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27.05.2018
Von: Jens Gesper

Zwei Puzzle als Spiegelbilder des Kirchenkreises

„Ohne das gute Miteinander ganz vieler Köpfe, ganz vieler Hände und ganz vieler Herzen würde das alles nicht gelingen!“


Im tansanischen Ngerengere hatte man kurzerhand einen Festgottesdienst zelebriert, weil der Wittgensteiner Partner-Kirchenkreis seinen 200. Geburtstag feierte. Gesprochene und gesungene Grußbotschaften aus Afrika konnten die knapp 300 Besucher beim Wittgensteiner Festgottesdienst im Abenteuerdorf Wittgenstein hören.

Jubelnd bedankten sich Wittgensteiner und Hochsauerländer aus dem heimischen Kirchenkreis für die Geburtstags-Grußbotschaft der Geschwister aus Ngerengere in Tansania.

Ein Puzzle entstand spontan während des Festgottesdienstes. Die Kirchengemeinden und Arbeitsbereiche hatten dem Jubilar aus Anlass von 200 Jahren Kirchenkreis Wittgenstein ihre ganz eigenen Puzzle-Teile gestaltet.

Der Kleine Chor zum Lobe Gottes aus der Berleburger Kirchengemeinde unter Leitung von Christine Liedtke hatte zum Kirchenkreis-Jubiläum Verstärkung aus Erndtebrück bis Lukas bekommen, die Erndtebrückerin Kathrin Hackler spielte dazu E-Piano.

Das zweite Puzzle, das auf anderthalb Metern mal 50 Zentimetern 35 Kirchen und Kapellen des Wittgensteiner Kirchenkreis zeigt, war beim Zusammenbauen deutlich anspruchsvoller als das zuvor sehr schnell beieinander gefügte Gottesdienst-Puzzle.

Nach dem abschließenden Festgottesdienst aus Anlass des 200-jährigen Bestehens des Wittgensteiner Kirchenkreises im Abenteuerdorf wurde definitiv jeder satt...

..., denn alle 15 Kirchengemeinden aus Wittgenstein und Hochsauerland hatten für alle die Anderen ihren eigenen Kartoffelsalat gleich schüsselweise mitgebracht.

Seinen Abschluss fand das Festwochenende zum 200-jährigen Bestehen des Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein bei einem Gottesdienst im Abenteuerdorf Wittgenstein. Obwohl sich kurz zuvor Gewitterwolken drohend zusammenzogen, konnte der Gottesdienst in der offenen Halle unterhalb der übrigen Gebäude ohne Regen, aber dafür mit knapp 300 Besuchern gefeiert werden. Für die Musik sorgten die Erndtebrückerin Kathrin Hackler am E-Piano und der Projektchor fürs Kirchenkreis-Jubiläum - ein von Erndtebrück bis Lukas aufgestockter Kleiner Chor zum Lobe Gottes der Berleburger Kirchengemeinde unter der Leitung von Christine Liedtke. Den Gottesdienst hielten Superintendent Stefan Berk und Pfarrer Peter Liedtke. Dazu gehörten all die üblichen Zutaten für einen Gottesdienst, außerdem gab es aber Besonderes.

Zum Beispiel ein Puzzle. Oder um genauer zu sein: ein erstes Puzzle. Bei diesem stand nicht von vorneherein fest, wie es am Ende aussehen würde. Bei der Sondersynode im März hatten alle Kirchengemeinde und viele Arbeitsbereiche im Kirchenkreis ein 30 mal 40 Zentimeter großes Spanholz-Puzzlestück bekommen, das sie für diesen Tag selbst gestalten sollten. Alle Kirchengemeinden waren jetzt beim Gottesdienst vertreten, einzeln brachten Presbyter oder Pfarrer ihre Gemeinde-Exponate nach vorn. Für die Girkhäuser war es klar, dass sie sich direkt an die Berleburger Nachbargemeinde anschließen wollten, dass die Nachbarn aus Feudingen aus Erndtebrück mit ihren extrem unterschiedlichen Teilen nebeneinander landeten, war wohl mehr Zufall, die Dorlarer und Gleidorfer mussten indessen Seit‘ an Seit‘ einen Platz finden, ihre Teile waren miteinander entworfen worden, die Brücke über die Gemeindegrenzen der Nachbarn hinweg war eine Brücke namens Kooperationsvertrag. Die Gemeinden zeigten viele - teilweise sogar beleuchtete - Kirchen, oftmals ihre Presbyterien - und waren doch alle ganz unterschiedlich.

