Young Ambassadors 2016

  • Die Young Ambassadors der sechsten Generation sind derzeit vereint in Wittgenstein. Unterstützt von einigen Älteren der Jungen Botschafter  sangen sie am Sonntag in der Berleburger Stadtkirche das irische Segenslied „May the Road Rise up to meet you“.
  • Nach dem Gottesdienst am Sonntag in Bad Berleburg bot sich in und vor der Evangelischen Stadtkirche die Möglichkeit zur Begegnung mit den Young Ambassadors.

Young Ambassadors sind angekommen

Beim Gottesdienst in Berleburgs Stadtkirche sangen Junge Botschafter zur Begrüßung

Die Young Ambassadors der sechsten Generation sind seit dem Wochenende vereint. Nachdem die Jungen Botschafter – so die deutsche Übersetzung - aus dem Wittgensteiner Kirchenkreis im vergangenen Sommer ihre etwa gleichaltrigen Altersgenossen aus der United Church of Christ aus Indiana und Kentucky besucht hatten, revanchieren sich die Amerikaner drei Wochen lang mit ihrem Gegenbesuch. Zum Programm gehören 14 Jugendliche aus Wittgenstein und 13 aus den USA, sie alle haben sich für das Austauschprogramm durch ehrenamtliches Engagement in ihren jeweiligen Kirchengemeinden qualifiziert. Gemeinsam mit ihren Leitern Ann Houlette und Rick Mangnall sowie Bianca Brieseck und Thomas Lindner nahm die Gruppe am Gottesdienst in der Berleburger Stadtkirche teil.

Und die Young Ambassadors erlebten einen außergewöhnlichen Gottesdienst. Da ließen sich zum einen drei Menschen, die ursprünglich aus Afghanistan kamen, von Pfarrerin Claudia Latzel-Binder und Prädikant Horst Seeger taufen. Sie waren vor mehr als zwei Jahren beim ersten Café International der Berleburger Kirchengemeinde zu Gast, hatten sich seitdem mit der Bibel beschäftigt und mehr und mehr in die Berleburger Kirchengemeinde eingebracht. Zum anderen waren alle Gottesdienst-Besucher eingeladen, sich für den anstehenden Urlaub oder die kommende Zeit einen persönlichen Segen bei Claudia Latzel-Binder, Thomas Lindner, Rick Mangnall oder Horst Seeger abzuholen. Als wäre das nicht schon bewegend genug gewesen, gab es dann noch das Lied „May the Road Rise up to meet you“, das zu den Young Ambassadors gehört wie das Amen in die Kirche. Hierbei bekam die sechste Generation Unterstützung von früheren Young Ambassadors, die ebenfalls in der Kirche waren. Gemeinsam sangen sie für ihre Zuhörer das traditionelle irische Segensgebet.

Im Anschluss an den Gottesdienst gab es in und vor der Kirche noch ein Beisammensein mit Getränken und jeder Menge Kuchen.

Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg empfing die Young Ambassadors im Berleburger Schloss.

„Er besitzt halt nur ein riesiges Schloss“

Young Ambassadors besuchten Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg

„Er war ziemlich normal und bescheiden, er besitzt halt nur ein riesiges Schloss, keine große Sache“ – das steht amerikanisch-unaufgeregt für den vierten Tag des Aufenthalts im Blog der Young Ambassadors. Litsa hatte an diesem Tag für die Amerikaner die Ereignisse zusammengefasst. Die jungen Leute lassen die Leser fast an jedem Tag auf Deutsch und auf Englisch an dem teilhaben, was sie in ihrem dicht gepackten Programm gemeinsam erleben.

An diesem Tag war es auch der Besuch bei Gustav Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Der 47-Jährige gab einen Einblick in die Geschichte seiner Familie, deren Oberhaupt sein Vater Richard ist. Der Name „Wittgenstein“ wurde erstmals 1174 urkundlich erwähnt, 318 Jahre bevor Christoph Kolumbus die Bahamas und damit im größeren Zusammenhang Amerika entdeckte. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts begann die Geschichte einer eigenständigen Grafschaft Wittgenstein, ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts hieß das Geschlecht Sayn-Wittgenstein.

