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29.09.2019
Von: Jens Gesper

Vom Laufsteg bis zur Wanderung

Auf unterschiedlichen Wegen ging es im Abenteuerdof zu einem faireren Miteinander


Wenn Superintendent Stefan Berk auf einem Laufsteg unterwegs ist und auf seinem T-Shirt ganz groß „FAIR“ steht, dann ist die Zielsetzung der  Veranstaltung klar.

Immer mehr Menschen erkennen, dass viele Dinge in der Welt schief laufen und dass auf unserer einen Erde am Ende immer alles miteinander zu tun hat: der Wohlstand der Einen und die Armut der Anderen, der vor allem im Norden vorangetriebene menschengemachte Klimawandel und die Naturkatastrophen im Süden, unsere Handys auf dem neuesten Stand der Technik und die Kinderarbeit in den Kobalt-Minen im Kongo, die billige Kleidung für uns und die Hungerlöhne für Textilarbeiterinnen in Bangladesch. Man würde ja so gern etwas tun, man würde sich so gern ändern, aber dann kommen die Abers: Es ist so einfach und so billig, eben mal etwas im Internet zu bestellen, es ist so kompliziert, all die komplexen Zusammenhänge zu verstehen, wirklich verlässliche Gütesiegel zu finden, die Nachhaltigkeit und Menschenwürde nicht nur versprechen, sondern auch halten. Und am Schluss steht man nicht nur auf verlorenem Posten, sondern ist doch sowieso nur ein Einzelner, dessen Konsum- und Einkaufsverhalten die Welt und ihren Lauf nicht ändern wird.

Dass das mit dem Einzelnen nicht mal im Mikrokosmos Wittgenstein stimmt, konnten jetzt die über 100 Besucher aller Altersklassen des ersten Fairen Brunchs im Abenteuerdorf Wittgenstein (ADW) ganz überzeugend erleben. Auch wenn die nicht nur aus Wittgenstein, sondern auch aus dem Sauerland und dem Siegerland kamen. Nach vielen Fairen Frühstücken und Fairen Wochen, die es über die Jahre hinweg und in der jüngsten Vergangenheit vor allem noch im Ökumenischen Welt-Laden in Bad Laasphe und im Erndtebrücker Klöneck gegeben hat, versuchte man jetzt dieses ganz neue Konzept. Der Ausschuss für Mission, Ökumene und Weltverantwortung im Wittgensteiner Kirchenkreis war Veranstalter, vor allem Ulrike Berk und Pfarrerin Claudia Latzel-Binder hatten die einfache Grundidee eines späten Frühstücks und leckeren Mittagessens mit fair gehandelten Produkten einerseits und regionalen Produkten in Bio-Qualität anderseits durch viele weitere ganz frische Ideen zu einer besonderen Veranstaltung gemacht.

Da war der sprechende Kleiderschrank vom Berleburgs Vikar Patrick Bloy und seiner Verlobten Rebecca Bohle, wo man rohstoff-intensive Produktions- und kurze Lebens-Geschichten billigster Klamotten hören konnte. Außerdem gab es eine Modenschau, bei der die Halle Luja des Abenteuerdorfs zum Laufsteg wurde. Darauf unterwegs waren: Rechtsanwältin Dr. Sabina Bald, Berleburgs Ortsvorsteherin Ulla Belz, Wittgensteins Superintendent Stefan Berk, Johannes-Althusius-Gymnasium-Chef Clemens Binder, Bettina Born von der Berleburger Kulturgemeinde, Erndtebrücks Bürgermeister Henning Gronau, Renate Kaletsch und Kerstin Keune, Berufskolleg-Leiterin Claudia Sauer, Berleburgs Beigeordneter Volker Sonneborn, Axel Theuer von der Sparkasse Wittgenstein und Kai Wunderlich von der Volksbank Wittgenstein. Durch die Bank weg gestylt von Friseur-Meisterin Judith Birkelbach-Große präsentierten sie Kleidung der österreichischen Firma Fairytale-Fashion, die bio-faire Mode in kleinen Manufakturen in Nepal produzieren lässt. Die Betonung liegt beim Namen auf dem „Fair“, das englische Wort „Fairytale“ bedeutet dabei Märchen. Umso schöner, dass die schicken oder auch mal lässigen Kleidungsstücke auf großen Ständern im kleinen Speisesaal keine Märchen, sondern ganz handfest und greifbar und tragbar waren. Der Laaspher Welt-Laden bot Geschenkideen aus seinem üblichen Sortiment, das Erndtebrücker Klöneck faire Lebensmittel, das Fundhaus Gleidorf war mit Second-Hand-Kleidung und Deko-Artikeln aus zweiter Hand vertreten, außerdem wurden Plant-for-the-Planet-Schokolade, den Kontakt hatte die Erndtebrücker Realschule fürs ADW hergestellt, sowie Honig und Lama-Wolle direkt aus dem Abenteuerdorf verkauft. Und zwischen all dem gab es Musik von Melissa Große, die den Tag gesanglich begleitete.

Die abschließende besinnliche Wanderung zum Thema „Wasser“ mit dem Laaspher Pfarrer Steffen Post brachte nochmal über 20 Teilnehmern die Natur näher. Und sie erinnerte ganz nebenbei daran, dass die Schöpfungs-Bewahrung eine der vornehmsten Christenpflichten ist.

Hier gibt es viele Fotos von der Veranstaltung.