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07.03.2019
Von: Jens Gesper

Gemeinsam denken - und reden

Im Elsoffer Gemeindehaus näherte man sich auf unterschiedlichen Wegen der Energiewende an


Beim gemeinsamen Nachdenken über unterschiedlichste Themen war gerade die Bandbreite der engagierten Teilnehmenden an der Beteiligungs- und Dialogveranstaltung „Wittgenstein will weiter“ im Elsoffer Gemeindehaus ein großer Pluspunkt.

Wer jetzt im Elsoffer Gemeindehaus der Evangelischen Lukas-Kirchengemeinde zu der Beteiligungs- und Dialogveranstaltung wollte, der musste als Erstes aufpassen, dass er nicht übers Kabel stolperte, mit dem Joachim Cierpka sein Auto auflud, denn der Pfarrer der Lukas-Kirchengemeinde fährt ein Plugin-Hybrid, dessen Antrieb sowohl über den Verbrennungsmotor als auch über Strom funktioniert. Rund 30 Leute waren im Gemeindehaus, das in den vergangenen Jahren in einer gemeinsamen finanziellen Kraftanstrengung in Kooperation mit Kommune Bad Berleburg und Land Nordrhein-Westfalen als Regionale-Projekt „Meine Heimat 2020“ umgebaut worden war. Dafür suchten die Beteiligten für das Vernetzte-Dorf-Konzept „Cognitive Village“ den Kontakt zu einer Hochschule, damals die Siegener Universität. Diesmal lautete das Thema „Energiewende“. Die Lukas-Kirchengemeinde arbeitet dafür in der bewährten Weise mit der Stadt Bad Berleburg und außerdem für diesen speziellen Fall mit der Bochumer Hochschule zusammen.

Die Beteiligungs- und Dialogveranstaltung stand unter der Überschrift „Wittgenstein will weiter“. Und tatsächlich begrüßten Pfarrer Joachim Cierpka, Ines Wünnemann von der Projektkoordination „Kommunale Entwicklungspolitik“ bei der Stadt Bad Berleburg und Lisa Kränke vom Integrativen Institut „Nachhaltige Entwicklung“ in Bochum nicht nur Lukas-Gemeindeglieder in Elsoff, sondern auch Interessierte aus anderen Berleburger Ortsteilen. Mehrfach durcheinandergewürfelt wurden in verschiedenen Zweier-Kombinationen die Fragen erörtert „Was verbindet Sie mit Bad Berleburg?“ und „Was wünschen Sie sich für Bad Berleburg in 2030?“ Obwohl als Dialog-Veranstaltung angekündigt, ging es an diesen Stellen erst einmal um Monologe. Minutenlang bekam jeder Einzelne in den verschiedenen Tandems die Möglichkeit, sich alles zum Thema von der Seele zu reden, während das Gegenüber zuhörte. Tatsächlich zog dieser Vorlauf in allen anschließenden Gesprächen und Diskussionen ganz viel Leben nach sich, nachdem jedes Eis erstmal so gebrochen worden war.

Im Folgenden ging es darum, dass alle Teilnehmenden ihre eigenen Wittgensteiner Wunschthemen unter den Überschriften „Umweltschutz“, „Klimaschutz“, „Umweltbildung“, „Mobilität“ und „Arbeit Wirtschaft“ auf großen Tafeln platzieren konnten. Eine Riesen-Auswahl, aus der sich alle Beteiligten dann drei Themen aussuchten. Die vergebenen Punkte wurden gezählt, für die entscheidende Runde kamen die vier best-bepunkteten Themen weiter sowie ein ausdrücklich Eingefordertes. Alle wurden breit unter unterschiedlichen Gesichtspunkten diskutiert. Die fünf Gruppen wechselten dafür dreimal in ihrer Zusammensetzung, damit möglichst viele Gedanken verschiedener Menschen gesammelt werden konnten. Konstant blieb allein die jeweilige Gruppen-Leitung: bei Anke Althaus-Aderhold ging es um Landwirtschaft, bei Georg Braun um Bildung, bei Oliver Junker-Matthes um ein Reparatur-Café als internationale Begegnungsstätte, bei Martin Schneider um Verkehrsanbindung und Öffentlichen Personennahverkehr, bei Ines Wünnemann um Natur- und Artenschutz.

Große Themen, bei denen Allen klar war, dass man nicht sofort das eine Projekt findet, das alles ändert. Aber wenn man die perfekte Lösung nicht hat, dann helfen erstmal diverse gute Einfälle. Das Gespräch von unterschiedlichen Menschen vom Pfarrer bis zum Ortsvorsteher, vom Stadtverordneten bis zur Lehrerin, von der Kirchengemeinde-Leitung bis zu Müttern, Vätern, Naturfreunden, Landwirten war bei dieser Suche schon ein großer Wert an sich. Dreieinhalb Stunden nahmen sich alle Beteiligten dafür, investierten Ideen und Zeit, Begeisterung und die Überzeugung, dass man Dinge ändern kann, um unser Leben auf dem Land für Gegenwart und zukünftige Generationen besser zu gestalten. Der Elsoffer Workshop wird jetzt genauer ausgewertet, einige der Überlegungen konkretisiert und in zwei geplanten Veranstaltungen weiterverfolgt. Wahrscheinlich wieder in der Lukas-Gemeinde, vielleicht schauen dann ja auch interessierte Laaspher oder Erndtebrücker vorbei, denn der Ansatz lautet: „Wittgenstein will weiter“.

Hier gibt es viel mehr Fotos von der Veranstaltung.