Strukturausschuss

  • Das Bürgermeister-Grußwort bei der Herbstsynode des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein hielt Bernhard Halbe aus Schmallenberg, denn zum Kirchenkreis gehören auch die Evangelischen aus drei Hochsauerländer Kommunen.
  • Mit deutlichen Worten mahnte Martin Bock als Juristischer Ortsdezernent der Wittgensteiner und Siegener Kirchenkreise bei der Herbstsynode im Abenteuerdorf mehr Bewegung in Richtung einer Vereinigung an.

Grußworte des örtlichen Bürgermeisters stehen seit jeher auf der Tagesordnung der beiden alljährlichen Synoden des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein. Seit das Abenteuerdorf Wittgenstein als Veranstaltungsort eine Synoden-Konstante ist, würde das bedeuten, dass immer der Berleburger Bürgermeister das Grußwort hält, obwohl der Kirchenkreis doch sechs Kommunen abdeckt: neben den drei Wittgensteinern auch Eslohe, Schmallenberg und Winterberg. Deshalb wird jetzt rotiert: Am Mittwoch bei der Herbstsynode war Bernhard Halbe vor Ort. Der Schmallenberger Bürgermeister eröffnete mit seinem Grußwort, konstatierte in den Zeiten des Demographischen Wandels ähnliche Probleme für Kommunen und Kirchen, erinnerte an gemeinsam geschultertes Schwieriges wie den Abriss der Fredeburger Friedenskirche und hoffte, dass man miteinander als Kommune und Kirche über die Probleme der Gegenwart nachdenken könne. Konkret nannte er den großen und wichtigen Bereich der Jugendarbeit.

Während dieses Grußwort von einem großen Vertrauen in die Evangelischen in Kirchengemeinde und Kirchenkreis geprägt war, setzte Martin Bock in seinem einen deutlich anderen Akzent. Seit zwei Jahren der Juristische Ortsdezernent des Wittgensteiner Kirchenkreises mahnte der Landeskirchen-Mann aus Bielefeld in Bezug auf den Demographischen Wandel deutlich mehr Bewegung des viel zu kleinen Kirchenkreises auf eine Vereinigung hin an. Gleichzeitig erteilte er dem jüngsten Ansinnen der Wittgensteiner Kreissynode aus landeskirchlicher Sicht eine klare Absage, die darum gebeten hatte, über die Nebenamtlichkeit des Wittgensteiner Superintendenten nachzudenken. Dieses Konstrukt, einerseits Gemeindepfarrer, andererseits als Leitender Theologe diesen zahlenmäßig kleinen, flächenmäßig großen Kirchenkreises mit sehr unterschiedlichen Prägungen zu leiten, ist kaum unter einen Hut zu bringen. Insbesondere in Zeiten des Demographischen Wandels, in denen Kirchlichkeit inzwischen auch auf dem Land spürbar weniger wird. Zeiten, in denen man auf neue Herausforderungen auf dem alten, guten Fundament des christlichen Glaubens neue Antworten finden muss und will. Übrigens schon in der Zeit vor Martin Bock. Immer wieder hat Superintendent Stefan Berk in alljährlichen Berichten deutlich gemacht, dass es dem Wittgensteiner Kirchenkreis klar ist, dass er mit den Siegener Nachbarn über eine Kirchenkreis-Vereinigung nachdenken will.

Neue Antworten wollte auch die Wittgensteiner Sommersynode 2017 haben. Ein Strukturausschuss wurde damals auf den Weg gebracht, neue Antworten zu finden, um sich in den Zeiten eines absehbaren Pfarrer-Mangels möglichst attraktiv zu präsentieren. Mit klaren Strukturen, klaren Aufgaben, klaren Zuständigkeiten - und einer hohen Funktionalität der Arbeit mit möglichst wenigen Reibungsverlusten. Vor 14 Jahren hatte der Kirchenkreis schon mal eine ähnliche Lösung gesucht, damals ging es darum, die pfarramtliche Versorgung sicherzustellen. Die 2004 entstandenen vier Regionen funktionieren unterschiedlich gut, insbesondere in der Jugendarbeit haben sie sich inzwischen als ganz wichtige Bezugsgröße etabliert.

