Und sie haben's wieder geschafft  >
< 38 Mitglieder bei der Gründung
24.03.2019
Von: Jens Gesper

Zwei neue Presbyter in Bad Berleburg

Der Eine ist 18 und kommt aus der eigenen Jugendarbeit, der Andere ist 40 und kommt aus dem Iran


Die Pfarrerinnen Christine Liedtke und Claudia Latzel-Binder begrüßten jetzt in einem Gottesdienst Hossein Afshari (Zweiter von links) und David Schneider als neue Presbyter im Leitungsgremium der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Berleburg.

Presbyter kommt aus dem Altgriechischen und bedeutete „Älterer“. Trotzdem freut sich die Evangelische Kirchengemeinde Bad Berleburg darüber, dass sie einen neuen Presbyter hat, der in diesem Jahrtausend geboren wurde - und damit definitiv ein Jüngerer ist. David Schneider ist 18 Jahre alt und wurde jetzt offiziell bei einem Gottesdienst in der Stadtkirche ins Amt eingeführt. Aus unterschiedlichen Gründen waren nicht alle Stellen in dem gemeindlichen Leitungsgremium besetzt. Deshalb war er nicht der einzige neue Presbyter an diesem Tag. Dabei auch der 40-jährige Hossein Afshari, nun ebenfalls Presbyter der Berleburger Kirchengemeinde. Und obwohl er locker doppelt so alt ist wie David Schneider, zählt auch er noch zu den Jüngeren unter diesen Älteren.

Abiturient David Schneider ist nicht nur waschechter Wittgensteiner, er ist auch ganz einfach mit seinen jungen Jahren in die gemeindliche Arbeit hineingewachsen. Er engagierte sich ehrenamtlich im Kindergottesdienst und war fleißig wie stetig an unterschiedlichen Stellen in der Jugendarbeit dabei. Nachdem der Berleburger Jugendreferent in 2015 die Gemeinde verlassen hatte, mussten die Jugendlichen hier selbst schnell mehr Verantwortung übernehmen. Und das hätten sie auch ganz selbstverständlich gemacht, freut sich die Berleburger Pfarrerin Claudia Latzel-Binder noch heute.

Der Lebenslauf des zweiten neuen Presbyters ist ein ganz anderer. Hossein Afshari wurde nämlich im Iran geboren, kurz zuvor hatte die ganze Welt auf das Land geschaut: Wenige Wochen vor Hossein Afsharis Geburt war Ajatollah Khomeini aus dem Exil nach Teheran zurückgekehrt. Die Islamische Revolution veränderte den Iran nachhaltig. Als Muslim geboren kam Hossein Afshari schon dort mit christlichen Gruppen in Kontakt, ein Religionswechsel wäre aber nicht möglich gewesen. 2012 kam er nach Deutschland, zwei Jahre später ließ er sich in Hannover taufen. Dann führten ihn die Wege nach Wittgenstein, seit fünf Jahren ist er Gemeindeglied der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Berleburg. Er ist ein ganz regelmäßiger Gottesdienst-Besucher, ist von der ersten Stunde an und immer noch oft beim Café International der Kirchengemeinde dabei, ist in deren Glaubenskursen ein wertvoller Übersetzer für die persische Sprache Farsi, die sowohl im Iran als auch in Afghanistan gesprochen wird. Beständig hat er selbst im Kontakt mit Presbyter Horst Seeger und dessen Ehefrau Dagmar beim gemeinsamen Bibel-Lesen sein religiöses Wissen vertieft: Er sei im Glauben gewachsen, habe auf viele der Fragen, die er schon lange gehabt habe, endlich Antworten gefunden, so der neue Presbyter.

Sie habe ihn ganz bewusst wegen der Presbyteriums-Mitgliedschaft angesprochen, erinnert sich Claudia Latzel-Binder, er habe ganz schnell zugesagt. Wobei Hossein Afshari aus seiner Perspektive nochmal genauer sagen kann, was in dem Augenblick in ihm vorging. Er habe sich darüber gefreut, sei stolz gewesen, und habe gleichzeitig gezweifelt, ob sein Deutsch gut genug sei, ob er schon genug über die Kirche wisse. Aber bei aller Unsicherheit habe er doch gespürt, dass er „Ja“ sagen wollte, so Hossein Afshari, der bei BSW arbeitet und einen Duldungs-Status hat.

Den Jungen und den Neuen in der Gemeinde eine Stimme zu geben, das ist ein zutiefst evangelisches Anliegen. Das Priestertum aller Gläubigen, aller Getauften ist von Martin Luther nochmal sehr genau ins Bewusstsein gerückt und in den Vordergrund gestellt worden. Das Gemeinsam-Kirche-Sein sei auch ihr dabei ein wichtiges Anliegen, so Claudia Latzel-Binder.

Das hat viele Facetten - um eine geht es der Evangelischen Kirche von Westfalen in diesem Jahr besonders. Hier wird in Kirchengemeinden und -kreisen gerade über die Hauptvorlage „Kirche und Migration“ gesprochen.