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18.06.2018
Von: Veranstalter

„Das pietistische Wittgenstein?!“

Dr. Ulf Lückel hilft mit Vortrag in Bad Berleburg bei der Suche nach dem richtigen Satzzeichen


Natürlich kommt Dr. Ulf Lückel bei seinem Vortrag „Das pietistische Wittgenstein?! - eine Spurensuche zwischen radikalem Pietismus und radikaler Erweckung“ im Berleburger Haus der Kirche am Montag, 18. Juni, nicht um die Berleburger Bibel (Foto) herum.

„Nie zuvor und niemals wieder danach erlangte das Wittgensteiner Land solch eine geistliche und geistige Blüte wie in dem goldenen halben Jahrhundert unter der Regentschaft des Grafen Casimir zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1687 - 1741) und seiner Mutter Gräfin Hedwig Sophie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1669 - 1738).“ Das Foto zeigt Graf Casimir zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg.

„Das pietistische Wittgenstein?!“ - unter dieser Überschrift begibt sich der aus Girkhausen stammende Dr. Ulf Lückel am Montag, 18. Juni, ab 19 Uhr im Berleburger Haus der Kirche, Schloßstraße 25, mit seinem Text und mit illustrierenden Fotos auf eine Spurensuche zwischen radikalem Pietismus und radikaler Erweckung. Dabei handelt es sich um die dritte Veranstaltung im Rahmen der Vorträge zum 200-jährigen Bestehen des Wittgensteiner Kirchenkreises.

Der Referent betreibt als evangelischer Theologe und Kirchenhistoriker seit mehreren Jahrzehnten intensive Forschungen zum Zeitalter des Pietismus und anderer kirchenhistorischer Themen. Zurzeit ist er Lehrbeauftragter für Evangelischen Theologie sowohl an der Leibniz-Universität Hannover als auch an der Universität Siegen. Ulf Lückel führt zu der Veranstaltung aus: „An diesem Abend wollen wir uns mit der interessanten und diffizilen Geschichte des radikalen Pietismus des 17. und 18. Jahrhunderts in Wittgenstein beschäftigen, der wichtige Spuren auf dem Gebiet des heutigen Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein hinterlassen hat. Nicht zuletzt bildete diese Bewegung in all ihren unterschiedlichen Ausprägungen den Nährboden für die so genannte Erweckungsbewegung, die im 19. Jahrhundert ihren Siegeszug auch in Wittgenstein entwickelte und das Frömmigkeitsleben vieler Gemeinden nachhaltig prägte und bis heute präsent ist.

Gerade die Wurzeln aus dem radikalpietistischen Gedankengut können wir heute noch in der Erweckungsbewegung gut eruieren.

Dass die beiden tolerant geführten Grafschaften im Norden und Süden Wittgensteins durch ihre besondere Religionspolitik überregionale Bedeutung erlangten, ist hinlänglich bekannt - soll aber noch einmal in diesem Vortrag betont und aufgearbeitet werden.

Gerade auch das Wittgensteiner Alleinstellungsmerkmal, dass bereits im 18. Jahrhundert Hunderte von Religionsflüchtlingen in der Region Aufnahme fanden ist von überregionaler Bedeutung und kann als christlich motivierte Nächstenliebe und diakonisches Handeln verortet werden.

Dass sich darüber hinaus eine blühende Vielfalt von religiösen Determinationen in Wittgenstein eigenständig entwickelte und die religiöse Landkarte mit Neugründungen, die bis heute bestehen (u.a. die Church of the Brethren) bereicherte ist ebenfalls ein Thema dieses Abends.

Die große Bibelneuausgabe, die so bezeichnete ‚Berleburger Bibel (1726 - 1742) ist sicherlich als nachhaltigste Errungenschaft der Pietistenpresse in Berleburg zu bewerten - deren vielfältige Druckerzeugnisse den Namen ‚Berleburg‘ in der Welt bekannt haben werden lassen.

Nie zuvor und niemals wieder danach erlangte das Wittgensteiner Land solch eine geistliche und geistige Blüte wie in dem goldenen halben Jahrhundert unter der Regentschaft des Grafen Casimir zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1687 - 1741) und seiner Mutter Gräfin Hedwig Sophie zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg (1669 - 1738).

Dennoch soll unser Blick auch auf das Ende des 19. Jahrhunderts und Begin des 20. Jahrhunderts geschärft werden, als die Erweckungsbewegung in die Region und es zeitweise zu einer neuen geistlichen Blüte kam.“