„Die Nachfrage ist da - und sie wächst“ >
< Das letzte Gemeindefest in und um die Reister Kirche
03.07.2011
Von: Jens Gesper

Arfelder haben jetzt Offene Radwegekirche

US-Amerikaner mit Wittgensteiner Wurzeln waren die ersten Besucher


Seit einigen Wochen ist die Arfelder Kirche eine Offene Kirche und zudem noch eine Radwegekirche, ein nagelneues Schild neben dem Eingang bürgt dafür.

Den Gedanken gab es schon länger, und die Pfarrkonferenz des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein zum Thema „Offene Kirche“ im Frühjahr beschleunigte die Dinge dann noch einmal: Seit einigen Wochen ist nun auch die Arfelder Kirche eine Offene Kirche und zudem noch eine Radwegekirche, ein nagelneues Schild neben dem Eingang bürgt dafür. Darauf findet sich nicht nur das Symbol für eine Offene Kirche – das sieht aus wie ein Vorfahrts-Schild in blau und schwarz mit einem Kirchengebäude in der Mitte -, sondern darunter auch das Zeichen für eine Radfahrerkirche: ein stilisierter Mensch mit zwei Rädern auf einem Weg, der durch das Grüne gleich an einer Kirche vorbeiführt. Das haben die Arfelder mit ihrem Ederauenradweg zweifelsohne zu bieten, sehr zu Freude auch vom örtlichen Pfarrer Horst Spillmann. Und die Wanderer, die auf dem Via-Adrina-Rundweg ebenfalls durch Arfeld kommen, freuen sich auch über die Offene Kirche im Ort.

Das Problem sei gewesen, dass man niemanden gehabt habe, der verlässlich jeden Tag die Kirche morgens auf- und abends wieder abschließe, erläuterte Horst Spillmann das höchste bisherige Hindernis. Das macht nun dankenswerterweise eine Nachbarin mit großem Engagement. So ist die Kirche jetzt Tag für Tag von 10 bis 17 Uhr verlässlich geöffnet. Was nicht etwa etwas ganz Neues wäre, so der Pfarrer, ihm habe vor Jahren einmal eine frühere Arfelderin, die schon lange hier nicht mehr wohne, erzählt, wie sie sich als Kind oft einfach mal allein zum Beten in die Kirche zurückgezogen habe, die nicht abgeschlossen gewesen sei. Das ist Horst Spillmann wichtig: Die Kirche steht offen für vorbeikommende Wanderer, Radfahrer, Fremde, aber natürlich auch für die Einheimischen. Und da freut sich der Pfarrer, als er in das Anliegenbuch schaut, das auf einem historischen Abendmahlstisch im vorderen Bereich der Kirche liegt. Auch zwei Konfirmanden haben hierein geschrieben, dass sie da gewesen sind. Eigentlich sei das Buch so gedacht, dass Menschen eintrügen, wenn sie ein bestimmtes Anliegen hätten. Zum Beispiel einen Wunsch für das nächste Fürbittengebet in der Kirche. Aber natürlich könne man die Kladde auch gern als Gästebuch nutzen.

Außerdem schwebt dem Pfarrer vor, dass man künftig noch Kerzen in der Kirche anzünden kann. Hier muss aber noch ein Weg gefunden werden, wie das geschehen kann, ohne das Gebäude einer Gefahr auszusetzen. Schließlich gab es in der langen Geschichte der Kirche zwei schwere Dorfbrände, bei denen auch das Gotteshaus im 17. und im 18. Jahrhundert sehr stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, wie das von Johannes Burkardt, Andreas Kroh und Ulf Lückel herausgegebene Buch „Die Kirchen des Kirchenkreises Wittgenstein“ sehr anschaulich schildert. Darin finden sich auf 170 Seiten spannende und informative Ausführungen über die Gotteshäuser von Alertshausen bis Wunderthausen. Ulf Lückel führt in seinem Text über die Arfelder Kirche, die in ihren Grundfesten aus dem 13. Jahrhundert stamme, aus: „Die südliche Seitenapsis wurde zu einem unbekannten Datum aus unerfindlichen Gründen zugemauert. Es bleibt zu hoffen, dass bei der nächsten Innenrenovierung der Arfelder Kirche genug finanzielle Mittel vorhanden sind, um sie wieder zu öffnen und vielleicht auch den Chorraum in seinen ursprünglichen spätromanischen Zustand zu versetzen.“ Auch Horst Spillmann hofft in Bezug auf die Offene Kirche darauf, dass man die Seitenapsis wieder freilegen und dann passend gestalten kann, in Hand- und Spanndiensten und vielleicht mit der Hilfe von Geldspenden. Diese fünf oder sechs Quadratmeter könnten dann als kleiner Andachtsraum in der Offenen Kirche genutzt werden.

Wobei die Kirche übrigens nicht nur für Menschen geöffnet ist, sondern auch für Tiere. Vor rund zweieinhalb Jahren bekamen die Arfelder als erste Gemeinde im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein die Plakette „Lebensraum Kirchturm“ vom Naturschutzbund „NABU“ für tiergerechte Sanierungen und Umgestaltungen von Kirchtürmen und Kirchen verliehen. Als klassische Bewohner solcher Gemäuer gelten Turmfalken, Schleiereulen und verschiedene Fledermausarten. Wie sich dieses Angebot im Tierreich herumgesprochen hat, steht nicht fest, aber das mit der Offenen Kirche für Menschen hat sich offenbar in Windeseile weltweit verbreitet, zwei frühe Nutznießer kamen aus Texas. Das Ehepaar sei in Deutschland unterwegs gewesen, die Beiden seien die ersten Gäste der Offene Kirche Arfeld gewesen. Die Amerikaner mit deutschen Vorfahren waren auch in Wittgenstein auf familiengeschichtlicher Spurensuche. Doch nicht nur in der weiten Welt, sondern auch zuhause freut man sich über die Offene Kirche und die Fahrradkirche. Arfelds Ortsvorsteher Waldemar Kiel begrüßte das neue Angebot als „eine sehr gute Sache“ und auch der Pfarrer Horst Spillmann betonte noch einmal, es sei einfach zu schade, wenn solch eine Kirche außerhalb der Gottesdienstzeiten das ganze Jahr geschlossen bliebe.