Sehr viel mehr über die Historie hörten die Young Ambassadors später bei einer Führung durchs Berleburger Schloss. Gundula Hoßfeld nahm die Jugendlichen mit in die Vergangenheit und beleuchtete die wichtige Rolle von Graf Casimir zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, der als pietistisch geprägter, reformierter Christ vor 300 Jahren ein toleranter Herrscher war und verfolgten religiösen Menschen Zuflucht bot. Aber dieser vierte Tag bot noch sehr viel mehr, eine ganz besondere und bewegende Begegnung.

  • Wer schneller kochte, konnte länger kickern im Berleburger Christus-Haus.
  • Fürs Kartoffel-in-die-Glut legen musste man gar nicht so lange Rezepte lesen.
  • Eng war es in der Küche vom Berleburger Christus-Haus.
  • Nach dem gemeinsamen Kochen folgte das gemeinsame Essen - und jeder wollte alles probieren.
  • Am Ende hatten jeder etwas auf dem Teller, mit Gebet und Koran-Sure hatten Young Ambassadors und Flüchtlinge für dieses außergewöhnliche gemeinsame Essen gedankt.

Amerikanisch und arabisch und deutsch

Young Ambassadors und Flüchtlinge kochen, essen und spielen gemeinsam

Die Muttersprache der einen ist Deutsch, die der anderen Englisch, die einen kommen aus dem alten Europa, die anderen aus der immer noch irgendwie Neuen Welt. Und doch verstehen sie sich. Da hilft es, dass sie zusammen trotz all ihrer Unterschiede als Protestanten auf dem gemeinsamen Fundament ihres christlichen Glaubens stehen. Aber in ihrer Begegnung soll es keinesfalls um ausschließende Exklusivität gehen. Und deshalb stand jetzt gleich zu Beginn nochmal ein ganz anders Treffen auf dem Plan.

Die 13 amerikanischen Jugendlichen und die 14 jungen Deutschen trafen sich im Christus-Haus der Berleburger Kirchengemeinde im Herrengarten mit 15 jungen Syrern, Irakern und Marokkanern aus der Flüchtlings-Einrichtung am Spielacker, um in drei gemischten Gruppen zusammen zu kochen: amerikanisch, arabisch und deutsch, aber immer typisch. Dabei gab es nur eine Zutat, die nicht in den Topf kam: Schweinefleisch. Denn am Ende wollten ja nicht nur Christen, sondern auch Muslime am gemeinsamen Tisch essen. Zur deutsch-englischen Sprach-Verwirrung kam jetzt noch Arabisch hinzu.

Und Sami vom Sozialdienst in der Unterkunft konnte zwar wunderbar aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzten, aber nicht überall gleichzeitig sein. Doch irgendwie funktionierte die Zusammenarbeit mit Radebrechen, mit Händen, mit Füßen. Auch wenn sich in den beiden Küchen die Hobby-Köchinnen und -Köche aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt dicht gedrängt auf den Füßen standen, an vielen Stellen immer wieder wild improvisiert werden musste und die allermeisten sogar ein Messer in der Hand hatten, blieb alles friedlich. Vielmehr hatten sogar alle ganz viel Spaß miteinander. Egal, ob es um die Zusammenstellung oder die Verarbeitung von Zutaten ging, an jeder Ecke konnte man Neues lernen: Ausprobieren oder probieren ging über Studieren.

Am längsten brauchten die internationalen Köche und Köchinnen der arabischen Küche, aber am Ende bereiteten sie auch das kompletteste Menü zu: Während die Hamburger-Hersteller, Würstchen Griller und Kartoffel-in die-Kohlen-Leger der amerikanischen und der deutschen Kochkunst schon bald kickern konnten oder sich ums Feuer herum Geschichten erzählten, zauberten die arabischen Köche aus den USA, Deutschland und der Berleburger Unterkunft ein Festmahl mit Reis, mit Hähnchen, mit Saucen, mit Dipps, mit Salaten und mit Nachtisch. Die beiden Syrer Salim und Berzan waren hier die Chefs und wussten ganz genau, was sie taten.

