An-Gedacht zum Wochenende

Die Westfalenpost hat seit Ostern 2009 die Serie „Angedacht“ in ihrem Wittgensteiner Lokalteil aufgenommen, bei der jeden Samstag Pfarrerinnen und Pfarrer zu Wort kommen. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion drucken wir die Gedanken dann ab Sonntag hier ab. Verantwortlich für den Inhalt sind immer die Verfasser.

Bei den Texten handelt es sich übrigens nicht um Predigten, sondern ganz einfach um kurze verschriftlichte Gedanken mit einem theologischen Anliegen. Sie können und wollen auch nicht die Gemeinschaft, die Musik und die Predigt eines richtigen Gottesdienstes ersetzen. Aber sie dürfen gern von allen Leserinnen und Lesern als Einladung verstanden werden, am nächsten Sonntag einen Gottesdienst in einer der Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein zu besuchen.

Wir freuen uns auch über Reaktionen auf das Angedacht. Klicken Sie auf das Foto des jeweiligen Andacht-Schreibers, dann können Sie dem Autor Ihre Gedanken in einer E-Mail mitteilen.

Pfr. Steffen Post

15. Juli 2018

Danke an Helden des Alltags

von Pfr. Steffen Post, Bad Laasphe

Heute Abend werden wir endlich wissen, wer Fußballweltmeister 2018 geworden ist. Fest steht inzwischen, dass nicht Stars wie Kroos, Messi, Neymar oder Ronaldo im Finale stehen, sondern die Spieler von Frankreich und Kroatien.

Im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein haben wir die Fußball-WM mit einer Aktion begleitet: „Wähl‘ die Elf des Glaubens“. Hier bestand für die Teilnehmenden die Möglichkeit, elf Personen aufzuschreiben, die für die Zeit der Bibel oder auch für die Kirchengeschichte bedeutsam erschienen und für den persönlichen Glauben bereichernd waren.

Inzwischen stehen die beiden Siegermannschaften fest: Die Bibel-Elf tritt im offensiven 4-3-3-System mit Ruth/Hiob - Johannes der Täufer, Maria, Maria Magdalena, David - Abraham, Paulus, Josef - Petrus, Jesus, Mose an (wegen Stimmengleichheit darf hier eine Person mehr mitspielen), während die Geschichts-Elf mit Katharina von Bora - Johann Sebastian Bach, Mutter Teresa, Hildegard von Bingen, Franz von Assisi - Friedrich von Bodelschwingh, Papst Franziskus, Martin Luther King, Paul Gerhardt - Dietrich Bonhoeffer, Martin Luther im eher klassischen 4-4-2 aufläuft.

Es mag für Experten nicht überraschend sein, dass in der Bibel-Elf Mose und Jesus sowie in der Geschichts-Elf Martin Luther und Dietrich Bonhoeffer die meisten Stimmen erhalten haben.

Bei der Geschichts-Elf ist mir aber noch etwas anderes aufgefallen: Hier wurden nicht nur bekannte Persönlichkeiten aus der Kirchengeschichte aufgelistet, sondern vereinzelt auch „meine Oma“ berufen oder neben „Mitarbeitern aus dem Kindergottesdienst und der Jungschar“ konkrete Namen von Menschen aus Wittgenstein benannt.

Das hat mir noch einmal vor Augen geführt, dass es in unseren Kirchengemeinden und auch in unserer Gesellschaft oft auf die Helden im Alltag ankommt, die so manchen Prominenten in den Schatten stellen.

Daher möchte ich an dieser Stelle Eltern und Großeltern danken, die ihre Kinder und Enkel im Gebet begleiten. Danke allen ehrenamtlichen Mitarbeitenden in unseren Gemeinden, die gerade in der Sommerzeit bei Freizeiten mitwirken. Danke allen engagierten Vereinsmitgliedern, die durch die Organisation von Festen und Konzerten das Gemeinwohl in unseren Städten und Dörfern stärken. Danke allen Mitbürgern, die sich für einen menschenwürdigen Umgang mit Geflüchteten einsetzen. Danke Angehörigen, Nachbarn und Pflegepersonen, die sich um einen kranken Menschen kümmern. Danke den Helferinnen und Helfern bei Polizei, Rettungsdiensten, Feuerwehr und THW, die da sind, wenn Hilfe benötigt wird.

Und so habe ich Anfang der Woche mit Spannung und Hochachtung verfolgt, was die Taucher und Rettungsmannschaften in Thailand bewerkstelligt haben, um die Jungs der Fußballmannschaft mit ihrem Trainer aus der Höhle zu retten.

Ich fände es angemessen, wenn solche Helden des Alltags viel öfters auf den Titelseiten unserer Zeitungen auftauchen würden, als so mancher sich künstlich aufblasender Star.