Strukturausschuss

  • Seit Jahresanfang hat der Strukturausschuss...
  • ... dreimal im Erndtebrücker Klöneck jeweils einen ganzen Samstag gearbeitet.

Das Finanzausgleichsgesetz der Evangelischen Kirche von Westfalen sorgte vor 15 Jahren dafür, dass sich im Kirchenkreis Wittgenstein ein Strukturausschuss Gedanken über eine Pfarrstellen-Ordnung machte, die Ergebnisse wurden 2004 und 2005 vorgestellt. Sehr transparent wurden darin Punkte verteilt für die Zahlen von Gemeindegliedern und Dörfern, im Hochsauerland auch noch für die Fläche. Mit dieser Bewertung kamen für die einzelnen Kirchengemeinden ziemlich krumme Werte heraus, aus diesem Grund ließ sich der Strukturausschuss ein Modell einfallen, das den Kirchenkreis in vier Regionen einteilte: „Die Werte der jeweiligen Kirchengemeinden einer Region wurden addiert und bei der Pfarrstellenzuweisung berücksichtigt. Die Regionalräte hatten damit die Aufgabe, gemeindeübergreifend den Pfarrdienst so zu organisieren, dass es zu einem Ausgleich der Anteile der einzelnen Kirchengemeinde am pastoralen Dienst kam.“ So hatte Superintendent Stefan Berk in seiner Ausarbeitung zum Kirchenbild 2025 die Entstehung der Berleburger, der Laaspher, der Erndtebrücker und der Hochsauerländer Region nochmal erläutert. Mancherorts funktionierten die Regionalräte schon sehr schnell, mancherorts etwas langsamer, mancherorts eigentlich nie. Insbesondere in der Kompetenzzentrums-Arbeit wurde die Region rasant zur verlässlichen Bezugsgröße, Jugendbibelwochen und Konfi-Camps wurden genau in diesem Verbund organsiert.

In diese Situation kam bei der Sommersynode 2017 ein Antrag aus der Berleburger Kirchengemeinde: „Wir sehen mit großer Sorge auf die pastorale Versorgung im Kirchenkreis. Freiwerdende Pfarrstellen scheinen zunehmend schwerer zu besetzen. Einen Grund sehen wir in einem fehlenden strukturellen Plan für die pfarramtliche Versorgung und die gemeindlichen Strukturen. Wir sehen die vielfältigen kreiskirchlichen Aufgaben, die darüber hinaus bewältigt werden müssen. Dennoch halten wir nun eine zeitnahe Lösung der Strukturfragen für vorrangig, um diesen Kirchenkreis für Bewerbungen von außen attraktiv zu machen und um bei den anstehenden Pensionierungen und eventuellen Weggängen der nächsten Jahre gut aufgestellt zu sein. Von daher stellen wir den Antrag, Struktur- und Konzeptionsaufgaben im Kirchenkreis ab sofort mit höchster Priorität voranzubringen.“ Bei zwei Enthaltungen aus den Reihen des Kreissynodalvorstands (KSV) als Leitungsgremium des Kirchenkreises wurde das von der Synode vor einem Jahr so einstimmig beschlossen.

In einem Bericht zu ersten Überlegungen suchte der KSV bei der Herbstsynode Laien für den Ausschuss, der Anfang 2018 seine Arbeit aufnahm. Dazu gehören nun Helga Afflerbach, Monika Benfer, Laura Mengel, Simon Spies und Dr. Wolfgang Pollinger als nicht-ordinierte Mitglieder sowie die Pfarrer Stefan Berk, Kerstin Grünert, Claudia Latzel-Binder, Peter Liedtke und Silke van Doorn, die sich in drei ganztägigen Samstags-Sitzungen moderiert von zwei außenstehenden Prozess-Beratern Gedanken über die Aufgabe machten. Ausgangspunkt war dabei die Frage, mit welcher Form und Größe einer Kirchengemeinde die Herausforderungen der nächsten Jahre am besten gestaltet werden können. Jetzt bei der Synode stellten die Laaspherinnen Monika Benfer und Silke van Doorn grundlegende Überlegungen vor, die Unterlagen finden sich auf der Kirchenkreis-Homepage. Zugespitzt wurde die Frage am Ende in der Alternative zwischen Verbandsmodell und Großgemeinde.

Die zurückhaltende Reaktion von Martin Bock als Juristischem Dezernenten der Landeskirche für den Wittgensteiner Kirchenkreis: Weder der Verband mit seiner zusätzlichen verbindlichen Ebene noch die ungeliebte vereinigte Großgemeinde schienen ihm „zukunftsweisend“. Auf Silke van Doorns konkrete Nachfrage hin, was sich Bielefeld in den engen Grenzen der Kirchenordnung denn vorstellen könne, ermutigte der Mann vom Landeskirchenamt zum Über-die-Grenzen-Gucken und bot Unterstützung aus Bielefeld an, um nach weiteren Antworten auf die Ausgangsfrage zu suchen.

Der nächste Strukturausschuss tagt Ende August, nimmt die Anregungen auf und erarbeitet ein Ergebnis, das im Oktober auf einer ganztägigen Pfarrkonferenz vorgestellt wird, bevor die Presbyterien darüber nachdenken und die Herbstsynode darüber befindet. Dabei wurde deutlich, dass die vorhandene Regionalstruktur in nächster Zeit weiter Entlastung bringen kann, der Strukturausschuss aber wohl die Perspektive für eine viel weitere Zukunft aufzeigen muss - etwa, wie die in Erwägung gezogenen Solidarräume klarer gefasst und vor allem praktikabel ausgestaltet werden können.