Gebäudemanagement

Der Kirchenkreis-Finanzausschuss hatte sich für die Synode Gedanken über ein neues Gebäudemanagement gemacht.

Peter Liedtke ist kommissarischer Vorsitzender des Kirchenkreis-Finanzausschusses. In dieser Funktion präsentierte er bei der Synode Überlegungen zu einem Gebäudemanagement im Kirchenkreis, die „Vorstellung eines neuen Konzepts zur solidarischen Erhaltung von wichtigen Kirchengebäuden in den Kirchengemeinden“, wie es in der Tagesordnung der Versammlung hieß. In den vergangenen Jahren haben sich diverse Kirchengemeinden von verschiedenen Gebäuden getrennt, darunter auch Kirchen. Die Dorlarer Kirchengemeinde gleich von zweien, die Wingeshäuser von einer, die Gleidorfer mussten sogar eine abreißen. Und doch gibt es auch weiterhin viele Gebäude. Historische Kirchen, die Dorfbilder prägen, aber deren Dachsanierung fast jede Gemeinde sofort überfordern würde. Neue Gebäude, gebaut in oder kurz nach den Wirtschaftswunder-Jahren, als Jeder dachte, das Wachstum geht immer so weiter. Aber heute sinken insbesondere ländliche Bevölkerungszahlen, in den Wittgensteiner Kirchengemeinden gibt es mehr Beerdigungen als Taufen.

„Wie gestalten wir heute die Kommunikation des Evangeliums?“, mit dieser Frage stieg Peter Liedtke in seinen Vortrag ein. Darauf müssten Kirchengemeinden in einem ersten Schritt ihre Antworten finden, durchgespielt an den sechs Handlungsfeldern, die alle zusammen für die Evangelische Kirche von Westfalen eine Kirchengemeinde ausmachen: Gottesdienst, Kirchenmusik und Kultur; Seelsorge und Beratung; Diakonie und gesellschaftliche Verantwortung; Mission und Ökumene; Bildung und Erziehung; Leitung und Verwaltung. Mit den sechs Antworten auf diese eine Frage könne dann eine Gemeindekonzeption erstellt werden, die idealerweise durch eine Gebäudekonzeption ergänzt werde. Letztgenannte stellt aufgrund inhaltlicher Bewertungen eine Rangliste der Gebäude auf, in der sich automatisch das Gebäude mit der höchsten Priorität abbildet. Hört sich kompliziert an. Ist es auch. Deshalb war es gut, dass Peter Liedtke die Überlegungen ganz konkret an einer erfundenen Kirchengemeinde durchspielte. Die Präsentation findet sich auf der Kirchenkreis-Homepage.

Das Gebäude mit der höchsten Priorität hat in jeder Kirchengemeinde bei Investitionsmaßnahmen das Anrecht auf einen Zuschuss in Höhe von 20 Prozent, möglicherweise auch noch für das zweite Gebäude auf der Liste. Das kommt auch auf die Nachfrage an und auf den Inhalt der neu zu schaffenden Rücklage des Kirchenkreises. Die soll 5,5 Mio. Euro betragen und sich unter anderem aus den Gebäuderücklagen der Gemeinden beim Kirchenkreis speisen. Verwaltungsleiter Oliver Berg skizzierte für diesen gemeinsamen Topf einen Planungshorizont von fünf Jahren, sprach außerdem von einem Vorwegabzug in Höhe von drei Euro pro Gemeindeglied, die aus dem zu verteilenden Kirchensteuer-Aufkommen abgezogen würden, bevor das Geld unter den Kirchengemeinden proportional nach Gemeindeglieder-Zahlen verteilt wird.

Superintendent Stefan Berk fasste die für ihn drei wichtigen Punkte so zusammen: die Gebäude blieben in Kirchengemeinde-Hand, die Solidargemeinschaft helfe verlässlich in einer schweren Situation, dabei seien inhaltliche, keine technischen Argumente ausschlaggebend. Insbesondere der neue Lukas-Pfarrer Joachim Cierpka und sein Laaspher Kollegen Steffen Post hatten einige kritische Nachfragen und Bemerkungen, auch wenn sie die Grundüberlegungen begrüßten. Bei zwei Enthaltungen nahm die Synodal-Versammlung die Gedanken grundsätzlich positiv zur Kenntnis, bis Ende September soll der Finanzausschuss einen für die Presbyterien diskutablen Vorschlag vorlegen, der auch die Qualitätsmerkmale für die Nutzungskonzepte deutlicher macht und den Kirchengemeinden die Gebäude-Kennzahlen nach dem Neuen Kirchlichen Finanzmanagement liefert.

Wobei gerade eine Synode im Lukas-Gemeindehaus, das durch die Unterstützung anderer Akteure wie etwa dem Land umgebaut werden konnte, die Kirchengemeinden auch in Gebäude-Fragen dazu ermutigte, die Augen nach Kooperationspartnern offen zu halten. Joachim Cierpka unterstrich zudem, dass der Verkauf eines Gebäudes ja nicht automatisch dessen Verlust bedeuten müsse, wenn man es in einem klar umrissenen Rahmen weiter nutzen könne. Und wenn man die Kirchengemeinde Dorlar, die zwei von ihren drei Kirchen verkauft hat, fragt, dann hat die damit verbundene Konzentration auf Eslohe die kleine Kirchengemeinde sogar gestärkt. Obwohl die ohnehin bestehenden langen Wege in der Diasporasituation für manchen nochmal länger geworden sind.