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20.01.2019
Von: Jens Gesper

„Wir alle sind zukünftig stärker gefragt“

Gemeinde-Versammlung in Eslohe gab wichtige Infos für aktuelle Zeit ohne Pfarrer


Bei der Versammlung der Evangelischen Kirchengemeinde Dorlar-Eslohe wurden in der St.-Johannis-Kirche Zettel verteilt, auf denen Gemeindeglieder Anregungen geben, aber auch ihre ehrenamtliche Mitarbeit anbieten können.

Da es derzeit keinen Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Dorlar gibt, möchte der Wittgensteiner Kirchenkreis dem Presbyterium gern als hilfreicher Berater zu Seite stehen. Zur Gemeindeversammlung war Synodalassessor Dieter Kuhli (rechts) in Eslohe.

Die Verabschiedung von Pfarrer Jürgen Rademacher Ende 2018 machte klar, welch große Spuren er in der Evangelischen Kirchengemeinde Dorlar hinterlassen hat, die inzwischen Dorlar-Eslohe heißt. 33 Jahre lang hat er die Gemeinde in seiner ruhigen, bedachten Art mit verschiedenen Presbyterien geprägt und gestaltet. Jeder Nachfolger, jede Nachfolgerin wird es schwer haben. Daher ist es vielleicht gar nicht so schlecht, dass die Kirchengemeinde gerade keine eigene Pfarrerin, keinen eigenen Pfarrer hat. Sie kann sich zurechtruckeln, das Presbyterium kann sich neue Gedanken machen in den veränderten Zeiten des demographischen Wandels, der Diaspora-Kirchengemeinden meist stärker trifft als die Mehrheits-Konfession. Das verlangen auch die Fakten: Während Jürgen Rademacher eine ganze Pfarrstelle hatte, bekommen Nachfolger oder Nachfolgerin bei einer Gemeindegliederzahl von knapp 1100 Menschen nur noch eine halbe Gemeindepfarrstelle. Schon das ist eine Ausnahmeregelung, die so nur im Wittgensteiner Kirchenkreis, zu dem Dorlar-Eslohe gehört, möglich ist, weil die Wittgensteiner aufgrund der weiten Wege auf dem Land zusätzliche Pfarrstellen aus Bielefeld finanziert bekommen. Ansonsten liegt der Korridor für eine ganze Pfarrstelle in der Evangelischen Kirche von Westfalen heute bei 3000 bis 3500 Gemeindegliedern.

In dieser Situation fand am Sonntag in der Esloher St.-Johannis-Kirche eine Gemeindeversammlung statt. 60 Leute ließen sich dazu einladen. Hört sich nicht so viel an, aber dass mehr als fünf Prozent der Gemeindeglieder zu einer Versammlung kommen, ist schon ein hoher Wert, der in den meisten Fällen nicht erreicht wird. Zu den ganz wichtigen Dingen gehörte es an diesem Morgen, dass die Gemeindeglieder konkrete Informationen für die Abläufe bekamen: Gemeindesekretärin Silke Ludemann ist wie gewohnt dienstags und donnerstags von 9 bis 11.30 Uhr im Gemeindebüro erreichbar, neuerdings zusätzlich auch noch mittwochnachmittags von 15 bis 17.30 Uhr, am gleichen Tag kann man dort jetzt außerdem von 17 bis 18 Uhr ein Presbyteriums-Mitglied antreffen. Über die Bandansage unter der bekannten Kirchengemeinde-Telefonnummer (02973) 550 bekommt man zudem in dringenden Fällen rund um die Uhr die Telefonnummern von Gemeindeschwester Christiane Lunau und von Kirchmeister Dr. Hans Dürr. Ist eine Pfarrstelle unbesetzt, so gibt es in der dortigen Kirchengemeinde eine Vakanz-Vertretung. Das ist in diesem Fall Pfarrerin Ursel Groß aus der benachbarten Kirchengemeinde Gleidorf, erreichbar unter Tel. (02972) 9219252. Sie wird die Gottesdienste und Amtshandlungen organisieren und ist damit auch zum Beispiel die Ansprechpartnerin etwa bei Beisetzungen und seelsorglichen Anliegen.

