An-Gedacht zum Wochenende

Die Westfalenpost hat seit Ostern 2009 die Serie „Angedacht“ in ihrem Wittgensteiner Lokalteil aufgenommen, bei der jeden Samstag Pfarrerinnen und Pfarrer zu Wort kommen. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion drucken wir die Gedanken dann ab Sonntag hier ab. Verantwortlich für den Inhalt sind immer die Verfasser.

Bei den Texten handelt es sich übrigens nicht um Predigten, sondern ganz einfach um kurze verschriftlichte Gedanken mit einem theologischen Anliegen. Sie können und wollen auch nicht die Gemeinschaft, die Musik und die Predigt eines richtigen Gottesdienstes ersetzen. Aber sie dürfen gern von allen Leserinnen und Lesern als Einladung verstanden werden, am nächsten Sonntag einen Gottesdienst in einer der Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein zu besuchen.

Wir freuen uns auch über Reaktionen auf das Angedacht. Klicken Sie auf das Foto des jeweiligen Andacht-Schreibers, dann können Sie dem Autor Ihre Gedanken in einer E-Mail mitteilen.

Pfrn. Silke van Doorn

11. November 2018

Gemeinsam eine Zukunft bauen

von Schulreferentin Pfrn. Silke van Doorn, Bad Laasphe

Gestern war es genau 80 Jahre her, dass auch in Wittgenstein morgens die Scheiben der zerschlagenen Geschäfte und Wohnhäuser der jüdischen Bürger auf den Straßen lagen, ihr Eigentum im Dreck der Straße landete oder aber von Nachbarn geklaut wurde. Die Synagogen waren verdreckt, zerstört. Die Berleburger und die Laaspher wurden nicht angezündet, weil die Brandstifter sonst die umliegenden Häuser gefährdet hätten. Kristallnacht hieß es so lange Zeit, weil die Scherben das Laternenlicht reflektierten.

Nicht wenige Menschen erinnerten auch vorgestern wieder diese Ereignisse. Unter ihnen in Erndtebrück, Bad Berleburg und Bad Laasphe Schülerinnen und Schüler, die die Namen der deportierten, ermordeten und nur ganz wenig überlebenden Menschen vorlesen. Es wird ihnen dabei vieles deutlich: Dass es Kinder waren, Geschwister, Eltern, Großeltern… Sie verstehen, dass es auch ihre Familie hätte sein können.

In Bad Laasphe hat es eine lange gute Tradition, dass Schülerinnen und Schüler sich auf die Spurensuche begeben. So hatte eine Gruppe Hauptschüler 1991 die jüdischen Spuren in Laasphe verfolgt. Ihr Engagement hat dazu geführt, dass sie das Erstarken rechtsradikaler Gruppen erkannten. Und dass es sie erschreckte. Ihr Forschen und Arbeiten verstanden sie nicht nur als Erinnerungswerk. Es veränderte ihr Leben und ihre Sicht auf das Heute.

Nun waren in Bad Laasphe wieder Schülerinnen und Schüler des Städtischen Gymnasiums dabei. Ihre Fragen zeigen, dass sie verstehen, dass es um ihre Welt heute geht. Sie zeigen, dass sie so eine Welt voller Hass und Ungerechtigkeit und Ausgrenzung nie mehr zulassen wollen.

Die Synagoge, die vom 9. auf den 10. November 1938 von Laaspher Bürgern zerstört wurde, könnte heute wiederaufgebaut werden. Sie wird keine Synagoge mehr sein: Um eine Gemeinde zu gründen, bräuchte es jüdische Mitbürger in Bad Laasphe. Aber sie kann ein Ort werden, an dem Menschen jeder Religion und Nationalität willkommen sind, an einer guten und gemeinsamen Zukunft zu bauen. Lassen Sie sich einladen mitzumachen.

Ein gedankenreiches gutes Wochenende.