Bevor alle zusammen aßen und jeder alles probieren konnte, erklärte Thomas Lindner, dass er gern vorm Essen beten würde. Ob das auch den Flüchtlingen ein Anliegen sei?

Am Ende gab es ein Gebet von Thomas Lindner, Salim rezitierte eine Koran-Sure und dankte im Namen seiner Kollegen bewegt für die Einladung. Das Essen danach war der beste Beweis dafür, dass Unterschiedlichkeit nichts Gefährliches ist, sondern im Gegenteil sehr gut schmeckt.

Ihre Wege kamen aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt, für einen wunderschönen gemeinsamen Tag kreuzten sie sich jetzt in Bad Berleburg. Und dieser Tag konnte nur so stattfinden, weil jeder Einzelne von ihnen da gewesen ist.

Und um nach dem Essen bei all der Begegnung auch noch Bewegung zu haben spielten die Young Ambassadors und die Flüchtlinge abschließend im Abenteuerdorf Wittgenstein gemeinsam Fußball und Jugger und Cornhole. Auch hier war die Erkenntnis die gleiche wie zuvor: Egal, wo die Spiele herkamen, die Hauptsache war, dass sie Spaß machten.

Ganz dicht an der Produktion waren die amerikanischen und die deutschen Young Ambassadors beim Auer Instrumentenbauer „Sonor“.

Zu Gast bei Sonor und EEW

Young Ambassadors besuchten erfolgreiche heimische Unternehmen

Wie schön Wittgenstein ist und wie kompliziert es ist, dorthin zu gelangen, das kriegen die amerikanischen Young Ambassadors stets schnell mit, wenn sie zum ersten Mal nach Deutschland kommen. Aber Wittgenstein ist natürlich mehr als viele Bäume, Berge, Flusstäler und Kurven. Einen Tag lang nahmen jetzt die jungen Leute aus Wittgenstein und ihre amerikanischen Gäste aus Indiana und Kentucky zwei der erfolgreichen heimischen Unternehmen unter die Lupe: Und als die 13 amerikanischen und die 14 deutschen Jugendlichen mit den Betreuern Bianca Brieseck, Ann Houlette, Thomas Lindner und Rick Mangnall bei Sonor in Aue vor der Tür standen, da wusste Stefanie Ratliff aus den USA schon vorher wenigstens ungefähr, was sie hier erwartete. Ihr Vater spielt nämlich Schlagzeug und so hatte sie den Namen „Sonor“ schon vor dem Besuch mal zuhause gelesen.

Vor der Tür erwartete Frank Boestfleisch die Gruppe, er ist seit vergangenem Jahr der Produkt-Manager „Drums und Marching“ bei Sonor. Ganz dicht an der Produktion erhielten die jungen Gäste einen beeindruckenden Einblick in die Arbeit des renommierten Unternehmens, dessen Instrumente bei AC/DC genauso gespielt werden wie bei den Puhdys und Rammstein und den Kastelruther Spatzen. Nach zahlreichen Informationen konnten die Young Ambassadors am Ende selbst aktiv werden und im Showroom den eigenen Energien mit Trommelstöcken freien Lauf lassen.

Mit Helm und Schutzbrille ausgestattet erkundeten die amerikanischen und die deutschen Young Ambassadors einen Nachmittag lang das Erndtebrücker Eisenwerk.

Nachmittag war das Erndtebrücker Eisenwerk (EEW) Ziel der Young Ambassadors. Hier stellte Marketing-Leiterin Melissa Saßmannshausen zunächst routiniert und mit einem eindrücklichen Film die gesamte EEW-Firmengruppe vor. Das metallverarbeitende Unternehmen hat sich auf die Stahlrohr-Produktion spezialisiert und ist ein international führender Hersteller für längsnaht-geschweißte Stahlrohre. Auch in Fernost und Saudi-Arabien haben die Wittgensteiner Produktionsstandorte. Nach der Einführung waren die Amerikaner und Deutschen dann mit Helm und Schutzbrille am Erndtebrücker Standort unterwegs - und staunten nicht schlecht über die imposante, hocheffiziente Produktion in Wittgenstein. Abends wurden die Young Ambassadors von EEW abschließend zum Essen in der Erndtebrücker Edermühle eingeladen.