Vor Ort haben die Presbyteriums-Mitglieder schon jetzt mehr Arbeit, der sie sich jedoch gemeinsam stellen. Genau wie bei der Gemeindeversammlung, in der Dr. Wolfgang Beer, Dr. Hans Dürr und Nils Weinbrenner mit unterschiedlichen Aufgaben den Team-Geist des gemeindlichen Leitungsgremiums sehr anschaulich illustrierten. Den Vorwurf, dass es diese Zeit mit einer unbesetzten Stelle jetzt nur gäbe, weil von Kirchenkreis oder Presbyterium etwas verschlafen worden wäre, wies an diesem Morgen Synodalassessor Dieter Kuhli, stellvertretender Superintendent im Wittgensteiner Kirchenkreis, klar zurück. Sehr genau zeichnete er nochmal nach, wie die Leitung von Kirchengemeinde und Kirchenkreis versucht hatten, durch die Kooperationsvereinbarung mit der Gleidorfer Kirchengemeinde etwas ganz Neues zu starten, das aber offensichtlich noch mehr Zeit des Nachdenkens brauche. Dieter Kuhli erläuterte, wie man jetzt einen zweiten 50-Prozent-Dienstauftrag versuche zu beschreiben, um eine volle Pfarrstelle ausschreiben zu können. Dem Vorschlag aus der Versammlung, dass diese zweite halbe Stelle in der Altenheim-Arbeit wie etwa in Störmanns Hof gefunden werden könnte, erteilte der Laaspher Gemeindepfarrer Kuhli eine Absage: Auch in Wittgenstein gehöre der Pfarrer-Besuch im Altenheim zum üblichen Dienst in der Gemeinde. Anders beim Hinweis aus der Zuhörerschaft auf Engpässe im schulischen Religionsunterricht. Hier wies Dieter Kuhli aber auf die Komplexität der notwendigen Gespräche hin, die jedoch schon begonnen worden seien: „Ich hoffe, dass das bis zum Sommer gelingen kann.“

Doch selbst, wenn dann die Stelle ausgeschrieben werden könnte, so gibt es ein weiteres Problem. Auch in der evangelischen Kirche fehlt es inzwischen an Pfarrerinnen und Pfarrern, ländliche Gemeinden wie die im Wittgensteiner Kirchenkreis haben da oft das Nachsehen. Einziger Ausweg für die Gemeinde: selbst so attraktiv wie möglich sein. Wobei die Kirchengemeinde Dorlar-Eslohe Einiges in die Waagschale zu werfen hat: Ausdrücklich lobte Dieter Kuhli die Weitsicht, mit der die Gemeinde über ihre zu vielen Kirchen nachgedacht hatte. Eine komplizierte, inzwischen erledigte Hausaufgabe, die viele andere Kirchengemeinden noch vor sich haben. Ein weiterer Pluspunkt, das sehr aktive Presbyterium, das mit Weitblick Probleme erkennt und sich diesen stellt.

Das erlebten auch die Besucher der Gemeindeversammlung mit. Selbst wenn wieder ein Pfarrer, eine Pfarrerin in der Gemeinde sein wird, sind dann nur noch 50 Prozent der Arbeitszeit für die Gemeinde bestimmt. Hans Dürr leitete daraus folgende Erkenntnis ab: „Wir alle sind zukünftig stärker gefragt, wir müssen uns alle mehr einbringen!“ Passend dazu wurden in der Gemeindeversammlung Blätter verteilt, mit unterschiedlichen Vorschlägen, sich ehrenamtlich in der Gemeinde zu engagieren. Das reichte von der ganz konkreten Hilfe in der Jugendarbeit bis zum Seniorennachmittag, vom Kirchencafé über den Gemeindebrief bis zum Dortmunder Kirchentag und dem nächsten Hochsauerländer Diakoniegottesdienst. Außerdem hatte das Leitungsgremium eine ganze Spalte reserviert für Anregungen. Nun hoffen die Presbyterinnen und Presbyter, dass die ausgefüllten Zettel bald in die Glaubensbox an der Kirche eingeworfen oder im Gemeindebüro vorbeigebracht werden.

Hier gibt es die Mitmach-Blätter zum Ausdrucken und Ausfüllen.