Auch viele Arbeitsbereiche waren vertreten und fanden ihren Platz im großen Kirchenkreis-Puzzle. Das Kompetenzzentrum für Kinder-, Jugend- und Familienarbeit zeigte mit zahlreichen Gruppenbildern, wie oft es viele Menschen zusammenbringt, die Klinikseelsorge setzte der Ehrenamtlichkeit Grüner Damen und Herren ein Denkmal, das Schulreferat ermutigte zum Zweifeln und zum Lernen, das Kreiskirchenamt machte sehr anschaulich klar, dass es eine Verwaltung für zwei unterschiedliche Kirchenkreise ist, das Abenteuerdorf unterstrich mit Karabinerhaken und Nudeln, dass es hier alles gibt, was zwischen Erlebnispädagogik und Ernährung passt, das Diakonische Werk setzte seine Grundüberzeugung ins Bild, die Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis hatte ihr Puzzlestück an das Berleburger Café International weitergegeben, das das Teil stellvertretend für viele weiterhin überall im Kirchenkreis bestehende Gruppen und Initiativen gestaltete.

Darüber hinaus gab es im Gottesdienst eine Video-Grußbotschaften aus Ngerengere. Der Partnerkirchenkreis aus Tansania hatte aus Verbundenheit mit den Wittgensteinern und Hochsauerländern kurz vor diesen einen Festgottesdienst gefeiert und für den 200-jährigen Jubilar gesungen. Pfarrer Martin Ahlhaus vom zuständigen Ausschuss im Kirchenkreis berichtete aus der Partnerschaftsarbeit und nahm übrigens auch deren Puzzle-Teil wieder mit. Hier war nur die eine Hälfte gestaltet worden, die andere wird im Sommer vor Ort in Ngerengere verschönert. Dann besucht nämlich eine Kirchenkreis-Delegation die Afrikaner. Nicht viel anders ist es mit der anderen Partnerschaft zur United Church of Christ in Indiana und Kentucky. Zur Feier des 25-jährigen Bestehens des Young-Ambassador-Programms zwischen dem Kirchenkreis und den USA treffen sich Vertreter der bisherigen sechs Austausch-Generationen von hüben und drüben im Abenteuerdorf und gestalten miteinander ihr Puzzle-Teil, das anschließend in das große Ganze eingepasst wird. Das große Puzzle mit den großen Puzzle-Teilen bleibt dann im Abenteuerdorf.

Nach dem Gottesdienst wurde noch ein zweites großes Puzzle mit kleinen Teilen zusammengebaut. Der Berleburger Peter Kehrle hatte 35 Kirchen und Kapellen des Kirchenkreises zu einem Gesamtbild zusammenmontiert. Mit je 74 Teilen in 24 Reihen entstand daraus in einer Größe von 1,50 Meter mal einem halben Meter ein beeindruckendes Kirchenkreis-Panorama. Und dann wurde gepuzzelt, Dr. Tim Elkar und Dr. Dirk Spornhauer aus dem Theologischen Ausschuss hatten perfekte Vorarbeiten geleistet, handhabbare Puzzle-Päckchen mit einer überschaubaren Teile-Zahl zusammengestellt. Ein Umschlag gleich eine Kirche.

Ein Presbyter aus der Dorlarer Kirchengemeinde puzzelte mit seinen beiden Kindern die Alertshäuser Kapelle, ohne genau zu wissen, wo das entsprechende Dorf dazu liegen könnte. Wobei er nicht wusste, dass es manchem Wittgensteiner wahrscheinlich nichts anders gegangen wäre. Eine Mitarbeiterin der Bau- und Liegenschafts-Abteilung im Kreiskirchenamt bewies mit mehreren zusammengebauten Kirchen, dass dieses Fachgebiet bei ihr in den besten Händen liegt. Leute aus dem Oberndorfer Bezirk der Feudinger Kirchengemeinde puzzelten mit Beteiligung aus Schameder ihre eigene Kirche und unterstrichen, dass sie blind einen Umschlag gegriffen hätten. Auch die Wemlighäuser im Abenteuerdorf hatten sich nicht absichtlich ihre eigene Kirche ausgesucht - und doch puzzelten sie am Ende die Kirche, die sie am besten kannten. Die Wemlighäuser Kirche war die letzte, die fertig wurde. Dieses Puzzle hängt künftig im Berleburger Haus der Kirche und wird dort an ein gelungenes Festwochenende zum 200-jährigen Bestehen des Kirchenkreises erinnern, bei dem übrigens niemand Hunger leiden musste. Der Kirchenkreis hatte Steaks und Würstchen für den Abenteuerdorf-Grill besorgt, alle 15 Kirchengemeinden lieferten in großen und sehr großen Schüsseln ihren ganz eigenen speziellen Kartoffelsalat ab, so dass jeder erleben konnte, wie wunderbar die Vielfalt des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein schmeckt.

Am Ende folgte das gemeinsam unter freiem Himmel gesungene „Der Mond ist aufgegangen“ im Abenteuerdorf Wittgenstein. Unter dem Lied, dessen Text das Gottesdienst-Programm-Blatt abschloss, standen nur noch zwei Sätze: „Wir danken vielen Leuten, die diese Jubiläum ermöglichet haben - nicht nur heute, sondern auch am Freitag und am Samstag. Ohne das gute Miteinander ganz vieler Köpfe, ganz vieler Hände und ganz vieler Herzen würde das alles nicht gelingen!“

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