• Delegation aus Wittgenstein zu Gast in Ngerengere

    • Fahren zwei Frauen ins Ausland, was bringen sie mit? Natürlich neue Kleider. Das ist wahr, das Foto beweist es. Aber gleichzeitig ist das nicht alles. Christine Liedtke und Carmen Schmidt berichteten voller Eindrücke von einem spannenden Aufenthalt in Ngerengere.
    • Die jungen Leute, die Frauen und die Männer, die miteinander unter der komplizierten Überschrift „Participatory Rural Appraisal“ darüber nachdachten, wodurch der Wittgensteiner Kirchenkreis die Geschwister in Ngerengere am sinnvollsten unterstützen kann.
    • Die Girkhäuser Pfarrerin Christine Liedtke und ihr Oberndorfer Kollege Oliver Lehnsdorf durften in der kleinen Kirche von Kwaba insgesamt 18 Kinder taufen.
    • Statt Geld gibt es in Ngerengere für die Kollekte auch schon mal Sachspenden, die nach dem Gottesdienst sofort versteigert werden, wie dieses Huhn in der kleinen Kirche von Kwaba.
    • Nach dem Gottesdienst in Kidunda, wo viele Behinderte leben, pflanzten Martin Ahlhaus und William Mitimingi dort unter anderem Zitronen-Bäume.

    Zwei Wochen lang war eine fünfköpfige Delegation für den Wittgensteiner Kirchenkreis in Afrika. Ihr Ziel: der Partnerkirchenkreis Ngerengere der Evangelical Lutheran Church in Tansania. Zum Team gehörten Martin Ahlhaus, Dirk Hillerkus, Oliver Lehnsdorf, Christine Liedtke und Carmen Schmidt. Zwei Auswärtige, drei von hier. Oder anders auseinanderdividiert: drei Pfarrer, zwei mit anderen Berufen. Oder nochmal ganz anders auseinanderdividiert: drei Männer, zwei Frauen. Dieser Bericht fußt auf den Erinnerungen der beiden Frauen, die eine Pfarrerin, die andere Mitarbeiterin beim Gesundheitsamt und einem heimischen ambulanten Pflegedienst, beide aus Girkhausen. Die drei Männer waren gerade nicht so einfach greifbar: Oberndorfs Pfarrer Oliver Lehnsdorf hat Urlaub, Martin Ahlhaus wohnt als zuständiger landeskirchlicher Regionalpfarrer für Südwestfalen und damit auch für Wittgenstein in Kierspe, Dirk Hillerkus hat seine Projektstelle für ökumenische Partnerschaften beim Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung der Evangelischen Kirche von Westfalen in Dortmund. Es gibt hier also eine weibliche Sicht der Dinge. Aber spielt das bei uns noch eine Rolle, ist die anders als die männliche?

    In Ngerengere liegen die Dinge zwischen Männern und Frauen noch ganz anders, Geschlechterrollen sind kaum überbrückbar, viel klarer getrennt. Auch aus diesem Grund war es dem Wittgensteiner Kirchenkreis von Anfang an ein Anliegen, mit seinem Schüler-Stipendien-Programm in erster Linie Mädchen zu unterstützen, um diesen einen Zugang zur Bildung zu ermöglichen. Das funktioniert theoretisch, auch wenn sich inzwischen eine im Vergleich mit früher größere Zahl von Jungen-Namen auf der Stipendiaten-Liste findet. Das funktionierte praktisch jetzt allerdings nicht so gut, als zum Treffen der Wittgensteiner Delegation mit dem dortigen Partnerschafts-Ausschuss bis auf eine Frau nur Männer aus Ngerengere gekommen waren. Während auf deutscher Seite im Ausschuss deutlich mehr Frauen als Männer arbeiten, ist es in Ngerengere genau umgekehrt. Und von den drei Frauen war nur eine da. Von einer weiteren erfuhr die deutsche Delegation über Umwege, dass diese nicht zum Treffen kommen konnte, weil sie in der Zeit für die deutschen Gäste Essen kochen musste. Ein Schlaglicht, das schon einiges aussagt. Aber noch mehr sagte es aus, dass die afrikanischen Männer darin aber gar kein Problem sehen konnten, als Christine Liedtke ihre Kritik daran äußerte.

