Zwei Puzzle als Spiegelbilder des Kirchenkreises >
< „Es liegt also auch an Menschen...“
26.05.2018
Von: Jens Gesper

Vom Duo Camillo zum Party-Trio

Kirchenkreis feiert Jubiläum mit Kabarett und klasse Musik


Fabian Vogt (rechts) freute sich sehr, als er ins einer improvisierten Wittgenstein-Hymne zum Abschluss des Duo-Camillo-Auftritts in der Aula des Berleburger Johannes-Althusius-Gymnasiums auch die kompliziertesten Themen-Wünsche des Publikums im Text unterkriegt, Kollege Martin Schultheiß empfindet das offenkundig anders.

Wenig Leute, viel Stimmung:  Lars Lucas Lukoschek mit dem Saxophon und Valerio Lombardo an den Trommeln feierten als „Sax Meets Percussion“ mit dem Wittgensteiner Kirchenkreis eine fröhliche, schweißtreibende Party zu dessen 200-jährigem Bestehen.

Für den grandiosen Auftritt der beiden Sax-Meets-Percussion-Live-Musiker aus Berlin lieferte Bastian Manche aus Weidenhausen als DJ Basti das musikalische Fundament.

Weiter ging es mit dem Feiern zum 200-jährigen Bestehen des Wittgensteiner Kirchenkreises am frühen Samstagabend in der Aula des Berleburger Johannes-Althusius-Gymnasiums. Sein Gemeindepädagogischer Ausschuss hatte in einer kuriosen Kombination fürs Erste das christliche Musikkabarett „Duo Camillo“ eingeladen und nach einer Pause von 90 Minuten ließen dann „Sax Meets Percussion“ und DJ Basti die Gäste an gleicher Stelle tanzen.

Das Duo Camillo ist über 25 Jahre im Geschäft, Publikumsmagnet bei jedem Kirchentag, bundesweit auf evangelischen wie katholischen Bühnen zuhause. Und wer die erste Viertelstunde ihres nagelneuen Programms „Altarnative Wahrheiten“ überstanden hatte, ohne den Saal zu verlassen, der kam im weiteren Verlauf dahinter, weshalb die Auftritte von Martin Schultheiß, promovierter Physiker mit klassischer Klavierausbildung, und Fabian Vogt, Pfarrer für kreative Gemeindearbeit mit Gesangsausbildung, so beliebt sind. Ohne eine Plattitüde auszulassen, beschimpften sie zunächst wahlweise die heimische Landbevölkerung oder die schmalen Landstraßen hier, mokierten sie sich über kirchliche Strukturen, Gepflogenheiten und Mitarbeitende oder den jeweils Anderen. Das unerwartet buchstabierte Islam-Problem der christlichen Kirchen war dann noch ziemlich dicht am Kalauer, aber schon mit einem kleinen Widerhaken versehen, die Schwierigkeit sei nämlich: Der Gottesdienst is‘ lahm, der Pfarrer is‘ lahm, die Gemeinde is‘ lahm. Und christliche Grundüberzeugungen konnten prima zum Tragen kommen, wenn man sich danach mit einem selbstkritischen Blick von neuen oder älteren Liedern in einfachen Melodien aufs Glatteis der Selbstgerechtigkeit führen ließ. Zum Beispiel bei der Frage, ob irgendjemand wirklich meine, dass Gott nur Orgelmusik höre, und wenn die Beiden wissen wollten, ob Gott nicht vielleicht doch eine Frau sei, ihr wichtiges Indiz dafür: die offensichtlich nicht ordentlich eingeparkte Arche.

Ans Eingemachte ging es, als der Name des Programms wichtig wurde. In den Zeiten der alternativen Fakten, wo wuchernde Lügen die Eindruck erwecken sollen, dass es keine Wahrheit mehr gibt, stellte Fabian Vogt provozierend fest, die bekannteste biblische Geschichte sei doch wohl die vom verlorenen Sohn. Also nichts Reales, sondern ein Gleichnis. Dennoch brach das Programm eine Lanze für diese Geschichte, die nicht zu den Fake News gehöre, sondern zu deren christlicher Alternative: den Faith News. Also statt um falsche Neuigkeiten möge sich der Christenmensch um Neuigkeiten des Glaubens bemühen. Getragen von der Überzeugung, dass das Leben ein Geschenk Gottes ist und dass der allerwichtigste Satz für Christen lautet: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Waren es beim Duo Camillo 100 Besucher in der Aula, blieben danach nur noch knapp 40 für den nächsten Auftritt. So wie man sich manchmal bei Gottesdiensten mit wunderbaren Predigten fragt, wieso eigentlich so wenige Zuhörer da sind, so konnte man sich dasselbe an diesem Abend fragen. Aber die Musiker von „Sax Meets Percussion“, Lars Lucas Lukoschek mit dem Saxophon und Valerio Lombardo an den Trommeln, waren genauso professionell wie Pfarrer - und ließen sich einfach nicht anmerken, dass sie eigentlich auf mehr Publikum gehofft hatten. Im Gegenteil: Sie machten aus der Not eine Tugend, ließen Bastian Manche als Disc-Jockey allein auf der Bühne coole Musik auflegen, während sie auf Tuchfühlung mit dem Publikum gingen und dabei live und mitreißend zur brillant zusammengemischten Musik spielten.

Nach den beiden Halbzeiten des 90-Minuten-Auftritts waren nicht nur die Musiker wie aus dem Wasser gezogen, auch größere Teil des Publikums trieften vor Schweiß. Obwohl die Beiden am nächsten Morgen wieder zuhause in Berlin sein mussten, wo sie 2016 beim Tag der Deutschen Einheit am Brandenburger Tor vor einem Riesenpublikum gespielt hatten, blieben sie nach ihrem Auftritt noch eine ganze Weile, unterhielten sich mit ihrem Publikum und lauschten der Musik, die Bastian Manche aus Weidenhausen auch weiter auflegte.

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