Auch wenn die Wege nach Wittgenstein oft weit und nie gut ausgebaut sind, so haben Wittgensteiner Akteure doch gute Verbindungen in die Welt: Da sind die Young Ambassadors genauso wie Sonor, die Erndtebrücker Eisenwerke und viele andere Wittgensteiner Firmen, die ihre Verkehrsferne mit Professionalität und Qualität wettmachen.

Immer wieder standen während der drei Wochen Gemeinde-Gottesdienste oder auch das Church Dinner in Puderbach auf dem Programm, bei denen die Gemeinden die Möglichkeit hatten, ihre Young Ambassadors zu treffen: die eigenen und die Gäste.

  • Die Young-Ambassador-Betreuerinnen Ann Houlette aus den USA...
  • ... und Bianca Brieseck aus Herhagen kamen nach dem Gottesdienst mit Künstler Wolfgang Jankowsky ins Gespräch.
  • Nach dem Gottesdienst gaben Ann Houlette und Bianca Brieseck beim Kirchkaffee Auskunft zum Young-Ambassadors-Projekt.

Ein Torwächter im Gottesdienst

In Gleidorf ging es um Kunst, Flucht, Ökumene und Austausch

Einer dieser Gottesdienste war in Gleidorf. Bereits seit Pfingsten stand ein Werk des Hagener Künstlers Wolfgang Jankowsky in der Auferstehungskirche. Nach der Camisa in 2015 ist es nun ein Torwächter. „Er will die Menschen, die ihm begegnen, erinnern: Fast 60 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Entwurzelt aus ihrer Heimat und aus allem, was Heimat bedeutet, suchen sie den Weg in eine neue Zukunft. Dieser Weg ist voller Gefahren und Widerstände. Stacheldraht begegnet den Entwurzelten an vielen Stellen und in vielen Formen. Aber sie haben ihre Sehnsucht nach Leben - nach Frieden - nach Wärme und Geborgenheit - nach dem Licht, in dem sie neu leben können. Dieses Licht ist allen Menschen geschenkt - und mit dem Licht der Lebensraum für alle.“ Mit diesen Informationen zum Kunstwerk begrüßte Pfarrerin Ursel Groß die Zuhörer im sehr gut besuchten evangelischen Gotteshaus zu einem Ökumenischen Gottesdienst, den das Team des Ökumenischen Friedensgebets vorbereitet hatte.

Im Anschluss an den Gottesdienst hatten die Gäste in der Kirche die Möglichkeit, das Werk genauer unter die Lupe zu nehmen. Dem schloss sich bei Plätzchen, Kaffee und Tee im alten Pfarrhaus ein Werksgespräch mit Wolfgang Jankowsky an. Aber es gab mehr Themen: Neben dem Torwächter die schöne Kooperation für den Ökumenischen Gottesdienst und außerdem der Besuch der Young Ambassadors. In Gleidorf war Bianca Brieseck aus Eslohe-Herhagen mit Ann Houlette aus Louisville. Die beiden sind die weiblichen Leiter des Programms, vor rund 20 Jahren war Bianca Brieseck als Jugendliche selbst Teilnehmerin. Die beiden wollten auch Werbung für den Austausch machen.

Darüberhinaus waren die Young Ambassadors während der drei Wochen immer wieder gemeinsam unterwegs. Besichtigten die Krombacher-Brauerei, zelteten in Windeck-Rosbach, paddelten auf der Aggertalsperre, gingen mit den Gasteltern Essen, besuchten die Berleburger Sparkasse Wittgenstein, fuhren Kart in Winterberg und trafen den Berleburger Bürgermeister Bernd Fuhrmann, aus dessen Kommune neun der 14 deutschen Young Ambassadors kamen.

