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01.03.2019
Von: Jens Gesper

Für einen Abend nach Slowenien

An vielen Orten in Wittgenstein und Hochsauerland wurde Weltgebetstag gefeiert


Zwei Dinge braucht die Weltgebetstags-Besucherin für den Gottesdienst: zum einen die Neugier auf ein anderes Land, zum anderen das DIN-A5-Heft mit der richtigen Liturgie für das jeweilige Jahr, damit man die Lieder mitsingen und die Gebete mitsprechen kann.

Wie immer am Weltgebetstag waren jetzt wieder überall im Kirchenkreis Gottesdienste in Kirchen und Gemeindehäusern, katholischen und evangelischen: in Wittgenstein selbst knapp ein Dutzend, auf seinem Gebiet im Hochsauerland nochmal mehr als ein halbes Dutzend, hier sogar auch mal in einer Schützenhalle. In Fischelbach versammelte sich die zum Jahresanfang neu entstandene Kirchengemeinde Banfetal zu ihrem ersten Weltgebetstag, wobei die beiden Vorgänger-Gemeinden bereits seit Jahren gemeinsam feierten und sich mit Veranstaltungen im Fischelbacher Lutherhaus und im Banfer Haus Emmaus schon lange abwechseln. 60 Frauen unterschiedlichen Alters waren hier zu Gast, da gibt es im Kirchenkreis unterschiedliche Situationen: Oft sind es vornehmlich Frauen, die zum Weltgebetstag kommen, in wenigen Gemeinden besuchen aber inzwischen auch immer mehr Männer die Veranstaltung, lassen sich von den Frauen mitnehmen auf eine Reise in ein anderes Land.

Der Weltgebetstag der Frauen, wie er früher genannt wurde, geht in seinen Anfängen aufs Ende des 19. Jahrhunderts zurück und wurde 1927 zum ersten Mal gefeiert, kurz darauf begingen mit Methodistinnen die ersten deutschen Christinnen den Weltgebetstag, nach dem Zweiten Weltkrieg wurden es dann schnell mehr und mehr Konfessionen, die sich in Deutschland am Weltgebetstag beteiligten. Seit 1970 sind auch die Römisch-Katholischen Frauenverbände dabei. Der Weltgebetstag ist die größte ökumenische Laienbewegung von Frauen, in jedem Jahr bereiten Christinnen aus einem Land die Liturgie des Gottesdienstes vor, dazu gibt es viele Informationen über und Einblicke in das jeweilige Weltgebetstags-Land: Für dieses Jahr hatten Frauen aus Slowenien den Abend präpariert und sich das Leitmotiv „Kommt, alles ist bereit!“ aus dem Lukas-Evangelium geliehen, wo Jesus sein Gleichnis vom Festmahl erzählt, zu dem viele der zunächst Eingeladenen nicht kommen, so dass der Gastgeber dann stattdessen die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen, die Menschen auf den Landstraßen und an den Zäunen einlädt, damit sein Haus voll werde.

Entlang des roten Fadens, den das 24-seitige DIN-A5-Heft mit seiner Liturgie inklusive vieler Gebete und Lieder auch in diesem Jahr gab, wurde der Gottesdienste gefeiert, den aber jede Gruppe selbst ausgestaltete: mit Predigt oder ohne, mal mit Talar, aber meistens ohne, mal mit der Pfarrerin, mal ganz bewusst mit einer Laienpredigerin. Im Banfetal durfte sogar Ortspfarrer Peter Mayer-Ullmann als Mann den Gottesdienst an vielen Stellen gestalten. Nicht nur die Liturgie selbst und die darin enthaltenen Berichte der Frauen nahmen die Zuhörerinnen mit nach Slowenien, in Fischelbach gab es auch eine slowenische Diaschau, die einem das Land in vielen Bilder nochmal nahe brachte. Die Erläuterungen von Peter Mayer-Ullmann machten klar, dass sich die Banfetaler Frauen in den vergangenen Wochen in verschiedenen Gruppen mit dem kleinen Land beschäftigt hatten, das heute zur Europäischen Union gehört und früher Teil Jugoslawiens war. Die Musik zu den Liedern kam im Lutherhaus von der offiziellen CD, so dass viele der Stücke wirklich ihren ganz eigenen Polka-Klang transportierten, der zumindest für Wittgensteiner Gottesdienste eher ungewohnt war.

Doch nicht nur mit Gebeten, Liedern, Berichten, Bildern nähern sich Weltgebetstage alljährlich einem fremden Land an, sondern auch mit dem Essen. Und so konnten die Besucherinnen in Fischelbach nach dem Gottesdienst an der liebevoll gedeckten Tafel mit speziell slowenischen Dekorationen unterschiedlichste Gerichte aus dem 2019er Land probieren. Eine Küche, die anders ist als die deutsche, aber nicht so fremd. Das wird nächstes Jahr anders, dann führt die Weltgebetstags-Reise ins afrikanische Simbabwe. Das Leitmotiv lautet dann „Steh‘ auf, nimm deine Liegematte und geh‘ umher“, was die perfekte Überschrift für das ist, was alljährliche beim Weltgebetstag passiert.

Hier gibt es viele Fotos von heimischen Weltgebetstagen.