An-Gedacht zum Wochenende

Die Westfalenpost hat seit Ostern 2009 die Serie „Angedacht“ in ihrem Wittgensteiner Lokalteil aufgenommen, bei der jeden Samstag Pfarrerinnen und Pfarrer zu Wort kommen. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion drucken wir die Gedanken dann ab Sonntag hier ab. Verantwortlich für den Inhalt sind immer die Verfasser.

Bei den Texten handelt es sich übrigens nicht um Predigten, sondern ganz einfach um kurze verschriftlichte Gedanken mit einem theologischen Anliegen. Sie können und wollen auch nicht die Gemeinschaft, die Musik und die Predigt eines richtigen Gottesdienstes ersetzen. Aber sie dürfen gern von allen Leserinnen und Lesern als Einladung verstanden werden, am nächsten Sonntag einen Gottesdienst in einer der Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein zu besuchen.

Wir freuen uns auch über Reaktionen auf das Angedacht. Klicken Sie auf das Foto des jeweiligen Andacht-Schreibers, dann können Sie dem Autor Ihre Gedanken in einer E-Mail mitteilen.

Pfrn. Kerstin Grünert

26. Mai 2019

Beten - und bitte wählen!

von Pfrn. Kerstin Grünert, Erndtebrück

Herzlichen Glückwunsch zu Freiheit und Gleichheit!
Das Grundgesetz wird 70 Jahre alt.
Ein Grund zum Feiern!

„Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.“ So heißt es in der Präambel des Grundgesetzes.

Was bin ich froh, dass das Land, in dem ich lebe, sich ein vereintes Europa und den Frieden der Welt ins Stammbuch geschrieben hat. Was müssen wir tun, dass es nie wieder zu einem solchen Krieg kommt und wie können wir stark werden und sein, um gemeinsam für den Frieden in der Welt einzustehen?

Diese zwei Blickrichtungen stehen für mich fest. Es sind europäische Blickrichtungen. Beim Essen haben wir ja längst keine Schwierigkeiten mehr global zu denken und zu schmecken. Auch in Kunst und Kultur weiten sich Sinn und Verständnis immer weiter. Und die Lust auf Kommunikation und digitale Welt, lässt nahezu alle Grenzen verschwinden.

Europäisch zu denken und zu fühlen erfordert aber nach wie vor viel Einsatz, Wille und Arbeit. Das spiegelt sich in der großen Politik und in der Haltung eines jeden einzelnen wider. Vor- und Nachteile werden erörtert und abgewogen, Kompromisse angeboten oder zerschlagen, Mauern in Köpfen und Herzen höher gebaut oder eingerissen.

Der Geburtstag des Grundgesetzes ist ein deutsches Ereignis, kann aber nicht losgelöst von Europa gedacht und gefeiert werden. Da liegt die Europawahl heute ja ganz passend. Wir können uns nicht nur auf unseren eigenen Teller beschränken und darin vor uns hin broddeln. Das, was hinter dem Tellerrand liegt, hat unsere Aufmerksamkeit und unseren Einsatz verdient. Mit einem Kreuzchen und weiten Augen, Herzen und Sinnen.

Im Liturgischen Kalender heißt der heutige Sonntag übrigens Rogate, also: Betet! Dazu ein Vers aus dem ersten Timotheus-Brief: „Es ist unsere Aufgabe, mit Bitten, Flehen und Danken für alle Menschen einzutreten, insbesondere für die Regierenden und alle, die eine hohe Stellung einnehmen, damit wir ungestört und in Frieden ein Leben führen können“ (Neue Genfer Übersetzung).

Das mit dem Beten ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber Wählen doch bitte schon!