Nach Köln ging es für einen Tag.

Young Ambassadors in Köln und Berlin

Lebendiger Geschichts-Unterricht und facettenreiches Kultur-Programm

Aber die Young Ambassadors sollten in ihrer Zeit in Deutschland noch mehr von dem unbekannten europäischen Land sehen als Wittgenstein und Sauerland. Und so besuchte die deutsche-amerikanische Austauschgruppe zunächst die viertgrößte deutsche Stadt und dann später noch die größte. Nach Köln ging es für einen Ein-Tages-Besuch mit dem Bus und obwohl die Young Ambassadors ja allesamt protestantisch sind, beeindruckte sie der Dom dort schon sehr. Meghan Jewell schrieb im Internet-Blog der Jungen Botschafter: Die Führung durch den Dom sei ihre Lieblings-Aktivität an diesem Tag gewesen: „The Cathedral was so beautiful, and it was just so amazing to realize how old the world really is.“ Der Dom sei so schön, und es sei für sie überraschend gewesen, zu erkennen, wie alt die Welt eigentlich ist.

Die Arfelderin Laura Jüngst ließ diesen Tag auf Deutsch im Blog Revue passieren: „Auch wir Deutschen mussten feststellen, dass wir vieles Geschichtliches überhaupt nicht wussten. Somit war es für die gesamte Gruppe sehr spannend.“ In internationalen Kleingruppen waren die Young Ambassadors anschließend noch selbständig in der Rhein-Metropole unterwegs.

In Berlin blieben die Young Ambassadors für vier Nächte.

Für Berlin waren im Austausch-Programm vier Übernachtungen vorgesehen, in die Bundeshauptstadt ging es per Bahn. Für die allermeisten Young Ambassadors war diese Zug-Reise eine völlig neue Erfahrung, für die Amerikaner sowieso, aber auch für die Wittgensteiner. In Berlin hatten die Jugendlichen ein facettenreiches Programm. Auch hier ging es wieder viel um Geschichte, diesmal allerdings um die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Natürlich besuchten die Young Ambassadors das beeindruckende Holocaust-Mahnmal und erfuhren hier nochmal viel über die Judenverfolgung. Thema war aber auch die deutsche Teilung beim Besuch am ehemaligen Checkpoint Charlie und das DDR-System in der Gedenkstätte Hohenschönhausen. Allesamt berührende, bewegende Geschichtsstunden. Darüberhinaus erlebten die Teilnehmer, die alle erst geboren wurden, nachdem Deutschland schon jahrelang wiedervereinigt war, kulturell alles, was in der Bandbreite von Museumsinsel bis Blue Man Group unterzubringen war. Was die Young Ambassadors in ihrer freien Zeit machten, da gab Matt Houlette im Blog einen Einblick: „My group went to the Brandenburg Gate where Austin and I made history and threw a baseball through the gate.“ Er ging also davon aus, dass der Wurf eines Baseballs durchs das Brandenburger Tor von ihm und Austin gewiss auch für die Geschichtsbücher sei.

Dass die Neuigkeiten aus Deutschland, die gerade in Amerika ebenfalls breiten Raum in den Nachrichten einnahmen, die Eltern der amerikanischen Young Ambassadors verunsicherten, das war auch den Leitern des Austauschprogramms klar und so nutzten sie den Internet-Blog am Tag des Amoklaufs in München um halb Zehn für eine kurze Mitteilung der Beruhigung: „To all in America: Everybody is safe in Wittgenstein. We are sad about the things that happened in Munich, but Munich is far away.“ Auch wenn man traurig sei über die Dinge, die in München passiert seien, könnten die Amerikaner beruhigt sein, denn die Young Ambassadors seien inzwischen sicher zurück in Wittgensteiner Gastfamilien.

  • „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand“ - auf Deutsch übersetzt endete auch der Abschluss-Gottesdienst für die die sechste Generation der Young Ambassadors in Erndtebrück mit dem irischen Segenslied „May the Road Rise Up to Meet You“, das Young Ambassadors aller Generationen traditionell gemeinsam singen.
  • Young Ambassadors aller Altersgruppen zeigen nach dem Abschluss-Gottesdienst in der Erndtebrücker Kirche, zu welcher Generation sie gehören.

