„Stifte machen Mädchen stark“ >
< Von vorreformatorisch bis in die Zukunft
01.07.2018
Von: Jens Gesper

Mit Worten und Noten durch die Orgelgeschichte

Bei Dr. Gabriel Isenbergs Vortrag blieb am Ende höchstens eine Frage offen


Nach seinem Vortrag in der Katholischen Kirche St. Petrus und Anna in Bad Laasphe stand Dr. Gabriel Isenberg (rechts) auch noch für Fragen bereit.

Die Pfarrer Dieter Kuhli (links) und Bernhard Lerch (rechts) freuten sich miteinander über einen gelungenen Vortrag mit Musik von Dr. Gabriel Isenberg in der Katholischen Kirche St. Petrus und Anna in Bad Laasphe.

Gern ließ sich Dr. Gabriel Isenberg auch nach seinem Vortrag am Spieltisch in der Katholischen Kirche St. Petrus und Anna in Bad Laasphe noch über die Schulter schauen.

Weil der Kirchenkreis Wittgenstein in diesem Jahr sein 200-jähriges Bestehen feiert, hat er in einer vierteiligen Vortragsreihe unterschiedliche Themenfelder beleuchtet: die Kirchenkreis-Gründung aus der landeskirchlichen Sicht in Bielefeld, das Martinswerk als eine im gesamten Kirchenkreis bekannte evangelische Jugendhilfe-Einrichtung im Hochsauerland, der Pietismus und die Erweckungsbewegung in Wittgenstein in ihrer Wechselwirkung mit dem Siegerland und ganz am Ende ging es jetzt um die Musik. Mehr als 60 Besucher waren am Sonntagabend trotz brillantem Wetter und Fußball-Weltmeisterschafts-Achtelfinale in der Kirche St. Petrus und Anna in Bad Laasphe, um Dr. Gabriel Isenbergs Vortrag „Orgellandschaft im Wandel - die Geschichte der Orgeln in Wittgenstein“ zu hören. Ein begeisternder Vortrag in Worten und Noten, denn der Doktor der Philosophie redete nicht nur, sondern spielte auch die Orgel.

In diesem Fall die mit 35 Registern größte Orgel Wittgensteins, nämlich die der Katholischen Kirche in Bad Laasphe. Aus diesem guten Grund begrüßte Bernhard Lerch als Pfarrer des Katholischen Pastoralverbunds Wittgenstein die Besucher in der Kirche, während Dieter Kuhli als evangelischer Laaspher Pfarrer und Vorsitzender des Theologischen Kirchenkreis-Ausschusses im Jahr nach dem Reformations-Jubiläum mit seinen gut-geschwisterlichen Begegnungen diese Veranstaltung auch als bewussten ökumenischen Akzent verstanden wissen wollte: „Wir haben inzwischen gelernt, das Verbindende zwischen den Konfessionen ist sehr viel größer und wichtiger als das, was uns immer noch trennt. Das zarte Pflänzchen ‚Ökumene‘ wollen wir deshalb sorgsam begießen und pflegen.“

Der 38-jährige Gabriel Isenberg ist seit zehn Jahren hauptamtlicher Kirchenmusiker an der Pfarrkirche St. Viktor im norddeutschen Damme, aber aufgewachsen ist der Katholik im Siegerländer Allenbach. Das erklärt auch seine Dissertation „Orgellandschaft im Wandel - die Geschichte der Orgeln in den südwestfälischen Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein zwischen 1800 und 1945“, mit der er im vergangen Jahr an der an der Musikhochschule „Carl Maria von Weber“ in Dresden promovierte.

Auch wenn die Titel von Doktorarbeit und Vortrag ganz dicht beieinander lagen, so war die Laaspher Veranstaltung doch wirklich hundertprozentig auf Wittgenstein und auf einen längeren Zeittraum zugeschnitten: in den Wort-, aber auch in den Musik-Beiträgen. Denn hier passten in die neun musikalischen Interventionen vom Barock-Genie Johannes Sebastian Bach bis zum zeitgenössischen Kirchenmusik-Komponisten Michael Schütz auch drei kleine Übungsstücke geschrieben von dem gebürtigen Puderbacher Friedrich Kiel und eine Romanze von Friedrich Kalkbrenner, der selbst nichts mit Wittgenstein zu tun hatte, dieses Stück aber der Pianistin Sophia Dülcken gewidmet hatte. Der Großvater ihres Mannes war der Wingeshäuser Orgel- und Cembalobauer Johann Daniel Dülcken. Gabriel Isenberg hatte in diesem Fall sogar das Werk eigens für die Orgel eingerichtet.

In den Wort-Beiträgen war Wingeshausen ohnehin der meistgenannte Ort, eben wegen der unterschiedlichen Orgelbauer, die aus diesem Dorf kamen, aber auch wegen der Orgel, die hier bereits 1725 gebaut wurde. Entlang der Jahrhunderte stattet der Referent vielen Wittgensteiner Kirchen Besuche ab und stellte exemplarisch die dortigen Orgeln vor, Elsoff kam fast in jedem der acht Vortrags-Abschnitte vor, aber auch Feudingen und Girkhausen an jeweils anderen Enden Wittgensteins. Aus zwei der entsprechenden Gemeinden waren an diesem Abend die evangelischen Pfarrer neben weiteren ihrer Amtskollegen in der Laaspher Kirche, auch einige der Organisten, die quer durch Wittgenstein allsonntäglich die Gottesdienste musikalisch begleiten.

Einen von ihnen erkannte der Referent und sprach ihn an auf seine YouTube-Videos von Orgelmusik Wittgenstein. Direkt angesprochen wurde auch Gabriel Isenberg selbst und zwar von einem Berleburger. Der war nicht nur generell begeistert von www.orgelsammlung.de, mit der der Kirchenmusiker all die vielen Orgeln vorstellt, die er bisher gespielt hat, der Presbyter freute sich zudem, wie gut die Internetseite gepflegt wird, sogar die Berleburger Orgelreinigung 2016 sei dort bereits vermerkt. Diese kleinen Geschichten machen deutlich, was für einen akribischen Fachmann die Besucher an diesem Abend in Bad Laasphe hörten. Den detailreichen Vortrag zusammenzufassen, das wäre von vornherein zum Scheitern verurteilt, deshalb kann man ihn auf der Homepage des Wittgensteiner Kirchenkreises nachlesen. Übrigens vom Autor ergänzt, gleich nach einem Hinweis in der Fragerunde am Sonntagabend. Auch das nochmal ein Beweis für die Qualität des Referenten.

Dieser Abend in St. Petrus und Anna in Bad Laasphe ließ keine Frage offen, doch vielleicht noch die eine für den Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein: Wie kommt er damit klar, dass er die meisten Besucher bei der vierteiligen Vortrags-Reihe zu seinem 200-jährigen Bestehen in einer Katholischen Kirche hatte?

Außerdem: