An-Gedacht zum Wochenende

Die Westfalenpost hat seit Ostern 2009 die Serie „Angedacht“ in ihrem Wittgensteiner Lokalteil aufgenommen, bei der jeden Samstag Pfarrerinnen und Pfarrer zu Wort kommen. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion drucken wir die Gedanken dann ab Sonntag hier ab. Verantwortlich für den Inhalt sind immer die Verfasser.

Bei den Texten handelt es sich übrigens nicht um Predigten, sondern ganz einfach um kurze verschriftlichte Gedanken mit einem theologischen Anliegen. Sie können und wollen auch nicht die Gemeinschaft, die Musik und die Predigt eines richtigen Gottesdienstes ersetzen. Aber sie dürfen gern von allen Leserinnen und Lesern als Einladung verstanden werden, am nächsten Sonntag einen Gottesdienst in einer der Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein zu besuchen.

Wir freuen uns auch über Reaktionen auf das Angedacht. Klicken Sie auf das Foto des jeweiligen Andacht-Schreibers, dann können Sie dem Autor Ihre Gedanken in einer E-Mail mitteilen.

Pfr. Joachim G. Cierpka

16. September 2018

Musik, die Sprache des Himmels

von Pfr. Joachim G. Cierpka, Bad Laasphe

Letzten Samstag fand in der Royal Albert Hall in London die „Last Night of the Proms“, der glanzvolle Abschluss der Konzertsommersaison, statt. Das ist ein besonderes Ereignis, traditionell geprägt und nicht ohne einen Hauch britischer Exzentrik. Einen besonderen Programmpunkt bildeten in diesem Jahr Lieder aus dem Ersten Weltkrieg, dessen Ende vor 100 Jahren wir im November erinnern.

Die Melancholie und Trauer, die Sehnsucht nach Frieden, Geborgenheit und Gemeinschaft, die die Lieder zum Ausdruck brachten, war beeindruckend. Gegen Ende des Konzertes, vor den traditionellen Stücken wie „Land of Hope and Glory“ von Edward Elgar und „Jerusalem“ von Hubert Parry sprach der Dirigent, Sir Andrew Davis, von der verbindenden Kraft der Musik zum Guten, derer wir in unseren Tagen der Zersplitterung und des drohenden Zerfalls und Gegeneinanders besonders bedürften.

In der Royal Albert Hall waren Menschen aus aller Herren Länder versammelt, die gemeinsam lauschten, sangen und von der Musik und dem Miteinander bewegt waren. Dominierend war - neben vielen anderen Flaggen aus aller Welt - die Europafahne. Mitten im Brexit-Prozess ein deutliches Zeichen. Oft lehrt uns erst der (drohende) Verlust den Wert dessen, was wir eigentlich erreicht haben und besitzen.

Man muss nicht nach England fahren, um die verbindende Kraft der Musik zum Guten zu erfahren. Sehr viele Menschen in unserer Region musikzieren aktiv oder hören gerne zu. Sie wissen, dass wir mit Musik unsere Freude und Trauer, unsere Kraft und unser Zagen zum Ausdruck bringen und teilen können. Sie wissen, dass Musik keine Grenzen kennt und zu heilen und zu stärken vermag.

Die Bibel erzählt von den Engeln, die in Chören und mit Instrumenten Gott loben. Musik ist die Sprache des Himmels, über alle Grenzen der Worte hinweg. Im Musizieren können wir auch jetzt schon am Himmel teilhaben und damit am Guten schlechthin. Das gibt der Seele spürbar Nahrung.

Ob aktiv oder passiv: Ich wünsche Ihnen ein beschwingtes Wochenende voller froher Klänge.