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08.09.2019
Von: Jens Gesper

„Wir sind eine Familie“

39-jähriger David Mushi aus Tansania bei feierlichem Gottesdienst in Geisweid begrüßt


Die feierliche Amtseinführung von Pfarrer David Mushi übernahm Oberkirchenrat Dr. Ulrich Möller, Chef vom Ökumene-Dezernat der Evangelischen Kirche von Westfalen und bei der EKvW außerdem Ortsdezernent der Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein.

Nach der feierlichen Einführung erklomm Pfarrer David Mushi die Kanzel der Geisweider Talkirche und hielt seine Predigt - auf Deutsch. Hier vor Ort fällt es ihm jetzt leichter, seine Kenntnisse in der fremden Sprache zu verbessern. Im Notfall kann man aber auch auf Englisch oder in seiner Muttersprache Kisuaheli mit ihm reden.

Pfarrer David Mushi (erste Reihe, Mitte) wurde am Sonntag in der Geisweider Talkirche von einer bunten Schar in sein Amt als Ökumenischer Mitarbeiter der Klafelder Kirchengemeinde sowie der beiden Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein eingeführt.

Stefan Berk freute sich über die Buntheit und Beweglichkeit von Kirche, die sich auch in Wittgenstein, Sieger- und Sauerland, das ist das Gebiet der beiden Kirchenkreise, immer deutlicher abbildet. Als passendes Geschenk gab es ein Kaleidoskop.

Gottesdienste in Tansania dauern drei Stunden, Gottesdienste in den beiden Evangelischen Kirchenkreisen Siegen und Wittgenstein eher nicht. Aber am Sonntagnachmittag war man in der Talkirche der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Klafeld auf einem guten Weg dahin. Anderthalb Stunden lang bot der Festgottesdienst zur Einführung von David Mushi 260 Besuchern ein fröhliches Programm mit zahlreichen Akteuren, viel Musik, verschiedenen Sprachen und ungewohnt farbenfrohen Kleidern beim anwesenden Pfarrpersonal: Neben den üblichen schwarzen Talaren gab es weiße Alben und die eine oder andere bunte Stola. Der aus Tansania stammende 39-jährige David Mushi ist seit knapp sechs Monaten in Deutschland und wird in den nächsten drei Jahren als Ökumenischer Mitarbeiter Gaben, Perspektiven und Gedanken in seinen Dienst in der Kirchengemeinde Klafeld sowie in den Kirchenkreisen Siegen und Wittgenstein einbringen.

Die feierliche Amtseinführung übernahm Oberkirchenrat Dr. Ulrich Möller, Chef vom Ökumene-Dezernat der Evangelischen Kirche von Westfalen und bei der EKvW außerdem Ortsdezernent der beiden Kirchenkreise im Süden Westfalens. Ihm zur Seite standen der Wittgensteiner Superintendent Stefan Berk, die Klafelder Pfarrerin Almuth Schwichow und Prädikantin Sarah Vecera von der Vereinten Evangelischen Mission in Wuppertal, die VEM begleitet mit ihrer Fachkompetenz David Mushi in der Ökumenischen Mitarbeit. Nach dem formalen Akt und gestärkt mit ermutigenden Bibelworten, die ein halbes Dutzend Menschen dem 39-Jährigen mit auf den Weg gaben, erklomm David Mushi die Kanzel der Talkirche. Fast auf den Tag genau zehn Jahre nachdem er in Tansania als Pfarrer ordiniert worden war. Gleich zu Beginn stellte er in seiner Predigt das Grundsätzliche fest: „Abgesehen von den kulturellen Unterschieden zwischen Afrika und Europa sind wir in Christus alle Verwandte, dies ist der Geist der Ökumenischen Perspektive: Wir sind eine Familie.“ Und kurz vorm Schluss hatte er ein Plädoyer für den Kirchenbesuch: „In der heutigen Welt ist es äußerst traurig, dass viele Christen das Vergnügen vernachlässigen, regelmäßig zur Kirche zu gehen, wo sie das Wort Gottes hören könnten, Gelegenheit zum Abendmahl und zur Gemeinschaft miteinander hätten.“

„Vergnügen“ - das Wort passte in vielerlei Hinsicht zum Festgottesdienst, auch wegen der Musik: gesungen vom Gemeindechor „Wegweiser“ unter der Leitung von Jochen Schnutz, auf der Orgel gespielt von Andrea Stötzel. Zur Vokabel „Vergnügen“ passt der Ausdruck „Applaus“ - und tatsächlich wurde David Mushi in der ehrwürdigen Talkirche auch mit lautem Beifall begrüßt, er und genauso seine Lieben: Mit ihm sind nämlich Ehefrau Elizabeth Bukwimba, die in Tansania als Juristin im Außenministerium gearbeitet hat, sowie der sechsjährige Macarious, gerade frisch im Siegerland eingeschult, und die dreijährige Kairos nach Deutschland gekommen.

Viele der anschließenden Grußworte im Gemeindezentrum bei der Kirche richteten sich an die gesamte Familie. Martin Ahlhaus, beim EKvW-Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung für Südwestfalen zuständig, führte hier durchs Programm. Stellvertretend für die vielen Gäste dort sei die zweite stellvertretende Siegener Bürgermeisterin Verena Böcking erwähnt, stellvertretend für die vielen Menschen mit Geschenken sei Dechant Karl-Hans Köhle vom Katholischen Dekanat Siegen genannt, stellvertretend für die vielen Grußworte sei aus dem von Stefan Berk zitiert, gehalten in seiner Funktion als Vorsitzender des Ständigen Ökumene-Ausschusses der Westfälischen Landeskirche: „Wir brauchen Euer Zeugnis von Gottes Weg durch unsere Welt. Wir brauchen den Blick von außen, damit wir uns immer wieder daran erinnern: Wir sind niemals alleine Kirche Jesu Christi, sondern nur gemeinsam in der weltweiten Ökumene, in dem einen Haus Gottes.“

Nach gut dreieinhalb Stunden ging dieser Nachmittag zu Ende. Aber eigentlich waren solche Zahlen egal. Viel wichtiger waren die vielen Begegnungen und Gespräche, auch mal mit Händen und Füßen und immer mit einem Lächeln. Eine einzige Zahl ist vielleicht doch noch wichtig, die der Klafelder Pfarrer Dr. Martin Klein ganz zum Schluss mitteilte. Die im Gottesdienst gesammelte Kollekte betrug fast 1000 Euro, bestimmt sind diese für die Klafelder Partnergemeinde im tansanischen Bagamoyo.

Hier gibt es viel mehr Fotos von der Veranstaltung.