Nach einem halben Dutzend langer, anstrengender, moderierter Strukturausschuss-Sitzungen, vom Konzept halbe, halbe mit Pfarrern und Nicht-Theologen besetzt, zumeist an Samstagen wurde der heimischen Pfarrkonferenz und den Presbyterien in Wittgenstein und Hochsauerland ein Ergebnis vorgelegt: Weg vom Klein-Klein sollte demnach stärker zusammengearbeitet werden, entweder in einem Verbandsmodell unterschiedlicher Kirchengemeinden oder nach dem Zusammenschluss mehrerer Gemeinden in einer größeren Gesamtgemeinde. Beim ersten mit einem deutlich höheren Verwaltungsaufwand, beim zweiten mit der Angst vor einem drohenden Identitätsverlust.

Während die Pfarrkonferenz vor allem die Vorteile der Gesamtgemeinde sah, war die Wahrnehmung in den Presbyterien anders. Sie nahmen all die Probleme nicht als so drängend wahr. Kein Wunder, wenn an den gottesdienst- und andachts-intensiven Wochenenden im November, wie gerade geschehen, ein Pfarrer ausfällt, dann bleibt das an dessen Kollegen hängen, die natürlich da sind. Wie kompliziert die Organisation dahinter, wie kräftezehrend ein solches Wochenende für die Hauptamtlichen ist, sieht aber kaum jemand. Und so sprachen sich die Presbyterien in ihren Antworten dafür aus, dass es doch eigentlich reiche, das Regionen-Modell weiterzuentwickeln.

Pfarrerin Silke van Doorn und Presbyterin Helga Afflerbach, beide Mitglieder des Wittgensteiner Kreissynodalvorstands (KSV), erläuterten bei der Synode für den Strukturausschuss dessen Weg und die Auswertung der Presbyteriums-Voten. Nach der Arbeit des Ausschusses war dieses Ergebnis so ernüchternd, dass Martin Bock mal gleich den Antrag stellte, der Strukturausschuss möge nicht wie geplant seine Arbeit beenden, sondern stattdessen konkret in Richtung „Gesamtgemeinde“ weiterarbeiten. Es folgte eine lange, sehr engagierte Diskussion, in der sich viele Synodale zu Wort meldeten. Schnell wurde klar, dass die neuen Solidarräume, die die alten Regionen ablösen würden, doch ein schneller zu erreichendes Etappenziel sein könnten. Vielleicht dann nur noch drei, nach den kommunalen Grenzen fürs Hochsauerland, fürs Berleburger Stadtgebiet und kombiniert fürs Erndtebrücker und Laaspher Gebiet.

Am Ende stand eine einmütige Entscheidung mit wenigen Enthaltungen: „Die Synode beauftragt einen Ausschuss, die Regionen-Idee im Sinne von Solidarräumen weiter zu entwickeln. Die Rückmeldungen der Presbyterien - insbesondere die folgenden Leitlinien - sollen dabei berücksichtigt werden: a) höhere Verbindlichkeit in der pastoralen Zusammenarbeit; b) stärkere inhaltliche Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinden; c) Erhaltung von attraktiven Pfarrstellen (künftige Besetzbarkeit). Die Entwicklungen sollen mit dem Landeskirchenamt abgesprochen werden. Das Modell Gesamtgemeinde soll bei allen Beratungen mitgedacht bleiben.“ Martin Bock sah sich in diesen Formulierungen gut aufgehoben. Zum neuen Ausschuss gehören Kerstin Grünert (Kirchengemeinde Erndtebrück), Helga Afflerbach (Kirchengemeinde Feudingen), Dr. Wolfgang Pollinger (Kirchengemeinde Gleidorf), Patrick Bloy (Kirchengemeinde Bad Berleburg), Renate Seibel (Kirchengemeinde Bad Laasphe) und Joachim Cierpka (Lukas-Kirchengemeinde). Der Zeitplan: Bis zur nächsten Herbstsynode soll ein Beschlussvorschlag vorgelegt werden, nachdem es bei der Sommersynode einen Zwischenbericht gegeben hat.