„Und bis wir uns wiedersehen...“

Programm endete mit fröhlichem, bewegendem, ehrlichem und klugem Gottesdienst in Erndtebrück

Wenn die Orgel in der Evangelischen Kirche Erndtebrück zunächst die deutsche und dann die amerikanische Nationalhymne spielt, kann dem nur ein außergewöhnlicher Gottesdienst folgen. Das war  genauso. Wenige Stunden bevor für die Young Ambassadors aus Übersee am Frankfurter Flughafen der Flieger startete, der sie nach Hause bringen sollte, gestalteten die Jugendlichen einen Abschlussgottesdienst. Darin ging zum einen der dreiwöchige Besuch der Jungen Botschafter aus den USA hier zu Ende, zum anderen auch das insgesamt zweijährige Austauschprogramm. In Zeiten, da die Gesellschaft, viele Länder und vielleicht sogar die ganze Welt unversöhnlich auseinander zu driften scheint, hatten die jungen Leute ihren Gottesdienst mit „Unity - Einheit“ überschrieben. Genau das war ihre Erfahrung der vergangenen beiden Jahre.

Dabei hat natürlich der christliche Glaube als gemeinsames Fundament geholfen, aber reibungslos war das Zusammenwachsen dennoch nicht. Denn Menschen sind unterschiedlich. Dabei laufen die Risse manchmal entlang nationaler Grenzen, aber längst nicht immer. Amerikaner und Wittgensteiner sind auch innerhalb ihrer Gruppen nochmal sehr verschieden. Das machte die Dinge auch für die Young Ambassadors kompliziert und anstrengend, aber sie ließen sich auf diese Arbeit mit viel Reden und Ehrlichkeit ein. Und unterwegs erkannten die Jugendlichen einen wichtigen Unterschied: Einheit und Einheitlichkeit sind zwei Paar Schuhe.

Deshalb hatte die Predigt das Thema „Unity out of Diversity - Einheit aus der Vielfalt“. Sehr persönlich gingen einige Young Ambassadors auf eigene Erfahrungen ein, außerdem konnte man hören, wer besonders tollpatschig war und wer morgens besonders lange im Bad brauchte. Aber wichtiger war, dass diese Schwächen nie die ausschließlichen Eigenschaften waren, alle hatten auch ihre Stärken. Und all die verschiedenen Qualitäten der unterschiedlichen Menschen lassen, wenn man erst nachdenkt und dann gut zusammenarbeitet, eine Gruppe das beste Resultat erzielen. Und wer nicht zuhören wollte, der bekam diese Botschaft auch noch in einem kurzen, klugen und vor allem witzigen Anspiel präsentiert. Fröhlicher Glaube, der ansteckend wirkte. Alle trugen auf ihre Art ihre Scherflein zum Gelingen des Gottesdienstes bei, wenn auch nur einer gefehlt hätte, wäre der Gottesdienst anders abgelaufen. Wahrscheinlich schlechter.

Die Mannschaft war der Star - und anders als bei Fußball-Nationalmannschaften hat dieses Leitmotiv bei den Young Ambassadors kein Verfalldatum. Denn Junger Botschafter ist man für immer. Obwohl die Wittgensteiner Teilnehmer der fünf vorhergehenden Generationen inzwischen in Deutschland oder sogar im Ausland verstreut leben, waren einige der früheren Young Ambassadors in der Erndtebrücker Kirche. Zum abschließenden irischen Segenslied „May the Road Rise Up to Meet You“ bildeten Botschafter aller Generationen ihren traditionellen Abschlusskreis mit der Schlusszeile, die auf Deutsch so heißt: „Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.“

