Unumgänglich sind ein Taufunterricht und eine seelsorgerliche Begleitung durch die Gemeinde an deren Ende eine Taufhandlung stehen kann.“ Die Berleburger Kirchengemeinde hat viel Kontakt mit Migranten, ihr Café International ist ein Aushängeschild im Kirchenkreis.

Für die Feudinger Presbyterin Helga Afflerbach sind Fremde in der Gemeinde noch eher ein fernes Thema, dennoch hörte sie für sich Interessantes in Wemlighausen: „Auffällig war, dass mehrfach betont wurde, dass die Getauften dies nicht publik machen wollten. Die Gefahr der Repressionen hier und auch für ihre zurückgebliebenen Familien und Verwandten seien zu groß.“ Für ihre Arbeit hat ihr das Gehörte den Blick geweitet: „Ich werde in der nächsten Zeit in Dillenburg schauen und hören, wie sich das Zusammensein der Flüchtlinge in den Berufsschulklassen - insbesondere - im Religions-/Ethik-Unterricht gestaltet. Der findet im ersten Ausbildungsjahr statt, alle Schüler der Klasse nehmen daran teil.“

Aus seinem Arbeitsbereich nahm der Wittgensteiner Flüchtlingspfarrer Peter Liedtke aus Girkhausen bei allem Lob für die Veranstaltung ein Element wahr, das ihm gefehlt hatte: „Die Referentin war sehr gut im Thema und hat die Aspekte zu den Gemeinden anderen Sprachen und Kulturen gut vermittelt. Die Frage, wie man Geflüchtete werben kann, ohne sie in ihrer Verunsicherung durch Flucht und Verletzbarkeit zu überfordern, wurde nicht gestellt.“ Bei Dieter Kuhli, Laaspher Gemeindepfarrer und Vorsitzender des Wittgensteiner Theologischen Ausschusses, überwog indes die Dankbarkeit für den Tag: „Ich freue mich darüber, dass der Ausschuss ‚Missionarische Dienste‘, der ja seit einigen Jahren zu regelmäßigen Mitarbeitenden- und Presbyter*innen-Tagen einlädt, diesmal ein Thema aus dem Bericht der Flüchtlingsarbeit ausgewählt hatte. Der Mitarbeitenden- und Presbytertag war ein guter Ort, diese wichtige Thematik in vertrauter Runde und guter Atmosphäre offen miteinander zu bedenken. Schade nur, dass die Teilnehmerzahl diesmal überaus begrenzt war. Das Thema, die Referentin und auch das Gespräch miteinander hätten deutlich mehr Interesse verdient gehabt. Umso mehr: Dem Ausschuss sei Dank, dass das Treffen überhaupt stattfand - und namentlich Horst Seeger, der in Vertretung des erkrankten Ausschussvorsitzenden Steffen Post souverän durch den Tag führte.“

Und am Ende war der Arfelder Thomas Dienst mit etwas weniger Verunsicherung neugierig: „Ich selbst bin gespannt, wie sich die Gemeinden in Zukunft in diesem Punkt verändern werden. Ängste wurden heute abgebaut. Wir sollten offen damit umgehen, dass vermehrt Menschen mit fremden Wurzeln nach Wittgenstein kommen, und diese in unseren Gemeinden auch freundlich aufnehmen.“

Hier gibt es die Präsentation von Beate Heßler,
hier gibt es einen Leitfaden bei Taufbegehren,
hier gibt es Hinweise auf mehr Materialien und Links zum Thema.