Viele Farben, eine Mannschaft >
< Von Gottes Schaffenskraft bis zur Gnade Jesu
05.10.2018
Von: Jens Gesper

Waldorfschüler vermessen das Abenteuerdorf

Siegerländer waren für eine Woche zu Gast in Wittgenstein - und arbeiteten


Siegener Waldorfschüler  waren für eine Woche zu Gast in Wittgenstein - und vermaßen das Abenteuerdorf.

„Die Vermessung der Welt“ ist ein weltweit millionenfach verkaufter Roman von Daniel Kehlmann, die Vermessung des Abenteuerdorfs Wittgenstein ein Projekt der Siegener Rudolf Steiner Schule. Eine Woche lang war jetzt die zehnte Klasse der Freien Waldorfschule in der Freizeiteinrichtung des Evangelischen Kirchenkreises in Wemlighausen zu Gast, um mit Kompass, Theodolit, Fluchtstange, Messlatte und Maßbändern die genau Größe des Abenteuerdorf-Außengeländes zu bestimmen. So etwas gehört für Waldorfschulen zum üblichen Lehrplan, um das im Mathematik-Unterricht Erlernte in der Praxis anzuwenden. Und tatsächlich benutzten Schülerinnen und Schüler in der freien Natur das Winkelmessinstrument namens Theodolit schon schnell so selbstverständlich wie sonst Lineal, Geodreieck oder Zirkel im Klassenzimmer.

Mehrere Jahre lang hatten die Siegerländer Waldorf-Zehntklässler in Absprache mit den zuständigen Behörden den Nationalpark Kellerwald-Edersee vermessen. Nachdem diese Arbeit abgeschlossen war, ging es in 2017 auf die Hallig Hooge in der Nordsee. Wahrscheinlich das bestvermessene Eiland der Welt, weil viele deutsche Waldorfschulen aus genau diesem Zweck hierherkommen. Erstmals war jetzt das Abenteuerdorf das Ziel für die Siegener Schule. Für die jungen Gäste war Wemlighausen wohl ähnlich fremd wie die Hallig, aber deutlich besser zu erreichen. Sowohl vom zeitlichen als auch vom finanziellen Aufwand her: mit dem ohnehin vorhandenen Schüler-Ticket in der Rothaar-Bahn von Siegen nach Bad Berleburg und von dort zu Fuß nach Wemlighausen. Ziemlich unbeschwert, weil das Gepäck vorher am Bahnhof abgeholt worden war.

Begleitet wurden die Zehntklässler von ihrem Mathematik-Lehrer Dr. Sebastian Kühn sowie den Klassenbetreuern Michael Albe-Nolting und Gudrun Heim. Für die 30 Schülerinnen und Schüler gab es sieben Gebiete, die vermessen werden sollten, also bildeten immer vier oder fünf ein Team. Dieses konzentrierte sich dann für die eine Woche komplett auf seine Fläche: den Teich, die Weide neben dem Teich, die Terrassen, die Apfelbaumwiese, den Sport-, den Minigolf- oder den Feuerplatz. Dabei war das akkurate und durchdachte Messen als Grundlage wichtig, im Weiteren aber genauso das ordentliche Protokollieren. Der Zweiklang von Theorie und Praxis wurde in einem dritten Schritt durch die künstlerische Komponente ergänzt: die Umsetzung der gemessenen und errechneten Ergebnisse in Zeichnungen. Da zeigte sich dann auch, dass sich nach anderthalb Tagen mit dem Kompass und noch mehr Zeit mit dem Theodoliten unter freiem Himmel die gezeichnete Karte der eigenen Fläche am Schluss in ein großes Ganzes perfekt einpasste.

Anders als die Lehrer muss Silke Grübener die Ergebnisse nicht in eine Beurteilung für die Schüler einfließen lassen, aber die Abenteuerdorf-Geschäftsführerin war dennoch hochzufrieden mit den Gästen aus dem Siegerland. Denn nach dem Besuch weiß sie nun, dass der Teich 144 Kubikmeter Wasser fasst, so dass man auch bei einem Feuer über genug Löschwasser verfügen könnte. Außerdem hat Silke Grübener künftig eine komplette Geländekarte für das umgebaute Abenteuerdorf Wittgenstein ganz auf der Höhe der Zeit, die nun für Geländerallyes prima genutzt werden kann.

Hier gibt es mehr Fotos.