An-Gedacht zum Wochenende

Die Westfalenpost hat seit Ostern 2009 die Serie „Angedacht“ in ihrem Wittgensteiner Lokalteil aufgenommen, bei der jeden Samstag Pfarrerinnen und Pfarrer zu Wort kommen. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion drucken wir die Gedanken dann ab Sonntag hier ab. Verantwortlich für den Inhalt sind immer die Verfasser.

Bei den Texten handelt es sich übrigens nicht um Predigten, sondern ganz einfach um kurze verschriftlichte Gedanken mit einem theologischen Anliegen. Sie können und wollen auch nicht die Gemeinschaft, die Musik und die Predigt eines richtigen Gottesdienstes ersetzen. Aber sie dürfen gern von allen Leserinnen und Lesern als Einladung verstanden werden, am nächsten Sonntag einen Gottesdienst in einer der Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein zu besuchen.

Wir freuen uns auch über Reaktionen auf das Angedacht. Klicken Sie auf das Foto des jeweiligen Andacht-Schreibers, dann können Sie dem Autor Ihre Gedanken in einer E-Mail mitteilen.

Pfr. Thomas Janetzki

14. Juli 2019

Wir alle brauchen mal freie Zeit

von Pfr. Thomas Janetzki, Wingeshausen

Endlich Ferien! Sie können sich gar nicht vorstellen, wie ich das mit meiner Familie genießen werde… Oder: Vielleicht können Sie es doch, weil es Ihnen genau so geht: Endlich mal ein bisschen Zeit zum Durchatmen, weil die Uhren einfach etwas langsamer laufen; vielleicht mal etwas später aufstehen, den ersten Kaffee oder Tee noch im Bett trinken und dabei Zeitung lesen; am Abend mal gemeinsam einen langen Film anschauen, der schon lange auf der Liste steht, oder Freunde treffen; das Buch anfangen oder weiterlesen, das schon lange auf meinem Nachtisch liegt - Ferien halt…

Aber vielleicht denken wir auch mal an all die, die weniger oder keine Ferien haben und von denen es wahrlich genug gibt: An die Berufstätigen, die vielleicht ein oder zwei, mit viel Glück drei Wochen Urlaub haben, keinen ganzen Sommer. An die, die unabkömmlich sind, weil sie vielleicht jemanden zuhause pflegen und deshalb nicht einfach weg können; an die, die in der Landwirtschaft mit Viehhaltung arbeiten, die sich im Krankenhaus oder in den Seniorenheimen, in der ambulanten Pflege um Patienten kümmern und nicht einfach so lange Zeit freinehmen können; an die, die anderen Kolleginnen und Kollegen den Vortritt lassen, weil diese noch schulpflichtige Kinder haben - Beispiele gibt es da genug.

Aber wir alle, gerade auch diese Menschen, brauchen mal freie Zeit, Zeit zum Rasten, zum Ausruhen, zum Kräftesammeln. Das steht allen zu - und nicht nur aufgrund ihres Arbeitsvertrages, sondern als Gebot mit göttlichem Vorbild! Gleich auf den ersten Seiten erzählt die Bibel davon. Als Gott alles erschaffen hatte, schloss er sein Werk am siebten Tag ab… mit einem Ruhetag! Seitdem gilt das Gebot: Wir sollen auch mal zur Ruhe kommen, Rast machen! Wir haben ein Anrecht darauf - und das können und sollen wir verteidigen gegenüber allen, die glauben, man müsse immer machen und tun, um jeden Preis dabei sein, aktiv sein, geradezu ruhelos, um nichts zu verpassen.

Und wenn wir zur Ruhe kommen, muss das sicherlich nicht immer der siebte Tag sein (auch wenn der Sonntag sich natürlich gut dazu eignet), vielleicht reicht manchmal auch eine siebte Stunde oder sogar nur ein ganz besonderer Augenblick, den wir uns gönnen, um innezuhalten. Wichtig ist nur: Wir sollen dabei innerlich zur Ruhe kommen.

Und wenn wir das wirklich schaffen, durchatmen können, innerlich und äußerlich mal ruhig werden, dann werden wir auch wieder Puste genug haben für unseren Alltag, für die Werk- und Arbeitstage, die wieder auf uns warten.

In diesem Sinne Ihnen allen eine gelingende, erfüllte, schöne Ferienzeit!