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10.06.2018
Von: Jens Gesper

Faustregeln, keine Naturgesetze

Gedanken zu Gottesdienst-Planungen bei Gemeindeversammlung in Bad Laasphe


Sehr überschaubar war die Zahl der Gemeindeglieder, die sich nach dem Gottesdienst in der Stadtkirche von Pfarrer Steffen Post bei der Versammlung der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Laasphe über die angedachte Umstellung des Gottesdienstplans informieren ließ.

Nur wenige Gottesdienst-Besucher ließen sich Sonntagmorgen nach dem Gottesdienst in der Laaspher Stadtkirche zur Versammlung der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Laasphe ins benachbarte Gemeindehaus einladen. Gerade mal 16 Zuhörer waren es. Dabei ging es um ein wichtiges Thema: die Veränderung der Gottesdienst-Struktur für die Gesamt-Gemeinde mit ihren insgesamt vier Predigtstätten in der Kernstadt, Laaspherhütte, Niederlaasphe und Puderbach. Pfarrer Dieter Kuhli wird übernächstes Jahr 65, mit jetzt knapp 4000 Gemeindegliedern hat die Laaspher Kirchengemeinde auch nach seiner Pensionierung noch Anrecht auf mehr als eine Pfarrstelle, aber eine zweite komplette Stelle ist es absehbar nicht mehr. Deshalb ist das Ziel, dass alle Gottesdienste in der Kirchengemeinde an einem Wochenende von einem Pfarrer allein gehalten werden können.

Die generelle Planung sieht deshalb so aus: Am ersten, dritten und vierten Sonntag ist ab 10 Uhr Gottesdienst in der Laaspher Stadtkirche, am dritten Sonntag auch noch ab 8.30 Uhr in der Laaspherhütter Kapelle, am zweiten Sonntag sind Gottesdienste in Niederlaasphe und Puderbach, abwechselnd ab 9.30 Uhr und ab 10.30 Uhr. Sollte es fünfte Sonntage im Monat geben, dann finden die Gottesdienste in der kalten Jahreszeit eher in Bad Laasphe, in der warmen eher in den Dörfern statt. All das sind Faustregeln, nicht weniger und nicht mehr. Also definitiv keine Naturgesetze, denn von allen Planungen bleiben Fest- und Feiertage mit ihrem hohen Gottesdienst-Aufkommen zunächst unberührt. Das kann sich die Kirchengemeinde leisten, weil Dieter Kuhli nicht sofort in Ruhestand geht und die Laaspher mit Monika Benfer eine von den wenigen Wittgensteiner Laienpredigern in ihren Reihen haben. Starten soll das Ganze mit dem neuen Kirchenjahr, das heißt am ersten Advent.

Pfarrer Steffen Post stellte das Konzept in der Gemeindeversammlung vor und konnte mit einem Beamer den genauen Kalender an die Wand werfen, der die Situation konkret für Ende 2018 und das gesamte Jahr 2019 illustrierte. Schnell stellte sich heraus, dass mit dem neuen Plan die Ausnahme öfters die Regel bestätigt. Denn wegen der Feier- und Festtagen und anderer Traditionen ergeben sich zahlreiche besondere Anlässe, weshalb die Grundsätze nicht eisern einzuhalten sind. Genau darum hat sich das Presbyterium den Kalender angeschaut und die Termine mit Sinn und Verstand in Details an die Notwendigkeiten angepasst, um den unterschiedlichen Gottesdienst-Orten und den Menschen dort gerecht zu werden. Das heißt: Im Großen und Ganzen stimmen die Faustregeln, aber es ist gut, dass korrekte Gottesdienst-Infos auch im Gemeindebrief sowie allwöchentlich in den heimischen Tageszeitungen und auf der Kirchenkreis-Homepage stehen.