Alle wussten, dass sie sich in dieser Zusammensetzung auf Erden wohl nie wieder sehen, so war das die letzte Gelegenheit zum Dank-Sagen. Die Young Ambassadors bedankten sich bei ihren jeweils zwei Betreuern, ausdrücklich gedankt wurde außerdem den Gastgeber-Eltern. Fehlen noch zwei Informationen. Erstens: Die Kollekte betrug etwas über 280 Euro, sie ist bestimmt für die Flüchtlingsarbeit in Bad Berleburg, wo die Young Ambassadors vor drei Wochen mit Flüchtlingen gekocht, gegessen und Fußball gespielt hatten. Zweitens: In englischsprachigen Ländern kann es einem wirklich passieren, dass man Haydns Melodie der deutschen Nationalhymne in der Kirche hört, hier gibt es mindestens drei verschiedene Kirchenlieder-Texte dafür. 

Kein Tag, an dem man nichts dazu lernt! Aber wie fiel eigentlich die Bilanz des Austausch aus?

Jacob Hoffmann - hier mit Erin Salgat - wurde zwar Schützenkönig der Young Ambassadors, aber er war sich sicher: „This exchange programme makes the world a safer place.“ Das Young-Ambassadors-Programm mache die Welt zu einem sichereren Ort, denn er sei gewiss, dass die Teilnehmer aus Amerika und Deutschland nun in Zukunft niemals, niemals aufeinander schießen würden.

„Exchange programme makes the world a safer place“

Am Ende zog die Familie der Young Ambassadors ihre Bilanz

Über viele Schützenkönige und -königinnen stand während des Wittgenstein-Aufenthaltes der Young Ambassadors etwas in der Zeitung, aber es gibt ein Wittgensteiner Regenten-Paar, von dem weiß die große Öffentlichkeit nichts. Denn auch Jacob Hoffmann ist jüngst Schützenkönig geworden und hat sich Erin Salgat zur König erkoren. Der erste Name ist ja nicht ungewöhnlich für hier, auch wenn das „c“ im Vornamen in Wittgenstein nicht alltäglich wirkt, da ist der zweite Name schon eher außergewöhnlich. Kein Wunder, die Beiden sind schließlich Amerikaner und besuchten gerade mit elf weiteren Young Ambassadors im Wittgensteiner Kirchenkreis. Leon Weise war einer der 14 deutschen Young Ambassadors, sein Vater hatte eigens für die Gruppe einen Vogel hergestellt und so gab es dann bei ihnen zuhause auch mal in Dotzlar ein Schützenfest inklusive Vogelschießen. Mit dem bekannten Ergebnis.

Das war gleich eine der ersten Erinnerungen, die den jungen Leuten einfiel, als sie jetzt vor kurz vor ihrer Abreise den Austausch Revue passieren ließen. Dabei ging es auch um unterschiedlichste Punkte im dicht gepackten Programm, von denen hier schon berichtet wurde. Interessant war jedoch, dass die Jugendlichen schnell darauf kamen, dass das Bemerkenswerteste für sie war, wie sich aus ihnen allen über die zwei Jahre des Austauschprogramms und speziell in den vergangenen drei gemeinsamen Wochen in Deutschland eine Gruppe entwickelte, wobei oft das Wort „Familie“ fiel. So wie man sich die Familie nicht aussucht, war auch diese Gruppe zusammengewürfelt worden. Auf deutscher Seite konnten Kirchengemeinden Jugendliche vorschlagen, die sich in die Gemeindearbeit ehrenamtlich einbringen, diese durften sich bewerben und mussten sich, wenn sie genommen worden waren, entscheiden, ob sie wirklich alle Verpflichtungen eingehen wollten, die mit der Teilnahme an dem Austausch verbunden waren. Am Anfang hatten die Deutschen etwa zahlreiche Arbeitseinsätze, denn sie wollten hier Geld zusammenbringen, um den Austausch auf amerikanischer Seite finanziell zu unterstützen. Während in Deutschland das Programm von Bund, Kreis Siegen-Wittgenstein, Wittgensteiner Kirchenkreis und Westfälische Landeskirche Geld bekommt, fällt in den USA die finanzielle Förderung durch den Staat flach. Und wenn nicht gearbeitet wurde, dann wurde gelernt: Was wohl die richtige Vokabel für „Frauenhilfe“ ist, welches eigentlich die fünf höchsten Staatsämter in Deutschland sind und wie man eine Andacht auf Englisch hält.

