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30.07.2016
Von: Jens Gesper

„This Exchange Programme Makes the World a Safer Place“

Am Ende zog die Familie der Young Ambassadors ihre Bilanz


Jacob Hoffmann - hier mit Erin Salgat - wurde zwar Schützenkönig der Young Ambassadors, aber er war sich sicher: „This exchange programme makes the world a safer place.“ Das Young-Ambassadors-Programm mache die Welt zu einem sichereren Ort, denn er sei gewiss, dass die Teilnehmer aus Amerika und Deutschland nun in Zukunft niemals, niemals aufeinander schießen würden.

Die amerikanischen und deutschen Young Ambassadors waren in allen Gastgeber-Kirchengemeinden bei Gottesdiensten, in vielen gab es dann auch noch Programm drumherum, wie hier in Weidenhausen.

Über viele Schützenkönige und -königinnen steht dieser Tage etwas in der Zeitung, aber es gibt ein Wittgensteiner Regenten-Paar, von dem weiß die große Öffentlichkeit nichts. Denn auch Jacob Hoffmann ist jüngst Schützenkönig geworden und hat sich Erin Salgat zur König erkoren. Der erste Name ist ja nicht ungewöhnlich für hier, auch wenn das „c“ im Vornamen in Wittgenstein nicht alltäglich wirkt, da ist der zweite Name schon eher außergewöhnlich. Kein Wunder, die Beiden sind schließlich Amerikaner und besuchten gerade mit elf weiteren Young Ambassadors den Wittgensteiner Kirchenkreis. Leon Weise war einer der 14 deutschen Young Ambassadors, sein Vater hatte eigens für die Gruppe einen Vogel hergestellt und so gab es dann bei ihnen zuhause auch mal in Dotzlar ein Schützenfest inklusive Vogelschießen. Mit dem bekannten Ergebnis.

Das war gleich eine der ersten Erinnerungen, die den jungen Leuten einfiel, als sie jetzt vor kurz vor ihrer Abreise den Austausch Revue passieren ließen. Dabei ging es auch um unterschiedlichste Punkte im dicht gepackten Programm, von denen hier schon berichtet wurde. Interessant war jedoch, dass die Jugendlichen schnell darauf kamen, dass das Bemerkenswerteste für sie war, wie sich aus ihnen allen über die zwei Jahre des Austauschprogramms und speziell in den vergangenen drei gemeinsamen Wochen in Deutschland eine Gruppe entwickelte, wobei oft das Wort „Familie“ fiel. So wie man sich die Familie nicht aussucht, war auch diese Gruppe zusammengewürfelt worden. Auf deutscher Seite konnten Kirchengemeinden Jugendliche vorschlagen, die sich in die Gemeindearbeit ehrenamtlich einbringen, diese durften sich bewerben und mussten sich, wenn sie genommen worden waren, entscheiden, ob sie wirklich alle Verpflichtungen eingehen wollten, die mit der Teilnahme an dem Austausch verbunden waren. Am Anfang hatten die Deutschen etwa zahlreiche Arbeitseinsätze, denn sie wollten hier Geld zusammenbringen, um den Austausch auf amerikanischer Seite finanziell zu unterstützen. Während in Deutschland das Programm von Bund, Kreis Siegen-Wittgenstein, Wittgensteiner Kirchenkreis und Westfälische Landeskirche Geld bekommt, fällt in den USA die finanzielle Förderung durch den Staat flach. Und wenn nicht gearbeitet wurde, dann wurde gelernt: Was wohl die richtige Vokabel für „Frauenhilfe“ ist, welches eigentlich die fünf höchsten Staatsämter in Deutschland sind und wie man eine Andacht auf Englisch hält.

Auf so etwas kann man sich gut vorbereiten, auf das dichte Zusammenleben in einer Gruppe nicht. Hinzu kamen klare Regeln und ein einfach anstrengendes Programm, so dass auf dem Weg insgesamt drei Teilnehmer auf deutscher und amerikanischer Seite verloren gingen. Aber über all das wurde genau wie über alle Probleme immer offen gesprochen. Auch das wie in einer guten Familie. Tenor des Fazits: Allen waren sich sicher, dass genau das sie erst stark gemacht habe. So seien sie offener geworden. Bei aller Unterschiedlichkeit habe man gewusst, dass niemand einen anderen mutwillig verletzten wolle. Während in Bezug darauf Ängste kleiner wurden, waren die Ängste bei den Eltern in Amerika groß. Amokläufe und Anschläge in Deutschland beunruhigten dort viele, wobei es heute fast eine Kultur der Angst in den USA gebe. Das war einer der Erklärungsansätze für Donald Trump, auf den die Amerikaner natürlich permanent angesprochen wurden. Darauf waren sie ihrerseits von ihren Betreuern vorbereitet worden. Zum Fazit von Thomas Lindner, einer der beiden Leiter auf deutscher Seite, gehörten drei Worte des Danks: an Werner Hoffritz, den Geschäftsführer des Abenteuerdorfs Wittgenstein und sein Team, die trotz der Unwägbarkeiten des laufenden Umbaus alle Wünsche erfüllt hätten, an Kompetenzzentrum-Jahrespraktikantin Ronja Weide, die an vielen Stellen in den vergangenen Wochen für die Young Ambassador gearbeitet hatte, und an Sach- und Fachberater Reinhard Stolz, der unter tausend anderen Dingen die Fördermittel-Beschaffung sehr genau im Blick hat, dabei geht die Organisation des Programms noch einmal über die zwei Jahre hinaus. Den Jugendlichen war der Dank an ihre Gasteltern und -geschwister wichtig.

Thomas Lindner ging in seiner Erinnerung an den Wittgenstein-Aufenthalt an dessen Anfang zurück. Denn die Familien-Werdung der Young Ambassadors hatte sich in einem viel kleineren Maßstab in ganz ähnlicher Form beim Kochen, Essen und Spielen mit den Flüchtlingen in Bad Berleburg ereignet. Die strikt getrennten Young Ambassadors und Flüchtlinge hätten schüchtern, durch den Druck der Organisation ihre Gruppen verlassen, wären sich langsam näher gekommen, beim abschließenden Jugger- und Fußball-Spielen sei man eine Gruppe gewesen. Bianca Brieseck, die deutsche Leiterin des Programms, berichtete davon, dass sie beim Gottesdienst in Eslohe - die Young Ambassadors waren während ihrer Zeit hier in vielen Gottesdiensten im Kirchenkreis - Flüchtlinge wieder getroffen habe, die ihr eine Handy-Aufnahme vom Auftakt-Gottesdienst in Bad Berleburg gezeigt hätten.

Die Zeiten sind schwer, die Welt ist kompliziert. Und deshalb ist es vielleicht nicht verkehrt, dass sich Jacob - der Schützenkönig vom Anfang - in seinem Fazit auch vor dem ganz großen Kaliber nicht scheute: „This exchange programme makes the world a safer place.“ Das Young-Ambassadors-Programm mache die Welt zu einem sichereren Ort, denn er sei sich gewiss, dass die Teilnehmer aus Amerika und Deutschland nun in Zukunft niemals, niemals aufeinander schießen würden.

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