Nach dieser akribischen Aufstellung konnte Steffen Post gleich anschließend noch eine andere Gegenüberstellung mit den Durchschnittswerten der vergangenen Jahre präsentieren. Zähle man alle Gottesdienste zusammen, dann gebe es im Kirchenjahr 2018/19 in Bad Laasphe selbst 50 statt der bisher 61, in Puderbach 20 statt 25, in Niederlaasphe 19 statt 24 und in Laaspherhütte weiterhin neun bis elf Gottesdienste im Jahr. Zur Erläuterung für den letztgenannten Ort: Wenn hier Gottesdienst ist, dann kommt um halb Neun im Schnitt ein Sechstel der Gemeindeglieder des Dorfs, gerade erst hat die Ortsgemeinschaft in Eigenleistung die Kapelle grundsaniert.

Der ehemalige Presbyter Hans-Dieter Krüger fand es bei der Gemeindeversammlung zwar durchaus lobenswert, dass sich das Leitungsgremium schon Gedanken um die Zeit nach Dieter Kuhli gemacht hatte, schlug aber dennoch vor, das Papier in die Schublade zu legen, bis man es wirklich brauche. Gemeindeglied Reinhard Stolz sprach sich gegen solch eine Verschiebung aus, weil es ganz wichtig sei, so etwas in einem Testlauf auszuprobieren. Damit die verbleibende Zeit genutzt werden könne, um Schwachpunkte zu erkennen und diese dann abzustellen. Die Diakonische Gemeindemitarbeiterin Ingrid Leinweber verwies darauf, wie schwierig es gerade für ältere Leute ohne Führerschein werden könne, zum Gottesdienst zu kommen. Ein Problem, an das auch das Presbyterium gedacht hatte, wo man sich aber Gedanken machen will, wie man etwa Mitfahrgelegenheiten organisieren könnte. Gemeindeglied Stefan Benfer blickte nochmal unorthodox ganz anders auf die Reduzierung der Gottesdienste: dann kämen vielleicht wieder mehr Leute zu den weniger werdenden Gottesdiensten.

Ein Zusammenhang, den man nach dem ersten spontanen Kopfschütteln, möglicherweise nochmal genauer bedenken muss. Wobei das Presbyterium nicht nur über Zahlen nachgedacht hat, sondern auch über die Formen nachdenken möchte. Pfarrer Dieter Kuhli schilderte, dass es in dem bisherigen festen Gefüge keinen Platz für andere Gottesdienste gegeben habe, an anderen Wochentagen, zu anderen Zeiten. Pfarrersfrau Kerstin Post machte bei der Versammlung deutlich, sie habe mal gleich ein Auge auf den Nachmittag des zweiten Sonntags im Monat geworfen. Zu ihr in den Kindergottesdienst am Sonntagmorgen kämen auch nur wenige Kinder, wenn man da vielleicht in Bad Laasphe künftig nachmittags, also zu einer familienfreundlicheren Uhrzeit, etwas anbieten könnte? Bei ihren Blicken über die Gemeindegrenzen hinaus stieß die Versammlung auf die erfolgreichen Sonntag-Abendgottesdienste in Erndtebrück und Bad Berleburg, die mit anderer Liturgie und modernerem Liedgut auch davon leben, dass sie mit den Pfarrern von größeren Gruppen vorbereitet werden: mit neuen Ideen, mit frischen Gedanken, mit einem anderen Blick - und vor allem im Team. Das können Pfarrer nicht allein stemmen, da können die Gläubigen in Gemeinschaft beweisen, dass ihnen Kirche auch Engagement und Zeit wert ist.

Am kommenden Sonntag, 17. Juni, beschäftigt sich die Gemeindeversammlung im Anschluss an den Gottesdienst, der um 10 Uhr in der Puderbacher Kirche beginnt, mit dem gleichen Thema, am Sonntag, 1. Juli, dann nach dem Gottesdienst ab 10 Uhr in der Niederlaaspher Kirche die dortige Gemeindeversammlung.

Hier gibt es die Präsentation für die Gemeindeversammlungen.