Auf so etwas kann man sich gut vorbereiten, auf das dichte Zusammenleben in einer Gruppe nicht. Hinzu kamen klare Regeln und ein einfach anstrengendes Programm, so dass auf dem Weg insgesamt drei Teilnehmer auf deutscher und amerikanischer Seite verloren gingen. Aber über all das wurde genau wie über alle Probleme immer offen gesprochen. Auch das wie in einer guten Familie. Tenor des Fazits: Allen waren sich sicher, dass genau das sie erst stark gemacht habe. So seien sie offener geworden. Bei aller Unterschiedlichkeit habe man gewusst, dass niemand einen anderen mutwillig verletzten wolle. Während in Bezug darauf Ängste kleiner wurden, waren die Ängste bei den Eltern in Amerika groß. Amokläufe und Anschläge in Deutschland beunruhigten dort viele, wobei es heute fast eine Kultur der Angst in den USA gebe. Das war einer der Erklärungsansätze für Donald Trump, auf den die Amerikaner natürlich permanent angesprochen wurden. Darauf waren sie ihrerseits von ihren Betreuern vorbereitet worden. Zum Fazit von Thomas Lindner, einer der beiden Leiter auf deutscher Seite, gehörten drei Worte des Danks: an Werner Hoffritz, den Geschäftsführer des Abenteuerdorfs Wittgenstein und sein Team, die trotz der Unwägbarkeiten des laufenden Umbaus alle Wünsche erfüllt hätten, an Kompetenzzentrum-Jahrespraktikantin Ronja Weide, die an vielen Stellen in den vergangenen Wochen für die Young Ambassador gearbeitet hatte, und an Sach- und Fachberater Reinhard Stolz, der unter tausend anderen Dingen die Fördermittel-Beschaffung sehr genau im Blick hat, dabei geht die Organisation des Programms noch einmal über die zwei Jahre hinaus. Den Jugendlichen war der Dank an ihre Gasteltern und -geschwister wichtig.

Thomas Lindner ging in seiner Erinnerung an den Wittgenstein-Aufenthalt an dessen Anfang zurück. Denn die Familien-Werdung der Young Ambassadors hatte sich in einem viel kleineren Maßstab in ganz ähnlicher Form beim Kochen, Essen und Spielen mit den Flüchtlingen in Bad Berleburg ereignet. Die strikt getrennten Young Ambassadors und Flüchtlinge hätten schüchtern, durch den Druck der Organisation ihre Gruppen verlassen, wären sich langsam näher gekommen, beim abschließenden Jugger- und Fußball-Spielen sei man eine Gruppe gewesen. Bianca Brieseck, die deutsche Leiterin des Programms, berichtete davon, dass sie beim Gottesdienst in Eslohe - die Young Ambassadors waren während ihrer Zeit hier in vielen Gottesdiensten im Kirchenkreis - Flüchtlinge wieder getroffen habe, die ihr eine Handy-Aufnahme vom Auftakt-Gottesdienst in Bad Berleburg gezeigt hätten.

Die Zeiten sind schwer, die Welt ist kompliziert. Und deshalb ist es vielleicht nicht verkehrt, dass sich Jacob - der Schützenkönig vom Anfang - in seinem Fazit auch vor dem ganz großen Kaliber nicht scheute: „This exchange programme makes the world a safer place.“ Das Young-Ambassadors-Programm mache die Welt zu einem sichereren Ort, denn er sei sich gewiss, dass die Teilnehmer aus Amerika und Deutschland nun in Zukunft niemals, niemals aufeinander schießen würden.

  • Das Foto ist nicht unscharf, sondern liegt hinter einem Tränenschleier.
  • This photo is not blurred, but behind a veil of tears.
  • „Setze niemals einen Punkt, wo Gott ein Komma gesetzt hat. Gott spricht noch.“