Haushalt 2019

Nachdem Peter Liedtke bei der Wittgensteiner Herbstsynode den Haushaltsentwurf 2019 eingebracht hatte, stand Silke Grübener beim Abenteuerdorf-Wirtschaftsplan Rede und Antwort.

Waren die Haushalts-Beratungen bei Wittgensteiner Kirchenkreis-Synoden in den vergangenen Jahren eher ein Punkt ohne großes Aussprache-Interesse bei den Synodalen und ganz ohne Diskussionen, ging es diesmal mehr zur Sache. Über doppelt so viel Zeit wie ursprünglich geplant wurde nachgehakt und nachgedacht. Dabei wurden einzelne Positionen von den mehr als 110 Seiten Haushaltsplanentwurf hinterfragt oder auch ganz generell die 2019er Zuweisung an die Kirchengemeinde pro Gemeindeglied, obwohl diese erneut höher ausfallen sollte als im Vorjahr. Waren es für 2018 noch 38 Euro zur freien Verfügung und 2,32 Euro gebunden für die Gebäude-Substanzerhaltungs-Rücklage, sollten 2019 laut Vorschlag des Kreissynodalvorstands 40 Euro zur freien Verfügung und 2,25 Euro für den gemeindlichen Stabilisierungsfonds sein. Eingebracht wurde der Entwurf von Pfarrer Peter Liedtke, dem Vorsitzenden des Kirchenkreis-Finanzausschusses.

Gemeindepädagoge Johannes Drechsler stellte für die Feudinger Kirchengemeinde zwei Anträge. Dass er Rückendeckung von Pfarrer Peter Mayer-Ullmann aus dem Banfetal und Pfarrer Steffen Post aus der Laaspher Kernstadt erhielt, machte klar, dass darüber im offenbar funktionierenden Regionalrat, siehe Struktur-Bericht, gesprochen worden war. Zum einen wollte Johannes Drechsler, dass die Hälfte der unerwarteten Kirchensteuer-Mehreinnahmen von 2017 den Kirchengemeinden direkt zur Verfügung gestellt werden sollte, zum zweiten sollten die 42,25 Euro komplett an die Kirchengemeinde gehen. In der folgenden Aussprache wurde deutlich, dass der erste Antrag ersatzlos gestrichen werden konnte, weil im vergangenen Frühjahr die Mehreinnahmen aus 2017 tatsächlich schon verteilt worden waren. Für die Kirchengemeinde hatte es da übrigens nicht nur die Hälfte, sondern nach dem üblichen Schlüssel sogar 70 Prozent gegeben. Superintendent Stefan Berk sagte zu, dass es das nächste Mal in solch einem Fall eine klare Mitteilung an die Presbyterien gebe. Zudem warf er die Frage auf, ob mit Hilfe einer Fortbildung die Kompetenzen in den Presbyterien in Bezug auf die hochkomplizierte Haushaltmaterie erhöht werden könnte. Schließlich seien es die Presbyterien als Leitungsgremium, die Verwaltung und Kirchenkreis hier kontrollieren müssten. Die nötigen Instrumente dafür seien vorhanden, müssten aber auch angewendet werden.

Beim zweiten Punkt war das Problem, dass die 2,25 Euro eigentlich für eine Rücklage vorgesehen waren, die es noch nicht gibt. Es ging dabei ums Konzept zur solidarischen Erhaltung von wichtigen Kirchengebäuden in den Gemeinden des Kirchenkreises, über das schon bei der Sommersynode 2018 gesprochen worden war. Dafür sollte jetzt eine neue Kirchenkreis-Finanzsatzung beschlossen werden. Die war den Synodalen am Tag vor der Synode zugeschickt worden, lag am Mittwoch als Tischvorlage vor, und wurde von Verwaltungsleiter Oliver Berg erläutert. Steffen Post sagte zwar sofort, er sei dankbar dafür, wollte aber nicht so kurzfristig einfach zustimmen, sondern die Satzung im Presbyterium durchsprechen. Deshalb wurde darüber nicht diskutiert. Die Finanzsatzung steht im Sommer auf der Synoden-Tagesordnung, genau wie das erwähnte neue solidarische Konzept.

Das kurzfristige Vorlegen von Unterlagen wurde auch von Martin Bock, Juristischer Ortsdezernent für den Kirchenkreis bei der Evangelischen Kirche von Westfalen, moniert. Hier ging es um den Wirtschaftsplan für das Abenteuerdorf. Auch der kam als Tischvorlage für die Synode. Die Zahlen darin waren ernüchternd: Dabei kamen Altlasten wie die über Jahre angehäufte Überstunden im Wert von gut 35.000 Euro zum Tragen, aber auch neue Probleme, wie wochenlange technische Schwierigkeiten mit dem Internet-Zugang. In Zeiten, da Übernachtungs-Interessierte schnelle Antworten erwarten, ein klarer Wettbewerbs-Nachteil. Die Steigerung der Übernachtungszahlen in diesem Jahr um 500 blieb so auch hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig konnte Silke Grübener, seit diesem Jahr mit ganzer Stelle Abenteuerdorf-Geschäftsführerin, von endlich erledigten Aufgaben berichten: die Abenteuerdorf-Satzung ist in Kraft, der Förderverein gegründet, gute Kontakte zur den Tourismus-Verantwortlichen in Wittgenstein, Schmallenberg und Winterberg geknüpft, die Hoffnung geben.

Außerdem läuft das Internet jetzt wirklich stabil, auch für das sperrige Buchungsmodul. Der Gesamtfehlbetrag beläuft sich in 2018 dennoch auf etwa 175.000 Euro - inklusive 50.000 Euro für Abschreibungen - und liegt damit rund 60.000 Euro höher als erwartet. Der Wirtschaftsplan geht fürs kommende Jahr bei 13.000 Übernachtungen von einem Fehlbetrag von rund 90.000 Euro aus, der sich im darauffolgenden Jahr erneut halbiert, bevor in 2021 bei 15.000 Übernachtungen eine schwarze Null stehen soll. Von vornherein war erwartet, dass dieses Ergebnis nach dem umfassenden Umbau nicht schneller zu erreichen sei. Die kritischsten Nachfragen zum Abenteuerdorf kamen neben Martin Bock vom neuen Lukas-Pfarrer Joachim Cierpka, wobei er seinen Ausführungen vorausschickte, dass er die optimistischen Einschätzungen von Silke Grübener teile.

Am Ende standen die folgenden Ergebnisse: Die Entscheidung über die neue Finanzsatzung wurde auf die Sommersynode vertagt, für die KSV-Verteilung der 42,25 Euro gab es 29 Stimmen, für den Feudinger Antrag 13 Stimmen, so dass es 40 Euro für die Gemeinden direkt gibt und 2,25 Euro für den Fonds der Kirchengemeinden. Der vorgelegte Wirtschaftsplan des Abenteuerdorfs wurde bei einer Gegenstimme mit 31 Ja-Stimmen bei einigen Enthaltungen beschlossen. Für den gesamten Haushaltsplanentwurf 2019 gab es zwei Gegenstimmen und bei einigen Enthaltungen ansonsten ausschließlich Zustimmung - auch wenn diesmal vorher viel diskutiert wurde.