An-Gedacht zum Wochenende

Die Westfalenpost hat seit Ostern 2009 die Serie „Angedacht“ in ihrem Wittgensteiner Lokalteil aufgenommen, bei der jeden Samstag Pfarrerinnen und Pfarrer zu Wort kommen. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion drucken wir die Gedanken dann ab Sonntag hier ab. Verantwortlich für den Inhalt sind immer die Verfasser.

Bei den Texten handelt es sich übrigens nicht um Predigten, sondern ganz einfach um kurze verschriftlichte Gedanken mit einem theologischen Anliegen. Sie können und wollen auch nicht die Gemeinschaft, die Musik und die Predigt eines richtigen Gottesdienstes ersetzen. Aber sie dürfen gern von allen Leserinnen und Lesern als Einladung verstanden werden, am nächsten Sonntag einen Gottesdienst in einer der Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein zu besuchen.

Wir freuen uns auch über Reaktionen auf das Angedacht. Klicken Sie auf das Foto des jeweiligen Andacht-Schreibers, dann können Sie dem Autor Ihre Gedanken in einer E-Mail mitteilen.

Vikar Patrick Bloy

17. November 2019

Es ist unsere Verantwortung

von Vikar Patrick Bloy, Bad Berleburg

Noch gut ein Monat, dann ist Weihnachten. Doch bevor es in die besinnliche Zeit geht, gelten unsere Gedanken am Anfang der dunklen Jahreszeit den dunklen Kapiteln der Geschichte. Wir denken an die Toten zweier Weltkriege. Gefallen in Kriegen nach großen technischen Neuerungen. Die Mittel der Vernichtung: perfektioniert. Vernichtung als Massenware, allein 17 Millionen Tote in den vier Jahren des Ersten Weltkriegs.

Der Volkstrauertag hatte von Anfang an die Idee, an diese Schrecken zu erinnern. An die Grabenkämpfe des Ersten Weltkriegs, an die zerbombten Städte des Zweiten Weltkriegs. An die vielen gestorbenen Soldaten, die vielen Menschen, denen durch den Krieg Tod und Leid gebracht wurde.

1952 wurde der Volkstrauertag als nationaler Gedenktag eingeführt. Die Botschaft war eindeutig: So etwas darf nie wieder passieren. Wir müssen lernen, auf anderen Wegen unsere Konflikte zu lösen, miteinander umzugehen. Krieg darf nicht die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sein, wie es Carl von Clausewitz Mitte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schrieb. Er ist nicht der letzte Weg, es ist gar kein Weg.

Viele Menschen hier und heute haben keinen Krieg direkt miterlebt. Sie wissen von den Schrecken des Krieges nur aus der Schule oder von älteren Verwandten. Nur manchmal drängt sich der Krieg heute durch einen Bombenfund auf dramatische Art in den Alltag der Menschen zurück.

Gleichzeitig hören wir von den Gräueln, die ein Krieg mit sich bringt, aus anderen Ländern. Krieg und Terror treiben Menschen in die Flucht. Viele sterben beim Versuch, eine neue Heimat zu finden.

All dies zeigt, Krieg ist keine Option. Aus dieser Erkenntnis wuchs nach dem Ersten Weltkrieg der Völkerbund, nach dem Zweiten Weltkrieg speziell für Europa Schritt für Schritt die Europäische Union. Es ist auch ihr Verdienst, dass viele, die meisten Menschen bei uns heute Krieg nur aus Erzählungen kennen.

Über 70 Jahre sind seit dem letzten Krieg auf deutschem Boden vergangen. Da wird das Erinnern wichtiger. Da ist die Mahnung aktueller denn je: Hört von den Dingen, die ihr nicht selbst erlebt habt, und lernt daraus.

Dieses Jahr kommt noch ein weitere runder Jahrestag hinzu: 30 Jahre ist es her, dass die Teilung Deutschlands als eine Kriegsfolge durch eine friedliche Revolution überwunden wurde. Es hat sich gezeigt: Auch ohne Gewalt sind Veränderungen möglich.

Einigkeit und Recht und Freiheit sind ein kostbares Gut, das nicht selbstverständlich ist, sondern etwas, das wir verantwortungsvoll erhalten müssen.

Damit die Vision, die uns in der Adventszeit immer wieder vor Augen steht, irgendwann Wirklichkeit wird: Frieden für die Welt.