    Männer und Frauen - genau das spielte bei einem Punkt, der breiten Raum im Programm einnahm, eine wichtige Rolle: ein Participatory-Rural-Appraisal-Workshop (siehe Stichwortkasten). Um sinnvollste Möglichkeiten zur Unterstützung der afrikanischen Geschwister zu suchen, fanden nach einer eintägigen Vorbereitung durch die deutschen Delegations-Teilnehmer, die Partner aus dem Kirchenkreis Ngerengere und die Suaheli-Englisch-Übersetzer zweitägig sehr offene, intensive Gespräche mit acht Männern, acht Frauen und acht jungen Leuten statt. In diesen Gruppen-Einteilungen oder im gemeinsamen Plenum wurde nachgedacht, geredet, diskutiert. Dabei kam heraus, dass für die Frauen die offenbar praktizierte Vielehe in Tansania ein unhaltbarer Zustand ist, während die Männer es beklagten, dass die Frauen zum Geldverdienen Bier brauten, denn der Alkohol in großen Mengen habe bei den Männern zerstörerische Auswirkungen. Ganz nebenbei hörten die Gäste, dass dort vor Ort viele Menschen im März und April täglich nur eine Mahlzeit haben, bei manchen ist das möglicherweise nur eine Tasse Tee. Auch wenn Vieles nicht bis ins letzte Detail geklärt wurde, waren die Deutschen sehr dankbar für diese tiefen Einblicke in den Alltag von Ngerengere. Pfarrerin Christine Liedtke, die schon vor vier Jahren zur Delegation gehörte, fand, das sei viel anders gewesen als damals. Außerdem sei William Mitimingi, seit zwei Jahren neuer Superintendent in Ngerengere, diesmal zehn Tage konzentriert dabei gewesen.

    Auch von den je acht Männern, Frauen und jungen Leuten mussten sich einige die zwei Tage für den Workshop komplett freinehmen. Carmen Schmidt, die zum ersten Mal Afrika besuchte, war begeistert von dem Eifer der Teilnehmer. Sie seien alle mit großem Engagement dabei gewesen. Und wenn auf dem Weg auch unterschiedliche Ideen aufblitzten, am Ende waren sich Männern, Frauen und junge Leute einig, dass Bildung für sie das Wichtigste sei. Da waren die seit Jahren laufenden Stipendien ein guter Schritt in die richtige Richtung. Aber passend dazu schaute sich die Wittgensteiner Delegation jetzt ein Trainings-Center für ökologische Landwirtschaft in Morogoro an. Als Ehefrau des Girkhäuser Presbyters, Försters und Bauern Steffen Schmidt war Carmen Schmidt, die zuhause auch mit Kühen, Schafen, Hühnern, zwei Pferden, einer Ziege, einem Hund und einer Katze zu tun hat, beeindruckt von den breitgefächerten Unterrichts-Themen zur Nachhaltigkeit im Trainings-Center: Wasser klären, Wasser speichern, effektives Bewässern, Vorratshaltung, das Halten von Bienen, Hühnern und neuerdings Kaninchen, die Heilkraft von Bäumen und Kräutern, Informationen über Pflanzen, die gut zusammen im Acker wachsen, die man zum Düngen oder auch als biologisches Schädlingsbekämpfungs-Mittel nutzen kann, die Verwendungsmöglichkeiten von Kuhfladen.

    Wieder in Deutschland und mit den Rückmeldungen der Partner aus Ngerengere im Kopf denkt jetzt der Unterausschuss „Partnerschaft Ngerengere“ über künftige Projekt-Unterstützungen nach. An dieser Stelle wird es sich auszahlen, dass mit dem Diplom-Agraringenieur Dirk Hillerkus ein Experte mit großer Afrika- Erfahrung zur Wittgensteiner Delegation gehört hat. Sein Fachwissen und Realitätssinn wird dem Kirchenkreis helfen, etwas nachhaltig Gutes mit den Partnern auf den Weg zu bringen. Ganz kurzfristig hat die Reise aber vielleicht auch schon etwas gebracht. Denn etwas Zeit haben die Wittgensteiner auch mit der Delegation des Siegener Nachbarkirchenkreises und deren Partner verbracht. Der Kirchenkreis Magharibi liegt ebenfalls in Tansania, ist aber reicher als das strukturschwache ländliche Ngerengere. Die Christen dort wollen überlegen, wie sie ihren Nachbarn in Ngerengere künftig möglicherweise helfen könnten.

    Anders hätte sich diese Geschichte wahrscheinlich auch nicht angehört, wenn die Männer vom Delegations-Besuch in Ngerengere erzählt hätten. Außer bei einer Kleinigkeit: In einem dicht gedrängten Programm mit vielen Gottesdiensten und noch mehr Begegnungen, dem gemeinsamen Singen mit einem Chor und dem Treffen mit den Schul-Stipendiaten, dem Besuch im Mikumi National Park und bei einer Massai-Gemeinschaft fanden Christine Liedtke und Carmen Schmidt Zeit für einen Besuch bei einer Schneiderin. Sie sind mit maßgeschneiderten Kleidern zurückgekommen.

