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< Beim Radiogottesdienst geht es auch um Musik
09.12.2018
Von: Jens Gesper

200.000 Zuhörer beim Laaspher Gottesdienst

So sind jedenfalls die nordrhein-westfälischen Erfahrungswerte für Radiogottesdienste


Ein Radiogottesdienst ist Teamwork, hier die Laaspher Mannschaft: Sabine Riesinger, Stefan Berk, Volker Fischer, Monika Benfer, Anika Lindner, Aufnahmeleiterin Helga Mathea, Steffen Post, Erhard Schaefer, Dr. Titus Reinmuth und Friedhelm Nicklaus (von links).

Friedhelm Nicklaus (links) und Volker Fischer machten Musik beim Radiogottesdienst aus der Evangelischen Stadtkirche Bad Laasphe - und hatten sich für die Generalprobe am Samstagnachmittag noch nicht so sehr in Schale geschmissen.

Der Laaspher Friedhelm Nicklaus begleitete während des Radiogottesdienstes in der Stadtkirche die Birkelbacherin Anika Lindner bei den Liedern „Ich lobe meinen Gott“ und „May the Lord Send Angels“ am E-Piano.

Nach dem Radiogottesdienst stand das Telefon bei Superintendent Stefan Berk nicht still. Viele Menschen wollten sich bei dem Pfarrer für die stärkende, tröstende, befreiende Predigt bedanken.

„Unsere Zeit ist angefüllt mit starken Worten. Markige Sprüche auf Facebook oder Twitter, laute Sätze in Talkshows oder vor der Presse, Hauptsache es gibt Aufmerksamkeit. Viele Medien stürzen sich auf diese reißerischen Reden. Ob sie wahr sind oder für Menschen gut sind, wird oft nicht gefragt. Das macht mir Angst.“ Mit leisen, aber deutlichen Worten blickte Superintendent Stefan Berk bei seiner Predigt am Sonntag in der Laaspher Stadtkirche auf die Situation der Welt. In der Kirche waren rund 150 Zuhörer, aber die Reichweite des Gottesdienstes war deutlich größer. Denn über WDR 5 und NDR Info wurde die Stunde aus der Stadtkirche als Radiogottesdienst in die Welt gesendet. Dr. Titus Reinmuth, stellvertretender Evangelischer Rundfunkbeauftragten beim WDR, erläuterte den Menschen in der Kirche vorm Gottesdienst die generellen Abläufe und ordnete dabei auch nochmal die Erfahrungswerte für die Zuhörerzahl bei Radiogottesdiensten ein. Allein für Nordrhein-Westfalen liege die bei 200.000. Für all Jene destillierte Stefan Berk aus dem Predigttext, Jesaja, Kapitel 35, Verse 3 bis 10, zum zweiten Advent den Dreiklang „Stärken! Trösten! Befreien!“ als Botschaft und buchstabierte diese für die Gegenwart nach.

„Was für starke Bilder! Sie malen eine Zukunft, wie Gott sie für uns vorgesehen hat. Sie schenken Trost, allein beim Zuhören. Je länger ich sie denke, desto stärker werden sie. Je länger ich sie vor Augen habe, desto mehr inspirieren sie mich. Als ob Gott in mir immer größer wird und gleichzeitig meine Angst immer kleiner. Dieser Trost beginnt ganz leise. Manchmal erlebe ich, wie etwas gut wird. Manchmal begegne ich anderen, die mir Gutes tun. Da ist doch Gott längst da, in tausend Kleinigkeiten mitten im Leben. Da schwindet die Angst, und der Advent wird in mir lebendig. Denn Gott ist da.“ Eine Gewissheit, die Stefan Berk in der Predigt schlüssig entwickelte, eine Verheißung, eine frohe Botschaft, die die wunderbare Musik an diesem Morgen klar und kraftvoll unterstützte. Der 81-jährige Friedhelm Nicklaus aus Bad Laasphe an der Orgel und am E-Piano, mal im Verbund mit der 23-jährigen Sängerin Anika Lindner aus Birkelbach, mal mit dem Laaspher Trompeter Volker Fischer. Oder auch frei improvisierend, dann hatte Volker Fischer allerdings für Friedhelm Nicklaus die Uhr genau im Blick, denn zeitliche Freiräume blieben in diesem auf wenige Sekunden genau ausgearbeiteten Gottesdienst nicht. Deshalb mussten Gemeindepfarrer Steffen Post, der die Liturgie übernahm, sowie die Lektoren Monika Benfer und Erhard Schaefer schon früh ihre Position am Abendmahlstisch einnehmen, damit es keine ungewollte Pause gab. Um die tausend kleinen Rädchen für diesen Gottesdienst ineinandergreifen zu lassen, war auch Küsterin Sabine Riesinger für die WDR-Leute, die am Samstagmorgen zur Probe angereist waren, eine wichtige Ansprechpartnerin. Allein ein Team kann so einen Gottesdienst auf die Beine stellen. Ein Team, das größer ist, als das Auge sieht.

„Deshalb liebe ich das Glockenläuten, das mich für einen Moment an Gott erinnert. Manchmal halte ich dann inne, nur für einen kurzen Moment, und denke daran: Gott ist da, ganz nah. In solchen Momenten spüre ich eine große Freiheit. Freiheit von der Angst, die mich lähmen kann. Freiheit von der Resignation, als ob es keine Auswege mehr gäbe. Es ist eine Freiheit für ein Leben, wie Gott es will. Eine Freiheit für das Leben mit anderen, eine Freiheit, die von Gottes Geist inspiriert ist und in uns eine tiefe innere Freude weckt. Das ist eine Freiheit, die aus dem Blick auf Gott ihre Macht bekommt. Eine Freiheit, die aus den kleinen Erfahrungen lebt, dass Gott da ist und da bleibt. Das ist Advent, und ich wünsche Ihnen, dass Sie in den nächsten Wochen diese Spuren Gottes in ihrem Leben entdecken.“ Mit diesen Worten entließ der Wittgensteiner Superintendent Stefan Berk seine Zuhörer aus der Predigt in den Advent. Er selbst nahm nach dem Gottesdienst noch einmal Platz im benachbarten Gemeindehaus. 40 bis 50 Anrufe hätten ihn direkt erreicht oder seien wegen zeitlicher Überlappungen auf der Mailbox gelandet. Und die Reichweite war diesmal buchstäblich größer. Nach seiner Erinnerung sei der naheste Anrufer nach dem Gottesdienst nämlich aus Daaden gekommen.

Hier gibt es das Liedblatt zum Gottesdienst,
hier gibt es den kompletten Gottesdienst als pdf-Datei,
hier gibt es mehr Fotos.