    Wer mehr über den Delegations-Besuch wissen möchte, lädt die Wittgensteiner mal in seine Gruppen oder Kreise zum Berichten ein. Da hört man dann vielleicht auch, was der eigentlich unerschrockenen Carmen Schmidt in Ngerengere ziemlich viel Respekt einflößte und wie es für Oliver Lehnsdorf und Christine Liedtke war, als die Beiden in der kleinen Kirche von Kwaba insgesamt 18 Kinder taufen durften.

    Hier gibt es unter dem Datum vom 12. August das Angedacht zum Thema von Christine Liedtke.

    Vorbereitung Tansania-Besuch

    Tansania-Besuch

  • Stichwort: Tansania

    Tansania liegt in Ostafrika am Indischen Ozean, seine Nachbarländer sind Kenia, Uganda, Ruanda, Burundi, die Demokratische Republik Kongo, Sambia, Malawi und Mosambik. Auch wenn sich der Name wie aus einem Guss anhört, so ist er doch eine Kombination: aus der Gebietsbezeichnung „Tanganjika“, der Insel Sansibar und dem Wort „Azania“, das der römische Gelehrte Plinus der Ältere im ersten Jahrhundert benutzte. 1964 hat sich das Land passend zusammengepuzzelt, nachdem Tanganjika 1961 und Sansibar 1963 von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen worden waren.

    128 verschiedene Sprachen sprechen die knapp 48 Mio. Tansanier, die es hier heute gibt. Damit liegt das Land im Einwohner-Vergleich mit Europa zwischen Spanien und Italien, hat also etwas mehr Bewohner als Spanien und deutlich weniger als Italien. Tansanias Fläche beträgt 947.300 Quadratkilometer, ist demnach mehr als zweieinhalb so groß wie Deutschland. Die Hauptstadt heißt Dodoma, Regierungssitz und größte Stadt ist Daressalam mit rund 4,5 Mio. Einwohnern.

    Interessant ist, was das englischsprachige Wikipedia-Lexikon über das Land weiß: Religion sei sehr wichtig im tansanischen Leben, das sagten 93 Prozent der Tansanier. Eine Umfrage vor gut fünf Jahren habe ergeben, dass 60 Prozent der Befragten Christen, 36 Prozent Muslime und zwei Prozent Anhänger der traditionellen afrikanischen Religionen seien. Unter den Christen bezeichneten sich 51 Prozent als katholisch und 44 Prozent als protestantisch. Unter den Protestanten seien die Lutheraner die stärksten, ihnen folgen mit knappem Abstand Pfingstgemeinden und Anglikaner gleichauf.

    Stichwort: PRA

    … steht für Participatory Rural Appraisalist. Das ist Englisch und heißt auf Deutsch etwa: teilhabende ländliche Beurteilung. Diese Übersetzung hilft wenig, deshalb die weitere Erläuterung: Dabei handelt es sich um einen Ansatz von Nicht-Regierungs- und anderen Organisationen, die sich für eine internationale Entwicklung einsetzen und dabei das Wissen und die Meinungen der Menschen vor Ort in die Planung und das Management von Entwicklungsprojekten und -programmen einfließen lassen.

    Hier die PRA-Handreichung der Westfälischen Landeskirche

    Stichwort: Partnerschaftsausschuss

    Wer mehr wissen möchte über die Partnerschaftsarbeit des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein ganz allgemein oder über die die Patenschaften im Speziellen, holt sich im Berleburger Haus der Kirche an der Schloßstraße 25 ein Informations-Faltblatt oder lädt sich dieses hier herunter.

    Außerdem können sich Gemeindegruppen oder Schulen jederzeit an die Pfarrer wenden, die außer vielen Erlebnissen auch noch fast so viele Fotos von ihrem jüngsten Afrika-Aufenthalt mitgebracht haben und deshalb tiefe Einblicke in das Leben in Tansania geben können.

    Interessierte melden sich
    bei Oliver Lehnsdorf unter Tel. (02754) 212707 oder E-Mail an O.Lehnsdorf(at)gmx.de,
    bei Christine Liedtke unter Tel. (02758) 7209005 oder E-Mail christine(at)theodatus.de.

    Hier kann man auch erfahren, wann das nächste Treffen des Partnerschaftsausschusses im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein in Bad Berleburg stattfindet. Die Aktiven würden sich sehr über neue Mistreiter und frische Ideen freuen.